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Australien: Wellensittiche im natürlichen Lebensraum

Von Australien aus eroberten die kleinen Papageien mit ihrem leuchtendem Gefieder, ihrem fröhlichen Gezwitscher und vor allem ihrem munteren und zutraulichen Wesen die ganze Welt. Aber auch der frechste Wohnungswelli hat noch eine Menge von seinen wilden Verwandten in sich – ein guter Grund, auch einen Blick auf das Leben der Wellensittiche in freier Wildbahn zu werfen!

Verbreitung Wellensittiche in Australien
Verbreitungsgebiet der Wellensittiche in Australien

Als häufigste Papageienart Australiens sind sie vor allem an Wasserläufen und auf offenem Busch- oder Savannenland anzutreffen – Waldgebiete hingegen meiden die Sittiche. Obwohl die Tiere auch ohne zusätzliche Wasserzufuhr überleben können, schätzen sie die Nähe zu Frischwasser und ziehen weiter, wenn eine Wasserstelle austrocknet. Durch die zunehmende Viehwirtschaft konnten die kleinen Papageien dank künstlich angelegter Tränken ihren Lebensraum ausbauen. Am frühen Morgen trinken die Vögel gerne den Tau von Pflanzen oder nehmen im nassen Gras ein Bad – auch viele Hauswellis lieben es, in nassen Kräutern oder Salat zu baden.

Praktisch alle wild lebenden Wellensittiche sind in den so genannten „Wildfarben“ gefärbt – grün mit gelbem Gesicht und dunkelblauem Schwanz. Nur selten sieht man andere Gefiederfarben, da diese auffälligeren Tiere schnell Fressfeinden zum Opfer fallen.

In großen Schwärmen ziehen sie auf der Suche nach Nahrung umher, wobei die Vögel bis zu drei Stunden und etwa 100 km am Stück fliegen können – für längere Strecken reichen ihre Fettreserven nicht. Obwohl sich die Sittiche in großen Gruppen versammeln, sind sie meistens leiser als ihre domestizierten Verwandten: Bei der Nahrungsaufnahme sind die Vögel fast vollkommen still, nur beim Ausruhen (am liebsten in großen Eukalyptusbäumen) zwitschern sie leise vor sich hin. Futter finden die Sittiche fast ausschließlich am Boden, wo sie Körner verschiedener Gräserarten entspelzen. Während der Jungenaufzucht werden auch Insekten – als zusätzlicher Eiweißlieferant – nicht verschmäht.

Im zarten Alter von etwa 50 Tagen suchen die jungen Sittiche erste Kontakte zu Artgenossen, nach noch einmal derselben Zeit haben sich meistens schon dauerhafte Paare gebildet. Da es keinen festen Paarungsrhythmus gibt, pflegen die Sittiche das ganze Jahr über intensiv die Beziehung und beginnen das Brutgeschäft, sobald günstige Bedingungen dafür herrschen – nämlich, wenn über mindestens drei Monate hinweg ein üppiges Nahrungsangebot herrscht.
Das Männchen verwöhnt seine Angebetete mit demselben aufwändigen Imponiergehabe, Futtergaben und liebevollem Kraulen, das man von seinen Zimmerwellis kennt. Um seine Paarungsbereitschaft anzuzeigen, duckt sich das Weibchen flach auf den Ast, wobei es Kopf und Schwanz in die Höhe streckt und den Rücken krümmt. Das Männchen steigt auf ihren Rücken und legt während der Paarung meist den Flügel um seine Partnerin.

Auch bei der Brut sind die Sittiche gesellig: Viele Augen sehen mehr als zwei, und so ziehen die Paare dicht nebeneinander ihren Nachwuchs auf. In Baumhöhlen legt das Weibchen vier bis sechs, manchmal auch bis zu acht Eier, die vom ersten Tag an bebrütet werden. Falls die natürlichen Astlöcher nicht den Vorstellungen der Sittichdame entsprechen, hilft sie mit dem Schnabel nach und vergrößert ihre Nisthöhle – eine Fähigkeit, die auch so manchen Hennenbesitzer Nerven kostet, denn auch in Gefangenschaft nagen die Weibchen viel und äußert effizient. An Korkröhren, frischen Ästen oder unbedrucktem Papier können die Mädels sich auch im Wohnzimmer austoben.

Nach etwa 18 Tagen schlüpfen die Küken, während das Männchen die Henne mit Nahrungsbrei versorgt.
Die kleinen Wellis haben einen anstrengenden Schlupfvorgang vor sich, bei denen ihnen die Mutter behilflich ist, wenn es ihnen nicht von alleine gelingt, sich aus der Schale zu befreien. Nach einem guten Monat ist der Nachwuchs flügge und verlässt die Bruthöhle.

Ob die Paare ein Leben lang zusammenbleiben, ist bis heute nicht ganz geklärt – in Gefangenschaft finden regelmäßig „Seitensprünge“ statt, in der Natur ist aber durch die schwierigeren Bedingungen eine feste Beziehung möglicherweise wichtiger.

Über die Lebenserwartung von Sittichen im Freiland ist nichts bekannt. Sie dürfte aber niedriger liegen als die der Stubenvögel, die mit viel Glück bis zu 15 Jahre alt werden – fünf bis sieben Jahre sind aber ein realistischerer Wert. Viele wildlebende Wellensittiche fallen Greifvögeln wie Habichten, Sperbern und Falken zum Opfer.

Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, schätzten die Wellensittiche übrigens nicht als Hausgenossen, sondern als Nahrungsquelle: Ihren englischen Namen „budgerigar“ verdanken die Wellis angeblich einer Verballhornung des Aboridgine-Ausdrucks für „Gutes Essen“... Heute sind Wellensittiche vor allem für Touristen eine Attraktion, für Einheimische dürften die Sittiche kaum auffälliger sein als in Mitteleuropa Amseln oder Meisen.

LHa

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