Langfristige Behinderungen wie Flugunfähigkeit, Lähmungen oder
Gleichgewichtsstörungen erfordern eine spezielle Wohnraumgestaltung
für die betroffenen Wellensittiche.
Zu hohe Sitzplätze können zu schlimmen Verletzungen führen.
Bei einem Sturz kann der Wellensittich sich nicht durch das Fliegen abfangen,
sondern fällt ungebremst auf den Boden. Brüche, aber auch innere
Verletzungen, nicht selten mit Todesfolge, können dabei die Folge sein.
Äste oder Sitzstangen alleine reichen nicht aus. Besonders wenn der
Wellensittich schläft, kann er das Gleichgewicht verlieren und abstürzen.
Aber auch zu harte Sitzstangen sind gefährlich.
Bei einer Fußfehlstellung, Bewegungsmangel oder vorhandenen Gleichgewichtsstörungen
können die Wellensittiche nicht abwechselnd nur ein Bein nutzen; sie
sitzen meist auf beiden Füßen. Dadurch können Druckstellen
und Ballengeschwüre entstehen, die nicht nur schmerzhaft sind, sondern
auch zu einer Blutvergiftung führen können.
Flugunfähige Wellensittiche können unter Bewegungsmangel leiden,
was zu Verstopfungen und Übergewicht führen kann.
Normale Trinknäpfe bergen die Gefahr des Ertrinkens, besonders bei
Wellensittichen, deren Flügel gelähmt sind. Fallen sie mit dem
Kopf in das Wasser, können sie sich nicht von alleine befreien.
Eine weitere Gefahr sind andere Wellensittiche. Es kann passieren, dass
die "Flieger" einen "Fußgänger" diskriminieren,
ihn beispielsweise vom Futter verjagen, von Ästen schubsen oder in
schlimmen Fällen sogar attackieren, was den Tod des behinderten Sittichs
bedeuten kann.
Wenn man sich für die Haltung eines flugunfähigen Wellensittichs
entscheidet, sollte man außerdem bedenken, dass der Betreuungsaufwand
höher ist. Aber trotzdem, mit einigen Vorkehrungen und einer behindertengerechten
Einrichtung kann man sehr viel Spaß mit den "Fußgängern"
haben.
Der Käfig sollte eine Mindestbreite von 80 cm haben. Bei der Höhe ist darauf zu achten, dass der Wellensittich nicht zu hoch klettern kann. Es empfiehlt sich, an den Seitenwänden etwa in der Höhe von 25-30 cm, eine Kletterabsperrung aus Plexiglas oder Holz anzubringen. Die Verstrebung sollte eine Querverstrebung sein, dadurch wird dem Wellensittich das Klettern erleichtert. Manchen Wellensittichen fällt der Wechsel, vom Gitter auf die Stange, leichter wenn die Stangen im rechten Winkel angebracht sind.
Da der behinderte Wellensittich leichter herunterstürzen kann, sollte der Boden weich sein. Herkömmliche Einstreu, wie Sand oder Buchenholzgranulat, ist oft zu hart. Als Einstreu kann der Sand mit darüber liegendem Heu als Polsterung genutzt werden. Aber auch eine komplette Bodenpolsterung mit etwas in abwaschbaren Stoff eingeschlagenem Schaumstoff ist möglich. Der Stoff sollte auf keinen Fall Fäden ziehen und regelmäßig erneuert werden.
Im Käfig sollte alles erreichbar sein. Naturäste können
durch gepolsterte Sitzbretter und -stangen ergänzt werden. Außerdem
können Leitern oder eine spezielle Fußgängerrampe die Wege
des Wellensittichs erleichtern. Leitern haben manchmal den Nachteil, dass
der Wellensittich zwischen die Streben rutschen kann. Der Vorteil einer
selbstgebauten Fußgängerrampe liegt darin, dass die Länge
individuell ausgesucht werden kann. Die Fußgängerrampe sollte
aus einem Brett mit umwickeltem Seil bestehen. Bei der Wahl des Seils sollte
darauf geachtet werden, dass es keine Fäden zieht.
Aber auch im Zoofachhandel gibt es, besonders im Nagerbereich, gutes Zubehör.
Auf eine Bademöglichkeit und Wassernäpfe sollte verzichtet werden,
da der behinderte Wellensittich darin ertrinken kann. Eine bessere Lösung
ist das Anbieten einer Duschmöglichkeit, beispielsweise in Form einer
Blumenspritze. Als Wasserspender eignen sich Trinkröhren.
Auch das Futter sollte nicht in einem zu tiefen Futternapf gereicht werden,
sondern auf flachen Gefäßen beispielsweiße einem Teller.
Herkömmliches Spielzeug wie Astrollen, Gitterbälle oder Kunststoffspielringe
sind unbedenklich. Allerdings sollte auf eine Schaukel oder zu wackelige
Sitzgelegenheiten verzichtet werden. Gut geeignet ist Korkrinde. Sie kann
als Sitzplatz genutzt werden und ist besonders bei den weiblichen Wellensittichen
zum zerschreddern beliebt.
Auch der behinderte Wellensittich möchte nicht nur im Käfig sitzen,
sondern seine Umgebung erkunden. Der Käfig sollte nicht zu hoch stehen,
die Umgebung um den Käfig sollte ebenfalls gepolstert sein, damit es
bei einem Sturz vom Käfig nicht zu Verletzungen kommen kann.
Gut geeignet ist eine Plattform, welche mit etwa 10 cm hohem Plexiglas oder
Holz umrandet ist, auf der der Käfig steht. Auf dieser Plattform sollten
Sitz-und Spielmöglichkeiten vorhanden sein. Ein selbstgebauter, nicht
zu hoher, Vogelbaum oder ein Spielplatz aus dem Handel sind sehr einladend.
Der Käfigeingang sollte gut erreichbar sein, damit der Wellensittich
ohne Probleme und aus eigener Kraft wieder in den Käfig zurück
kommt.
Zusätzlich zu den bekannten Gefahrenquellen (eventuell Link zu den
Gefahrenquellen) sollte bei einem "Freigang" auf dem Fußboden
darauf geachtet werden, dass der Wellensittich nicht versehentlich unter
die Füße eines Federlosen gerät.
Ein behinderter Wellensittich kann für andere Erkrankungen, wie z.B. eine Erkältung, anfälliger sein. Der Wellensittich sollte deshalb bei einer Außenhaltung nicht im Windzug stehen und nicht zu kalten Temperaturen ausgesetzt werden. Auch in der Haltung in der Außenvoliere ist es wichtig, dem Wellensittich nicht zu hohe Klettermöglichkeiten zu ermöglichen. Das Schutzhaus sollte mehrere Eingänge besitzen. Für die "Flieger" im oberen Bereich und für die "Fußgänger" am Boden, damit er nicht zu hoch klettern muss. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Wellensittich gut erreichbar untergebracht und gut zu sehen ist, damit Veränderungen sofort erkannt werden können.
Auch ein behinderter Wellensittich möchte nicht ohne gleichartigen Partner leben, deshalb auch hier ein klares Nein zur Einzelhaltung!
DKe