Leidet ein Wellensittich unter Durchfall, handelt es sich
hierbei nicht um eine Krankheit als solche, sondern immer um ein
Symptom einer Erkrankung. Da es viele verschiedene Auslöser
gibt, deren Behandlung sich oft stark von einander unterscheidet,
muss zur Abklärung der Ursache dringend ein vogelkundiger
Tierarzt aufgesucht werden.
Aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels führt ein anhaltender
Durchfall sehr schnell zu einer Schwächung des Wellensittichs,
die ohne entsprechende Behandlung zum Tod des Tieres führen
kann.
Ein gesunder Wellensittich scheidet jeden Tag etwa alle 15-30 Minuten ein Häufchen aus, das sowohl aus einem Kot- als auch einem Urinanteil besteht. Der Kotanteil ist fest, dunkel gefärbt und umschließt den weißen Urinanteil. Ein normaler Kothaufen ist rundlich geformt, klar abgegrenzt und verläuft nicht. Er trocknet schnell und ist darüber hinaus geruchsneutral.
Im Laufe des Tages setzt ein gesunder Wellensittich an seinen
bevorzugten Sitzplätzen Kot ab, so dass sich dieser auf
verschiedene Orte verteilt. Nachts dagegen konzentriert sich der
Kot auf einen Platz, nämlich unter dem Schlafplatz des
Vogels.
Ist die Verteilung anders herum, findet man also die Häufchen
vom Tage auf engem Raum, deutet das auf vermehrte Ruhepausen des
Wellensittichs hin, die mit einer beginnenden Krankheit einhergehen
können. Ist der abgesetzte Kot der Nacht über eine
größere Fläche als üblich verteilt, ist
anzunehmen, dass der Vogel unruhig schläft, was etwa durch
einen Parasitenbefall hervorgerufen werden kann.
Da Wellensittiche Kot und Urin zusammen in einem Häufchen absetzen, ist immer zu unterscheiden, welcher Anteil Veränderungen aufzeigt.
Durchfall durch Stress Vor allem bei Neuzugängen ist
oft zu beobachten, dass die Wellensittiche in den ersten Stunden
nach ihrer Ankunft im neuen Zuhause unter Durchfall leiden. Dies
ist auf die Stresssituation zurückzuführen, in der sich
die Tiere befinden. Hat sich der Kot nach ein paar Stunden wieder
normalisiert, besteht kein Grund zur Besorgnis. Ist das nicht der
Fall, ist das betroffene Tier alsbald einem vogelkundigen Tierarzt
vorzustellen. Darüber hinaus ist ein Einganscheck bei neuen
Wellensittichen immer anzuraten.
Auch andere Situationen können zu Stress führen, so auch
bei alteingesessenen Vögeln im Schwarm, wenn ein neuer
hinzukommt, Veränderungen im oder am Käfig etc. Auch hier
sollte sich der Kot innerhalb von einigen Stunden normalisiert
haben, ansonsten ist der Ursache durch den Tierarzt auf den Grund
zu gehen.
Viele Wellensittich-Liebhaber freut es, wenn ihre Tiere so
zutraulich sind, dass sie beim Essen mit am Tisch sitzen und geben
ihren Vögeln dann nicht selten etwas von ihrem eigenen Essen
ab. Allerdings ist die meiste für Menschen gedachte Nahrung
für Wellensittiche ungesund und kann zu verschiedenen
Erkrankungen, darunter auch Durchfall, führen.
Wem seine Tiere wirklich am Herzen liegen, verzichtet auf das
Füttern solch ungesunder Dinge und beschränkt sich auf
das Wenige, was den
Vögeln nicht schadet.
Nimmt ein Wellensittich eine große Menge wasserhaltige Frischkost zu sich oder trinkt sehr viel, scheidet er im Nachhinein auch eine größere Menge an Flüssigkeit aus. Dies geschieht über den Urinanteil, sodass der Kot als solches weiterhin seine normale Konsistenz und Farbe behält. Der helle Teil wird dagegen flüssiger und kann auch verlaufen. Sofern sich dieser Zustand innerhalb von 2-3 Stunden wieder normalisiert, besteht kein Grund zur Sorge.
Normalgeformte Kotbällchen im Gefieder der Kloake Hierunter leiden vor allem Standard- und Halbstandard-Wellensittiche:
Der Vogel zeigt keinerlei Krankheitsanzeichen, der Kot ist normal
und nicht auffällig und dennoch bleiben Kotbällchen im
Gefieder rund um die Kloake hängen.
Die Ursache hierfür liegt im zu stark ausgeprägten
Buffgefieder dieser Zuchtformen, die Federn stehen zu eng und sind
zu dicht, als dass ein Kotbällchen normal herunter fallen
könnte. Abhilfe schafft hier das Zurückschneiden der
Federn. Dies sollte man sich allerdings immer erst vom
vogelkundigen Tierarzt zeigen lassen, um den Vogel nicht zu
verletzen. Außerdem kann das kundige Auge so gleich noch
ausschließen, dass nicht doch eine Erkrankung vorliegt.
Setzt ein Wellensittich über einen längeren Zeitraum und unabhängig von vorangegangenem Frischkostgenuss Häufchen mit einem flüssigen Urinanteil ab, kann etwa eine Störung der Nierenfunktion vorliegen. Die Ursache für eine solche Veränderung muss dringend vom vogelkundigen Tierarzt abgeklärt werden.
Zu weicher Kotanteil Hat der Kotanteil seine feste Konsistenz verloren und ist weich
und breiig oder klebrig und zähflüssig, liegt ein
Durchfall im eigentlichen Sinne vor. Fast alle Wellensittiche, die
unter Durchfall leiden, haben eine mit Kot verschmierte
Kloake.
Die Ursachen hierfür können vielfältig sein und
reichen von Infektionen mit Bakterien oder Viren bis hin zu einem
Befall mit Pilzen oder Parasiten (z.B. Giardien oder
Trichomonaden. Es ist eine rasche
Untersuchung durch den vogelkundigen Tierarzt notwendig, um schnell
eine entsprechende Behandlung einleiten zu können.
Hierfür muss neben der Überprüfung des
Allgemeinzustandes und der Suche nach weiteren Symptomen, die die
Ursache eingrenzen können, eine Kotprobe untersucht werden. Es
bietet sich an, schon vorab Kotproben zu sammeln. Dafür kann
einfach ein Stück Klarsichtfolie unter den Sitzplatz des
erkrankten Vogels gelegt werden - so ist die Probe nicht durch Sand
oder andere Einstreu verschmutzt und Flüssigkeit wird nicht
(wie etwa bei Küchenkrepp) aufgesaugt. Inwiefern es sinnvoll
ist, eine Sammelkotprobe mitzubringen, sollte mit dem vogelkundigen
Tierarzt abgesprochen werden.
Mitunter ist das Züchten von Kulturen auf der Probe
nötig, um etwa bei einer bakteriellen Infektion ein wirksames
Antibiotikum für die Behandlung zu finden.
Der Kot eines Wellensittichs kann sich etwa nach dem Genuss von
Rote Beete, Karotten, eingefärbtem Vogelsand oder
Ähnlichem zeitweilig verfärben. Normalisiert sich die
Farbe innerhalb von 2-3 Stunden nach dem Verzehr, besteht kein
Grund zur Sorge.
Ist das nicht der Fall, liegen Verfärbungen ins Grünliche
oder Gelbliche vor und ist außerdem die Konsistenz des Kots
verändert, muss dringend ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht
werden.
Auch Beimengungen im Kot können auftreten: Unverdaute
Nahrungsreste zeigen an, dass der Verdauungstrakt die Nahrung nicht
adäquat aufnehmen und verwerten kann. Ursache hierfür
kann etwa eine Erkrankung wie Megabakteriose sein.
Ein rasches Abklären ist notwendig, da die nur unzureichend verdaute
Nahrung schnell zu Mangelerscheinungen bis hin zum Verhungern
führen kann.
Bei einem Befall durch Würmer können diese sowohl im
ausgewachsenen Zustand wie auch deren Eier über den Kot
ausgeschieden werden. Auch hier ist ein rasches Handeln
vonnöten.
Ist der Kot mit Blut versetzt, sind das Anzeichen für eine
Vergiftung, innere Blutungen oder tumoröse Veränderungen
des Verdauungsapparates. Hier ist schnellstmöglich ein
vogelkundiger Tierarzt aufzusuchen.
Ist die Kloakengegend eines Wellensittichs aufgrund von
Durchfall verklebt, müssen diese Ablagerungen
regelmäßig entfernt werden. Macht man dies nicht, kann
sich eine festsitzende Schicht bilden, die den Vogel am weiteren
Absetzen von Kot hindert und zu einem Kloakenverschluss
führt.
Die Reinigung sollte mit warmen Wasser (35-40°C) erfolgen. Mit
einem weichen Tuch wird etwas von dem Wasser aufgesogen und damit
die kotverkrusteten Stellen angefeuchtet. Ist der Kot eingeweicht,
kann er mit einem weiteren Tuch vorsichtig entfernt werden.
Das reine Entfernen ohne medizinische Behandlung der Ursache reicht
nicht aus! Es ist immer nur eine begleitende Maßnahme.
Oft gilt Vogelkohle bei Durchfallerkrankungen als gutes Heilmittel. Wird sie dem Vogel verabreicht, nimmt sie überschüssige Flüssigkeit, aber auch Nährstoffe (die das Tier dringend braucht) auf, wodurch das Symptom Durchfall vorerst verschwindet. Bei Heilerde verhält es sich ähnlich, diese entzieht dem Nahrungsbrei allerdings nur die Flüssigkeit, Nährstoffe bleiben vorhanden. Die Ursache für den Durchfall ist aber in beiden Fällen nicht behoben, sondern nur das Symptom vorübergehend verschwunden! Es handelt sich hier also nicht um eine ausreichende Gegenmaßnahme und erspart in keinem Fall den Gang zum vogelkundigen Tierarzt.
Veränderungen des Kots von Wellensittichen sollten immer
genau beobachtet und ernst genommen werden, damit ein schnelles
Eingreifen möglich ist. Leidet ein Tier zu lange unter
Durchfall, ist sein (durch die Ursache ohnehin schon
geschwächter) Körper nicht mehr in der Lage, ausreichend
Nährstoffe und Energie aus der Nahrung aufzunehmen. Der
Wellensittich wird zunehmend schwächer und stirbt ohne eine
Behandlung.
Eigenmächtige Behandlungen sind nicht möglich, da die
Auslöser viel zu verschieden sind, als dass man eine
"zufällige" Behandlung auf gut Glück in Eigenregie
verantworten könnte. So gehört ein erkrankter Vogel immer
alsbald einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt, denn nur dieser
verfügt über die Methoden, die Ursache zu finden und
entsprechend zu behandeln.
BLu