Ursprünglich hatten wir gar nicht geplant, gleich einen
ganzen Wellensittich-Schwarm bei uns zu beherbergen, denn
eigentlich sollte es nur ein Pärchen werden.
Dieses zog auch zu Beginn von 2008 bei uns ein.
Schnell stellte sich heraus, dass die Beiden sich zwar durchaus gut
verstanden, aber sehr unterschiedliche Charaktere hatten. Der
extrem aktive Tristan war mit seiner eher zurückhaltenden Mika
so unterfordert, dass er sich angewöhnte, seine
überschüssige Energie durch stundenlanges, anhaltendes
Kreischen loszuwerden.
Da das weder ein Zustand für die Zwei noch für uns war, wurde nach reiflichen Überlegungen aufgestockt. Und damit ging es los. Erst wurden es drei, doch schnell merkten wir, dass das eine recht ungünstige Zahl ist, also folgte Nummer Vier. Bei sechs sollte dann wirklich Schluss sein, zu Spitzenzeiten zählte unser Schwärmchen dann allerdings dennoch zwölf hungrige Schnäbel…
Mit jedem Wellensittich, der im Laufe der Zeit dazu kam, konnten
wir beobachten wie das Schwarmgefühl der Vögel immer
stärker wurde. Immer ist jemand da, mit dem man zusammen
fliegen und Schabernack treiben kann, der einen krault oder leise
erzählt. Langweilig wird es so also nie und die allgemeine
Aktivität ist im Vergleich zur Anfangszeit deutlich
gestiegen.
Und das Schöne für uns: Wir müssen kein schlechtes
Gewissen haben, wenn wir tagsüber nicht da sind und einmal
wenig Zeit haben, uns mit den Tieren zu beschäftigen. Denn sie
haben sich.
Wellensittiche brauchen Artgenossen. Wer sonst kann sie so schön am Köpfchen kraulen?
Zum Glück lebte sich jeder einzelne Welli bei uns gut ein
und fand sich, nach kürzerer oder längerer Zeit und je
nach Charakter, gut in seinem neuen Zuhause zurecht. Dabei gab es
aufgeschlossene Vögel wie etwa Miguel und Kevin-Marcel, die
innerhalb von nur einigen Sekunden nach Ankunft im Wohnzimmer schon
Teil des Ganzen waren, aber auch sehr schüchterne, wie unser
Grisu oder die gelbe Keke, die Monate brauchten, um richtigen
Anschluss zu finden.
Jeder Einzelne ist eine kleine Persönlichkeit und ich finde es
immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Charaktere bei
diesen kleinen Vögeln sein können.
Mit dem Aufstocken ist natürlich nicht nur mehr Leben in die Bude gekommen, es wurde logischer Weise von allem mehr: Mehr Schmutz, mehr Lärm, mehr Tierarztbesuche. Das haben wir aber von Anfang an eingeplant und diese Punkte sollten unter keinen Umständen außer Acht gelassen werden.
Telefonieren ist z.B. seit dem es sechs sind im Wohnzimmer nur
noch in den Abendstunden möglich, wenn das Schwärmchen
schläft, denn sonst heißt es vom anderen Ende der
Leitung immer: „Geh mal woanders hin, die sind sooooo laut,
ich verstehe kein Wort.“ (Kann ich gar nicht nachvollziehen,
denn sooooo laut sind sie nun auch wieder nicht … nur in
Ausnahmefällen.)
Fernsehen funktioniert tagsüber nur mit Funkkopfhörern
oder Untertitel. Wenn gemausert wird, müsste man eigentlich
zweimal die Stunde saugen, um aller herumfliegenden Federn Herr zu
werden und die Komplettreinigung der Voliere (also nicht nur
Einstreu wechseln, sondern alle Gitter, Äste und Spielzeuge
gründlich reinigen) steht nun auch nicht mehr nur einmal im
Monat, sondern allwöchentlich an.
Auch der Futterverbrauch ist natürlich deutlich gestiegen und
leicht lässt sich ausrechnen, wie lange bei momentan elf
Vögeln und etwa 10 Gramm Futter am Tag pro Schnabel eine 1
Kilo Packung Körnermischung hält. In unserem
Tiefkühler haben wir unlängst ein Fach frei geräumt,
um dort Futter auf Vorrat zu lagern.
Gemeinsam schmeckt es gleich doppelt so lecker!
Rechnet man alle Tierarztbesuche zusammen – Eingangschecks,
Untersuchungen im Krankheitsfall, Nachkontrollen, Medikamente,
Sonstiges – dann haben wir bestimmt schon einen vierstelligen
Betrag erreicht. Kosten, die meist unerwartet anfallen, oft
höher sind als gedacht, aber dennoch getragen werden
müssen, um den Wellensittichen ein möglichst gutes Leben
ermöglichen zu können. Für solche Fälle haben
wir ein Sparschwein, in das immer mal wieder etwas Geld gesteckt
wird, so dass für den Notfall ein Budget da ist.
Außerdem haben wir bei unserer vkTä schon angefragt, ob
wir im Ernstfall die Rechnung auch in Raten abstottern
können.
Der Zeitaufwand, den man mit den Tierarztbesuchen an sich wie auch
der Nachsorge zu Hause hat, sollte auch nicht unterschätzt
werden. Ich werde z.B. nicht so schnell vergessen, wie wir dreimal
im Abstand von je einer Woche acht Wellensittiche gegen Milben
behandeln mussten: Acht Vögel nacheinander einfangen, Mittel
aufträufeln und dabei nicht durcheinander kommen, wer sein
Antiparasitikum schon bekommen hat und wer nicht. Das erste Mal
haben wir fast zwei Stunden gebraucht, bis alle
‚versorgt’ waren. Mit der richtigen Strategie ging es
beim nächsten Anlauf dann schon schneller.
Wenigstens an der Urlaubsbetreuung hat sich für uns zum
Glück nichts geändert, denn ob nun zwei Wellensittiche
oder zwölf jeden Tag zu versorgen sind, war unseren lieben
Helfern erstaunlicher Weise bisher egal. Das funktioniert aber wohl
auch nur so gut, weil sie hier Zuhause betreut werden und nicht bei
jemand Anderem vor Ort. Denn es macht natürlich schon einen
großen Unterschied, ob ein Paar durchs fremde Wohnzimmer
fliegt oder plötzlich ein ganzer Schwarm.
In jedem Fall ist es wichtig, jemand Verlässliches zu haben,
der diese Aufgabe übernimmt. Wir haben auch schon, wenn ein
Kurzurlaub auf einen ‚ungünstigen’ Termin fiel und
niemand da war, der die Betreuung hätte übernehmen
können, zurückgesteckt und sind Zuhause geblieben bzw.
haben das Vorhaben verschoben.
Ach ja, Allen, die da meinen, dass Wellensittiche, die in einem Schwarm leben, den Bezug zum Menschen verlieren (oder gar nicht erst haben), sei gesagt: Nein, das ist nicht wahr. Unsere Vögel beschäftigen sich hauptsächlich untereinander, aber dennoch kommen fast alle von ihnen zu uns auf die Hand. Es ist keine Frage der Anzahl der Tiere, sondern eine Frage des Auftretens von uns Federlosen. Es braucht einfach Ruhe und Geduld, um den Wellensittichen zu zeigen, dass man ihnen nichts Böses will.
Miguel und Ella haben Vertrauen zu uns aufgebaut und kommen gern für Kolbenhirse auf die Schulter.
Ich kann nur sagen: Wenn die Möglichkeiten bestehen –
genug Platz vorhanden ist, man den höheren Zeitaufwand
für Reinigung und Tierarzt in Kauf nehmen und die Mehrkosten
bei Futter und im Krankheitsfall tragen kann – dann ist die
Schwarmhaltung von Wellensittichen sicher nicht nur für die
Tiere selbst eine Bereicherung.
Ich möchte unser Schwärmchen jedenfalls nicht mehr
missen, denn es gibt jeden Tag neue spannende Dinge zu beobachten:
Liebe, Freundschaft, Eifersucht, Neid … wer braucht da noch
Fernsehen?!
BLu