Auf die Frage, ob der Wellensittich nun männlich oder weiblich sein sollte, wollen wir hier gar nicht eingehen, denn diese Frage ist falsch gestellt. Sie muss lauten:
Prinzipiell lässt sich diese Frage einfach und schnell beantworten: Wer die Wahl hat, sollte sich für ein echtes Pärchen, also ein Männchen und ein Weibchen entscheiden. Diese Konstellation ist einfach natürlicher. Angst vor Nachwuchs muss nicht sein; man kann eine Brut relativ einfach verhindern.
Zwei Männchen verstehen sich aber in aller Regel auch sehr gut. Meistens entwickeln sich bei diesen Partnerschaften dicke Freundschaften, bei denen nicht selten einer der Hähne die Rolle des Weibchens übernimmt und sich füttern lässt.
Bei der Haltung zweier Weibchen hingegen ist Vorsicht angesagt: Lernen sich die beiden schon im Nestlingsalter kennen, kann es gutgehen. Meistens jedoch entstehen zwischen zwei Hennen keine wirklichen Freundschaften. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Feindschaft, die sich in Zetern und Beißattacken äußert. Wer zwei solche Zicken zuhause hat, tut gut daran, sich an den Gedanken zu gewöhnen, zusätzlich zwei Hähne anzuschaffen. Dies bringt meistens wieder Entspannung in die Sache, und man darf mit einer zufriedenen Vierergruppe rechnen.
Wer sich gern nestjunge Wellensittiche zulegen möchte, muss dabei einkalkulieren,
dass er statt des geplanten echten Pärchens zwei Hennen oder zwei Hähne
erwischt. Wie im Kapitel Geschlechtsbestimmung
beschrieben, ist es bei sehr jungen Wellensittichen mitunter sehr schwierig,
das Geschlecht zweifelsfrei zu erkennen. Wer im "Nasenwachshaut-Ablesen"
also noch sehr ungeübt ist, sollte jemanden mitnehmen, der sich auskennt.
Auf das Urteil von Zoofachverkäufern und manchen Züchtern ist nicht
immer Verlass!
Eine weitere Möglichkeit ist, sich für einen sehr "sicheren"
Kandidaten zu entscheiden, also ein junges Hähnchen mit kräftig
rosafarbener Wachshaut. Möglicherweise kehrt man dann mit zwei Männchen
heim, aber das ist, wie gesagt, eine glücklichere Kombination als zwei
Weibchen.
Wer ganz sicher sein möchte, nimmt von vornherein ältere Tiere. In Kleinanzeigen und Internetforen warten unzählige Wellensittiche auf eine zweite Chance bei neuen Futtergebern. Jedes Küken wird einmal erwachsen - warum also nicht gleich erwachsene Tiere aufnehmen?
Wer schon Wellensittiche hat und weitere hinzugesellen möchte, sollte darauf achten, Männchen und Weibchen in gleicher Anzahl zu halten. Ein Überschuss an Hähnen funktioniert in aller Regel auch sehr gut. Mehr Weibchen als Männchen zu halten führt oft zu Eifersuchtsdramen.
Eine gerade Anzahl an Wellensittichen, also zwei, vier, sechs u.s.w. gibt jedem Welli die Möglichkeit, einen Partner zu finden. Mit steigender Zahl verringert sich die Problematik der "Übriggebliebenen". Bei drei Wellensittichen schaut oft einer in die Röhre, während die anderen beiden zueinander gefunden haben. Bei sieben oder neun ist es meistens so, dass ohnehin ein paar Singles dabei sind und untereinander in den interessantesten Konstellationen Freundschaft schließen.
SHe