Im Leben eines jeden Welli-Halters kommt einmal die Situation, dass ein
Wellensittich verstirbt und einen trauernden Partner zurücklässt.
Für diesen Wellensittich wäre die Einzelhaltung die reinste Quälerei.
Der Halter steht dann vor der Wahl. Entweder sucht er dem verbleibenden Wellensittich
ein neues zu Hause, oder er setzt einen neuen Partner dazu.
Wie sich die beiden Wellis am besten aneinander gewöhnen und worauf man
als Halter achten sollte, soll dieser Artikel veranschaulichen.
Ist tatsächlich ein verstorbener Wellensittich der Grund der neuen Partnersuche,
so ist als allererstes abzuklären ob der verstorbene Wellensittich etwas
Ansteckendes gehabt haben könnte. Ein Kontrollbesuch bei einem vogelkundigen
Tierarzt ist deswegen in meinen Augen unumgänglich. Ist der Befund negativ,
steht dem Einzug des Neulings fast nichts mehr im Weg.
Auch der Neuling sollte von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden.
Egal woher, man kann in die Kleinen nicht reingucken und Krankheiten werden
von ihnen möglichst lange verheimlicht. Ein Vogel kann noch so gut aussehen,
ob er Trichos, Räudemilben oder andere "nette Untermieter"
hat, kann nur der Tierarzt herausfinden. Solange die Untersuchungsergebnisse
des Tierarztes nicht da sind, muss eine räumliche Trennung der Tiere
eingehalten werden. Manche Erreger übertragen sich durch die Luft, und
wer schon jemals zwei nacheinander rufende Wellis erlebt hat (und das können
die stundenlang betreiben), wird freiwillig die räumliche Trennung einhalten.
Der ersehnte Tag ist da, der Tierarzt gibt sein "Okay", die Tiere
können zusammen. Wie geht man jetzt am besten vor? Logischerweise sind
ja zwei Käfige vorhanden, sonst hätte man die Tiere ja nicht trennen
können (für etwaige Krankenaufenthalte ist ein 2. Käfig nie
verkehrt). Am besten stellt man die Käfige nebeneinander, so können
sich die Wellis schon mal "beschnuppern". Wie man sich dann weiter
verhält, darüber scheiden sich die Geister und ist auch von den
Wellensittichen an sich abhängig. Ich habe es immer so gehandhabt, das
ich meinen alten Wellis Freiflug gewährt habe und beobachtet habe, wie
die Vögel miteinander umgingen. War gegenseitiges Interesse da, habe
ich kurzerhand den Käfig des Neulings geöffnet (dass das Zimmer
vogelsicher ist, versteht sich von selber). Der alteingesessene Vogel hat
dem Neuling immer gezeigt wo es lang ging. Wo er das offene Türchen fand,
wo der Spielplatz ist, wie lecker Hirse ist usw. Der Newbie hat sich so stark
an dem Oldie orientiert, das sie abends in der Regel zusammen im gleichen
Käfig saßen, sich den Bauch vollgeschlagen haben und fortan gemeinsam
das Zimmer unsicher gemacht haben.
Es gibt aber auch Fälle, wo das Aufeinandertreffen etwas reservierter
von statten ging. Da habe ich dann mit dem Freiflug des Newbies gewartet,
so dass er vom Käfig aus das Zimmer kennen lernen konnte. Spätestens
nach einer Woche aber wurde auch in diesem Fall der Käfig geöffnet.
Den Rest haben dann die Wellis selber ausgemacht. Einfach abwarten, wie der
Newbie sich verhält. Fliegt er mit dem anderen, super! Fliegt er nicht,
sondern bleibt im Käfig sitzen, nicht rausscheuchen sondern Geduld haben.
Das wird schon. Bisher hat noch jeder Newbie die Gesellschaft der Einsamkeit
vorgezogen. Den zweiten Käfig sollte man solange stehen lassen, bis es
sich der Newbie bei dem Oldie im Käfig so gemütlich gemacht hat.
Wellensittiche sind nun mal gesellige Tiere, das macht die Vergesellschaftung
recht einfach. Es kann schief gehen, aber das ist wirklich sehr selten und
sollte niemanden von der Anschaffung eines neuen Partners abhalten.
Ach ja, ist der Oldie eine Henne kann es vorkommen das sie ihr Revier gegen den Hahn verteidigt. In diesem Fall kann ein umdekorieren des Käfigs oder auch ein ganz neuer Käfig helfen. Die Henne "verliert" ihr Revier und bezieht zusammen mit dem neuen Hahn ein anderes Revier.
Beachtet man all diese Vorschläge/Anregungen, dann steht einer erneuten erfolgreichen Vergesellschaftung sicherlich nichts mehr im Wege.
ULa