Der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus) gehört zu der Ordnung der Papageienvögel. Lange Zeit war es unter den Ornithologen strittig, ob er den Sittichen oder den Kakadus zuzurechnen ist. Inzwischen steht fest, dass er eine Unterart des Kakadus ist, wird aber aufgrund seiner Unterschiede zu diesen als eigene Gattung behandelt.
Der oben genannte lateinische Name ist erst seit 1832 gebräuchlich. Zunächst wurde er „Kakadusittich“ genannt – mit der lateinischen Bezeichung Nymphicus novae-hollandiae. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die ersten Entdecker Australiens, Niederländer, den Kontinent „Neu-Holland“ nannten. Später wurde, wie bereits erwähnt, der Nymphensittich als Unterart der Kakadus eingeordnet; es besteht enge Verwandtschaft sowohl mit den Plattschweifsittichen als auch mit Rosakakadus, Helmkakadus sowie den Rabenkakadus.
Der wilde Nymphensittich ist grau - die Hähne haben eine
gelbe Maske mit stark ausgeprägten roten Wangenflecken; die
Hennen dagegen haben auch einen grauen Kopf und die Wangenflecken
sind eher schwach. Bei der Wildform lassen sich die Geschlechter
auch bei älteren Tieren am leichtesten unterscheiden.
Nymphensittiche leben - wie Wellensittiche - in der Grassteppe im Inneren Australiens. Wie diese ziehen sie wie Nomaden durch das Land auf der Suche nach Wasserstellen und Brutplätzen. Dabei teilen sie auch durchaus die geeigneten Bäume mit den Wellensittichen, um ihre Nachkommen aufzuziehen. Die Brut hängt von der Niederschlagsmenge und dem damit verbundenen – üppigen – Nahrungsangebot zusammen (Grassamen, Kerne, Beeren). Es ist durchaus möglich, dass wildlebende Nymphensittichpaare zwei- bis dreimal im Jahr erfolgreich brüten.
Die Bruthöhlen befinden sich meist in Wassernähe; bevorzugt sind Eukalyptusbäume. Die Eier werden, wie bei den Wellensittichen, im Abstand von zwei Tagen gelegt und die Brutdauer beträgt ca. 18 bis 21 Tage. Aussergewöhnlich bei den Nymphensittichen ist, dass bei ihnen auch die Väter brüten – meist wird die Arbeit so aufgeteilt, dass die Mütter nachts und die Väter tagsüber brüten. Übrigens ist bei wilden Nymphensittichen das partnerschaftliche Füttern eher selten; in der Haltung zuhause jedoch wird es oft beobachtet.
Die Küken schlüpfen blind; am 10. Lebenstag öffnen sich die Augen. Das Nest verlassen sie mit ca. vier Wochen; komplett selbständig sind sie mit acht bis zehn Wochen. Die Geschlechtsreife tritt mit ca. acht bis zwölf Monaten ein.
Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Nymphensittiche auf dem Schiffsweg nach Europa. Da die Vögel sehr anpassungsfähig sind, was Klima und Nahrungsangebot betrifft, gelang es auch bald, in Gefangenschaft Nachzuchten aufzuziehen.
Natürlich waren auch hier „Genetikexperten“ am Werk, so dass es mit der Zeit gelang, verschiedene Farbschläge zu erzielen. Um nur einige zu nennen, gibt es inzwischen Albinos/Lutinos, Weißkopfschecken, Schecken und Geperlte. Bei den geperlten Sittichen ist es – außer bei der Wildform – als einziger Farbschlag übrigens möglich, erwachsene Hähne von Hennen zu unterscheiden. Die Hähne verlieren nach der Jungmauser die Perlung, die Hennen behalten sie. Bei allen anderen Farbschlägen ist bei Jungtieren die Unterscheidung durch die Unterseite der Schwanzfedern möglich – diese sind bei Hennen quergestreift. Nach der Jungmauser verliert sich dieses Merkmal und eine Geschlechtsbestimmung ist nur noch durch präzise Beobachtung des Verhaltens bzw., um auf der sicheren Seite zu sein, eine DNA-Analyse möglich.
Die Haltung von Nymphensittichen zuhause ist aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit relativ unproblematisch. Allerdings ist es auch bei diesen Vögeln unabdingbar, dass sie zumindest paarweise, besser noch, im Schwarm gehalten werden. Man sollte vor der Anschaffung jedoch bedenken, dass diese Vögel durchschnittlich 20 Jahre alt, wenn nicht sogar älter werden können, und überlegen, ob man sich für diese lange Zeit binden möchte.
Aufgrund der Fluggeschwindigkeit, die bis zu 100 km/h erreichen kann, ist der Vogel für eine reine Käfighaltung nicht geeignet. Am besten aufgehoben sind diese wunderbaren Flieger in einem eigenen Vogelzimmer, das mindestens 15qm groß sein sollte, um ihre Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen.
Nymphensittiche sind sehr intelligent und sollten daher immer mit neuem Spielzeug und viel Beschäftigung herausgefordert werden, da sie sonst auf eigene Faust auf die Suche nach interessanten Dingen gehen, wobei schon einmal das eine oder andere Kabel, Fenster, Wand oder auch Schuhe leiden müssen.
Für Nymphensittiche gibt es inzwischen ausgewogene Futtermischungen, die extra auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind und aus verschiedenen Saaten, Hirsen und Beeren bestehen. Dabei sollte man aber auch die tägliche Abwechslung nicht vergessen und darauf achten, dass die Vögel genügend Frischfutter erhalten – Gurke, Apfel, Möhren; der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Da Nymphensittiche von Natur aus neugierig sind, werden sie über kurz oder lang alles probieren, was man ihnen anbietet.
Darüber hinaus sorgen selbstgebackene Kekse aus Großsittichfutter für Spaß, denn dabei kann man gleichzeitig fressen UND zerstören.
Wenn man zu den Nymphensittichen eine andere Vogelart hinzufügen möchte, so ist die hierfür geeignete der Wellensittich (natürlich mindestens paarweise).
Die beiden Arten teilen in ihrer natürlichen Umgebung die Brut-, Futter- und Wasserplätze; auch in Gefangenschaft gestaltet sich das Zusammenleben zumeist problemlos. Es ist nicht nötig, unterschiedliche Futtermischungen anzubieten; eine ausgewogene Großsittichfuttermischung (ohne Sonnenblumenkerne) bietet auch den Wellensittichen alles, was sie brauchen. Auch diese mögen – meist – Frischfutter wie Obst und Gemüse, und spätestens, wenn ein Nymphensittich am Apfel knabbert, wird ein neugieriger Wellensittich nachziehen.
Allerdings muss darauf geachtet werden, dass genug Platz vorhanden ist, damit beide Arten sich zurückziehen können – wobei die Nymphensittiche das oft nötiger haben als die Wellensittiche. Mehr zum Zusammenleben dieser beiden Arten kann hier nachgelesen werden.
Auch die Vergesellschaftung mit kleineren Kakadus kann unproblematisch sein, wobei auch hier das A und O der ausreichende Platz ist. Falls man in diesem Fall kein Vogelzimmer anbieten kann, sollte man auf die gemeinsame Haltung verzichten.
Ansonsten gilt auch für Nymphensittiche: Keine Krummschnäbel zu Spitzschnäbeln; also keine Vergesellschaftung mit Kanarienvögeln oder Finken.
ASc