Polyostotische Hyperostose

Polyostotische Hyperostose ist eine fortschreitende Verhärtung der Knochen, die durch Stoffwechselprobleme hervorgerufen wird und das Leben des betroffenen Vogels stark einschränken kann. Wellensittiche sind besonders häufig von der Krankheit betroffen.

Was sind die Ursachen für die Erkrankung?

Die Ursache von Polyostotischer Hyperostose ist vermutlich ein Überschuss an Östrogenen, der dazu führt, dass zu viel Kalzium an den Knochen angelagert wird. Daher sind auch vor allem Wellensittichweibchen betroffen. Für diesen Östrogenüberschuss kann es unterschiedliche Gründe geben, beispielsweise einen Tumor in den Ovarien (Eierstöcken) oder einen Sertoli-Zelltumor (Sertoli-Zellen sind bestimmte, teilungsfähige Zellen des Hodengewebes). Es sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen die Östrogenwerte eines erkrankten Vogels im Normbereich liegen. Ob die Ursache der Erkrankung ausschließlich mit dem Östrogenhaushalt zusammenhängt, ist daher noch nicht endgültig geklärt. Auch über die Gründe, warum diese Krankheit besonders bei Wellensittichen so häufig auftritt und warum helle Farbschläge wie Inos bei den betroffenen Tieren auffällig häufig vertreten sind, ist bisher nichts bekannt. Es wird diskutiert, ob die Zucht dieser Farbschläge zur unbemerkten Vererbung und Etablierung eines Gendefektes geführt haben kann.

Welche Symptome treten auf?

Da Polyostotische Hyperostose mit einer Verhärtung der Knochen einhergeht, gehört eine zunehmende Unbeweglichkeit der Gliedmaßen zu den häufig auftretenden Symptomen der Krankheit. Die betroffenen Vögel scheinen sich immer weniger gern zu bewegen und wirken daher lethargisch. Zu Beginn der Krankheit sind die Symptome noch nicht so leicht zu erkennen, meist beginnt es mit einer Gewichtszunahme, die durch die starke Mineralisierung der Knochen zu erklären ist (es lagert sich an den Knochen viel mehr Kalzium ab, als normal). Durch die Knochenverhärtungen kann es auch zu Fehlstellungen der Extremitäten kommen. Ein weiteres Symptom, das sich durch den gestörten Östrogenhaushalt ergeben kann, ist eine starke Attraktivität der erkrankten Henne auf die Wellensittichhähne. Es kann dazu kommen, dass sie ständig bedrängt wird und sich vor Annäherungsversuchen kaum retten kann. Teilweise wurde ein vermehrtes Trinkverhalten beobachtet, was durch ein gesteigertes Durstgefühl hervorgerufen wird. Zudem kann Polyurie (erhöhte Urinausscheidung) auftreten. Der Bauch kann vergrößert sein, teilweise sind die erkrankten Tiere apathisch und die Bewegungen wirken schlecht koordiniert. Durch die hohe Belastung der Gelenke kann es zu Folgeerkrankungen wie Arthrose und Arthritis kommen.

Polyostotische Hyperostose

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose der Polyostotischen Hyperostose wird von einem vogelkundigen Tierarzt mittels einer Röntgenaufnahme vorgenommen. Sind die Knochen bei einem gesunden Tier auf dem Röntgenbild eher durchscheinend, so wirken sie bei einem betroffenen Vogel komplett weiß, was dadurch zu erklären ist, dass die Knochen viel dichter sind als normal und dadurch die Röntgenstrahlung stärker absorbieren.

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Wie kann man die Erkrankung behandeln?

Leider lässt sich die Krankheit bisher noch nicht heilen. Es ist daher nur möglich, die Symptome (beispielsweise auch auftretende Schmerzen) zu bekämpfen oder, bei einem Tumor als Ursache, die Behandlung des Tumors in Angriff zu nehmen.

Ist die Erkrankung durch einen überhöhten Hormonspiegel bedingt, neigen erkrankte Wellensittiche neben der Verdichtung der Knochen auch zu erhöhter Fetteinlagerung. Durch eine Hormonbehandlung (Setzung eines Implantats), um den Östrogenhaushalt wieder auszugleichen, kann man dem Wellensittich deutlich helfen. Mit dem dadurch sinkenden Hormonspiegel unter Implantanteinfluss wird das überschüssige Kalzium auch wieder aus den Knochen ausgelagert, was sich dann in Röntgenbildern zeigt. Oft ist die Erkrankung bei diesen Wellensittichen reversibel.

Ein vogelkundiger Tierarzt kann den Halter beraten, ob eine Behandlung erfolgversprechend ist oder wie am besten weiter vorgegangen wird. Dies hängt natürlich maßgeblich von der Ursache der Erkrankung ab. Daher sollte man einen erkrankten Vogel besonders gut im Auge behalten und bei Anzeichen für eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes einen vogelkundigen Tierarzt zur Euthanasie befragen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Leben mit der Krankheit nur noch eine Qual für das Tier ist, da die Schmerzen im Endstadium auch mit starken Schmerzmitteln oftmals nicht mehr gelindert werden können

 

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