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Ratgeber / Wellensittiche zähmen

Sanftes Zähmen

1. Nur allein zahm?

Das ist ein sich hartnäckig haltendes Gerücht. Es gibt ganze Minischwärme, die sehr zahm sind. Andersherum sucht mancher einzeln gehaltene Welli niemals Anschluss an den Menschen. Ob ein Wellensittich jemals zahm wird, hängt nicht zuletzt von dem Charakter des Tieres ab.
Viele Leute kaufen sich zunächst einen Wellensittich, um den zahm zu bekommen, und kaufen dann erst den zweiten. Im Prinzip ist dagegen nicht viel einzuwenden, wenn denn der zweite Welli auch dann gekauft wird, wenn der erste nicht zahm wird... Und ewig lange sollte man nicht warten. Denn jeder Tag ohne Artgenossen ist für den kleinen Welli langweilig und traurig.
Deswegen sollte man sich fragen, ob es nicht besser wäre, direkt ein Pärchen zu kaufen - Geduld und Zeit braucht man in jedem Fall, da spielt es keine Rolle, dass es nun gleich zwei vielleicht noch etwas unsichere Wellis sind. Für die Piepmätze ist es auf jeden Fall schöner, wenn sie gleich zu zweit das neue Zuhause beziehen. Da fällt die Eingewöhnung gleich viel leichter.

2. Wie lange kann es dauern?

Generell kann man sagen, je älter ein Wellensittich, desto schwieriger wird es, ihn an die Hand zu gewöhnen. Am einfachsten bekommt man einen sehr jungen Wellensittich zahm, der gerade futterfest ist. Aber man muss unbedingt "dranbleiben"; erste Erfolge sind oft zunichte, wenn man sich mal ein paar Tage nicht intensiv mit dem Kleinen beschäftigt.

3. Ruhe bewahren

Oberste Devise: Niemals mit Gewalt etwas erzwingen wollen! Der Welli muss Vertrauen zu seinem Futtergeber fassen. Das Problematischste ist wohl die Hand, mit der sehr viele Wellensittiche schon früh schlechte Erfahrungen gemacht haben. Deswegen braucht man sehr sehr viel Geduld und einen kräftigen Arm beim stundenlangen ruhigen "Hand hinhalten". Zeigt der Wellensittich Angst, sollte man ihn nicht weiter bedrängen, sondern lieb mit ihm sprechen und die Hand zurückziehen.

4. Wundermittel Kolbenhirse

Die rote ist besonders lecker und hat schon so manchen Wellensittich dazu gebracht, das erste Mal aus der Hand zu fressen und vielleicht sogar ein Füßchen auf die Hand des Futtergebers zu setzen.
Sinnigerweise sollte der Welli vorher wissen, was Kolbenhirse überhaupt ist und wie prima sie schmeckt...
Und niemals! den Welli hungern lassen, damit er auf die Hand steigt. Das hat dann mit Vertrauen nichts mehr zu tun; da wird einfach seine Not ausgenutzt und bringt nicht viel. Solche Methoden sollten der Vergangenheit angehören, denn das grenzt an Tierquälerei.
Trotz allem Zähmungseifer sollte man den Welli aber natürlich nicht mit Kolbenhirse überfüttern; denn sie ist eine Nascherei und darf nicht zum Hauptnahrungsmittel werden.

Ein paar Worte zum Abschluss

Immer wieder stößt man in Büchern oder auch im Netz auf Beschreibungen, wie man Wellensittiche zähmen kann. So manche Methode lässt einem Tierfreund das Blut in den Adern gefrieren. Wir wollen keine Details nennen. Der einzig richtige Weg zur tiergerechten Zähmung führt über Geduld. Zwang kann keine Lösung sein! Und wenn ein Wellensittich partout nicht zahm werden will, dann müssen wir das akzeptieren.


"Erstmal vorsichtig gucken ...


... dann probieren ...


... schmeckt, und die Hand tut nix ...


... dann haue ich richtig rein ...


... und weil ich keine Angst habe, bleibe ich sogar sitzen, wenn ich satt bin!"

Zahm? Warum denn überhaupt?

Wie wichtig ist Zahmheit? Sicherlich ist es schön, wenn unsere Wellensittiche Vertrauen zu uns haben und freiwillig auf die Hand oder die Schulter klettern. Aber jeder Futtergeber sollte sich auch im Vorhinein darüber klar sein, dass nicht jeder Vogel zahm wird und damit leben können. Wer einen nicht zahmen Welli als genauso liebenswert empfinden kann wie einen zahmen, wird später keine Enttäuschungen erleben.

Wer jedoch unbedingt und auf jeden Fall zahme Schmusetiere haben will, ist mit Wellensittichen nicht gut beraten, denn eine Garantie gibt es eben niemals.

Immer mehr Wellensittichhalter lösen sich von der verstaubten Vorstellung des zahmen, anhänglichen Einzelvogels und versuchen, ihren Vögeln ein Optimum an artgerechter Lebensqualität zu bieten. Dabei entdecken die Federlosen, wie schön es ist, einfach mal nur zuzuschauen beim "Welli-TV" und sich am natürlichen und verspielten Schwarmverhalten zu erfreuen.
Dazu muss man sich nicht gleich eine ganze Horde Australier ins Haus holen. Schon zwei Wellensittiche zeigen ein breites Verhaltensspektrum mit Kraulen, Füttern und Spielen, das schnell erkennen lässt, dass der dringende Wunsch nach Zahmheit eigentlich nur unser purer Egoismus ist.
Plötzlich dann tritt dieser Gedanke in den Hintergrund, und wir lernen, unsere Haustiere als das zu lieben und behandeln, was sie sind: Tiere mit ihren eigenen Bedürfnissen, denen wir die bestmöglichen Bedingungen schaffen müssen.
Denn wir haben die Verantwortung, unsere Tiere haben keine Wahl; also sollten wir tun was wir können, um unseren gefiederten Freunden das Leben so schön wie möglich zu gestalten.

Ein Wellensittich wird wohl nie danke sagen, aber tut er das nicht mit seinen strahlenden Augen und seinem lauten Geschimpfe, wenn er mit seinen Kumpels zum zehnten Mal und mit wachsender Begeisterung vor der ausgestreckten Hand mit der Kolbenhirse flüchtet? Wenn wir begreifen, dass die wahre Freude für uns in der Erkenntnis liegt, dass es unseren Schützlingen gut geht, ist Zahmheit bald gar nicht mehr so wichtig.

SHe

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