Im Zoohandel gekaufte Käfige sind normalerweise mit Sitzstangen aus Kunststoff oder gedrechelstem (rundgeschliffenem) Holz ausgestattet. Leider sind diese Sitzstangen für Vogelfüße völlig ungeeignet.
Beide Sitzstangenarten sind zu gleichmäßig, als dass sie den Vögeln auf Dauer gesunden Halt bieten könnten. Durch den ebenmäßigen Durchmesser halten die Sittiche die Füße immer in der gleichen Haltung; es werden stets dieselben Stellen der Füße belastet. Insbesondere bei übergewichtigen Vögeln kann es daher auf Dauer zu Druckstellen bis hin zu schmerzhaften, entzündlichen Ballengeschwüren kommen.
Zudem sind diese Arten von Sitzstangen zu glatt, sodass sich die Krallen der Vögel nicht in ausreichendem Maße abnutzen können. Auch für die Schnabelpflege sind sie schlecht bis gar nicht geeignet. Zu lange Krallen und zu lange Schnäbel können die Folge sein.
Auf gar keinen Fall dürfen Sandpapierüberzüge auf den Sitzstangen angebracht werden! Diese Hüllen werden in manchen Zoohandlungen angeboten, um die Krallen abzunutzen. Tatsächlich sind diese rau wie Schmirgelpapier und es ist für die Vögel ausgesprochen unangenehm darauf zu sitzen – jeder, der einmal mit dem Finger über Sandpapier gestrichen hat, kann sich das vorstellen. Mit der Zeit kann die Haut an den Füßen aufgerissen und wund werden; diese Verletzungen bieten Keimen und Entzündungen einen idealen Nährboden. Sandpapierhüllen sind kein Gewinn, sondern Tierquälerei. Sie sind keinesfalls zur gesunden Krallenabnutzung geeignet!
Aus diesen Gründen sollten die mitgelieferten Sitzstangen
sofort durch Sitzäste aus Naturholz ausgetauscht werden. Diese
haben zum einen eine unebenmäßige Struktur und zum
anderen unregelmäßige Durchmesser und Oberflächen.
Auf diese Weise ist der Vogel gezwungen, seine Fußhaltung
ständig leicht zu ändern und die Krallen werden beim
Klettern und Sitzen automatisch abgenutzt, sodass sie normalerweise
nicht geschnitten werden müssen (was mit unnötigem Stress
verbunden ist).
Naturäste werden zudem von den meisten Vögeln gern
beknabbert. Das hält den Schnabel in Form und beschäftigt
die Wellensittiche.
Im Zoohandel gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Holzsitzstangen, die meist mit einem Metallschraubverschluss praktisch und einfach am Gitter befestigt werden können. Alternativ kann man die Äste auch zwischen die Gitterstäbe klemmen, muss aber darauf achten, dass sie sich nicht wieder lösen können, wenn die Vögel daran zerren.
Man kann auch selbst gesammelte Äste verwenden. Hierfür eignen sich verschiedene Holzarten:
- Ahorn
- Eberesche
- Erle
- Esche
- Espe
- Haselstrauch
- Korkenzieherhasel
- Korkenzieherweide
- Lärche
- Linde
- Obstbäume
- Pappel
- Platane
- Weißdorn
- Vogelbeere
- Zitterpappel
Ebenfalls geeignet sind Eiche, Birke und Walnuss. Diese
Äste enthalten jedoch – vor allem im frischen Zustand
– Gerbsäure, die bei empfindlichen Vögeln zu
Schleimhautreizungen und anderen gesundheitlichen Problemen
führen kann. Man sollte die Zweige bei sehr nagelustigen
Vögeln nur in geringer Menge und gut getrocknet
anbieten.
Weide ist ebenfalls geeignet; allerdings enthalten im Frühjahr
die jungen Äste einen hohen Anteil des Stoffes Salicin (als
Salizylsäure findet diese Substanz unter anderem in
Kopfschmerztabletten Verwendung). Da dieser Stoff für
Vögel giftig ist, sollten Weidenzweige im Frühjahr nur
geschält angeboten werden. Holunderäste werden in manchen Quellen auch empfohlen, jedoch raten wir zur Vorsicht. Holunder gilt als leicht giftig, bei besonders nagewütigen Vögeln sollte die Rinde abgeschält oder ganz darauf verzichtet werden.
Ob Nadelbaumholz geeignet ist, ist umstritten. Viele sehen in den Harzabsonderungen und den ätherischen Ölen der Nadeln eine Gefahr. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet auf solche Hölzer.
Wie bei Wildkräutern auch ist darauf zu achten, dass die selbst gesammelten Äste nicht von mit Pestiziden oder Abgasen belasteten Bäumen stammen (nicht direkt an der Straße sammeln). Die Zweige müssen gründlich mit heißem Wasser gereinigt werden; Essigwasser kann zur zusätzlichen Desinfektion hinzugefügt werden (aber keine chemischen Reinigungsmittel!). Man kann die Äste auch bei ca. 150°C für ca. 20 Minuten im Backofen ausbacken, nötig ist das aber nicht unbedingt. Die Blätter müssen übrigens nicht entfernt werden; viele Vögel haben großes Vergnügen daran, sie zu benagen und daran zu knabbern. Es können auch zusätzlich zu den Sitzstangen frische Zweige mit Blättern angeboten werden, die komplett zerstört werden dürfen.
Wichtig ist auch, dass die Zweige den richtigen Durchmesser
haben. Die Sitzstangen müssen dick genug sein, dass der Vogel
sie nicht komplett umgreifen kann. Stattdessen müssen die
Krallen auf der Holzfläche aufliegen. Die Abbildung zeigt, wie
es richtig ist.
Generell gilt: Lieber etwas zu dick als zu dünn.
Unterschiedliche Aststärken sind am besten.
Übrigens: Auch Schaukeln sollten möglichst eine Sitzstange aus Naturholz haben, denn auch hier hocken die meisten Wellis viele Stunden!
Transportkäfige, in denen die Vögel nur sehr kurze Zeit verbringen dürfen, können notfalls auch mit Kunststoffstangen ausgestattet sein. Krankenkäfige, in denen ein Aufenthalt von mehreren Tagen möglich ist, sollten hingegen ebenfalls mit Naturästen ausstaffiert werden.
Eine Ausnahme bilden Krankheiten, die hochinfektiös sind und besonders strenge Hygienemaßnahmen erfordern wie zum Beispiel ein Befall mit Spulwürmern. Hierbei kann die zeitweilige Verwendung von Plastikstangen sinnvoll sein, weil diese sich dank ihrer glatten Oberfläche besonders gut reinigen lassen. In einem solchen Fall sollte man mit seinem vogelkundigen Tierarzt beraten, ob die Hygiene in diesem Fall über der Fußgesundheit stehen soll.
LHa