Was ist das eigentlich? Diese Frage stellen sich viele Wellensittichhalter,
nachdem sie zum ersten Mal diese Bezeichnungen gehört haben.
Wir wollen diese Frage so gut wie möglich beantworten - und auch ein
wenig zum Nachdenken anregen.
Die "World Budgerigar Organisation", kurz WBO, wurde 1994 mit dem Bestreben gegründet, ein Weltverband für Wellensittich-Zuchtvereine zu werden. Auch die Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung e. V. (DSV) ist Mitglied der Organisation. Ein Ziel der WBO ist die Schaffung eines einheitlichen Zuchtstandards. Einmal im Jahr wird getagt.
Ein Ergebnis der WBO-Tagungen war 2003 ein Modell für den - für
weltweit verbindlich erklärten - Zuchtstandard mit folgendem Aussehen,
an dem Schauwellensittichzüchter sich orientieren sollten:
(Abbildung ähnlich)
Hans-Jürgen Lenk, Standardzüchter, DSV-Mitglied und sich selbst
als "Spezialist für kompensierte Linienzucht" bezeichnend,
kommentiert das Modell auf seiner Homepage* als "in seinen Dimensionen
und seiner Form richtungweisend und eine echte züchterische Herausforderung
für jeden Standardwellensittichzüchter". Dieser Standard sei
"der harmonischste Standard, der je erschaffen wurde" und "zukünftig
mein erstrebtes Zuchtziel".
Modelle für die Standard-Zucht wurden weltweit von den verschiedensten Vereinen und Verbänden erarbeitet und vorgestellt. Die Unterschiede liegen im Detail und sind für den Laien kaum erkennbar.
Der Standard wird u. a. auf Größe gezüchtet. Vergleicht man einen Schauwellensittich mit einem "Normalen", fällt der Größenunterschied sofort auf. Um die gewünschte "breite Stirn" zu erreichen, sind mehr und längere Federn notwendig, so dass die Augen eines Standards manchmal fast völlig verdeckt sind. Standards sind durch ihre Größe auch um einiges schwerer als die normalen 30 - 50 g.

Standardzüchter Lenk erklärt auf seiner Webseite: Geschwister- und Halbgeschwisterverpaarungen "sind aber nützlich, wenn bestimmte Eigenschaften oder Formen gefestigt werden müssen". Das bedeutet nichts anderes als Inzucht.
Kaum ein Thema wird unter Standardzüchtern und deren Gegern heißer diskutiert. Gegner der Standardzucht argumentieren mit verkürzter Lebenserwartung, schlechter Fruchtbarkeit, Trägheit und Schwierigkeiten beim Fliegen. Dies sei auf die Inzucht zurückzuführen. Befürworter streiten in der Regel alle diese Punkte ab. Zu beweisen ist es letztendlich wohl nicht, aber auch in verschiedenen Wellensittich-Foren liest man immer wieder von Haltern (nicht Züchtern) von Standards, die genau diese Erfahrungen mit ihren Tieren machen.
Der Schauwellensittich als Individuum ist natürlich genauso liebenswert
wie seine kleineren, flinkeren Artgenossen. Bei einem Wellensittich in Not,
einem Vermittlungstier, spielt die Frage, ob Standard oder nicht, für
einen echten Vogelfreund keine Rolle.
Allerdings sollte sich jeder Wellensittich-Halter gut überlegen, ob er
diese Zuchtform durch einen gezielten Kauf beim Züchter tatsächlich
unterstützen möchte. Auch im Zoofachhandel werden Standards angeboten
- ausgemusterte, zuchtuntaugliche, "fehlerbehaftete" Schauwellensittiche,
die dem Zuchtstandard nicht nahe genug kommen und daher an Privatleute verkauft
werden, aber auch Standards, deren Züchter nicht für Ausstellungen
züchten. Auch wenn ein solcher Kauf aus Mitleid geschieht - jeder verkaufte
Standard macht Platz für einen neuen. Wie überall regelt auch hier
die Nachfrage das Angebot.
* standardwellensittichzucht-lenk.de
welli.net-Team