Bei Trichomonaden handelt es sich um einzellige Parasiten mit vier Vordergeißeln, also so genannte Geißeltierchen. Vögel werden von der Untergruppe mit dem lateinischen Namen Trichomonas gallinae befallen, welche eine Größe von etwa 8x14µm haben und damit für das bloße Auge nicht sichtbar sind. Der Erreger kann sich selbständig fortbewegen, dringt über kleine Wunden ein und besiedelt den oberen Verdauungstrakt bzw. die Kropfschleimhaut des Wellensittichs.
Ein Nachweis ist nur mit Hilfe einer mikroskopischen Untersuchung eines Kropfabstrichs oder einer Probe aus einer Kropfspülung durchführbar. Unter dem Mikroskop sind Trichomonaden durch ihre Bewegungen gut von in einem Abstrich normal vorkommenden Kleinstpartikeln zu unterscheiden. Die Untersuchung muss direkt vor Ort beim vogelkundigen Tierarzt vorgenommen werden, da die Parasiten an Luft nicht lange lebensfähig und somit nach einiger Zeit nicht mehr nachweisbar sind.
An den durch Trichomonaden besiedelten Bereichen bilden sich gelbliche, meist runde Beläge vor allem an der Kropfschleimhaut aus. Aus diesem Grund wird die Erkrankung vor allem in Bezug auf Tauben auch als "Gelber Knopf" bezeichnet. Die Parasiten können auch in tiefer gelegenes Gewebe vordringen und dort schwerwiegende Schädigungen hervorrufen. Zusätzlich besteht durch die Reizung der Schleimhaut die Gefahr einer Entzündung, wodurch sich andere Krankheitserreger ansiedeln können. Eine Infektion mit Trichomonaden, die unbehandelt bleibt, führt zum Tod durch Verhungern des betroffenen Vogels.
Trichomonaden besiedeln nicht nur den Kropf eines Wellensittichs, sondern auch den Rachenraum bzw. die Schnabelhöhle. Trinkt ein infizierter Vogel, gelangen die Einzeller so in das Wasser und können von dort aus vom nächsten Tier aufgenommen werden. Einen weiteren Übertragungsweg stellt die Partner- oder Jungtierfütterung dar, da der Erreger zusammen mit dem Nahrungsbrei hoch gewürgt und an den anderen Vogel weitergegeben wird.
Ein Vogel mit einem gesunden Immunsystem kann längere Zeit unerkannter Träger (und somit auch Überträger) einer geringen Zahl von Trichomonaden sein. Durch erhöhten Stress (z.B. Umzug) und/oder eine Schwächung des Immunsystems (z.B. Mauser) kann sich der Erreger schnell vermehren und die Krankheit so zum Ausbruch kommen. Da einem Wellensittich ein leichter Befall äußerlich nicht angesehen werden kann, ist es besonders bei einem Neuzugang wichtig, die Quarantänezeit und den Eingangscheck einzuhalten, um nicht noch den restlichen Bestand mit den Parasiten zu infizieren.
Ein typisches Symptom einer Infektion mit Trichomonaden ist das Hochwürgen oder Erbrechen von Futter, welches mit zähem Schleim vermischt ist. Auch gibt es Vögel, die trockene Würgebewegungen machen, ohne dabei Schleim oder Körner zu erbrechen, häufig geht dies mit verstärktem Niesen einher. Ein weiterer Indikator für die Erkrankung ist ein geschwollener Kropf, da sich sein Ausgang oft verengt und sich der Nahrungsbrei somit staut. Die damit verbundene verminderte Nahrungsaufnahme führt zu einem meist rapiden Gewichtsverlust. Die Verschleimung und Veränderungen in der Schnabelhöhle rufen häufig eine schwere Atmung hervor, weitere Anzeichen sind Erschöpfung, Apathie sowie ein gesteigertes Ruhebedürfnis und starkes Aufplustern. Gelegentlich ist aus der Schnabelhöhle ein fischiger Geruch wahrzunehmen.
Sind bei einem Wellensittich Trichomonaden nachgewiesen, muss immer der gesamte Bestand behandelt werden, da diese Erkrankung hoch ansteckend ist. Eine Behandlung mit Antibiotika ist unwirksam, weshalb es fatale Folgen hat, wenn die Krankheit nicht richtig diagnostiziert und nur ‚auf Verdacht einer Kropfentzündung hin’ behandelt wird. Gegen Trichomonaden muss mit Antiparasitika (meist Spartrix oder Chevicol) vorgegangen werden, gegebenenfalls ist eine Behandlung gegen Sekundärinfektionen notwendig. Eine Kontrolle des Therapieerfolges durch eine erneute Untersuchung eines Kropfabstriches sollte in jedem Falle eingehalten werden.
Wird die Krankheit frühzeitig und richtig erkannt, bestehen für den betroffenen Wellensittich gute Chancen auf Heilung. Haben die Erreger allerdings schon gestreut und tief greifende Gewebeschäden verursacht, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Behandlung und der Vogel kann der Krankheit erliegen.
Nicht nur während einer Behandlung, auch im Allgemeinen ist in Bezug auf Trichomonaden auf große Hygiene bei Wasser- und Obstnäpfen, Badeschalen und Ähnlichem zu achten. Diese Gefäße sind gründlich zu reinigen, am besten mit sehr heißem oder sogar kochendem Wasser und müssen mindestens 24 Stunden an der Luft durchtrocknen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, immer zwei Sätze zu haben. Näpfe aus Edelstahl sind solchen aus Plastik vorzuziehen, da sie sich besser reinigen lassen und sich mit der Zeit keine Risse im Material bilden. Gerade im Sommer bei hohen Temperaturen sollte das Wasser nicht nur ein-, sondern zweimal täglich gewechselt werden, auch für das Nass in Badeschalen muss diese Trinkwasserqualität gelten. Ist es aufgrund von Erkrankungen nötig, Traubenzucker oder Ähnliches über das Wasser zu verabreichen, sollte besondere Vorsicht geboten sein.
Bei einem akuten Befall ist darauf zu achten, dass die Trichomonaden auch in feuchten Schwämmen und Tüchern zur Reinigung der Näpfe eine zeitlang überleben können.
Trichomonaden sind aufgrund ihres hohen Ansteckungspotentials und dem tödlichen Verlauf bei Nichtbehandlung eine ernstzunehmende Erkrankung. Die durch sie hervorgerufenen Symptome sind zum Teil sehr ähnlich zu denen anderer Krankheiten, aus diesem Grund muss die Ursache in jedem Falle von einem vogelkundigen Tierarzt abgeklärt werden.
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BLu