Wellensittiche – und Vögel im Allgemeinen – unterscheiden sich in ihrer gesamten Physiognomie stark von Säugetieren. Ihr gesamter Körperbau ist in erster Linie ans Fliegen angepasst – Skelett, Atemsystem und Gefieder beispielsweise ermöglichen es den kleinen Australiern, weite Strecken auf dem Luftweg zurück zu legen und geschickte Flugmanöver zu vollführen. In den entsprechenden Unterkapiteln sind die Besonderheiten ihrer Anatomie ausführlich erklärt. Auch der Sinneswahrnehmung ist ein eigener Artikel gewidmet.
Aber sich mit dem Körperbau seiner gefiederten Schützlinge auseinanderzusetzen ist nicht nur spannend, sondern kann auch helfen, im Notfall Verletzungen und Erkrankungen genau zu beschreiben und somit dem Tierarzt schon beim ersten Anruf wichtige Informationen zukommen zu lassen.
In der Grafik sind die wichtigsten Körperregionen beschriftet und im Folgenden genauer erläutert.
Dem Schnabel ist ein eigenes Unterkapitel gewidmet.
Das Auge ist genau im dazugehörigen Unterkapitel beschrieben.
Auch wenn man sie nicht sieht: Wellensittiche besitzen Ohren! Die Vögel haben aber keine Ohrmuschel wie die meisten anderen Tiere, sondern lediglich Öffnungen schräg unter den Augen, die direkt in den Gehörgang münden. Bei gesunden, ausgewachsenen Tieren sind sie vom Kopfgefieder verdeckt, bei noch unbefiederten Küken und bei manchen an PBFD erkrankten Tieren sind sie gelegentlich sichtbar. Auch wenn das Kopfgefieder sehr nass ist, geben sie manchmal die Ohröffnungen frei. Auf diesem Foto eines Nymphensittichs sind die Öffnungen zu erkennen.
Der Kropf und die weiteren Bestandteile des Verdauungsapparates sind im entsprechenden ausführlich erläutert.
Als Bürzel bezeichnet man die untere Rückenpartie kurz
oberhalb des Schwanzes. Hier befindet sich die
Bürzeldrüse, aus der die Vögel bei der
Gefiederpflege mit dem Schnabel Fett entnehmen, das sie auf allen
Federn verteilen. Das Bürzeldrüsenfett pflegt und
imprägniert die Federn, wodurch sie geschmeidig und stabil
bleiben.
Beim Federn putzen ist dies gut zu beobachten. Den Kopf können
die Sittiche nicht mit dem Schnabel erreichen – daher reiben
sie das Köpfchen direkt an der Bürzeldrüse, wobei
sie sich geradezu akrobatisch verrenken. Das Gefieder der
Kloakengegend wird gepflegt, indem zunächst ein
Füßchen an der Bürzeldrüse eingefettet wird
und der Vogel anschließend damit über das
Kloakengefieder streift.
Über die Kloake scheiden Vögel Kotbällchen und Urin aus. Auch die Eiablage erfolgt bei der Henne über die Kloake sowie die Befruchtung während der Paarung. Nähere Informationen zu den Geschlechtsorganen befinden sich im entsprechenden Unterkapitel.
Im Inneren der Kloake befindet sich eine empfindliche Schleimhaut, nach außen hin ist sie vom Schließmuskel umgeben. Das Gefieder um die Kloake herum ist weich, hell und flauschig. Gelegentlich kann ein Kotbällchen in dieser Gefiederregion hängen bleiben und wird vom Vogel beim Putzen entfernt. Verschmutztes, verklebtes und verschmiertes Gefieder hingegen ist ein Zeichen für eine Durchfallerkrankung oder Nierenprobleme und muss vom Tierarzt untersucht werden.
Wenn man sich die Beine eines Vogels betrachtet, kann der Eindruck entstehen, ihre Knie seien – genau anders herum als beim Menschen – nach hinten angewinkelt. Dieser Eindruck ist aber falsch – was man sieht, ist nicht das Knie-, sondern das Sprunggelenk (es entspricht, auf den Menschen übertragen, dem Knöchel). Das Kniegelenk hingegen ist gewöhnlich vom Gefieder verdeckt und nicht zu sehen. Der so genannte Lauf besteht aus den miteinander verwachsenen Mittelfuß- und Fußwurzelknochen. Die Anordnung der Fußknochen ist auch im Artikel zum Vogelskelett erläutert.
Wie bei allen Papageien sind je zwei unterschiedlich lange Zehen nach vorn und nach hinten gebogen. Wie bei menschlichen Fingern bestehen diese aus mehreren beweglichen Gliedern. An der Zehenspitze befinden sich die Krallen. Diese sind am oberen Ende von Blutgefäßen durchzogen, weshalb beim Krallenschneiden unbedingt darauf zu achten ist, dass man nicht zu weit oben schneidet und den Vogel verletzt. Je nach Farbschlag können die Krallen und auch die Haut der Füße unterschiedlich gefärbt sein. Hier sind die unterschiedlich gefärbten Füße dreier verschiedener Farbschläge zu erkennen:
LHa