Immer wieder kommt die Frage auf, welche anderen Vögel denn unproblematisch mit Wellensittichen gehalten werden können. Dabei sollte man die folgende Faustregel beachten: Vögel, die ihren natürlichen Lebensraum teilen, sind auch in der Lage, in Gefangenschaft zusammen zu leben, wenn der Halter bestimmte Voraussetzungen erfüllt.
Die wohl unproblematischste Wohngemeinschaft besteht aus Nymphensittichen und Wellensittichen. Beide Arten teilen in ihrem natürlichen Lebensraum sowohl Brutplätze als auch Futter- und Wasserstellen.
Damit wird auch die Fütterung zuhause einfach: Da beide Arten den gleichen Geschmack haben, reicht es, eine Sorte Futter zu reichen. Man sollte, um auf die Bedürfnisse beider Arten einzugehen, Großsittichfutter anbieten und natürlich Frischfutter wie Obst und Gemüse.
Auch was die gängigen Krankheiten angeht, so sind die Symptome und Verhaltensweisen bei beiden Arten ähnlich, so dass man auf den ersten Blick erkennen kann, dass etwas nicht in Ordnung ist. Darüber hinaus ist ohnehin der Gang zum vogelkundigen Tierarzt angebracht.
Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass trotz allem jeder der Vögel mindestens einen artgleichen Partner benötigt. Es geht hier nämlich nicht um die Frage, mit welchem Vogel kann ich einen Wellensittich verpaaren (die Antwort hierauf ist einfach, nämlich mit einem Wellensittich), sondern, mit welchen Vögeln Wellensittiche zusammen leben können.
Bei aller Ähnlichkeit des Lebensraumes muss man sich bewusst machen, dass beide Arten verschiedene Sprachen sprechen sowohl verbal als auch die Körpersprache.
Ein kleines Beispiel: Wenn Nymphenhähne balzen, legen sie ihre Haube
eng an den Kopf, formen ihre Flügel zu den sogenannten Herzchen und singen
ihrer Angebeteten etwas vor. Ein balzender Wellensittichhahn plustert sein
Kopfgefieder eckig auf und macht auf- und abnickende Kopfbewegungen.
Keine Henne der jeweils anderen Art wird diese Form der Annäherung verstehen,
und damit wäre Stress bereits vorprogrammiert. Vor allem, weil ein angelegtes
Kopfgefieder beim Wellensittich eher ein Anzeichen von Angst oder Aggression
ist und alles andere als Lust.
Des weiteren ist es überaus wichtig, dass genug Platz vorhanden ist, so dass sich beide Arten bei Bedarf aus dem Weg gehen können. Vor allem die Nymphensittiche brauchen diese Rückzugsmöglichkeit, da bei einer Überzahl von Wellensittichen diese den größeren Vögeln wirklich auf die Nerven gehen können Wellensittiche ärgern von Natur aus gerne die etwas umständlicheren Nymphen.
Ideal ist es, wenn man von beiden Arten in etwa die gleiche Anzahl und diese in einer sehr großen Voliere, oder noch besser, in einem separaten Vogelzimmer halten kann. In meinem Vogelzimmer (etwa 14qm) leben 6 Nymphensittiche und 7 Wellensittiche zusammen. Inzwischen haben beide Arten ihre Lieblingsplätze und sind im Grunde immer unter sich. Kleinere Reibereien gibt es natürlich von Zeit zu Zeit um die Rangliste beim Futtern, aber bisher haben sich alle gut arrangiert und einem friedlichen Zusammenleben steht hier nichts im Wege.
ASc