Noch eine Besonderheit war dabei, dass es bisher kaum Vereine gab, die ihre Gründungsveranstaltung telefonisch abhielten. Eine weitere, dass es um ganz besondere Tiere ging, nämlich um jene Wellies, die sonst kaum jemand noch haben mochte, weil sie zu alt, in der Betreuung zu aufwändig oder körperlich eingeschränkt waren – Hürdenwellies.
Da es im Vorwege bereits viele Gespräche gab, kritische und konstruktive Anmerkungen, Ideen und Zahlenspiele, dauerte es keine zwei Stunden, bis der Verein geboren war. Die neue Satzung wurde quer durchs Land geschickt und von allen unterzeichnet, so dass es rasch damit und dem Wahlprotokoll zum Notar gehen konnte.
Und dann passierte erstmal – nichts. Vier Monate banges Warten darauf, ob das Vereinsregister die noch neue und daher besondere Form der Gründung akzeptieren und zeitgleich das Finanzamt die Gemeinnützigkeit in den Zielen des Vereins anerkennen würde. Sie taten es! Ende August 2014 konnten die Hürdenwellies an die Öffentlichkeit gehen und sich vorstellen.
Vorstellen ja, aber wie? Durch Welli.net und in seinem Forum gab es großartige Unterstützung, dennoch sollte der ganz junge Verein seinen eigenen Internetauftritt bekommen. Er sollte nichts kosten, und es sollte einen Bezug zu seinen Bewohnern geben. Also musste erst einmal der Schwarmälteste Gustav herhalten, aber die Natur lässt sich nicht kopieren, und so blieb das Vereinslogo von Anfang an nur eine Übergangslösung.

Noch arger sah es beim eigentlichen Internetauftritt aus, denn es fand sich kein Anbieter, der gratis eine Homepage mit Forenfunktion bereitstellte. Verein ist Austausch, deshalb entschied sich der Vorstand, das Vereinsleben komplett in ein Forum zu integrieren. Das war nützlich, aber wenig ansprechend, auch für die Nutzer selbst, die mehr und mehr zum Kontakt per E-Mail übergingen.
So kam zum Jahresanfang 2015 eine Neuauflage des Vereinsauftritts, diesmal als richtige Webseite.
Zum Jahreswechsel gab es dann auch schon den ersten Jahresbericht des Vereins, der nur die 4 Monate von der Eintragung ins Vereinsregister bis Dezember umfasste. Stolz konnte vermeldet werden, dass der Verein den Hürdenwellies allein in diesem kurzen Zeitraum über 500 Euro für Behandlungskosten erstatten konnte, dazu eine Vielzahl an Sach- und Futterspenden. Das war recht ordentlich, damit hatte niemand gerechnet.
In der ganzen Zeit ist bei den Vögeln natürlich auch eine Menge passiert. Mit den vielen Neuzugängen in dem knappen dreiviertel Jahr seit der Gründung, phasenweise bis zur Überbelegung der Pflegestelle, zogen auch etliche wirklich schlimme Schicksale ein – erwähnt sei hier nur der kleine Pitti, der flugunfähig und ohne Füße aus einer Pfütze geborgen wurde und nach einem langen Genesungsaufenthalt im Düsseldorfer Tierheim schließlich bei den Hürdenwellies landete und es dennoch nicht schaffte.

Andere wie Oma Franzi probierten sämtliche Betreuungsmöglichkeiten in der Pflegestelle aus, vom Freiflug mit täglichem Einfangen zur Behandlung ihrer Hauterkrankung über den Aufenthalt im Krankenkäfig mit und ohne Halskrause, allein oder mit Partner, einem Gastspiel bei den Fußgängern und schließlich doch wieder bei den Fliegern. In dieser Zeit gab es Salben und Cremes, äußerlich angewandte und oral gegebene Antibiotika und die Kombination daraus, Schmerzmittel und immer wieder die schon erwähnte Halskrause, am Ende so an sie zurechtgeschnitten und angepasst, dass sie sich darin bewegen konnte wie ohne.
Mit vermehrten Staphylokokken kamen zum Jahresende auch ein paar unangenehme Mitbewohner, so dass der gesamte Schwarm länger als eine Woche behandelt und das komplette Vogelzimmer samt Volieren auseinandergenommen und desinfiziert werden musste. Zum Glück waren die meisten Sitz- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausreichend vorhanden, um dabei ersetzt zu werden, nur an naturbelassenen Ästen und Zweigen mangelte es in der ersten Wochen danach.
Mit dem neuen Jahr traten auch neue Mitglieder dem Verein bei, und mit den Erfahrungen der Überbelegung des Vorjahrs im Hinterkopf reifte der Gedanke, schon viel früher als erhofft eine weitere Pflegestelle eröffnen zu können. Zum ersten Geburtstag des Hürdenwellies e.V. ist diese Eröffnung in der ganz heißen Phase und die neue Endpflegestelle kann sicher bald vorgestellt werden.
Die Vögel in der ersten Pflegestelle haben fast alle eine Patenschaft bekommen, so dass die Suche nach Patinnen und Paten sich künftig dann verstärkt auf die Bewohner der neuen Pflegestelle konzentrieren kann.
Es gibt eine lose Kooperation mit einem Tierheim in der Nähe Gelsenkirchens, und es gibt eine Vereinbarung mit einem Online-Futterhändler über versandkostenfreie Futterspenden. Die „Papageienzeit“ hat die Hürdenwellies in ihrer aktuellen Ausgabe ausführlich vorgestellt.
Weil sich bei dieser Vorstellung zeigte, dass das übergansweise Vereinslogo nicht gut druckbar war, schwang das Vorstandsmitglied Regine schließlich selbst den Pinsel und malte dem Verein ein neues Logo. Ein ganz besonderes Geschenk an den ganz besonderen Verein für die ganz besonderen Wellies.

Die Hürdenwellies hingegen wünschen sich, dass noch viel mehr von ihnen schnell ein Zuhause finden und gut betreut werden. Deshalb wünscht sich der Verein für die Wellies zu seinem ganz besonderen Geburtstag - dem ersten! - viele neue Mitglieder, denn die sind das Fundament des Hürdenwellies e.V., und nur so wird auch eine dritte und gar vierte Endpflegestelle möglich.
Macht mit und feiert nächstes Jahr gemeinsam mit uns den weiterhin wachsenden Erfolg der Arbeit für die Wellies! Der Verein braucht tatkräftige Helfer und viele Unterstützer. Die Hürdenwellies brauchen Euch!
Liebe Grüße Barbara