Wir sind in der Tierarztpraxis und Du liegst mehr auf dem Boden des kleinen Transportkäfigs, als das Du sitzt.
Zuhause war erst alles ok, zumindest erschien es mir so. Du hattest Spot gefüttert und sowohl mit ihm als auch mit Fee und Pipiolo geschnäbelt. Mit Deinen fast 9 Jahren und Deiner Flugunfähigkeit aufgrund des Bürzeldrüsentumors warst Du ruhiger und wolltest auch öfter in den Käfig zum Ausruhen.
Als ich an diesem Tag für einige Minuten das Zimmer verließ und wieder zurückkam, habe ich Blut auf dem Boden und auf der Tapete gesehen. Du hattest den Tumor aufgebissen. Natürlich habe ich einen großen Schreck bekommen, aber die Blutung war schnell gestillt. Wir haben den kleinen Transportkäfig fertig gemacht und in der Praxis angerufen, ob Deine Vogelärztin auch Dienst hat.
Auf der Autofahrt dachte ich, Du stirbst, denn Du sacktest an der Kolbenhirse immer mehr auf den Boden. Ich habe Dir ermutigende Worte zugeflüstert und tatsächlich gehofft, dass die Tierärztin Dir helfen könne.
In der Praxis angekommen mussten wir nicht lange warten, aber der Blick der Ärztin, als sie Dich sah, sprach Bände. Sie untersuchte Dich und schüttelte den Kopf.
Du hast mit dem Tumor nach der OP vor knapp einem Jahr schon länger gelebt, als angenommen. Du hattest Schmerzen, aber die Entscheidung, ob wir Dich gehen lassen oder nicht, überließ sie natürlich uns, Deinen Felos.
Sie verließ den Raum Es war eine lange und doch so kurze Zeit des Abschieds. Ein Blick und wir waren uns einig, das, was die Vernunft gebot zu tun, obwohl mein Herz rebellierte und immer nur "Nein" schrie.
Wir erzählten Dir, wie lieb wir Dich haben und wie sehr Du von Deinen Wellifreunden geliebt wirst. Von Spot, der sich Dir anfangs so aufgedrängt hat, dass es Dir nicht geheuer war, um den Du Dich wie ein großer Bruder gekümmert, den Du gefüttert und mit dem Du geschnäbelt hast. Von Pipiolo, den Du gleich begeistert willkommen geheißen hast, als er aus dem Tierheim zu uns kam. Und von Fee, auf die Du zuerst sehr zurückhaltend reagiert, sie dann aber doch lieb gewonnen hast.
Wir erzählen Dir, dass Du bald keine Schmerzen mehr haben wirst. Du sammelst Deine Kräfte, richtest Dich auf und öffnest den Schnabel zum Abschied, Deine wundervollen Augen schauen uns an.
Als die Ärztin zurückkommt, erklärt Sie uns die Vorgehensweise des Einschläferns. Du bekommst ein überdosiertes Narkosemittel gespritzt, so dass Du erst langsam einschläfst und dann sanft in den Tod hinübergleitest. Ich halte Dich in meinen Händen, der Raum ist abgedunkelt und wir sind mit Dir allein. Ich spüre Deinen Herzschlag, spüre wie er immer langsamer wird und irgendwann hört Dein kleines wundervolles Welliherz auf zu schlagen. Deine Federn sind feucht von meinen Tränen. Ich wiege Deinen leblosen Körper in meinen Händen, bis die Ärztin zurückkommt.
Du wirst abgehört, es ist kein Herzschlag zu hören, aber sicherheitshalber wird Dir noch ein Gift gespritzt. Die Ärztin wickelt Dich in ein Küchentuch und erinnert uns, dass es Brauch sei, Wellis mit ihrer letzten Kolbenhirse zu beerdigen.
Ich decke den Käfig in dem Dein Körper liegt ab, wir bezahlen und fahren schweigend nach Hause.
In unserem Garten, bei Deinem ersten Freund Chip, Deinem ängstlichen Wellikumpel Petit und Deiner großen Liebe Grigio, wirst Du mit Deiner letzten Kolbenhirse begraben. Flieder schmückt Dein frisches Grab.
Lieber Pat, viele Wochen sind inzwischen vergangen und ich vermisse Dich immer noch schmerzlich. Ich hoffe, dass die 8 1/2 Jahre, die Du bei uns verbringen konntest eine schöne Zeit für Dich waren. Du warst ein liebenswerter und geduldiger Wellensittich und hast Dich liebevoll um Deine Truppe gekümmert. Als aussortierter Schauwellensittich warst Du sehr nervös, aber da ich für Dich und Chip viel Zeit hatte, bist Du später auch gerne auf die Hand gekommen. Je größer unser kleiner Schwarm wurde, um so mehr bist Du aufgeblüht. Auch mit Deiner Flugunfähigkeit bist Du gut klargekommen und hast den Raum klettert erobert. Wenn Du etwas mehr Ruhe brauchtest, war immer einer Deiner Wellifreunde bei Dir.
Danke für die Zeit, ich werde Dich immer lieben.
Deine Felo Carmen
deine Geschichte hat mich zu Tränen gerührt.Man kann förmlich eure Liebe zu Pat spüren.Diese Liebe habt ihr ihn ein allerletztes Mal spüren lassen, als ihr ihn von seinen Schmerzen erlösen lassen habt, und ihn auf seinem letzten Weg liebevoll begleitet habt.Der größte Liebesbeweis, den ihr ihm entgegen bringen konntet, auch wenn das Herz in diesem Moment nicht loslassen mag.
Nun fliegt er frei und schmerzfrei im Regenbogenland, mit all seinen schon voraus gegangenen Freunden.
Vielen Dank für die schöne, wenn auch traurige Geschichte.
Lieben Gruß, Nicole