Auch bei dem heimischen bunten Gefieder sollte eine besinnliche Zeit angebrochen sein – jeden Tag spielten die Federlosen leise Weihnachtsmusik, die Fensterscheibe wurde mit Schmuck aus Weide, Palmblätter und Co. dekoriert und in der Wühlkiste fanden sich immer mal wieder kleine Hirsekügelchen versteckt - man hätte auch meinen können es wäre Ostern. ;)
Doch wie Wellensittiche nun einmal sind, hatten sie ganz andere Pläne.
Besinnlichkeit? Ruhe? Oder gar: keine Streitereien? Pah! Viel zu langweilig!
Also entdeckten sie ein neues Spielzeug – die Jalousie, welche zur Mietwohnung gehörte.
An sich wurde die Jalousie nie genutzt, sie war einfach da und sah nach einer riesigen, dicken, farblich nicht definierbaren Jalousie aus …
Da sie nun einmal nicht zu entfernen war und nicht wirklich einen Sinn erfüllte, wurde das stabile Teil dazu genutzt die Wellischaukeln zu halten, welche vor dem Fenster platziert waren.
Eigentlich war es absehbar gewesen … Ich hätte es mir denken können, aber das sie unbedingt zur Weihnachtszeit damit anfangen mussten, die Seile und Ketten hoch zu turnen und dann die Jalousie zu erklimmen, um von dort an die Decke und Tapete zu gelangen, dass hatte ich wirklich nicht erwartet.
Es folgte eine festliche Dekoration, die verhindern sollte, dass sie die Wand weiter verschönerten. Erst wurde Stoff besorgt und so befestigt, dass die Tapete nicht erreichbar war.
Hielt es die kleinen Gauner auf? Nein, natürlich nicht!
Dann kam es zu einem Fund, der eine weitere Idee in mir keimen ließ …
Mir fiel ein kleiner Klemm-Weihnachtsmann in die Hand, welcher nicht nur irgendwie niedlich war, sondern auch perfekt an das Seil passte, welches sie immer hochkletterten, um die Jalousie und dann die Decke zu erreichten. Wie es sich herausstellte, was dies nicht meine beste Idee, aber wie hätte ich ahnen können, was folgte?
Ich klemmte den Weihnachtsmann also direkt unter die Jalousie, damit ich mir keine Sorgen mehr machen musste, dass den Zwergen oder der Wand etwas bei ihren sportlichen Aktivitäten passieren könnte.
Der Weihnachtsmann sollte etwas abschrecken, sie davon abbringen Unfug zu machen – wenigstens über die Feiertage, bis ich Zeit für neue und langfristige Ideen hätte.
Er hing in etwa einen Tag dort oben, bis sie sich langsam annäherten … Ich dachte, dass es dabei bleiben würde, sie einen Sicherheitsabstand einhalten würden und beließ es erst einmal so. Ich hätte meine Teufelchen besser kennen müssen!

Denn dann geschah es …
Ich hatte das Wellizimmer betreten und ging in Gedanken versunken zum Fenster, schaute hinaus. Was mich so unachtsam in den Raum gehen ließ, so vertieft, kann ich nicht mehr sagen, doch dieses Mal zählte ich weder meine Zwerge durch, noch schaute ich, wo sie sich gerade befanden oder was sie für verdächtige, aufgeregte Laute von sich gaben.
Ich stand also da, schräg über mir der Weihnachtsmann und blickt aus dem Fenster, als ich plötzlich ein sonderbares Geräusch hörte.
„Örg, örg!“
Hä? Was war das?
Und wieder: „Örg, örg!“
Der Ton kam mir verdächtig bekannt vor, Beauty machte ihn immer, wenn sie Unfug baute, etwas plante oder gerade im Begriff war es auszuführen.
Mein Kopf schnellte nach oben und tatsächlich: Ich hatte mich um meine vier Rabauken gesorgt, um die Tapete und um die Decke, aber nicht um die kleine Weihnachtsmannfigur. Genau das war der Fehler gewesen.
Da hing sie – Beauty – direkt unter dem Weihnachtsmann und zog an seinem Gürtel. Doch nicht genug – nun visierte sie seine Hose an und schon passierte es: Herzhaft biss sie ihm in seinen Popo!
Hätte der Weihnachtsmann kreischen können, hätte er es sicher genauso getan, wie ich in dem Moment als ich es sah. Beautys Reaktion war ein kurzes über die Schulter schauen und fröhliches Meckern, welches wie „hä, hä, hä“ klang. Mit einem lauten „Gehst du da wohl weg!“ verscheuchte ich sie von dem armen Männchen und wollte gerade zum Schimpfen ansetzen, als ein kleines graues Wesen an mir vorbei flog – und sie kannte nur ein einziges Ziel: den Weihnachtsmann!
Meine Verwunderung dauerte nur ein paar Sekunden, doch sie reichten – Hope biss und zog an der Hose des Weihnachtsmannes und rupfte Teile von dieser ab.
Es folgte ein Kampf zwischen Federlose und Wellidamen, in dem ich immer die eine Henne verscheuchte und die nächste die Hose des Weihnachtsmannes attackierte. Alles lauthals von den zwei grünen Jungs kommentiert, die fröhlich zwitschernd die Hennen anzufeuern schienen,
Da ich jedoch die weißen Bärte und Schnäbel der Damen jedes Mal versuchen musste von den roten Flusen zu befreien, (was nur über Bestechung funktionierte – Haferkern gegen Hosenteil!) hatte die andere genug Zeit neue Löcher zu reißen.
Irgendwann, als ich schon atemlos von dem hin und her Gerenne war und es Beauty und Hope langsam nicht mehr so viel Spaß zu machen schien, hatte ich endlich die Chance den Weihnachtsmann zu retten und abzuhängen.
Leider zu spät.
Der Weihnachtsmann war entblößt worden und da wo vorher noch die Hose war, konnte man nun den Popo des Geschenkebringers bewundern.
Für meine Zwerge war es wohl ein gelungener Tag vor dem Heiligen Abend, für die Federlose war es sehr Nervenaufreibend (und sportlich) und für den Weihnachtsmann … ja für den ging es das Jahr schon früher in die Ferien, wenn nicht in den Ruhestand.
In diesem Sinne: Euch allen wunderschöne und besinnliche Feiertage und ein fröhliches Weihnachtsmann, ähm ... Weihnachtsgeschenke auspacken. ;)
Es grüßt die verrückte Bande, die auch in der neuen Wohnung immer neue Spielmöglichkeiten entdeckt …

und ihre Federlose, eure Jacky
einfach herrlich !!!!
Ich habe so gelacht.
Danke und liebe Grüße,auch an deine süße und freche Bande,
Carmen