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Wildvogelfütterung – Tipps zur Futterauswahl

Was sollte man bei der Auswahl des Futters beachten?


Das im Supermarkt und Discounter angebotene Futter wie Meisenknödel und Streufutter ist in der Qualität oft leider eher fragwürdig.
Der Fachhandel bietet hochwertigeres Futter an. Dieses ist zwar teurer als das Futter vom Discounter, aber auch erheblich vielseitiger und in der Qualität deutlich besser.
Natürlich kann man auch Futtermischungen und Fettfutter selber herstellen.

wildv-gel winter

Ambrosia


Das angebotene Vogelfutter besteht zum großen Teil aus Zutaten, die in Osteuropäischen Ländern produziert werden. Dies gilt vor allem für den häufigsten Hauptbestandteil, die Sonnenblumenkerne. Leider ist in Osteuropa aber auch die Ambrosie inzwischen stark verbreitet und neben den Vogelfutterzutaten gelangen unweigerlich auch Ambrosiasamen in die Ernte.
Ambrosiasamen sind auch noch nach jahrzehnten keimfähig und jede Pflanze produziert 60.000 Samen. Wenn die Pflanze sich einmal erfolgreich vermehrt hat ist sie nur schwer wieder zu entfernen. Ambrosia steht auf der schwarzen Liste besonders gefährlicher Invasivpflanzen und ihre Verbreitung sollte auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. In der Schweiz werden inzwischen sogar schon Strafen verhängt bei Anbau.
Die Pollen der Ambrosie sind sehr stark allergieauslösend. Auch nicht Heuschnupfengeplagte können auf Ambrosia reagieren. Durch ihr starkes Allergen können die Pollen sogar Asthma auslösen.
Daher sollte unbedingt bei der Auswahl des Futters darauf geachtet werden, dass dieses kein Ambrosia enthält. Inzwischen fndet man viele Produkte die „Ambrosia kontrolliert“ sind. Dieses Label darf jedoch bereits dann verwendet werden, wenn noch 0,02% Samen enthalten sind. Dies entspricht 35 Samen auf 1kg Futter. Das erscheint mir noch viel zu viel.
Zwar sind die Reinigungsmethoden in den letzten Jahren deutlich besser geworden, aber soweit ich in Erfahrung bringen konnte wurden nur 2 Hersteller bis jetzt Ambrosiafrei getestet. Namen darf ich natürlich an dieser Stelle nicht nennen.


Futtersorten


Vereinfacht lassen sich unsere einheimischen Singvögel in Körner- und Weichfresser unterteilen.
Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Zaunkönig und Amsel fressen tierische Kost (z.B. Mehlwürmer) oder nur feine Sämereien wie Haferflocken, Kleie, Rosinen und Obst. Grobes Körnerfutter wie Sonnenblumenkerne werden nicht angenommen.
Körnerfresser wie Finken und Sperling haben einen kräftigen Schnabel und können damit problemlos Sonnenblumenkerne und andere Sämereien fressen.


Energiekuchen und -blöcke


Hierbei handelt es sich um sehr hochwertige Futtermittel aus Fettfutter, die in Block- oder Zylinderform angeboten werden. Sie enthalten Saaten, Beeren oder Insekten und sind mit Vitaminen und Mineralstoffen aufgewertet.


Feinsämereien


Zierliche Körnerfresser nehmen in kleinen Mengen auch Feinsämereien zu sich. Diese liefern aber sehr viel weniger Energie als Nüsse und Fettfutter, daher sollte man diese nicht in zu großen Mengen oder gar ausschließlich anbieten. In der kalten Jahreszeit greifen die Vögel lieber auf energiereicheres Futter zurück.
Wer jedoch auch Feinsaaten (bestehend aus den Samen der Nachtkerze, Vogelmiere, Grassamen etc.) anbietet, könnte unter Umständen das Glück haben einen Stieglitz als Gast willkommen heißen zu dürfen.


Fettfutter


Hierzu zählen natürlich die bekannten Meisenknödel, aber auch fettiges Streufutter, Fettflocken oder die oben erwähnten Energieblöcke. Dieses Futter liefert schnell große Energiemengen, die im Winter äußerst wichtig für die Vögel sind.
Von Meisenknödeln im Netz bin ich persönlich nicht so ein großer Fan. Die Gefahr, das die Vögel mit den Krallen im Netz hängen bleiben wäre mir persönlich zu groß. Als Wellihalter kennt man diese Problematik.
Es gibt spezielle Halterungen aus Metall, die ich dem Netz eindeutig vorziehe. Ausserdem können diese Halterungen mit selbstgemachtem Fettfutter befüllt werden.


Kolbenhirse


Fast jeder Wellihalter hat Hirse Zuhause. Dass man diese auch an Wildvögel verfüttern kann, war auch mir neu. Jedoch wird diese im Winter nur wenig bis gar nicht von den Vögeln angenommen, weil sie nicht so schnell die im Winter benötigte Energie liefert wie z.B. Fettfutter. Aber es darf ausdrücklich ausprobiert werden! :)


Ziervogelfutter


Zwar wird es vermutlich von der einheimischen Vogelwelt nicht sonderlich beachtet, weil es für die Wildvögel zu wenig Energie liefert, aber wer mag kann auch mal Wellensittichfutter am Futterplatz auslegen und ausprobieren wie gut es angenommen wird.


Erdnüsse


Sie sind sehr energiereich, enthalten viele essentielle Proteine und Fettsäuren und werden gern von den Vögeln angenommen, können aber auch Schimmelsporenträger sein. Dieser Schimmel kann bei warmen und feuchten Bedingungen im Boden, bei der Ernte, auf dem Transport oder bei der Lagerung entstehen. Durch den Schimmel entstehen Aflatoxine, die für die Vögel tödlich sein können.
Der Vogelfutterlieferant eures Vertrauens sollte auch hierdrauf ein Auge haben.


Obst


Auch frisches Obst kann eine sinnvolle Ergänzung für den Speiseplan in der Winterfütterung sein. Äpfel werden im allgemeinen gern angenommen, andere Obstsorten werden jedoch oft gemieden.
Wichtig ist natürlich, dass das Obst nicht belastet ist und auch verdorbenes Obst hat bei der Fütterung nichts zu suchen.
Zusätzlich sollte das Obst nicht in großen Mengen gereicht werden. Dies gilt vor allem bei Frost. Gefrorenes Futter bekommt den Vögeln nicht!


Rosinen


Einige Futtermischungen enthalten Rosinen und Sultaninen, die vor allem von Weichfutterfressern bevorzugt werden. Hier sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Hunde und Katzen nicht an die Früchte herankommen, weil schon kleine Mengen bei Ihnen Nierenprobleme verursachen können.
Ein Schutzgitter speziell für die Bodenfütterung könnte dabei helfen.


Mehlwürmer


Hierbei handelt es sich um schmackhafte, eiweißreiche Nahrung, die auch von Körnerfressern wie den Sperlingen, gerne an die Jungen verfüttert werden.
Eigentlich handelt sich um die Larven des Mehlkäfers und nicht um Würmer.
Die Fütterung lebender Mehlwürmer sollte bei Frost eingestellt werden.
Ich muss gestehen, dass ich selber noch keine Mehlwürmer verfüttert habe. Aber das wird sich vermutlich im nächsten Herbst ändern.


Aufbewahrung des Futters:


Geöffnetes Futter sollte nicht länger als 3 Monate aufbewahrt werden. Die Lagerung sollte trocken und bei weniger als 15 Grad und luftdicht verschlossen erfolgen. Empfohlen wird z.B. der Gartenschuppen und trockene Kellerräume.
Ich selber bewahre das Futter in meinem Kühlschrank auf.
(Lebendfutter wie Mehlwürmer sind auch im Kühlschrank nicht so lange haltbar!)


Ich bin hier nur auf einige Bestandteile des Futters eingangen um das Thema nicht zu ausschweifend werden zu lassen. Bei Nachfrage könnte ich mich aber auch hier gerne noch deutlich schlauer machen und eventuell einen gesonderten und ausführlicheren Blog erstellen. :)


Fortsetzung folgt in: Wildvogelfütterung – Die Futterstation

Kommentare (2 Kommentare)

monika aus Münster
14.11.2012 - 21:19
Was für ein ausführlicher und aufklärender Bericht,wirklich klasse geschrieben.
Kann mir vorstellen das so etwas nur die wenigsten wissen.
Claudia aus Gütersloh
26.11.2012 - 08:27
Danke schön! :)