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Jule auf Spinnenjagd – Oder Fleischfressende Wellis

Man könnte diesen Artikel auch zweifelsohne „Oder was meine Geier sonst noch so alles anstellen“ nennen, aber dieses eine Erlebnis muss ich euch einfach anhand einer kleinen Geschichte schildern.

Es ist schon etwas länger her und ich beobachtete nach dem all samstäglichen Volieren und Vogelbereich Großputz zufrieden meine Geierbande. Da sich hinter den Holzbalken der Dachschräge gerne mal ein paar Untermieter namens Herbert verstecken, so nenne ich die kleinen und großen Weberknechte und anderes Spinnen Getier, wunderte es mich nicht, als ich an der Wand flach liegend einen sehr großen Weberknecht entdeckte. Wie eine Sonne war sein dicker Bauch und seine Beinchen standen wie Sonnenstrahlen vom Körper ab. Ein stattliches Exemplar, nicht zu übersehen.

Als Kind liebte ich es diese Spinnen zu betrachten und so ist es auch heute noch so, dass sie mir so lange sie nicht Überzahl annehmen, gerne in der Wohnung erhalten bleiben dürfen. Sie sind Verbündete im Kampf gegen gemeine Stechmücken. So dürfen sie im Gegenzug gerne Quartier bei mir beziehen. Doch da sollte ich die Rechnung ohne Jule, meine kleine, freche Gewitterhenne gemacht haben.
Jule ist eine noch sehr junge, blaugrau-gelbe Schecke, die allerlei Unsinn im Federköpfchen hat.

An diesem Morgen spielte Jule eigentlich die gesamte Zeit mit Gretel und den anderen und heckte wieder allerlei Quatsch aus, als sie auf der hellen Wand etwas spannendes entdeckte. Den Weberknecht, jawohl. Dieser musste doch nun dringend und eingehend untersucht und begutachtet werden. Also hopste Jule auf den dicken Ast direkt vor der Wand und setzte sich darauf. Sicher 3 Minuten begutachtete sie das noch bewegungslose „Etwas“ an der Wand und legte immer wieder das Köpfchen schief, drehte es und versuchte verschiedene Blickwinkel einzunehmen.

Da sich dieses „Ding“ nicht wirklich zu bewegen schien, demnach also auch unmöglich gefährlich sein konnte, beschloss Jule einfach mal an einem der Beinchen zu knabbern, die der Weberknecht da so von sich streckte. Gedacht, getan,... und schon setzte sich der Knubbel an der Wand in Bewegung. Mitsamt der Strichbeinchen, die nun wild fußelnd die Flucht ergreifen wollten. Jule blickte verdutzt und flatterte erschrocken ein kleines Stückchen nach hinten. Nun verharrte sie still in dieser Position und wartete einen kleinen Moment. Doch schon im nächsten Moment tippelte sie mit ihren kleinen schweinchenrosa Füßchen wieder nach vorne und rückte somit dem Weberknecht auf die Pelle.

Erneut setzte dieser sich wieder in Bewegung. Diesmal blieb Jule still sitzen. Zwar immer noch leicht verdutzt, jedoch wesentlich ruhiger begann sie vorsichtig ihren Schnabel in Richtung Wand zu schieben. Stillstand.... Verharren....Aber nur einen Moment, um dann wieder erneut einen Versuch zu starten, an eins der Strichbeinchen heran zu kommen und es mit dem Schnabel zu untersuchen. Nach mehreren Versuchen klappte dieses Vorhaben dann auch. Kurz überlegte ich, ob ich dem armen Herbert zur Hilfe eilen sollte. Denn schließlich war es auch ein Lebewesen und hatte es sicherlich nicht verdient, einer neugierigen Henne zum Opfer zu fallen. Zugegebener maßen muss ich sagen, dass ich meine Jule etwas unterschätzt habe. Dachte ich doch, sie würde schnell die Lust verlieren an diesem wackelnden Punkt der da die Wand entlang kroch.

Ich hatte also entschieden Jule zu lassen, da sie sicher gleich von Rudi, Gretel oder einem der anderen abgelenkt würde. Jula saß während dessen immer noch auf dem Ast, der sich in der Nähe des flüchtenden Weberknechtes befand und beobachtete das über die Wand krabbelnde Ding mit äußerster Neugier. Mittlerweile hatten auch die anderen Wellensittiche aus dem Schwarm bemerkt, dass es dort irgend etwas spannendes zu sehen gab und so fand sich schnell die ganze Jungtruppe meiner kleinen australischen Clowns auf dem Ast sitzend zusammen.

Da hockten sie nun. Rudi, die kecke kleine Henne mit dem burschikosen Vornamen, Julius, der stolze Hahn der selten einen ernsthaften Gedanken verfolgt und einen Klops nach dem anderen bringt. Gretel, die freche Gehilfin von Jule und zu guter letzt auch noch Frido, der zwar zu den ältesten meines Schwarmes gehört, aber der frechen Jugend in nichts nachsteht.Alle Fünfe tronten nun da und teilten zwitschernd und brabbelnd ihre fragenden Blicke aus. Was war dieses Ding da an der Wand? Sowas hatten die kleinen Federköpfchen scheinbar nie vorher gesehen. Also musste Jule natürlich ihrer Mission treu bleiben. Mit einem gekonnten Hops gelangte sie an einen weiter oben liegenden Ast und nahm so die Verfolgung auf. Der fliehende Herbert hatte jedoch keinerlei Chance.

So versuchte sich dieser nach Weberknechtart wieder flach an die Wand zu pressen. An diesem Punkt hätte ich eigentlich bereits merken müssen, dass es für den armen Kerl zu spät ist. Sein Schicksal war besiegelt... Jedenfalls zögerte Jule nicht lange und zoppte erst an einem der langen Beine, bevor sie mit geschultem Auge die Position des Weberknechtkörpers fokusierte und auch schon mit dem Schnabel in dessen Richtung folgte. Noch einmal in letzter Verzweiflung versuchte die arme Spinne zu fliehen... doch zu spät. Jules Schnabel hatte ihn erwischt. Während die langen Beine aus dem Schnabel herausragten und zappelten, sortierte Jule gekonnt mit ihrer Zuunge den Körper zwischen beide Schnabelhälften und „Plitsch“, war mit einem Biss das letzte Wort im Leben des armen Spinnchens gesprochen ...

Auch wenn es eigentlich alles andere als lustig ist, so kann ich kaum mit Worten beschreiben, was der Blick dieses Vögelchens ausdrückte, während es genüßlichst dieses unbekannt, weiche, runde Ding mit den komisch störenden, langen Beinen im Schnabel geschickt mit der Zunge zerdrückte. Wir alle kennen die geschickten kleinen Wellizungen, wie sie normalerweise den Inhalt aus der aufgebrochenen Körnerspelze schiebt um dann darauf herum zu knuspern ...

In diesem Fall waren es die letzten, traurigen Momente von meinem Hausspinnerich Herbert, dessen letzte Minuten daraus bestanden hatten, vor einer dicken, frechen Wellensittichhenne zu flüchten, die mit ihrem fleischfressend hungrigen Schnabel hinter ihm her war.
Wie in einem schlechten Horrorfilm, oder ?
Jule ließ sich durch mein still geschocktes Verharren nicht beeindrucken und legte abwechselnd während sie noch immer auf den Überrseten von Herbert herumnagte, immer wieder ihr Köpfchen zur Seite. Die Augen bewegten sich dabei nach oben, so dass man meinen könnte, sie seniere über den Geschmack oder darüber, an was sie diese unerwartete Delikatesse erinnert. Ich war ein wenig geschockt, hatte ich doch bis zum letzten Moment nicht wirklich daran geglaubt, dass diese kleine Gewitterzicke namens Jule diese Spinne tatsächlich von der Wand abpflückt. Doch zu spät, sie hatte es tatsächlich getan.....

Fleischfressender Wellensittich

Herbert hatte sein trauriges aber hoffentlich trotzdem erfülltes Spinnenleben an diesem Tag in meinen eigenen vier Wänden beendet und wurde jäh aus dem Leben gerissen. Ab sofort sollte ich also eine Spinnenmörderin beherbergen ... Lebenslange Sicherheitsverwahrung bei Körnern und Wasser, gelegentlicher Frischkost und 24 stündigem Freiflug, das sah das Urteil meinerseits in solchen Fällen vor.

So war Jule also an diesem Tag mit proteinreicher Kost gesättigt, und ich um eine Erfahrung reicher. Wellis scheinen durchaus manchmal Fleischliche Gelüste zu verspüren und stehen auf animalisches Futter ... In diesem Sinne hoffe ich, dass die Spinnen bei euch in Deckung gehen vor den kleinen Rabauken und falls jemand von euch Federlosen Angst vor Spinnen hat.... für euren Keller kann ich euch durchaus meine Jule als Kammerjäger ausleihen.

Fleischfressend

Liebe Grüße von der Federlosen eines fleischfressenden Wellis, Ive

Kommentare (2 Kommentare)

Barbara aus Sprockhövel
22.11.2013 - 20:02
Ich musste soo lachen über die Spinnen fressende Jule, dank Deiner anschaulichen Geschichte war es fast als wäre man selbst dabei gewesen :D
Bettina aus bei München
16.09.2014 - 18:28
Also diese Geschichte ist einfach zu köstlich. Und so super geschrieben...man denkt, man wäre live dabei :)