in diesem Blog – Beitrag möchte ich etwas näher auf die Krankheit Macrorhabdus Ornithogaster eingehen, besser bekannt unter den Namen Macrorhabdiose, Megabakteriose oder umgangssprachlich auch Megabakterien, kurz: Megas.
Man könnte allein über diese Krankheit ein ganzes Buch schreiben, aber ich versuche mich auf die wesentlichsten Punkte zu konzentrieren. Auch so wird es wahrscheinlich schon ein langer Text werden, der aber betroffenen Haltern hoffentlich auf die ersten, dringlichsten Fragen Antwort geben kann.
Also, los geht’s:
Verursacht wird die in Schüben verlaufende Erkrankung des Magen-Darm-Traktes (vor allem des Drüsenmagens) durch eine Art Hefepilze, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Man geht stark davon aus, dass es eine ansteckende Krankheit ist – es wird von einer bis zu 80%igen Infektionsrate gesprochen. Zum Teil nehmen die Veterinäre aber auch schon an, dass dieser Hefepilz, der früher mit einem übergroßem Bakterium verwechselt wurde (daher auch der irreführende Name) zur “normalen“ Magen-Darm-Flora gehört. Dies wiederum würde bedeuten, dass jeder (!) Welli den Erreger bereits in sich trägt.
Nun, Fakt ist: Es gibt auch positiv getestete Vögel, die dennoch zeitlebens nicht erkranken. Warum also bei einigen diese Krankheit ausbricht und bei anderen nicht, ist bisher noch weitgehend ungeklärt. Wobei ebenso gesichert erscheint, dass Stress (z.B. Käfigwechsel, Änderungen im Schwarm, unruhige Umgebung) oder andere Erkrankungen den Ausbruch der Megabakteriose begünstigen. Auch wenn die Wellis mausern und in Folge dessen das Immunsystem geschwächt ist, kann es zu einem Krankheits-Schub kommen.

Soviel zur „Einleitung“. Nun möchte ich Euch kurz umreißen, wie ich mit der Megabakteriose das erste Mal konfrontiert wurde. Vor einiger Zeit wurde einer meiner Wellensittiche schwer krank. Die hübsche Vogeldame *Baby* würgte, war ständig unrund aufgeplustert und schlief sehr häufig. Mehrmals wurde sie beim vogelkundigen Tierarzt untersucht – auch auf Megas – immer negativ. (Wie ich jetzt weiß, ist jedoch ein negatives Testergebnis auf Megas nicht auch 100% die Bestätigung dafür, dass die Erreger wirklich nicht vorhanden sind. Zur Absicherung der Diagnose kann aber im Zweifel ein Röntgenbild angefertigt werden, welches durch eine Vergrößerung der zum Verdauungstrakt zählenden Organe zeigen kann, dass eine Schädigung, verursacht durch den Hefepilz besteht.) Bei meiner Patientin konnten lediglich körpereigene Bakterien in etwas vermehrter Anzahl festgestellt werden. Insgesamt wurde *Baby* innerhalb von 2 Monaten mit 3 verschiedenen Antibiotika behandelt. Stets trat kurzfristig Besserung ein, wenn sie auch nie zu 100% gesund erschien. Außer dem Würgen, waren auch keine Mega-typischen Krankheitssymptome zu beobachten: keine Körner im Kot, kein Durchfall, kein geringes Gewicht usw.
Dann entschied ich mich dafür, eine längere Fahrt zu einem anderen, ebenso vogelkundigen Tierarzt anzutreten und eine zweite Meinung einzuholen. Er ließ sich die Krankheitsgeschichte erzählen, untersuchte den Vogel und eine frische Kotprobe aus der Transportbox unter dem Mikroskop: siehe da – Megabakterien in großer Anzahl! Des Rätsels Lösung – und für mich der Anlass mich mit Schwindelgefühlen setzen zu müssen. Bis dahin war mir Megabakteriose nur als unheilbare Krankheit bekannt. Würde mein Welli nun sterben müssen? Nachdem sie bereits so tapfer 2 lange Monate gekämpft hatte?? Eine Welt brach für mich zusammen, damit hatte ich nicht gerechnet.
Nun, inzwischen habe ich mich intensiv mit dieser Krankheit beschäftigt und möchte alle betroffenen Welli-Halter etwas aufmuntern und ein paar Tipps geben, die es ab jetzt zu beachten gilt.
1. Kopf hoch! Diese Diagnose ist fürchterlich – ABER: sie ist nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil für den Wellensittich. Es gibt viele Beispiele für Piepser, die einen (oder auch mehrere) Krankheitsschübe überstanden und/ oder inzwischen ein unbeschwertes Welli-Leben führen. Mit einigen Maßnahmen, kann einem erneuten Schub auch meist recht gut entgegengewirkt werden (diese werden im Folgenden noch eingehend beschrieben).
2. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Euch der vogelkundigeTierarzt das Medikament Ampho – Moronal mitgeben. Dies ist eine antimykotisch wirkende, orangefarbene Suspension, die nicht wasserlöslich ist (d.h. im Trinkwasser sinkt das Medikament schnell ab und wird somit beim trinken nicht vom Vogel aufgenommen). Haltet Euch bitte unbedingt an die Dosierungsangabe und die vorgeschriebene Behandlungsdauer. Bei der ersten Behandlung ist laut einhelliger Meinungen vieler Vogelspezialisten eine tägliche (einmalige oder besser zweimalige) orale Gabe über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen am erfolgversprechendsten. Hier im Portal von welli.net gibt es hilfreiche Anleitungen betreffs der richtigen Fixierung (Fixiergriff) und der eigentlichen oralen (schnabulösen) Therapie. Ich persönlich habe dabei auch gute Erfahrungen mit sogenannten Euterkanülen gemacht. Dies sind kleine, dünne und sehr schmal zulaufende Kunststoffaufsätze für die Einweg – Spritzen. Mit diesen Aufsätzen kann man etwas leichter zwischen den seitlichen Spalt des Vogel – Schnabels gelangen um das Medikament einzuflößen. Und keine Sorge: jedem Vogel sieht man es an, wenn er dieses Medikament bekommt! - Das verrät einfach das mehr oder weniger kräftig ausgeprägte orangene “Bärtchen“. Ihr könnt versuchen, nach der Medi-Gabe den Bereich rund um den Schnabel mit feuchten Wattestäbchen etwas zu reinigen oder den Vögeln ein Bad anzubieten, aber der Rest wird dann durch die nächste Mauser verschwinden.
3. Beginnt ihr mit der Ampho-Therapie müsst ihr leider meist auch Geduld beweisen, denn es kann schon mal zwei Wochen dauern, bis eine sichtbare Besserung eintritt. Während der gesamten Therapie kommt es meiner Erfahrung nach zu Auf‘s und Ab’s. Schien Euer Welli gestern noch todkrank, so kann er heute schon wieder wesentlich munterer sein. Bei *Baby* war es so, dass sie sogar erst zwei Wochen nach dem Absetzen(!) des Medikaments wieder dauerhaft aktiver und fröhlicher wurde. Sollte Euer Patient von lang anhaltenden Würgeattacken gepeinigt werden die ihn arg mitnehmen, so sprecht den behandelnden Tierarzt darauf an, ob er Euch nicht ein milderndes Medikament dagegen geben kann.
4. Während eines akuten Schubes solltet ihr dem Welli ausreichend Kolbenhirse anbieten, damit er sein Gewicht halten kann oder vielleicht sogar zunimmt. Denn leider äußert sich ein Fortschreiten der Megabakteriose unter anderem auch darin, dass die Piepser sehr viel fressen aber gleichzeitig abnehmen. Dieses unschöne Symptom wird auch GLS oder Going Light Syndrom genannt. Auch Hafer kann zum Gewichtsaufbau gerne angeboten werden.
5. Da man sowieso täglich das Medikament geben muß, kann man das einfangen auch mit einer Gewichtskontrolle auf der Küchen- oder Briefwaage verbinden um im Auge zu behalten ob der Patient zu- oder abnimmt. Auch während der “gesunden“ Phasen, sollten Mega-Vögel mindestens monatlich, besser einmal in der Woche gewogen werden um einen neuen Schub möglichst frühzeitig zu erkennen und nach Rücksprache mit dem vkTA zu behandeln.
6. Ist die Krankheit ausgebrochen, sollten generell nur runde Saaten verfüttert werden. Dazu gehören jegliche Hirsesaaten, egal ob Kolbenhirse, Silberhirse oder auch Japanhirse. Auf spitze Körner sollte so gut es geht verzichtet werden, denn sie könnten den Kropf der Vögel zusätzlich reizen. Als Kropfschonend und gleichzeitig sehr vitaminreich könnt ihr auch Keim- oder Quellfutter anbieten. Rezepte und/oder Zubereitungstipps findet ihr auf der Homepage von welli.net. Wichtig hierbei ist nur, dass ihr auf die leichte Verderblichkeit des *Nass-Futters* achtet und es nicht zu lange stehen lasst.
7. Entfernt sowohl separat angebotenen Vogel-Grit als auch Vogelsand aus dem Käfig bzw. komplett aus der Reichweite des Wellis. Magen-Darm-kranke Piepser neigen dazu, vermehr Grit oder Sand aufzunehmen in der Hoffnung sich dadurch Linderung zu verschaffen. Leider führt dies jedoch zum genauen Gegenteil… An Stelle vom Sand könnt ihr auf Buchenholzgranulat umsteigen oder auch (z.B. gerade während eines Schubes) auf Küchenpapier, denn darauf könnt ihr die Kotbeschaffenheit gut im Auge behalten. Ist der Schub überstanden, könnt ihr wieder Grit anbieten.
8. Jegliches Futter sollte 100% zuckerfrei sein. Diese Regel gilt es von der Diagnose an auf Lebzeit durchzuziehen. Also bitte kein Futter mit Zucker, Honig oder Bäckereierzeugnissen. Auch solltet ihr darauf verzichten Obst anzubieten, auch der darin enthaltene Fruchtzucker fördert das Hefepilz-Wachstum.
9. Ist der Wellensittich akut krank, solltet ihr für diese Zeit lieber auch nichts Frisches in Form von Gemüse oder Salat verfüttern. Denn dieses macht zwar satt, baut aber kaum Gewicht auf und ist zudem meist nicht ganz so leicht verdaulich, wie Körnerfutter.
10. Da Megabakterien den Magen-Darm-Trakt schädigen, empfiehlt es sich regelmäßig aufbauende Kuren mit unterstützenden Futterzusätzen zu machen. Gerade während eines Schubes, sollte man die Flora des Verdauungstraktes fördern. Dabei sollten allerdings auch diese Mittel völlig zuckerfrei sein (keine Glucose, keine Saccharose o.ä.). Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit gefriergetrockneten Laktobazillen in Pulverform (PT12) gemacht, die ich über das Körnerfutter gebe.
11. In das Trinkwasser könnt ihr kurenweise (z.B. 1 Woche pro Monat) etwas Apfelessig oder auch Thymiantee mischen. Beim Apfelessig ca. 3 ml auf 100 ml Wasser und bei Thymiantee hat sich bei mir ein Mischungsverhältnis von 50:50 bewährt. Hefen reagieren empfindlich auf saures Milieu und auch dem Thymian wird eine fungizide Wirkung nachgesagt.
12. Kranke Wellensittiche frieren häufig. Deshalb kann man ihnen mit einer Rotlichtlampe etwas zusätzliche Wärme anbieten. Allerdings sollte die Lampe in ausreichender Entfernung zum Käfig stehen, so dass die Wärme lediglich handwarm beim Vogel ankommt und es sollte im Käfig eine unbeleuchtete Ecke als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung stehen. Bei der Dauer der Bestrahlung scheiden sich die Geister – denn es ist nicht wirklich geklärt, ob die Rotlichtlampen den Vogelaugen schaden. Meist wird empfohlen zwei, drei Mal am Tag für ca. 20 Minuten zu bestrahlen. Um eine Schädigung der Augen 100% auszuschließen, kann man einen Dunkelstrahler verwenden, der nur Wärme aber keinerlei Licht ausstrahlt.
13. Gerade im Winter sollte darauf geachtet werden, dass das Raumklima für unsere kleinen gefiederten Hausgenossen eine entsprechend hohe Luftfeuchtigkeit aufweist. Um dies zu überprüfen, kann man sich im Baumarkt für wenig Geld ein Hydrometer kaufen. Die Luftfeuchtigkeit für Wellis sollte zwischen 50 und 60% liegen und gerade im Winter liegt sie in deutschen Haushalten meist deutlich darunter. Diese trockene Heizungsluft, kann die Schleimhäute der Vögel reizen und damit auch den Kropf (der sich dadurch eventuell entzünden und zu einem erneuten Mega-Schub führen könnte oder zu einer Sekundärerkrankung…).
14. Ganz generell (und abschließend) sei gesagt, dass Mega-Patienten in der Regel vorgeschädigt und deshalb auch anfälliger für alle anderen Krankheiten sind. Man sollte also auf Hygiene und jegliche Kleinigkeiten achten, die auf eine Krankheit hindeuten. Auch Stress sollte vermieden werden, wozu ich persönlich auch das separieren eines erkrankten Wellis während eines Schubes zähle. Nur in Ausnahmesituationen (oder bei einer weiteren, ansteckenden doch behandelbaren Sekundärinfektion) würde ich diesen Weg wählen.
Der Partnervogel von meiner *Baby* z.B. war die ganze Zeit über bei ihr, wurde bis heute stets negativ auf Megas getestet und zeigte keinerlei Krankheitszeichen. Dafür hatte ich das Gefühl, dass er seine *Baby* sehr unterstützte und sein Beistand ihr ausgesprochen gut tat. Wie oben bereits geschrieben, ist er sowieso zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon längst angesteckt gewesen und damit zumindest Träger der Megabakterien (wie alle anderen Vögel des Schwarms auch). So führe ich es auch auf die konsequente Umsetzung der beschriebenen “Regeln“ zurück, dass es bisher bei keinem weiteren Vogel des Mini-Schwarms zum Ausbruch von Macrorhabdiose kam.
Nur meine Baby hat es leider nicht geschafft, bei ihr wurde die Krankheit einfach zu spät erkannt. Auf Schub eins und Schub zwei, folgte ein dritter – und der wurde dann zu heftig und ihre Organe waren bereits zu stark geschädigt…
Dafür bin ich mir sicher, dass sie jetzt aus dem Regenbogenland zu uns hinunter schaut (gesund und glücklich) und stolz darauf ist, wie gut sich ihre alten Freunde und auch die Federlose im *Kampf* gegen die Megas so schlagen…
In diesem Sinne:
Viel Glück, Kraft und Geduld Euch allen und Euren gefiederten Patienten – bleibt positiv!
Weitere nützliche Infos erhaltet Ihr in unserem Infoartikel