Zeige Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Sterbehilfe: Pros und Contras bei Lebewesen

  1. #1

    Min-Q
    Welli.net Team Benutzerbild von Min-Q


    Drei Aktivitätssterne

    4 Wellensittiche


    Standard Sterbehilfe: Pros und Contras bei Lebewesen

    Hallo,

    ich würde sehr gerne ein sehr trauriges, aber sehr wichtiges Thema mit euch diskutieren:

    Die Sterbehilfe bei schwerkranken und unheilbaren Krankheiten bei Lebewesen.

    Was haltet ihr von der Sterbehilfe? Sollte unterschieden werden zwischen der Sterbehilfe für Menschen und für Tiere? Welche Pro's und Contra's seht ihr in dieser Sache?

    Angenommen, ein Tier erleidet schmerzen. Das Schmerzmittel, was den Schmerz stillen würde, würde/könnte dann auch zum Tod führen. Wäre das dann Sterbehilfe oder nicht?

    Ich würde mich sehr über viele und vor allem gegensätzliche Meinungen freuen und bedanke mich im Voraus für Eure Antworten.

    Viele Grüße

  2. #2

    Jingar
    Ist Futterfest Benutzerbild von Jingar


    Ein Aktivitätssterne

    4 Vögel


    Standard

    Hallo,

    also was genau verstehst du unter Sterbehilfe? Die letzte Erlösung(Einschläfern) oder Medizin, die die letzte Zeit besser macht aber das Leben im Endeffekt vielleicht verkürzt? Zum Beispiel Nieren-/Leberschäden durch die Medikamente.

    Ich bin der Meinung, wenn ein Tier sichtlich leidet, dann sollte man alles tun um ihm die letzte Zeit angenehmer zu gestalten auch wenn das das Leben verkürzen wird und gegeben falls irgendwann die endgültige Entscheidung für das Tier treffen.
    Ich selbst habe schon mehrere Wellis einschläfern lassen, die unheilbar krank waren und denen Medikamente auch nicht mehr Linderung verschaffen konnten.

    Ich hatte einen Vogel mit Gicht. Sie hat homöopathische Mittel bekommen und auch Schmerzmittel. Dadurch konnte sie noch ein halbes Jahr gut leben. Für mich ist ein wichtiger Punkt das Fressen und Trinken. Solange sie das noch tun, wollen sie leben. An dem Tag, wo meine Gichtpatientin anfing zu kotzen, zog ich sofort die Konsequenz, dass es ab diesem Moment einfach nicht mehr erträglich für sie war.

    Ein anderer Fall war ein Mäuschen mit Wassereinlagerungen. Sie bekam ein Mittel was das entwässern sollte. Das klappte zwar aber es ging ihr dadurch nur noch schlecht. Als ich dann für eine zweite Meinung bei einem anderen Arzt war, sagte dieser mir, das sie auch Atemprobleme hatte und damit vermutlich bald ersticken wird. Das wollte ich ihr auf keinen Fall antun und daher lies ich auch sie einschläfern.

    Ich denke Tiere verdienen genauso wie Menschen Sterbehilfe. Und ja Medikamente die das Leben lebenswerter machen aber es verkürzen, ist für mich Sterbehilfe. Auch wenn sie ihre eigene Meinung nicht mitteilen können, kann man ihre Entscheidung zumindest erahnen, denke ich.

    Auf jeden Fall ein interessantes Thema.

    LG Maria

  3. #3

    Silvia H
    Wohnt bei Welli.net


    Vier Aktivitätssterne

    2 Wellensittiche


    Album von Silvia H

    Standard

    Hallo Yasemin,
    schwieriges Thema hast Du hier angeschnitten, ich versuche mal, meine Einstellung auszudrücken:

    Das wichtigste ist, Lebenshilfe zu geben. Wenn trotz aller Bemühungen dieses Leben für das Tier, das ja nicht selbst eine Entscheidung treffen kann, welches nur noch existiert und Qual bedeutet, dann hat es ein Recht darauf, ihm gnädig zu sein.
    Wenn eine OP oder Medikamente, die auch Nebenwirkungen haben, dem unheilbare kranken Tier eine lebenswerte Lebensverlängerung bringt, ist es eine Chance, die man dem Tier schuldig ist. Das könnte man "Sterbehilfe auf Raten" nennen. Vielleicht bin ich da auch egoistisch, denn in der Natur gibt es keine OP oder Medikamente, wenn ich mein Haustier länger behalten möchte, als es im Normalfall möglich wäre.
    Für mich bedeutet Sterbehilfe beim Tier, dass ich als Halter die Verantwortung trage, rechtzeitig die notwendige Entscheidung zu treffen.
    Sterbehilfe beim Menschen, der selbst entscheiden kann, befürworte ich, vorausgesetzt, dass hier alles vorab geklärt ist.

  4. #4

    Birdy92
    Wohnt bei Welli.net


    Vier Aktivitätssterne

    6 Wellensittiche


    Album von Birdy92

    Standard

    Hallo

    Wir mussten uns leider wegen unserem Sorgenkind schon mit diesem Thema auseinander setzen... Meine Persönliche Meinung ist, dass Sterbehilfe bzw. Einschläfern sinnvoll ist, wenn das Tier sich nur noch quält. Ich könnte niemals mit ansehen, wenn einer meiner Lieblinge leiden müsste. Ich würde mich aber ausgiebig mit dem Tierarzt darüber unterhalten. Leider können uns die Patienten ja nicht immer sagen, ob sie schmerzen haben oder nicht... Es ist also wirklich schwierig einzuschätzen finde ich. Mein Mann und ich haben uns aber ausdrücklich geeinigt, unsere Wellis nie leiden zu lassen und im Notfall uns zu verabschieden.
    Bei uns selbst sehen wir das ähnlich. Per Patientenverfügung haben wir festgehalten, dass der jeweils andere die Entscheidung trifft, wenn man selbst das nicht mehr kann.
    Ein sehr schweres Thema

  5. #5

    Pips
    Wohnt bei Welli.net Benutzerbild von Pips


    Vier Aktivitätssterne

    24 Wellensittiche


    Album von Pips

    Standard

    Die Frage ist immer nach der Lebensqualität. Wenn ein Vogel noch pfeift, am Schwarmleben teinimmt, auch wenn er etwas gehandicapt ist, dann darf er weiterleben, auch, wenn mal ein schlechter Tag dabei ist. Wenn die schlechten Tage überwiegen , ist es Zeit zu gehen. Geplustert rumhängen, sich abkapseln, OP und Behandlungen, die keine Heilung oder Besserung in Aussicht stellen können, ist nur eine Verlängerung der Qualen. Dann lasse ich lieber einschläfern.

  6. #6

    ophfeli
    Ist in der Jugendmauser


    Zwei Aktivitätssterne

    9 Wellensittiche


    Album von ophfeli

    Standard

    Das ist ein sehr schwieriges Thema, mit dem sich jeder Welli und Tierhalter irgendwann auseinandersetzen muss, auch bei sich selbst.

    Genau mit dieser Thematik musste ich mich bei meiner Henne Kucki vergangenen Freitag auseinander setzen.

    Kucki kam 2019 nach 7 Jahren Einzelhaltung in meinen Schwarm (über dieses Thema "Einzelhaltung" sind wir uns alle einig). Sie war gesundheitlich da bereits sehr "angeschlagen": Bauch und Rücken komplett gerupft, die Füßchen verkrüppelt, arthrotisch und versteift, sodass sie in den ersten Wochen auf Seilen gar nicht sitzen konnte und auf den Ästen nur mit Mühe. Fliegen konnte sie bestenfalls einen knappen Meter. Das wars auch schon. Nach einem Eingangscheck und entsprechender Quarantäne durfte sie zu meinen Wellis.

    Wie gesagt, brauchte sie mehrere Wochen, bis sie einigermaßen auf einem Seil sitzen konnte. Im Laufe der Zeit wurde das Fliegen besser, sodass sie wenigstens ungefähr 2 m weit fliegen konnte. Auch das Klettern wurde etwas besser und dank ihres neuen Partners , meinem Ernie, kam sie in meiner Voliere gut zurecht. Das Rupfen blieb, auch die meisten versteiften Fuß-und Zehengelenke verbesserten sich nur geringfügig.

    Im Herbst letzten Jahres begann sich leider ihr gesundheitlicher Zustand deutlich zu verschlechtern: sie konnte immer weniger Fliegen ( seit Dezember gar nicht mehr),beim Klettern stürzte sie häufig ab und zudem begann sie auch sich blutig zu beißen, an den Flügeln, Rücken oder auch anderen Körperregionen. Bereits hier stand zusammen mit der TÄ die Überlegung im Raum, sie einzuschläfern. Da aber ihr Lebenswillen ungemindert war, haben wir uns entschieden, mit diversen Medikamenten zu behandeln.

    In der letzten Woche aber fand ich sie immer häufiger auf dem Volierenboden, sodass ich sie tageweise in den Krankenkäfig setzen musste. Nachdem sie auch begann, sich im Kloakenbereich blutig zu beißen war vergangenen Freitag wieder ein TA-Termin fällig: hier stellte die TÄ dann einen TU an der Kloake fest, die Lebervergrößerung hatte auch deutlich zugenommen.

    Auf Grund der oben geschilderten Begleiterkrankungen habe ich mich dann dazu entschieden, sie von ihrem Leiden zu erlösen. Trotzdem war mir die Entscheidung enorm schwer gefallen, sollte doch noch eine Biopsie gemacht werden oder eine OP zur Entfernung des TU oder oder...

    Nein, ich denke spätestens hier würde die , wie Elke bereits schrieb, die Lebensqualität nicht mehr vorhanden sein. Den richtigen Zeitpunkt für diese Entscheidung zu fällen, ist immer schwer.
    Auch ich habe bereits viele gehandikapte Wellis, flugunfähige, oder mit Tumoren oder Gicht in meinem Schwarm gehalten, über teils viele Jahre. Bei diesen Tieren war ich mir sicher, dass Sie ihr Leben noch genießen können. Aber bei Kucki war der Zeitpunkt leider gekommen.

    Liebe Grüße Kristin

  7. #7

    Min-Q
    Welli.net Team Benutzerbild von Min-Q


    Drei Aktivitätssterne

    4 Wellensittiche


    Standard

    Vielen lieben Dank für Eure Antworten und dafür, dass Ihr Eure Erfahrungen mit diesem Thema teilt.

    Ich kann die Entscheidung sehr gut verstehen, unsere Lieblinge erlösen zu wollen anstatt sie schlimmen Qualen auszusetzen.

    @Jingar: Mit Sterbehilfe meine ich sowohl das Einschläfern, als auch die Gabe von Medizin, die die Lebensqualität zwar bessert, aber die Lebenszeit verkürzt.(Je nachdem wie man den Begriff definieren möchte.)

    Ja, ich denke auch, dass schwerkranke Menschen das Recht haben sollten zu entscheiden, wie sie von uns gehen.

    @Silvia: Das ist ein schönes Wort =) Lebenshilfe =)


    Welche Kontras zur Sterbehilfe könnte es geben?

    Ich möchte nicht gegen eure Entscheidungen/Ansichten argumentieren. (Die sind auch für mich persönlich sehr nachvollziehbar.) Sondern ich möchte versuchen dieses Thema unter verschiedenen Aspekten oder auch möglichen oder unmöglichen Szenerien zu betrachten. Natürlich hoffe ich, dass ich niemals in so eine Situation geraten muss. Aber falls sie kommt, werde ich an diese Diskussion zurückdenken.

    Was denkt ihr darüber:

    Überlegung 1

    Angenommen,

    der Körper schaltet bei zu großen Schmerzen, das Bewusstsein eines Lebewesens aus. (Was ich mal irgendwo gelesen habe), und angenommen,

    das Sterben ist ein Prozess, indenen langsam die körperlichen Funktionen nachlassen, was in einem gesunden Zustand nicht zu qualvollen Empfindungen führt. Dieser Sterbeprozess wäre auch ein geistiges Abschiednehmen und wäre auch ein "friedliches Sterben". (vllt nicht für jeden, aber das ist jetzt mal die Grundidee)

    Aber wenn jemand im Sterben liegt und Qualen erleidet, würde man dann diesem Lebewesen die Möglichkeit nehmen, im eigenen Tempo Abschied zu nehmen?

    und:

    Überlegung 2

    Angenommen, jemand hat ein Eid darüber abgelegt, niemals ein Lebewesen zu töten und immer das Beste zu tun, damit ein Lebwesen am Leben bleibt.

    Wäre dieses Eid durch das Einschläfern gebrochen?

    Oder aber, ware das Eid gebrochen, wenn nicht eingeschläfert wird, weil der Grundgedanke des Eids liegt darin, keinem Lebewesen schaden zuzufügen und indem man nicht einschläfert handelt man dagegen, ein Lebewesen vom Leid zu befreien.

    Ich freue mich sehr über Eure Antworten.

    Lieben Dank im Voraus

    LG

  8. #8

    Silvia H
    Wohnt bei Welli.net


    Vier Aktivitätssterne

    2 Wellensittiche


    Album von Silvia H

    Standard

    Hallo Yasemin,

    zu Pkt.1: Wenn jemand Qualen erleidet, dann sollte derjenige selbst entscheiden können, wenn dies nicht mehr möglich ist und er es so verfügt hat, wäre die Sterbehilfe nicht verwerflich.

    zu Pkt.2: wenn also Pkt. 1 zutrifft, dann wäre es zum Wohle des Leidenden, diesen Zustand zu beenden, also unter dem Aspekt, nur das Beste zu wollen, kein Bruch des Eids.

    Ich möchte hier anmerken, dass letzten Mittwoch meine Schwägerin nach langer und heftiger Krankheit versorgen ist. Meine Schwägerin hat alles in der Patientenverfügung geregelt. Sie wurde am Mittwoch kurz aus dem künstlichen Koma aufgeweckt, meine Nichte konnte sich mit ihr unterhalten und sich auch angemessen verabschieden. Meine Schwägerin bat darum, sie wieder ins künstliche Koma zu versetzen. Ihre Letzten Worte waren "Sterben ist doof".
    Einige Stunden später ist sie gestorben ohne Qualen, ganz friedlich.

    Silvia

  9. #9

    dani02
    Ist Futterfest Benutzerbild von dani02


    Ein Aktivitätssterne

    Besitzt keine Vögel


    Standard

    Leider musste ich mich mit diesem Thema auch gerade auseinandersetzen.
    Unser Simo hatte eine rasend schnelle Form von Gicht, zum Schluss war er dann still und passiv (kann auch zum Teil vom Schmerzmittel gekommen sein).

    Es war klar, dass er nicht mehr gesund wird. Aber soll ich ihn einschläfern lassen, oder wäre es besser, ihn in Ruhe langsam gehen zu lassen?
    Diese Frage beschäftigte mich sehr.

    Ich für mich entschied es so - solange er sich so verhält wie früher, wenn ich ihn in der Nacht gestört habe und er noch im Halbschlaf war,
    und solange er frisst und trinkt, von mir gereichte Hirse annimmt, solange ist es friedlicher, ihn einfach in Ruhe zu lassen.

    Er hat noch Minuten vor seinem Tod gefressen...

    Hätte er gezuckt, wäre unruhig gewesen oder gäbe es sonst Anzeichen, dass er sich quält, dann hätte ich den Tierarzt geholt.

    Es ist eine schreckliche Situation, aber leider, sie kann auf uns alle zukommen.

Forumregeln

  • Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
  • Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
  •