Gicht

Gicht ist eine Erkrankung, die durch eine Stoffwechselstörung und/oder gestörte Nierenfunktionen hervorgerufen wird. Im Blut befindliche Harnsäure, die eben nicht durch die Nieren ausgeschieden wird, lagert sich dann ab: in oder an Gelenken (Gelenkgicht) und/oder an den Organen. Wenn die Ablagerung nur an den Organen stattfindet, ohne dass sich die typischen Gichtknötchen an den Füßen oder Schultern der Vögel bilden, dann wird diese Gicht bei kleinen Vögeln wie Wellensittichen oder Zebrafinken meistens erst festgestellt, wenn der Vogel nach seinem Tod obduziert wird.

Die Gelenkgicht, die durch die gelben Knötchen an den Füßen und Ständern recht schnell auch von Laien erkannt werden kann, ist durch einen vogelkundigen Tierarzt zu therapieren. Denn dort muss festgestellt werden, wodurch die Gicht verursacht wird und wie die zur Anamnese passende Therapie aussieht. Der vogelkundige Tierarzt wird dabei Nebenerkrankungen berücksichtigen und die Therapie dementsprechend anpassen. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel auch nur darauf eingegangen, welche Maßnahmen der Vogelhalter zusätzlich zur medikamentösen und/oder Schmerztherapie ergreifen kann, um seinem Vogel das Leben so einfach wie möglich zu machen.

Änderung der Käfigeinrichtung

Die erste Maßnahme eines Vogelhalters mit einem "Gichtvogel" sollte die Anpassung der Käfigeinrichtung sein. Ein Vogel mit Gicht kann nicht so gut auf Stangen sitzen, hier kann man ihm Erleichterung verschaffen, indem man breitere und gepolsterte Stangen sowie Sitzbrettchen im Käfig befestigt. Da auch das Klettern am Käfiggitter für einen an Gicht erkrankten Vogel anstrengend bis schmerzhaft ist, sollte gegebenenfalls auch die Fütterung umgestellt werden bzw. bei Bodenfütterung auch Futter in der Nähe der bequemen Sitzgelegenheiten angeboten werden.
Hier ist dann darauf zu achten, dass die erkrankten Vögel auch ausreichend Futter bekommen und ihnen das Futter nicht von den anderen Schwarmmitgliedern gemopst wird.

Hinweise zur Ernährung

Futter

Wichtig ist bei der Ernährung von gichtkranken Vögeln, dass die Nahrung nicht unnötig proteinreich ist. An der Körnermischung kann man wenig machen, allerdings sollte die Fütterung von Ei- oder gar Insektenfutter sehr eingeschränkt werden bzw. so geschehen, dass der erkrankte Vogel dieses Futter nicht leicht erreichen kann. Denn eine proteinarme Ernährung gewährleistet, dass der Harnsäurespiegel im Blut nicht unnötig ansteigt.

Zusätze zum Wasser

Weiterhin ist auch die Gabe von Tees hilfreich, die man täglich variieren sollte, damit gerade der gichtkranke Vogel nicht das Trinken einstellt, weil er einen bestimmten Kräutertee nicht mag. Eine Alternative zum etwas aufwändigeren Ansetzen von Kräutertees - manche sollten über Nacht stehen - ist die Verwendung von entsprechenden Tropfen, die in der Apotheke erhältlich sind. Diese Tropfen sind allerdings oft alkoholhaltig und müssen deshalb mit ausreichend heißem Wasser so behandelt werden, dass der Alkohol verdampft. Da dies schon bei 78°C der Fall ist, ist dies bei der Verwendung von Heilkräutern, die auch als Tee wirksam sind, überhaupt kein Problem.

Folgende Heilkräuter können gichtkranken Vögeln gereicht werden:
- Zinnkraut
- Bärenklau
- Brennessel und
- Teemischungen "Blasen- und Nierentee" aus Drogerie und Apotheke

Natürlich versteht sich von selbst, dass alle diese Heilkräuter alkohol- und zuckerfrei gereicht werden müssen, damit sie auch wirklich hilfreich sind und nicht andere "Baustellen" schaffen.

Schmerztherapie

Ein weiteres Thema bei gichtkranken Vögeln ist die Schmerztherapie. An Gicht erkrankte Vögel erleben oftmals Schübe, in denen es ihnen deutlich und mitunter schlagartig schlechter geht. In so einem Fall kann es, wenn der vogelkundige Tierarzt dies befürwortet, sinnvoll sein, dem Vogel Schmerzmittel zu geben. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine Schmerzmitteltherapie für den Vogel dahingehende Folgen haben kann, dass andere Organe (besonders die Leber) durch sie geschwächt oder sogar geschädigt werden können. Man muss also in Absprache mit dem vogelkundigen Tierarzt genau und sorgsam abwägen, was man wann macht und gibt.

Nötige Gedanken des Vogelhalters

Nicht zuletzt ist es für Vogelhalter, die einen an Gicht erkrankten Vogel haben, wichtig, sich möglichst schon kurz nach der Diagnose damit auseinanderzusetzen, dass sie höchstwahrscheinlich irgendwann vor die Entscheidung gestellt werden, dem Vogel durch Einschläfern unnötige Qualen zu ersparen. Das soll nicht heißen, dass man frühzeitig die Flinte ins Korn wirft und den Vogel aufgibt, sondern nur, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen kann, an dem das Erlösen der letzte Liebesdienst ist, den man dem anvertrauten Vogel erweisen kann, weil man ihm Qualen und eine Verlängerung eines nicht mehr lebenswerten Lebens erspart.

Fazit

Vögel können mit Gicht weiterhin ein lebenswertes Leben haben, auch die Aufnahme von gichtkranken Abnahmevögeln kann sowohl das eigene Leben als auch das des Schwarms und/oder eines einzelnen Vogels bereichern. Gicht ist kein Todesurteil und verlangt nur wenig mehr Aufmerksamkeit des Halters über die normale Sorgfaltspflicht hinaus.
Die Erfahrung mit meinen gichtkranken Vögeln Selma (Wellensittich), Kassandra und K'Ehleyr (Zebrafinken) hat mir gezeigt, dass sie außerhalb der Schubphasen ein erfülltes Leben hatten, in dem sie aktiv am Schwarmleben teilhaben konnten.

 

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Pinguin

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