Sitzstangen

Vögel, die in Käfigen oder Volieren leben, verbringen die meiste Zeit am Tag sitzend auf Stangen. Umso wichtiger ist es, zu wissen was für Sitzstangen sich im Käfig befinden und wie diese beschaffen sind. Denn keiner möchte seinem Haustier schaden. Diverse Sitzstangen sind schon beim Kauf im Vogelkäfig vorhanden, andere kann man im Zoofachhandel oder auch im Onlineshop kaufen. Doch gerade im Zoohandel gibt es auch allerhand ungeeignete Produkte, die angeblich den Vögeln ein angenehmeres Sitzen ermöglichen sollen.

Ungeeignete Sitzstangen

Im Zoohandel gekaufte Vogelkäfige sind normalerweise mit Sitzstangen aus Kunststoff oder gedrechseltem (rundgeschliffenem) Holz ausgestattet. Leider sind diese Sitzstangen für Vogelfüße völlig ungeeignet. Beide Sitzstangenarten sind zu gleichmäßig und zu dünn, als dass sie den Wellensittich auf Dauer gesunden und richtigen Halt bieten könnten. Durch den ebenmäßigen Durchmesser halten die Sittiche die Füße immer in der gleichen Haltung; es werden stets dieselben Stellen der Füße belastet. Insbesondere bei übergewichtigen Wellensittichen kann es daher mit der Zeit zu Druckstellen bis hin zu schmerzhaften, entzündlichen Ballengeschwüren kommen. Es kostet den Vögeln enorme Kraft, sich auf zu dünnen Stangen zu halten und ist gerade für ältere Wellensittiche ein Kraftakt und eine Qual, wenn die Tiere schon unter Gelenk- und Fußkrankheiten leiden.

Zudem sind diese Arten von Sitzstangen zu glatt, sodass sich die Krallen der Vögel nicht in ausreichendem Maße abnutzen können. Auch für die Schnabelpflege sind sie schlecht bis gar nicht geeignet. Zu lange Krallen und zu lange Schnäbel können bei den kleinen Papageien die Folge sein.

Auf gar keinen Fall dürfen Sandpapierüberzüge auf den Vogel Sitzstangen angebracht werden! Diese Hüllen werden in manchen Zoohandlungen als Zubehör angeboten, um die Krallen abzunutzen. Tatsächlich sind diese rau wie Schmirgelpapier und es ist für die Wellensittiche ausgesprochen unangenehm darauf zu sitzen – jeder, der einmal mit dem Finger über Sandpapier gestrichen hat, kann sich das vorstellen. Mit der Zeit kann die Haut der Wellis an den Füßen aufgerissen und wund werden; diese Verletzungen bieten Keimen und Entzündungen einen idealen Nährboden. Sandpapierhüllen sind kein Gewinn, sondern Tierquälerei. Sie sind keinesfalls zur gesunden Krallenabnutzung geeignet!

Geeignete Sitzstangen

Aus diesen Gründen sollten die mitgelieferten Vogel Sitzstangen sofort durch artgerechte Sitzäste aus Naturholz ausgetauscht werden. Diese haben zum einen eine unebenmäßige Struktur und zum anderen unregelmäßige Durchmesser und Oberflächen. Auf diese Weise ist der Wellensittich gezwungen, seine Fußhaltung ständig leicht zu ändern.

Dünne Zweige trainieren den Gleichgewichtssinn der kleinen Papageien, während dicke Sitzstangen eine größere Sitzfläche bieten und somit dazu da sind, dass der Vogelfuß ganz auf der Stange aufliegt und das Körpergewicht des Wellis auf den ganzen Fuß verteilt wird. Daher ist es sinnvoll als Schlafplatz, sofern keine Schaukel verwendet wird (selbstgemachte Schaukeln können aber natürlich auch dickere Stangen enthalten!), dicke Sitzstangen anzubringen. Leicht wippende Äste sind nicht nur eine zusätzliche Fußgymnastik, sondern schonen zusätzlich die Gelenke. Diesen Wippeffekt erhält man, indem die Sitzstangen nur einseitig am Käfig befestigt werden. Die Fußkrallen werden beim Klettern automatisch abgenutzt, sodass sie normalerweise nicht vom vogelkundigen Tierarzt geschnitten werden müssen.

drei Wellensittiche auf einem Korkenzieherhasel-Ast

Naturäste werden zudem von den meisten Vögeln gern beknabbert und die Rinde abgeschält. Das hält den Schnabel in Form und ist neben Futter und Spielzeug eine gute Beschäftigung für die Wellensittiche. Frisch aus der Natur mit Trieben, Knospen oder Blüten enthalten die Zweige auch noch wertvolle Inhaltsstoffe als Ergänzung für eine artgerechte Ernährung.

Im Zoohandel und in diversen Onlineshops gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Naturholz-Sitzstangen, die meistens mit einem Metallschraubverschluss praktisch und einfach am Gitter des Käfigs bzw. der Voliere befestigt werden können. Zu kaufen gibt es aber nicht nur gerade Vogel Sitzstangen, sondern auch Astgabeln, also Äste in Y-Form, oder generell verzweigte, gewellte oder verschnörkelte Äste.

Alternativ zur Schraube kann man das Astwerk auch zwischen die Gitterstäbe klemmen, muss aber darauf achten, dass sie sich nicht wieder lösen können, wenn die Wellensittiche daran zerren. Auch Kabelbinder können zur Befestigung benutzt werden. Mittlerweile kann man als Zubehör aber auch Sitzstangenhalter aus Alu oder Kunststoff kaufen

Geeignete Holzarten

Man kann auch selbst gesammeltes Geäst verwenden. Hierfür eignen sich verschiedene Holzarten:

  • Ahorn
  • Eberesche
  • Erle
  • Esche
  • Espe
  • Haselstrauch
  • Korkenzieherhasel
  • Korkenzieherweide
  • Lärche
  • Linde
  • Obstbäume
  • Pappel
  • Platane
  • Weißdorn
  • Vogelbeere
  • Zierkirsche
  • Zitterpappel

Die typischen Obstbaumarten sind Apfel, Birne und Kirsche, aber auch seltenere Arten, wie Zitronenbaum und Mispel können den Wellis angeboten werden. Man muss nur beachten, dass die Bäume nicht gespritzt wurden. Wenn es nicht bekannt ist, ob die Bäume behandelt sind, dann besser nicht verwenden.

blühender Obstbaum-Ast

Wie bei Wildkräutern auch ist darauf zu achten, dass die selbst gesammelten Äste nicht von mit Pestiziden oder Abgasen belasteten Bäumen stammen, deshalb sollten sie nicht direkt an der Straße gesammelt werden. Auch sollten keine Äste verwendet werden, die schon länger am Boden liegen. Die Gefahr, dass sich Schimmel bildet, als auch die Rote Vogelmilbe oder andere Parasiten sich eingenistet haben, ist sonst zu groß.

Nadelbäume und Holzarten mit Gerbsäure und Salicin

Ebenfalls geeignet sind Eiche, Birke und Walnuss. Das Astwerk kann jedoch – vor allem im frischen Zustand – Gerbsäure enthalten, die bei empfindlichen Tieren zu Magen-Darm-Reizungen führen können. Man sollte die Zweige bei sehr empfindlichen Wellensittichen nur in geringer Menge und gut getrocknet anbieten. Gesunde Vögel haben mit den Gerbstoffen aber keine Probleme. Im Gegenteil sie werden so mit wichtigen Stoffen wie Bitterstoffe und sekundären Pflanzenstoffen versorgt, die wichtig für ihre Gesundheit sind.

Weide und Pappel sind ebenfalls geeignet; allerdings enthalten im Frühjahr die jungen Äste von Weidengewächsen einen hohen Anteil des Stoffes Salicin (als Salicylsäure findet diese Substanz unter anderem in Kopfschmerztabletten Verwendung). Vor Salicin wird häufig gewarnt, als Vorsichtsmaßnahme kann man im Frühjahr das Astwerk schälen oder gut durchtrocknen lassen. Da Vögel aber einen schnellen Stoffwechsel haben und nur geringe Mengen aufnehmen, sollte der Stoff bei gesunden Vögeln keine negative Auswirkung haben.

Zu Holunderäste gibt es unterschiedliche Meinungen und manche Quellen raten sogar ganz davon ab sie anzubieten. Holunder gilt als schwach giftig, aber nur für Menschen und Säugetiere. Für Vögel sind die Inhaltsstoffe des Holunders hingegen nicht giftig und es kann somit verwendet werden.

Ob Holz von Nadelbäumen als Vogelsitzstange geeignet ist, ist umstritten. Viele sehen in den Harzabsonderungen und den ätherischen Ölen der Nadeln eine Gefahr. Die Warnung vor Nadelbäumen rührt allerdings daher, dass Tests auf Verträglichkeit mit Ölkonzentraten erfolgt sind. Diese Konzentrate haben aber nichts mit der natürlichen Vorkommensweise zu tun und kein Wellensittich würde so viel von dem Öl mit dem Beknabbern der Zweige zu sich nehmen. Das ätherische Öl in den Nadeln ist ein natürliches Öl, dass in dieser Dosierung keine Reizungen verursacht und sich sogar positiv auf den Verdauungstrakt des Vogels auswirken kann. Um stark harzende Äste zu vermeiden, kann man Bruchäste sammeln. Das sind Astteile, die nach einem Sturm auf dem Boden liegen oder abgebrochen sind und somit bereits ausgeblutet sind.

Grundsätzlich muss jeder Vogelhalter selbst entscheiden, ob er seinen Tieren diese scheinbar umstrittenen Baumarten anbietet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet auf solche Bäume oder bietet nur geringe Mengen davon an. Aber diese Vorsicht ist bei gesunden Vögeln eigentlich nicht notwendig und durch die eigene Angst und Unsicherheit enthält man den Wellensittichen wichtige Pflanzenstoffe.

drei Wellis fressen an einem Tannenast

Reinigen der Hölzer

Die gesammelten Naturhölzer können ungewaschen, ungebacken und undesinfiziert den Vögeln angeboten werden. Das wird den Wellensittichen helfen ihre Immunabwehr zu trainieren.

Bei Verschmutzung durch Wildvögel können die Zweige mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt werden; Essigwasser kann zur zusätzlichen Desinfektion hinzugefügt werden. Auf chemische Reinigungsmittel sollte komplett verzichtet werden, da sie eher den Wellensittichen schaden, als dass sie ihnen nützen. Man kann die Holzäste auch bei ca. 150°C für etwas 20 Minuten im Backofen ausbacken, nötig ist das aber nicht. Eventuell vorhandenes Ungeziefer wird durch das Reinigen und Ausbacken entfernt.

Die Blätter müssen übrigens nicht entfernt werden, genauso wenig wie Flechten und Moose. Viele Vögel haben großes Vergnügen daran, sie zu benagen und daran zu knabbern. Es können auch zusätzlich zu den Sitzstangen frische Zweige mit Blättern angeboten werden, die von den Wellis komplett zerstört werden dürfen.

Der richtige Durchmesser

Wichtig ist auch, dass die am meisten und zeitlich am längsten benutzten Sitzstangen den richtigen Durchmesser haben. Die Natur Sitzstangen müssen dick genug sein, dass der Wellensittich sie nicht komplett umgreifen kann. Stattdessen müssen die Fußkrallen auf der Holzfläche aufliegen, meist beträgt in dem Fall der Durchmesser 12 mm bis 15 mm. Bei der gemeinsamen Haltung mit anderen Vögeln, wie Nymphensittiche, sollte für jede Vogelart die richtige Größe dabei sein. Wie oben erwähnt sind dünnere Äste, wie bei der Korkenzieherhasel, aber auch ein gutes Training für das Gleichgewicht und deshalb dürfen einige gerne vorhanden sein.

Die Abbildung zeigt, wie es richtig ist. Generell gilt: Lieber etwas zu dick als zu dünn. Unterschiedliche Aststärken sind am besten.

der richtige Durchmesser bei Sitzstangen für Wellensittiche

Übrigens: Auch Schaukeln sollten möglichst eine Sitzstange aus Naturholz haben, denn auch hier hocken die meisten Wellis viele Stunden!

Sitzstangen in Kranken- und Transportkäfigen

Transportkäfige, in denen die Wellensittich nur sehr kurze Zeit verbringen, können notfalls auch mit Kunststoffstangen ausgestattet sein. Krankenkäfige, in denen ein Aufenthalt von mehreren Tagen möglich ist, sollten hingegen ebenfalls mit Naturästen ausstaffiert werden.

Eine Ausnahme bilden Krankheiten, die hochinfektiös sind und besonders strenge Hygienemaßnahmen erfordern wie zum Beispiel ein Befall mit Spulwürmern. Hierbei kann die zeitweilige Verwendung von Plastikstangen sinnvoll sein, weil diese sich dank ihrer glatten Oberfläche besonders gut reinigen lassen. In einem solchen Fall sollte man mit seinem vogelkundigen Tierarzt beraten, ob die Hygiene in diesem Fall über der Fußgesundheit stehen soll. Auf Kunststoffstangen mit Rillen sollte man aber in jedem Fall verzichten, da man diese kaum richtig sauber bekommt

Sitzstangen bei Behinderungen bzw. Fußkrankheiten

Bei verschiedenen Krankheiten (Druckstellen, Arthrose, Fehlstellungen, Handicap-Vögel, usw.) kann es nötig werden, dass man im Vogelkäfig gepolsterte Sitzstangen verwendet. Hier sind auch Baumwoll-Sitzstangen zu empfehlen oder Stangen aus Kork. Manche Handicap Vögel nehmen aber auch gerne Sitzbretter aus Holz oder Kork an.

Autor: Blueberry / erweitert von: Pezzy und MelliW

 

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