Euthanasie

Viele Wellensittiche leben ein langes und glückliches Leben und sterben irgendwann an Altersschwäche, ein ganz natürlicher Vorgang. Allerdings ist es leider nicht immer so, dass ein Tier sein Leben lang gesund bleibt, manchmal kommt es zu Unfällen, schweren Krankheiten, kurzum zu großem Leid für den Vogel. In so einem Falle entscheiden sich viele Tierhalter dafür, das Leiden ihres geliebten Tieres zu beenden und lassen eine Euthanasie durchführen. Was das ist, in welchen Situationen sinnvoll ist und was man dabei beachten sollte, soll hier besprochen werden.

Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „zu gutem Tod verhelfen“. Im medizinischen Sinne meint dies das Erleichtern des Sterbens oder die Herbeiführung des Todes durch verschiedene Maßnahmen. Im Normalfall bedeutet dies, das dem Tier zunächst ein starkes Narkosemittel verabreicht wird, was zu einem tiefen Schlaf und bei bereits sehr geschwächten Tieren in der Folge zum Herzstillstand führt. Um sicher zu gehen, wird danach noch ein Gift injiziert, das in jedem Falle einen Herzstillstand herbeiruft. Der schlafende Vogel merkt davon nichts mehr, er hat keine Schmerzen und stirbt im Schlaf. Da es jedoch auch Tierärzte gibt, die eine vorherige Betäubung nicht für notwendig halten, sollte man dies in jedem Falle vorher abklären und darauf bestehen, oder im Notfall einen anderen Tierarzt aufsuchen.

Warum und in welchem Fall Euthanasie?

Den Schritt zur Euthanasie zu tun ist eine schwere Entscheidung, die jedoch in einigen Fällen notwendig ist, wenn man einem geliebten Tier unnötiges Leiden und Schmerzen ersparen möchte. Wenn es zu einem Unfall mit extremen Verletzungen kommt, fällt die Entscheidung meist leichter oder wird zumindest eher getroffen, als wenn es sich um einen schleichenden Prozess handelt und die Krankheit des Vogels nicht so einfach erkennbar ist. Die Frage, die im Vordergrund steht, ist immer: Ist das Leben des Wellensittichs noch lebenswert? Wenn man seine Vögel kennt und sich mit ihnen beschäftigt, kann man viele Anzeichen dafür, dass es ihnen schlecht geht, erkennen. Man sollte in jedem Falle im Zuge dessen einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, der sich mit Wellensittichen gut auskennt, damit eine Diagnose gestellt werden kann. Viele Krankheiten sind heilbar, leider kann die Diagnose aber auch niederschmetternd ausfallen, wenn keine Besserung mehr zu erwarten ist. Das ist beispielsweise bei vielen Sorten von Tumoren der Fall, insbesondere, wenn diese nicht operabel sind. Es ist sehr wichtig, dass sich der Tierarzt mit Vögeln auskennt, um sagen zu können, ob für eine Krankheit Heilungschancen bestehen oder nicht und inwiefern ein Wellensittich beschwerdefrei mit ihr Leben kann oder nicht. Bekommt das Tier eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, muss man entscheiden, wann es Zeit ist, den Hausgenossen gehen zu lassen. Diese Entscheidung ist hart und fällt sehr schwer, daher sollen hier einige Tipps gegeben werden, wie man einen stark leidenden Vogel erkennt.

Wann ist es Zeit, loszulassen?

Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass ein Wellensittich sein Leben nicht mehr genießt. Man muss richtig hinsehen, dann wird man viele davon erkennen können. Ist der Vogel durch einen Unfall nicht mehr in der Lage, sich selbst zu ernähren oder ist er körperlich so sehr eingeschränkt, dass er sich nicht mehr bewegen kann, sollte die Möglichkeit der Euthanasie mit dem vogelkundigen Tierarzt besprochen werden.

Bei schleichenden Krankheiten sind die Kriterien noch etwas anders. Hier muss man auf mehr Indikatoren achten. Erkennt man, dass das Tier nur noch Schmerzen hat, keine Besserungschancen bestehen, es apathisch herumsitzt, nicht mehr selbst frisst, nicht mehr fliegt, sein Gefieder nicht mehr pflegt und allgemein nicht mehr am Leben im Schwarm teilnimmt beziehungsweise sich nicht mehr mit seinem Partner beschäftigt, dann ist es Zeit, eine Euthanasie in Erwägung zu ziehen.

Ein Wellensittich, der sich nicht mehr mit seinen Artgenossen beschäftigt und aufgehört hat zu fressen, hat seine eigene Entscheidung getroffen. Treffen die oben genannten Kriterien zu, ist keine Besserung in Sicht, sind die Prognosen schlecht und rät der Tierarzt zum Einschläfern, dann sollte man diesen schweren Schritt tun. Man sollte hier egoistische Motive und den eigenen Abschiedsschmerz in den Hintergrund drängen, denn man muss sich vor Augen führen, dass es dem Tier nicht besser gehen wird und dass man ihm eine Menge Leid ersparen kann. Es ist jedoch ganz wichtig, diese Entscheidung nicht allein zu treffen, sondern den vogelkundigen Arzt mit einzubeziehen, da er genau weiß, welche Krankheiten besiegt werden können und welche nicht und in welchem Stadium sich der Vogel befindet. NIEMALS darf ein Vogel ohne vorhergehende Untersuchung eingeschläfert werden und ein Halter sollte NIEMALS diese Sterbehilfe in Eigenregie leisten. Zum Einen kann man selbst nicht einschätzen, welche Krankheit das Tier hat, wie weit sie fortgeschritten ist und ob eine Euthanasie wirklich nötig ist und zum Zweiten ist es strafbar, ein Tier selbst zu töten. Dies darf nur von einem einer Person mit der entsprechenden Sachkunde durchgeführt werden.

Kommt es bei einer bekannten Krankheit zu einer drastischen Verschlechterung oder hatte der Vogel einen Unfall, ist ein schnelles Handeln erforderlich. In einer solchen Situation kann es möglicherweise besser sein, nicht zum gewohnten Tierarzt zu fahren (da es nicht besonders viele vogelkundige Tierärzte gibt, kann der Weg dorthin viel Zeit in Anspruch nehmen), sondern den nächstmöglichen Tierarzt aufzusuchen. Allerdings kann es in diesem Fall auch völlig kontraproduktiv sein, die Meinung dieses "Ausweichtierarztes" in die Entscheidung für das Einschläfern mit einzubeziehen, da er sich mit dem Krankheitsverlauf des Vogels nicht auskennt. Um so eine Entscheidung entgegen der Meinung des Tierarztes zu treffen und den Vogel gehen zu lassen, obwohl der Tierarzt möglicherweise noch zu einer Aufbauspritze oder ähnlichem rät, muss man seine Tiere sehr gut kennen und sich auch sicher sein, dass keine Besserung mehr eintreten wird.

Der Weg über die Regenbogenbrücke und die, die zurück bleiben.

Hat man sich schweren Herzens entschieden, seinen Wellensittich einschläfern zu lassen, dann muss man sich überlegen, wie man damit umgeht. Es gibt viele Halter, die ihren Hausgenossen bis zum Ende begleiten wollen, einige sind jedoch nicht dazu in der Lage. Man sollte vorher überlegen, ob man das durchhalten kann oder nicht und sich unter Umständen eine Begleitung mitnehmen. Die meisten Tierärzte erlauben es, das sterbende Tier in den Händen zu halten, um Abschied zu nehmen und ihn bei seinen letzten Atemzügen zu begleiten. Es ist keine Schande, traurig zu sein und man sollte sich auch nicht schämen, wenn man seine Tränen nicht zurückhalten kann. Es ist völlig normal, dass es einem schwer fällt sein, Tier gehen zu lassen, und die Ärzte, die Euthanasien durchführen, wissen dies auch. Es ist jedoch auch wichtig, dem Wellensittich im Vorfeld möglichst wenig zu zeigen, dass man selbst Angst hat, denn dies überträgt sich auch auf den Vogel und macht alles schwerer. Manche Tierärzte bieten auch an, eine Euthanasie in der gewohnten Umgebung durchzuführen. Ob dies notwendig ist und ob man es in Anspruch nehmen will, muss man im Einzelfall entscheiden.

Jenseits des Regenbogens

Hat der Wellensittich den letzten Weg gemacht, hat man die Möglichkeit, den toten Körper mitzunehmen und zu begraben oder ihn beim Tierarzt zu lassen (wobei hier auch Kosten für die Tierkörperverwertung entstehen). Die meisten Halter entscheiden sich dafür, ihren Wellensittich mitzunehmen. Das hat auch den Grund, dass man so den anderen Schwarmmitgliedern beziehungsweise dem Partner die Möglichkeit geben kann, Abschied zu nehmen und besser zu verstehen, dass der andere tot ist und nicht zurück kommt. Dies kann unter Umständen einem tagelangen Hinterherrufen vorbeugen, muss aber nicht. In jedem Fall gibt es einem aber die Möglichkeit, den Vogel zu begraben und so den Abschied symbolisch zu beenden. Man kann das Tier auf dem eigenen Grundstück beerdigen, sofern es das eigene ist oder eine Erlaubnis des Eigentümers vorliegt und es nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt. Auch darf das Grab nicht direkt an öffentlichen Geländen und Wegen liegen und muss mindestens 50cm tief sein. Hat man diese Möglichkeiten nicht, kann man auf ein Tierkrematorium oder einen Tierfriedhof zurückgreifen. Weitere Informationen zu Begräbnismöglichkeiten findet wurden an anderer Stelle zusammengetragen.

Die oben genannte Regenbogenbrücke ist ein Synonym für den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits, vielen Tierhaltern hilft es, sich als Leben nach dem Tod ein Regenbogenland vorzustellen, in dem alle verstorbenen Haustiere zusammen schmerzfrei und vor allem ohne irgendwelche Beschränkungen leben. Auch hier gibt es die Möglichkeit, seine verstorbenen Tiere in einem virtuellen Regenbogenland zu verewigen und vielleicht in den Gedichten etwas Trost zu finden.

 

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twixx_87

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