Extrudiertes Futter und Pellets

Das Füttern von Extrudaten oder Pellets ist ein Thema, welches mehr und mehr in das Interesse der Vogelhalter im deutschsprachigen Raum rückt aber immer noch für viele Menschen unbekanntes Gebiet ist. In anderen Ländern wie z.B. Spanien oder auch den USA, wird es bereits seit etwa 1970 verfüttert, in Westeuropa hingegen wird es kaum verwendet und mitunter noch recht kontrovers diskutiert. Um einen kleinen Einblick in die Welt des industriell hergestellten Futtermittels zu geben, befasst sich der folgende Artikel mit den wichtigsten Informationen.

Die Herstellung

Auch wenn Pellets und Extrudate beide industriell hergestellt werden, so sind sie nicht das Gleiche. Folgend werden die unterschiedlichen Herstellungsverfahren erläutert.

Pellets: Die einzelnen Futterbestandteile werden gesäubert, zerkleinert und vermengt. Dann werden sie durch Zugabe von Wasserdampf konditioniert und anschließend gepresst. Dabei entstehen Temperaturen von etwa 80°C. Die zylindrischen Pellets liegen von der Größe her zwischen 2 und 12 mm und haben meist eine weichere Konsistenz, vergleichbar mit leicht geröstetem Toastbrot. Die Vorteile von Pellets gegenüber dem bekannten Körnerfutter sind, dass die einzelnen Nahrungsbestandteile bereits weitgehend aufgeschlossen sind. Die Keime werden verringert und durch die glatte Oberfläche wird die Pilz- und Mikrobenentwicklung gehemmt. Durch die hohen Herstellungstemperaturen zerfallen jedoch die meisten Vitamine, diese werden deshalb anschließend in abgestimmter Dosierung auf das getrocknete Produkt aufgesprüht.

Pellets

Extrudate: Bei der Herstellung von Extrudaten liegen die Temperaturen sogar noch höher, etwa bei 130°C. Durch Wasserdampf, Wärme und Druck werden die zerkleinerten Komponenten vermischt und anschließend gepresst. Das energieaufwendige Verfahren hat gegenüber den Pellets den Vorteil, dass Keime wesentliche besser vernichtet werden, ebenso wie Pilzspuren, Toxine und Mikroorganismen. Außerdem sind die einzelnen Nahrungsbestandteile vollständig aufgeschlossen. Extrudate haben je nach Hersteller eine andere Farbe und Form. Es gibt sie als sternförmiges Produkt, oval oder auch zylindrisch. Sie alle eint jedoch eine harte Konsistenz, ähnlich der von Zwieback. Auch bei diesem Futter werden Vitamine zugeführt.

Extrudate

Inhaltsstoffe

Die einzelnen Komponenten der verschiedenen Pellets und Extrudate variieren von Hersteller zu Hersteller. Meist finden Gräser, Getreide, Saaten, Gemüse sowie Nüsse, Soja und Algen Verwendung. Dadurch sind auf die jeweilige Vogelart abgestimmte Mengen an Aminosäuren, Spurenelementen und Mineralstoffen enthalten. Vitamine werden, wie zuvor beschrieben, zum größten Teil ergänzt. Da die Umstellung auf Extrudatfutter häufig auch bei chronischen Hefepilzerkrankungen wie Macrorhabdiose empfohlen wird, sei in diesem Zusammenhang noch um besondere Aufmerksamkeit bei der angegebenen Zusammensetzung gebeten: sehr viele der Extrudate und Pellets enthalten Obst, Fruchtsäfte oder Süßungsmittel um die Akzeptanz zu erhöhen. Da Hefepilze sich von Zucker ernähren und dieser in den zuvor erwähnten Zusatzstoffen enthalten ist, sollte man im Zweifel doch lieber ein gänzlich zuckerfreies Produkt wählen. Dabei muss man Acht geben, dass auch wirklich alle Komponenten und Zusatzstoffe vom Hersteller deklariert wurden. Angaben wie beispielsweise *pflanzliche Nebenerzeugnisse* veranlassen viele Halter zur Skepsis. Ist dies der Fall, sollte man im Zweifel lieber auf ein anderes Produkt zurückgreifen.

Umstellung

Die Umstellung sollte in jedem Fall zuvor mit einem vogelkundigen Tierarzt abgesprochen und von diesem begleitet werden. Empfohlen wird eine Schrittweise Umstellung, in der sich der Anteil Extrudate/Pellets im Verhältnis zum regulären Körnerfutter kontinuierlich steigert bis dann schlussendlich nur noch Extrudate verfüttert werden. Viele Hersteller legen ihren Packungen eine Art Beipackzettel bei, die über die empfohlene Vorgehensweise informiert oder bieten im Internet Ratgeber dazu an.

Zum Vergleich anbei ein Foto von extrudiertem Futter und Körnern:

Vergleich

Bei Wellensittichen ist eine Umstellung im Gegensatz zu größeren Papageienarten wie etwa Agaporniden in aller Regel sehr schwierig. Die kleinen Sittiche gewöhnen sich nur schwerlich an diese Futterart. Eine Studie zu diesem Thema wurde sogar vorzeitig abgebrochen, da die Wellensittiche zu verhungern drohten weil sie die Pellets nicht als Futter akzeptierten. Ratsam für eine möglichst stressfreie Umstellung ist die zeitweise Unterbringung der Sittiche bei anderen Vögeln, die bereits an dieses Futter gewöhnt sind, sogenannte Zeigervögel. So läuft die Umstellung meistens unproblematisch ab, denn Wellensittiche sind außerordentlich futterneidisch und somit von Ihresgleichen recht schnell vom neuen Futter zu überzeugen. Im Idealfall erfolgt diese Umstellungsmethode natürlich im eigenen zu Hause indem man um einen (oder mehrere) Zeigervögel aufstockt und diese im vorhandenen Schwarm integriert. Jedoch ist dies selbstverständlich nicht jedem Halter möglich und sollte zuvor gut überdacht werden.

Vor- & Nachteile

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: der Wellensittich bekommt alle Nährstoffe die wichtig sind, eine einseitige Ernährung, beispielsweise durch Selektieren einzelner Körner wird umgangen. Auch sind die Bestandteile bereits aufgeschlossen und die Nahrung kann so wesentlich besser verwertet werden. Man kann auf Zusatzpräparate wie Vitaminpulver usw. verzichten, weil im extrudierten Futter bereits alles enthalten ist. Bei Untersuchungen von Veterinärkliniken konnten deutlich verbesserte Blut- & Leberwerte festgestellt werden. Übergewichtige Vögel erreichen durch extrudiertes Futter leichter wieder ihr Idealgewicht und Sittiche, die durch Krankheiten abgemagert sind, können so sehr gut aufgepäppelt werden. Das Gefieder ist leuchtender und glänzt, die Vögel sind in der Regel aktiver und zeigen mitunter auch eine größere Zutraulichkeit. Manche Hersteller bieten auf die jeweiligen Lebensphasen abgestimmtes Futter an, wie beispielsweise für die Aufzucht, Mauser oder die reguläre Erhaltung.

Oft genannte Nachteile sind zum einen die schlechte Akzeptanz der Pellets/ Extrudate bei Wellensittichen und die somit schwierige Umstellung. Möchte man als Halter die stressfreiere Umstellungsmethode der Zeigervögel praktizieren, muss man sich überlegen, wohin man seine Vögel für diese Zeit abgibt und welche Risiken damit verbunden sind. Auch eine Aufstockung mit Vögeln die das extrudierte Futter bereits kennen, sollte in jedem Fall gut überlegt sein.

Durch die meist gleichmäßige Färbung und gepresste Form erhalten die Vögel kaum visuelle Reize durch das Futter. Um dennoch die Sinne und Intelligenz der Wellis zu stimulieren, sollte man ihnen ein großes Angebot an Beschäftigungsmaterial oder Foreaging-Spielzeug zur Verfügung stellen.

Weiterhin sind die Kosten für dieses Futter bedeutend höher als für eine normale Körnermischung. Dafür spart man sich jedoch auf der anderen Seite ggf. auch Tierarztkosten, denn gerade auf übergewichtige oder auch Magen-Darm erkrankte Vögel sowie chronische Leberpatienten wirkt diese Fütterungsart sehr positiv. Außerdem kann auf teure Futterzusätze verzichtet werden.

Nicht selten wird als Nachteil angeführt, dass Wellensittiche bei ihrer natürlichen Fressbewegung die äußere Hülle der Pellets quasi wie ein Korn entspelzen und somit nicht an die Vitamine gelangen. Die zugesetzten Vitamine ziehen aber durchaus nach dem Aufsprühen weiter in das poröse Produkt ein, sind also nicht nur rein äußerlich vorhanden. Weiterhin ist zu beobachten, dass kleinere Extrudate sogar im Ganzen verschluckt werden, ohne dass der Schnabel wie beim Entspelzen zum Einsatz kommt.

Auch dass der Muskelmagen durch die Konsistenz der Extrudate keine Arbeit mehr bekommt und somit träge und krankheitsanfällig werden könnte, ist in Studien aus Ländern, in denen viele Vögel seit Jahrzehnten so ernährt werden, noch nicht bestätigt worden. Davon abgesehen sind zumindest die meisten Gräser und Samenstände, die von Wellensittichen in ihrer australischen Heimat gefressen werden, auch nicht hart/fest genug um dem Muskelmagen noch viel Arbeit zu machen. Daher sollte auch dieser Contra-Punkt mit etwas Abstand betrachtet werden.

Ein Nachteil, für den es kein Gegenargument bzw. Abhilfe gibt ist der, dass durch die Fütterung von Pellets oder Extrudaten natürlich auch einige Krankheitssymptome entfallen. So fehlt beispielsweise für einen akuten Schub der Macrorhabdiose (Megabakterien) das oft typische Ausscheiden von unverdauten Körnern. Halter, die sich dazu entschließen so zu füttern, sollten also noch genauer auf Auffälligkeiten ihrer Vögel achten. Zudem verändert sich je nach gewähltem Hersteller auch die Farbe, Konsistenz und Form des Kots durch die Extrudate/Pellets. Dabei kann es zu grünlich, bräunlichen Färbungen kommen, die dann jedoch nicht auf eine Krankheit hindeuten. Manchmal ist der Kot auch leicht gräulich überzogen – wenn das der Fall ist, sollte man überprüfen ob das Innere des Kots dennoch die normale dunkle Kotfarbe aufweist. Oft wird der Kot durch extrudiertes Futter etwas weicher und dementsprechend anders geformt (z.B. als Würstchen). Der weiße Harnanteil des Kots bleibt unverändert vorhanden. Wie allein an diesen Beispielen zu merken ist, bedarf es auch einer gewissen Vorabinformation was solche Veränderungen angeht, um einschätzen zu können, welches Indiz auf eine Krankheit hindeutet und welches nicht. Ist sich der Halter unsicher, sollte in jedem Fall ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Bezugsquellen

Die meisten Extrudate und Pelletssorten lassen sich bequem über das Internet beziehen. Auch in gut sortierten Zoofachgeschäften wird man manchmal fündig. Dort werden dann allerdings meistens nicht die für Wellensittiche geeigneten Sorten angeboten. Leider gibt es auch Hersteller, wie zuvor bereits erwähnt, welche die beinhalteten Bestandteile des Futters nur unzureichend deklarieren und keine genauen Mengen benennen. Deshalb wird empfohlen, bei Bedarf extrudiertes Futter über den Tierarzt seines Vertrauens zu beziehen, da diese Produkte vollständig aufgeschlüsselt und deklariert angeboten werden. Außerdem stammen Futtermittel, die beim Tierarzt verkauft werden, meist aus kontrolliert biologischem Anbau und sind frei von Pestiziden und sonstigen Anbau-Rückständen, was für zusätzliche Sicherheit sorgt.

Lagerung

Die Lagerung von Pellets/ Extrudaten muss unbedingt trocken und kühl in einem verschlossenen Gefäß erfolgen. Manche Hersteller bieten deshalb ihr Futter bereits in hochwertigen, lichtgeschützten und wiederverschließbaren Verpackungen an. Dadurch, dass die Produkte bereits aufgeschlossen sind und nicht wie etwa bei Körnern noch durch eine äußere Schale vor negativen Einflüssen geschützt werden, sollte weiterhin vermieden werden, die Pellets mit den bloßen Händen in den Futternapf zu füllen. Dass das extrudierte Futter, wie andere Futtermittel auch, mindestens einmal täglich gewechselt/aufgefüllt werden sollte, versteht sich in diesem Zusammenhang von selbst. Eventuelle Reste in den Futternäpfen sind in jedem Fall zu entsorgen. Die meisten Hersteller empfehlen eine Verwendung von einmal geöffneten Verpackungen bis zu maximal 2 Monaten.

Fazit

Extrudiertes Futter sowie Pellets sind sicher Futtermittel, die noch eine ganze Zeit brauchen werden, um die kritischen Halter auf dem Westeuropäischen Markt überzeugen zu können. Gerade wenn die Vögel gesund sind, besteht derzeit auch kaum ein Anlass um über eine Umstellung nachzudenken, denn es gibt zum Glück einige Anbieter von hochwertigen und ausgewogenen Körnermischungen, mit denen die Vögel bestens versorgt sind. Kommt es jedoch zu Krankheiten im Schwarm, ist extrudiertes Futter eine empfehlenswerte Alternative. Als Alleinfutter ist weder extrudiertes Futter noch Körnerfutter geeignet. Bei beiden Fütterungsarten sollte den Wellensittichen zusätzlich Frischfutter gereicht werden.

 

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Mucki

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