Übergewicht bei Wellensittichen

Übergewicht ist bei im Haus gehaltenen Wellensittichen, insbesondere bei Hennen, ein häufiges Problem und kann die Gesundheit ernsthaft gefährden und Krankheiten verursachen. Welche Ursachen und Folgen Übergewicht hat und was man dagegen tun kann, ist im Folgenden nachzulesen.

Wichtig ist es erst mal das Gewicht seiner Wellensittiche zu kennen und zu wissen, ob sie normal oder übergewichtig sind. Wiegen kann man die Vögel mit einer digitalen Küchenwaage. Erkennen tut man zu viel Gewicht nicht nur an der Grammzahl, sondern auch durch Abtasten des Brustbeines. Wenn es nicht mehr spürbar ist, dann ist der Welli zu dick.

Ursachen von Übergewicht und ihre Beseitigung

Übergewicht bei Wellis kann unterschiedliche Ursachen haben. Die gängigsten sind hier aufgeführt.

Zu wenig Freiflug/Flugfaulheit

Einer der häufigsten Gründe für dicke Wellensittiche ist zu wenig Freiflug bzw. eine Flugfaulheit des Vogels. In freier Wildbahn sind Wellis den ganzen Tag unterwegs und auf Futtersuche. Durch mangelnde Bewegung werden zu wenig Kalorien verbrannt und das Tier nimmt zu. Wenn nur die Zeit des Freifluges zu kurz ist (es sollten mindestens 4 Stunden am Tag sein, sofern der Käfig die Mindestanforderungen erfüllt; es gilt aber: je mehr desto besser), lässt sich das Problem leicht lösen. Einfach die Freiflugzeit erhöhen.

Liegt der Grund aber bei der Flugfaulheit des Tieres, ist das schon etwas schwieriger. Welche Ursachen Flugfaulheit haben kann und was man dagegen machen kann, lässt sich in unserem Artikel über flugfaule Wellensittiche nachlesen.

Falsches Futter

Ein weiterer häufiger Grund für übergewichtige Vögel ist falsches Futter. Wichtig für die Haustiere ist eine artgerechte und gesunde Ernährung. Viele Fertig-Futtermischungen enthalten Zusätze von Honig und Backwaren, das sind echte Dickmacher und somit gar nicht gesund. Auch Knabberstangen sind oft sehr zuckerhaltig und daher nicht gut geeignet. (Wie man selbst kalorienarme Knabberstangen herstellen kann, erfährt man in unserem Rezept; den Honig einfach weglassen.)

Auch ohne dass ein Tier übergewichtig ist, sollte man auf zuckerhaltige Ernährung verzichten, da Megabakteriose bei Wellensittichen mittlerweile sehr weit verbreitet ist und das Wachstum dieser Pilze wird durch Zucker begünstigt. Weitere Informationen zur Erkrankung sind in unserem Artikel Megabakteriose zu finden.

Wellensittiche sollten zudem kein Körnerfutter bekommen, das Sonnenblumenkerne enthält, die zu kalorienhaltig für die kleinen Papageien sind. Dies ist leider in fertigen Futtermischungen teilweise der Fall. Auch sollte der Anteil an fettreichen Saaten, wie Negersaat gering sein. Daher ist es sinnvoll, das Futter bei Onlineshops zu bestellen, die sich auf die Herstellung oder Vertrieb von artgerechtem Sittich- und Papageienfutter spezialisiert haben. Hier gibt es auch häufig spezielles Diätfutter, dass vom Inhalt einen größeren Anteil an Grassaaten und wenig Ölsaaten enthält.

Zu viel Futter

Viele Wellensittichhalter machen einfach den Napf voll und vertrauen darauf, dass die Haustiere nur so viel fressen, bis sie satt sind. Leider kann man sich darauf nicht verlassen. Wellensittiche haben da nicht unbedingt ein Maß, einige von ihnen fressen so lange sie können und nehmen daher zu. Es ist also wichtig das Futter zu rationieren. 6 bis 10 Gramm pro Vogel und pro Tag reichen vollkommen aus.

Gut ist es auch, einen Teil morgens anzubieten, dann viel Grünfutter in den Käfig zu hängen und den nächsten Teil Körnerfutter am Nachmittag zu geben. So ist die Futteraufnahme über den Tag verteilt und die Vögel fressen sich auch am Grünfutter satt, welches weniger Kalorien hat. Zu beachten ist hier jedoch auch, dass das Grünfutter nicht zu lange im Käfig hängen darf, weil es leicht verdirbt. Besonders im Sommer muss man sehr darauf achten.

Lipom/Tumor

Leider kann Übergewicht auch durch Faktoren bedingt sein, auf die der Besitzer keinen Einfluss hat. Dies ist beispielsweise bei einem Tumor oder einem Lipom der Fall (wobei ein Lipom eine Art gutartiger Fett-Tumor ist). Zwar werden Lipome oft auch erst durch Übergewicht hervorgerufen, allerdings nicht immer. Teilweise sind auch genetische Faktoren dafür verantwortlich. Es sollte auf jeden Fall ein vogelkundiger Tierarzt eingeschaltet werden, der entscheidet, ob man den Tumor operativ entfernen kann und was im weiteren zu tun ist. Weitere Information bietet unser Artikel Lipome.

Krankheiten

Unnatürliche Gewichtszunahmen oder auch Abnahmen sollte man immer vom vogelkundigen Arzt abklären lassen. Auch wenn ein Umstellen der Ernährung keine Veränderung beim Gewicht bewirkt, sollte man den Facharzt zu Rate ziehen. Bei verschiedenen Krankeiten können Gewichtsveränderungen vorkommen, z. B. bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann der Welli zunehmen.

Geschlechter-Ungleichgewicht im Schwarm/Fütterwütige Hähne

Ein weiterer Grund für das zu viel auf den Rippen einiger Wellensittichhennen ist ein Geschlechter-Ungleichgewicht im Schwarm. Kommen mehrere Hähne auf eine Henne, kommt es häufig vor, dass die Henne von allen Seiten gefüttert wird und daher zu viel Futter zu sich nimmt. Aber auch wenn nur ein Hahn pro Henne vorhanden ist, kann es passieren, dass dieser seine Angebetete einfach zu viel füttert. Bei einem Geschlechter-Ungleichgewicht kann es sinnvoll sein, die Anzahl anzupassen, also eine weitere Henne dazuzuholen.

Ist der Gesundheitszustand ernsthaft durch die Fettleibigkeit gefährdet, kann man die adipöse Henne auch mit ihrem verpaarten Hahn vom Schwarm trennen, um einen Diätversuch zu starten. Dies ist allerdings häufig nicht von Erfolg gekrönt, da die Probleme meist wieder auftreten, wenn das Pärchen wieder in den Schwarm integriert wird. Dann ist schnell wieder alles beim Alten und das abgenommene Gewicht wieder drauf.

Uebergewichtige Wellis

Folgen von Übergewicht und was zu tun ist

Übergewicht kann zu verschiedenen ernsthaften gesundheitlichen Problemen und Krankheiten für die Tiere führen. Einerseits können sich bei den Vögeln durch die übermäßige Belastung ihrer Füße Ballengeschwüre entwickeln. Was man gegen diese Problematik tun kann und wie man die Beschwerden lindert, erfährt man im Artikel Druckstellen und Ballengeschwüre.

Andererseits ist es auch möglich, dass übergewichtige Wellensittiche Leberstörungen entwickeln. In diesem Fall ist eine Behandlung durch einen vogelkundigen Tierarzt sehr wichtig, denn die Leberfunktion kann durch Medikamente wieder verbessert werden. Auch Mariendistelpulver (besser noch Silymarin) hilft der Leber bei der Regeneration und ist leicht im Internet zu bestellen (davon sollte allerdings nicht zu viel über das Körnerfutter gegeben werden, da die Samen bitter sind).

Eine weitere Folge ist die Entwicklung von Lipomen. Man kann hier gut sehen, dass Ursache und Wirkung bei Lipomen eng verknüpft sind. Einerseits können sie Übergewicht verursachen, andererseits wird ihre Entstehung und Entwicklung durch Übergewicht begünstigt.

Desweiteren ist eine allgemeine Verfettung der Organe die Folge, die sich auf fast alle Bereiche der Gesundheit der Vögel auswirken kann und im schlimmsten Fall durch Funktionsstörungen lebenserhaltender Organe zum Tode führt.

Diät für Wellensittiche?

Wellensittiche können nicht einfach Diät halten wie Menschen, hungern ist für sie tabu. Daher muss man bei der Gewichtsreduzierung sehr vorsichtig vorgehen. Einige gute Maßnahmen zum Abnehmen wurden oben bereits genannt: mehr Freiflug und kein Honig im Futter. Aber man kann noch mehr tun.

Eine beliebte Methode ist das Strecken mit Knaulgras. Knaulgras kann man in Onlineshops leicht erwerben. Die Saat ist sehr kalorienarm. Man vermischt einfach das normale Futter mit Knaulgras und bietet dann die gewohnte Menge pro Vogel an.

Bei der Ernährung sollte auf kalorienreiches Obst verzichtet werden. Idealerweise bietet man bei einem übergewichtigen Wellensittich nur Gemüse, Küchenkräuter und Wildkräuter an, denn Obst enthält viel Zucker. Welche Gemüsesorten und Wildkräuter für Wellensittiche geeignet sind, kann man in den Artikeln Frischkost und Kräuter nachlesen.

So schwer es fällt, die Kleinen nicht mit Kolbenhirse zu verwöhnen: ein stark übergewichtiger Vogel sollte davon nichts oder nur sehr selten bekommen, weil er dann seine tägliche Portion überschreitet. Man kann zwar zusätzlich ein bisschen Knaulgras von der Hand verfüttern, aber Hirse sollte erstmal tabu sein, ebenso wie alle anderen Leckereien, die über das normale Futterangebot hinausgehen. Wenn man trotzdem mal ein Stück Kolbenhirse verfüttern möchte, dann sollte man das von der täglichen Futterration abziehen und dort weniger füttern.

Eine langsame Umstellung auf Bodenfütterung ist eine weitere Methode. Da sich die kleinen Papageien ungern am Boden aufhalten, kann man die Körner dort in flachen Schalen anbieten. Dann fliegen sie erstens beim Fressen öfter mal auf und kriegen so Bewegung, sie halten sich aber auch gar nicht erst so lange bei den Näpfen auf. So wird weniger Nahrung auf einmal aufgenommen. Allerdings ist es hier wichtig, das Futter nicht von einem auf den anderen Tag auf dem Boden anzubieten, sondern erstmal einen Napf nach unten zu stellen, damit sich die Vögel daran gewöhnen, dass das Futter am Boden zu finden ist.

Eine Steigerung zur Bodenfütterung ist die Futtersuche. Man stellt an verschiedenen Orten im Zimmer der Vögel Futterschälchen auf. Man kann das Futter auch am Käfigboden im frischen Buchenholzgranulat verteilen oder auch in aufgestellten Wühlkisten. Durch das Erarbeiten der Körnchen sind die Wellis über einen längeren Zeitraum beschäftigt und fressen nicht einfach nur gierig ihren Futternapf leer. Hier ist es auch mal erlaubt Kolbenhirse-Stücke oder einzelne Stränge der Silberhirse zu geben.

Maßnahmen, die mit dem Tierarzt abzusprechen sind

Es gibt die Möglichkeit, die Ration zum Fressen bei Wellensittichen noch weiter einzuschränken. Dies sollte aber auf keinen Fall ohne vorherige Absprache mit einem vogelkundigen Tierarzt durchgeführt werden, da es einem Wellensittich mit einem schlechten Allgemeinzustand gefährlich werden kann. Nach Absprache mit dem Tierarzt ist es nämlich möglich, die tägliche Futterration von 10 Gramm am Tag bis auf 6 Gramm zu reduzieren und mit Grünfutter auszugleichen. Ein Reduzierung darf aber niemals zu schnell erfolgen. Die Grammzahl darf immer nur in ganz kleinen Schritten verringert werden.

Auch leichte Bewegungsübungen können mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Herumscheuchen und Jagen des Vogels ist damit aber auf keinen Fall gemeint! Was im Einzelfall für den Vogel gut ist, wird dann mit dem Tierarzt abgesprochen, in Eigenregie darf ein Wellensittich niemals auf eine strenge Diät gesetzt werden, da fasten bei den Wellis schnell zum Tod durch Verhungern oder zu irreparablen Organschäden führt.

 

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twixx_87

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