Was tun, wenn ein Wellensittich kollabiert, z. B. nach dem Einfangen?

Es ist der Albtraum jedes Vogelbesitzers und wohl auch eines Tierarztes:
Beim Einfangen des Wellensittiches zwecks einer Behandlung erleidet dieser einen Kollaps und verstirbt womöglich noch in der Hand. Dieses Szenario möchte sich kein Vogelfreund wirklich vorstellen, dennoch kommt es leider immer mal wieder vor und viele Tierärzte weisen auch vor der Behandlung auf dieses Risiko hin.

Natürlich kann (und sollte) man einem kranken Tier deshalb nicht aus Angst eine tierärztliche Behandlung verweigern oder darauf verzichten wichtige Medikamente oral zu verabreichen. Doch was kann man tun, wenn es tatsächlich zu einem Kollaps kommt? Gibt es Möglichkeiten, die Gefahr so gering wie möglich zu halten?

Rescuetropfen

Das Einfangen mit der Hand, dem Kescher oder anderen Hilfsmitteln (z.B. Handtuch) stellt für einen scheuen Vogel eine potentielle Lebensbedrohung dar - der Vogel erkennt zumeist nicht, dass man ihm nichts Böses tun will und folgt instinktiv seinem Fluchtreflex. Es ist in der Tat so, dass Wellensittiche - wie Vögel im Allgemeinen - sehr sensible Tiere sind. Wenn dann auch noch eine kräftezehrende Grunderkrankung vorliegt reagieren sie leichter gestresst als andere Tiere. Durch die Einfangprozedur, den Fixiergriff, den Untersuchungs- bzw. Behandlungsmethoden und der Medikamentengabe erleidet der Wellensittich womöglich dann einen Kollaps und Herzstillstand, was unweigerlich zum Tode führt.

Um dies zu vermeiden, sollte die Einfangprozedur so kurz und stressfrei wie möglich gehalten werden. Je länger ein Tier herumgejagt wird, desto ängstlicher und gestresster wird es und desto mehr muss der Kreislauf arbeiten. Das Herz hat Höchstleistungen zu vollbringen. Wer bereits weiß, einen kleinen "Stress-Patienten" zu haben, der kann am Vorabend oder Tag des geplanten Einfangens prophylaktisch Bachblüten (Rescue-Notfalltropfen) in den Trinknapf / das Badehäuschen geben.

Nach dem Einfangen sollte man einen sicheren Fixiergriff anwenden und schnellstmöglich die Behandlung einleiten. Es ist umstritten, ob sich mögliche Angst oder Nervosität des Besitzers auf den Vogel überträgt, aber allein schon im Interesse eines guten Ablaufs sollte sich ein Vogelhalter vorher mit der Fangprozedur, dem Fixiergriff etc. beschäftigen - und gewisse Routinen entwickelt haben.

Sollte ein Wellensittich tatsächlich in der Hand kollabieren, so gibt es einige Sekunden vorher untrügliche Warnzeichen, auf die man sofort reagieren muss. Sollte das Tier von einer Sekunde auf die andere steif werden und aufhören sich befreien zu wollen, werden seine Augen steif und der Blick starr, hört eventuell sogar die Atmung auf oder man spürt, dass das Herz unnatürlich rast oder gar aufhört zu schlagen, so besteht akute Lebensgefahr. Der Wellensittich ist dann unmittelbar in einem Kreislaufzusammenbruch begriffen.

Für diesen Fall sollte man auf der Stelle die Behandlung abbrechen und das Tier sofort aus dem Fixiergriff entlassen, indem man an den Käfig hastet und den Vogel darauf absetzt. In allerhöchster Not kann man auch auf der Stelle seine Hand öffnen und dem Tier damit die Möglichkeit geben zu entwischen. In den allermeisten Fällen flieht ein Vogel noch im selben Moment und das fatale Geschehen ist unterbrochen. Nach einem solchen Vorfall ist der Vogel intensiv zu beobachten und jeglicher weiterer Stress ist zu vermeiden. Im Zweifel muss ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden. Unterstützend können Rescue-Tropfen in den Wassernapf bzw. das Badehäuschen gegeben werden.

Doch was tut man, wenn diese Maßnahme nicht greift und ein Wellensittich tatsächlich kollabiert? Für diesen gravierenden Vorfall hat man nur noch wenige Möglichkeiten, z.B. einen Schmerzreiz setzen. Ein kollabiertes Tier liegt bewegungslos in der Hand des Halters und kann nicht mehr fliehen. Um den Kreislauf anzuregen bzw. den Schock zu unterbrechen, kann man den Vogel kräftig ein bis zweimal in den Beinansatz zwicken. Es ist wichtig, dass der Schmerz "stark" genug ist, denn nur so hat das Tier noch eine Chance. Schmerzreize haben im Organismus jedes Lebewesens bei der Verarbeitung höchste Priorität - durch das Setzen eines solchen Reizes kann eventuell das Kollapsgeschehen noch unterbrochen werden bzw. ein Herz, das gerade noch still stand, kann wieder anfangen zu schlagen. Auch wenn es dem Tierhalter nicht wohl dabei sein mag, seinem Tier weh zu tun: Im Falle eines Kollapses ist dies womöglich die letztmögliche, lebensrettende Maßnahme.

Für den Fall der Fälle könnte man hierfür z.B. eine sterile, anatomisch geformte Plastikpinzette bereithalten (für einige Cents in der Apotheke zu erwerben), mit der man notfalls zwicken kann. Zwei weitere, von Usern und Tierärzten beschriebene Methoden der Kollapsbehandlung ist das Ziehen einer Feder in höchster Not (Schmerzreiz!) bzw. bei einem schwankenden, kurz vor dem Kollaps stehenden Welli der Einsatz eines warmen Föns, mit dem man das Tier angepustet hat. Der Vogel hat sich nach wenigen Minuten beruhigt und wieder stabilisiert.

Nach einem solchen Vorfall ist das Tier zu schonen und jeglicher Stress zu vermeiden; im Zweifel muss der vogelkundige Tierarzt (telefonisch) zu Rate gezogen werden.

Hinweis:

Ein Kollaps ist mit das schlimmstmögliche medizinische Ereignis, das einem Tier und seinem Halter widerfahren kann. Für einen solchen Fall kann man sich rüsten, wie dieser Artikel zeigt, aber es gibt vielleicht nicht immer Rettung! Manchmal nimmt das Schicksal seinen Lauf und dann sind alle Bemühungen umsonst. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich glücklicherweise immer instinktiv richtig gehandelt habe, als eine meiner Welli-Damen (Lilly) bereits zweimal in meinen Händen kollabierte, als ich ihr Medikamente geben wollte. Ich sah, wie sie die Augen verdrehte und komisch steif wurde und ließ sie beide Male augenblicklich los - das hat ihr das Leben gerettet, aber seitdem habe auch ich ein sehr mulmiges Gefühl, wenn ich weiß, dass ich Lilly behandeln muss.

Wir können keine Haftung für die Richtigkeit unserer Tipps übernehmen, aber wir hoffen, dass es im "Fall der Fälle" einem eurer gefiederten Freunde vielleicht einmal das Leben retten wird.

 

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Elena

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