Die Mauser beim Wellensittich

Jeder Vogelhalter kennt es. Die Federn rieseln nur so und sofern man sich bis dato noch nicht mit dem Thema Mauser befasst hat, kommen spätestens jetzt die ersten Fragen dazu auf. Dieser Artikel soll die häufigsten Fragen rund um das Thema Mauser klären und eine umfassende Übersicht darüber geben, wie grundlegend wichtig dieser natürliche Vorgang für unsere Wellensittiche ist.

Was ist Mauser eigentlich und warum mausert ein Wellensittich eigentlich?

Als Mauser (vom lateinischen Wort Mutare abgeleitet, welches so viel wie tauschen oder ändern bedeutet) bezeichnet man sowohl den Prozess des Abwerfens der alten Federn, als auch das Neuwachstum von frischen, funktionsfähigen Federn. Dieser natürliche Vorgang wird als Gefiederwechsel oder auch Mauser bezeichnet. Eine normale, physiologische Mauser ist lebenswichtig für einen Vogel und liegt darin begründet, dass im Verlauf eines Vogellebens im Alltag ein gewisser Verschleiß bei den beanspruchten Federn zu Tage tritt. Diese Abnutzung ist natürlich und führt irgendwann dazu, dass Federn ihre Funktion nicht mehr effektiv erfüllen können. Sie werden für den Vogel nutzlos und müssen durch neue, frische Federn ersetzt werden. Würden alte Federn nicht ausgetauscht, würde sich nach und nach eine Flugunfähigkeit daraus ergeben, da zum Beispiel Schwungfedern nicht mehr für ausreichend Auftrieb beim Flug sorgen könnten. Allein das ist der Grund für eine Mauser. Ein Wellensittich verliert in der Regel über das ganze Jahr regelmäßig sehr kleine Federn. Fast täglich kann man Flaumfedern finden, die beim Putzen mit dem Schnabel ausgekämmt werden. Dieser normale Federabwurf, der auch mal von einzelnen, größeren Federn begleitet sein kann, ist nicht als Mauser zu bezeichnen. Lediglich der gesteigerte Verlust von Federn, damit diese durch nachwachsende ersetzt werden können, zeichnet sich als Mauser aus.

Dauer und Häufigkeit einer Mauser

Wie oft ein Wellensittich letztendlich mausert hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Zwei bis vier Mauservorgänge im Jahr, die weniger stark oder ausgeprägter in Erscheinung treten, werden bei einem gesunden Wellensittich als normal angesehen. Je nach Umgebungsfaktoren wie Futterangebot, Jahreszeit (Temperatur der Umgebung) und Gesundheitszustand, Alter und Hormonstatus beim Vogel, kann aber auch ein reduziertes oder gesteigertes Mausern erfolgen ohne gleich pathologisch (krankhaft) zu sein. Genau wie die Dauer eines Mauservorganges selbst, richtet sich dies nicht pauschal betrachtbar nach einen eng gesetzten Zeitfenster, sondern nach der Individualität und Gesamtkonstitution des Vogels selbst. Während bei Wildvögeln meist die sogenannte pränuptiale Mauser (Mauser vor der Fortpflanzungsperiode) oder die postnuptiale Mauser (Mauser nach der Fortpflanzungsperiode) zu beobachten ist, gibt es diese klar begrenzten Phasen so beim Stubenwellensittich nicht. Je nach Schwarmkonstellation und Haltungsform kann es vorkommen, dass mehrere Vögel in etwa zeitgleich in die Mauserphase eintreten. Besonders bei Volierenhaltung im Außenbereich ist dies nicht selten zu beobachten. Doch auch bei der Innenhaltung von Wellensittichen kann es hin und wieder vorkommen, dass mehrere Vögel zur gleichen Zeit zu mausern beginnen. Manche Vögel im Schwarm scheinen dabei jedoch regelmäßig eine Ausnahme zu bilden und können sogar eine Mauserphase überspringen oder verzögert mit dem Federwechsel starten. Einen wirklich verlässlichen Mauser-Kalender gibt es daher nicht. Sinnvoll kann es jedoch sein, die Mauser eines jeden Vogels im Schwarm, in einem Kalender zu dokumentieren und zu vermerken bzgl. Verlaufsform und Dauer. So werden ggf. Auffälligkeiten nachvollziehbar und fallen frühzeitig auf.

Pauschal kann man sagen, dass bei einer Mauser von einer Dauer von etwa 7-12 Tagen auszugehen ist. Diese wird bemessen von der Phase der ausfallenden Federn bis hin zum Nachwachsen der Neufeder, die noch im Kiel geschützt durch die Haut geschoben wird. Die Mauserzeit an sich ist dabei nicht zwingend an bestimmte Zeitfenster gebunden. Zwar beobachtet man häufig eine Art Regelmäßigkeit bzgl. der Mauser, diese kann jedoch nicht kalendarisch festgelegt oder gar eingegrenzt werden. Sind bestimmte Faktoren, auf die wir später noch genauer eingehen, gegeben und stimmen die Bedingungen um eine anstrengende Mauserzeit gut zu verkraften, dann beginnen die meisten Vögel daraufhin mit dem Federwechsel, der weitgehend durch hormonell bedingte Prozesse gesteuert wird. Die Ausschüttung der nötigen Hormone ergibt sich jedoch wie bereits geschrieben aus dem komplexen Zusammenspiel an Umgebungsfaktoren.

Welche Federn sind von der Mauser betroffen ?

Neben dem Kopfgefieder, das die kleinen Federn umfasst, werden meist auch abgenutzte Schwung- und Steuerfedern (Schwanzfedern) bei der Mauser ersetzt. Unterscheiden kann man hier die sogenannte Kleingefiedermauser und die Großgefiedermauser. Meist ist diese beim Wellensittich jedoch nicht sonderlich deutlich abgegrenzt, sondern fließt ineinander über. Während man kleinere Federn das ganze Jahr in geringerer Menge immer wieder findet, die so nach und nach ersetzt werden, kann es durchaus vorkommen, dass neben diesen bei einer Mauser auch besonders viele Deckfedern des Gesamtgefieders und der Flügel abgeworfen werden. Meist ist dies jedoch nur ein Teilgefiederwechsel (Teilwechsel). Bei anderen Vogelarten wird manchmal in einer extrem langen Mauserzeit sogar das ganze Gefieder ausgewechselt. Beim Wellensittich ist dies jedoch nicht der Fall. Ein Gesamtgefiederwechsel (Komplettwechsel) erfolgt über die Spanne von 12 Monaten über das Jahr verteilt und somit unterteilt. Welche Federn bei einer Mauserphase zuerst ausgehen, ist somit nicht an eine feste Abfolge gekoppelt. Da kleinere Federn jedoch mit dünneren Kielen in der Haut sitzen, sind diese meist die ersten, die sich lösen. Sie wachsen demnach meist auch schneller nach, wechseln außerdem häufiger.

Wie wächst eine Feder nach?

Eine Feder beseht aus der Federspule (Spule), die in der Haut „verankert“ ist und sie somit darin hält. Sie geht in den Schaft über. Spule und Schaft bilden gemeinsam den Federkiel. Die Federstrahlen oder auch feinen Federästchen, die vom Schaft ausgehen und die das Weiche der Feder bilden, sind miteinander verzahnt und bilden die sogenannte Fahne. Die feinen Ästchen der Fahne sind parallel angeordnet und könnten so als breite Feder beim Wachstum nie durch die Haut dringen ohne beschädigt zu werden. So liegen sie eingerollt und geschützt im Inneren einer Art Federhülse. Diese ist dünn und glatt und schiebt die Feder beim Wachstum durch die Haut nach draußen. Während die Federhülse die Haut durchtritt, ist dies meist von starkem Juckreiz begleitet. Die Vögel kratzen sich deshalb vermehrt oder reiben sich das Köpfchen an Ästen oder Gitter. Auch Krauleinheiten werden gern angenommen. Wie man dem Juckreiz Linderung verschaffen kann, darauf gehen wir unter dem Punkt „Unterstützung während der Mauser“ noch näher ein.

Ist die Feder dann auf der gewünschten Länge, löst sich diese Hülse auf. Entweder zerspringt sie von selbst und löst sich oder aber der Vogel putzt sich und entfernt dabei selbst die Reste der Hülse mit dem Schnabel. Hervor kommt die neue, intakte Feder. Keinesfalls sollte ein Halter manuell an den Federhülsen herum manipulieren. Die innen liegende Feder kann dadurch beschädigt werden und die Mauser war umsonst, da eine verschlissene Feder erst bei der nächsten Mauser abgeworfen und ersetzt wird. Zeigen sich die Federhülsen als zu fest und lösen sich nicht, sollte ein vkTa Besuch erfolgen. Hier könnten sich verschiedene Ursachen finden, die unter Umständen behandlungspflichtig sind. Was die Geschwindigkeit des Federwachstums angeht, so kann man bei durchschnittlichem Wachstum bei Kleingefieder von 7 Tagen und Großgefieder, wie Schwung- und Schwanzfedern, zwischen 12 und 14 Tage rechnen.

Wann ist eine Mauser noch normal und ab wann krankhaft?

Diese Frage ist meist nicht pauschal zu beantworten. Während besonders junge Vögel recht rasch eine Mauserphase durchlaufen ohne dadurch enorm belastet zu erscheinen, kommt es bei älteren Wellensittichen durchaus vor, dass sie eine verlängerte Mauser durchleben, die sie stark beansprucht und kräftezehrend ist. Ein gesunder Wellensittich erscheint müder bei der Mauser als sonst. Die Flugfähigkeit bleibt im Regelfall während der Mauser erhalten. In freier Wildbahn ist dies lebenswichtig für einen Vogel. Verliert er seine Flugfähigkeit durch zu starken Federverlust, wird er schnell zur potentiellen Beute. Deshalb ist es eher eine Ausnahme, dass der Federabwurf so massiv ist, dass ein Vogel enorm kahle Stellen hat oder gar seine Flugfähigkeit einbüßt. Kommt dies dennoch vor, was in seltenen Einzelfällen oder aber auch bei manchen Zuchtformen möglich sein kann, dann sollte diese Mauserphase sehr detailliert beobachtet werden, um Veränderungen oder Besonderheiten zu erkennen. Nicht immer steckt hinter einer schweren Mauser eine Krankheit. Aber trotzdem ist es wichtig diese nicht von vorne herein auszuschließen und im Ernstfall bei zu lang anhaltendem Mauserprozess den Vogel beim vogelkundigen Tierarzt (vkTa) vorzustellen, damit die genaue Ursache festgestellt werden kann. Um eine kleine Orientierungshilfe zu bieten, haben wir hier unterschiedliche Verläufe einer Mauser und Sonderformen grob geschildert.

Jugendmauser

Als Jugendmauser oder Jungmauser bezeichnet man die erste große Mauser, die Wellensittiche durchlaufen um ihr Jugendgefieder durch das adulte Gefieder (Erwachsenengefieder) zu ersetzen. Besonders auffällig ist hierbei, dass die Wellenzeichnung, die bei einem jungen Wellensittich direkt am Stirngefieder, welches an der Wachshaut beginnt nach hinten verläuft, verloren geht und durch ungewelltes Kopf- bzw. Stirngefieder ausgewechselt wird. Während bei einem Jungvogel die Wellenzeichnung an der Wachshaut beginnt, zeichnet sich der adulte (erwachsene Vogel) durch eine ungewellte, hohe Gefiederstirn mit weiter hinten ansetzender Wellenzeichnung aus.

Auch die Kehltupfen werden meist nach der Jugendmauser von eher sichelförmigen Kehltupfen in richtig gefüllte, runde Tupfen ersetzt. Je nach Farbschlag kann sich die Gefiederfarbe noch einmal stark verändern. Besonders Schecken intensivieren ihre Farben. Aber auch andere Farbschläge sind für so manche Überraschung gut. Bei europäischen Gelbgesichtern (EGG) z.B. zeigt sich meist erst nach der Jugendmauser, dass das gesamte Körpergefieder bei EGG II mit einem Gelbton überlagert ist. Anfangs blau erscheinende Wellensittiche können dadurch türkis oder gar grünlich werden. Die Jugendmauser setzt zwischen dem 2. und 3. Lebensmonat ein. Je nach Vogel und Entwicklung ist sie etwa im 6. bis 7. Lebensmonat komplett abgeschlossen. Der Jungvogel ist danach erwachsen. Auch ist nach dieser Zeit meist eine Veränderung der Wachshaut und der Beginn der ersten Brutigkeit bei Hennen absehbar. Die Irisringe (helle Augenringe) werden je nach Farbschlag zunehmend sichtbar.

Normaler Mauserverlauf

Von einem normalen Mauserverlauf spricht man wie oben beschrieben, wenn die Flugfähigkeit vorhanden ist, die verlorenen Deck-, Schwung- und Schwanzfedern sowie die kleinsten Federn am Kopf innerhalb der 12, maximal 14 Tage Grenze ersetzt werden und der Vogel sich zum Ende der Mauser hin zunehmend aktiv zeigt. Das Gewicht bzw. der Ernährungszustand des Vogels weitgehend stabil bleibt. Leichtes Plustern (rund) kann normal sein. Ein Besuch beim vkTa ist hier nicht nötig.

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Intensiver Mauserverlauf

Von einem intensiven Mauserverlauf spricht man dann, wenn der Vogel zwar seine Flugfähigkeit behält, doch insgesamt ein sehr starker Abwurf von Deck-, Schwung- und Schwanzfedern sowie der kleinsten Federn am Kopfgefieder zu beobachten ist, das Nachwachsen jedoch die 12-14 Tage Grenze überschreitet. Auch vereinzelt lichte oder kahle Stellen im Gefieder sichtbar sind. Der Vogel ist zunehmend müde und zwar über den kompletten Mauserverlauf hinweg und erholt sich erst komplett, wenn die Mauser bereits überwunden und die Federn ersetzt sind. Eine leichte Gewichtsabnahme ist sichtbar. Plustern tritt zum Erhalt der Körperwärme etwas häufiger auf. Bereits hier kann es im Einzelfall sinnvoll sein, einen vkTa zu konsultieren und ggf. mit einem unterstützenden Präparat nach Verordnung durch den Arzt einzugreifen.

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Massiver Mauserverlauf

Von einem massiven Mauserverlauf spricht man dann, wenn sich eine beginnende Flugunfähigkeit abzeichnet, Deck-, Schwung- und Schwanzfedern so massiv ausgehen, dass kahle Stellen im Gefieder deutlich sichtbar sind. Beim Kopfgefieder kann es gar zu einer Art örtlichen Glatzenbildung, ähnlich einer Mönchstonsur kommen. Der betroffene Vogel schläft vermehrt und zeigt sich inaktiv, plustert mehr als beim normalen Mauserverlauf, um den Wärmeverlust der durch fehlende Federn entsteht, zu kompensieren. Eine Erholung zeichnet sich bei verzögertem Federwachstum, welches die Grenze von 14 Tagen überschreitet, erst nach komplettem Mauserende langsam ab. Auch verstärkter Gewichtsverlust kann diese extreme Form der Mauser begleiten. Unter Laien wird diese Form der Mauser auch gerne als Super-Mauser oder Extrem Mauser bezeichnet. Ein vkTa sollte zu Rate gezogen werden und weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Mauser überlegt und eingeleitet werden.

Bis zu den bisher genannten Beispielen muss keine krankhafte Form der Mauser vorliegen. Auszuschließen ist dies jedoch nicht. Besonders bei der massiven Mauserform ist es deshalb immer sinnvoll sich bei einem vkTa beraten zu lassen und ggf. eine Untersuchung des Vogels anzustreben. Es folgen nun weitere Verlaufsformen der Mauser, die in jedem Fall durch einen vkTa betreut werden müssen.

Dauermauser oder chronischer Mauserverlauf

Von einer Art Dauermauser spricht man, wenn ein Vogel von der einen Mauserphase, die durchaus leicht sein kann, geradezu fast pausenlos in die nächste Mauserphase übergeht. Manchmal verstärkt sich hierbei der Mauserverlauf. Welchen Grundtyp (normal, intensiv, massiv) dabei die Mauser nimmt, das ist individuell bei jedem Wellensittich und in jedem Fall bei einem vkTa abzuklären. Besonders wenn dies bereits mehrfach beobachtet werden konnte. Wird eine Art Dauermauser im Zusammenhang mit einer blutigen Mauser beobachtet, dann ist es zudem herauszufinden, worin diese begründet liegt. Beginnend bei Nierenerkrankungen bis hin zu parasitärem Befall von beispielsweise Grabmilben, kann eine blutige Mauser verursachen. Bei Befall durch Parasiten wie z.B. Milben kann man oft auch kahle Stellen um die Augen herum und am Ansatz der Wachshaut im Übergang zum Kopfgefieder in verstärktem Maß erkennen. Dies bedarf einer gefestigten Diagnose durch den vkTa und einer effektiven Therapie.

Schockmauser

Schockmauser oder Schreckmauser

Diese Sonderform der Mauser, die man im klassischen Sinne als solche eigentlich gar nicht bezeichnen kann, wird, wie der Name bereits sagt, durch einen schockähnlichen Zustand oder starken Stress ausgelöst. Bei Vögeln, die großen Stress durch Einfangen oder Festhalten erleiden, werden dabei Teile des Kleingefieders sowie Schwanzfedern plötzlich abwerfen. Dies hat den Hintergrund, dass in der Natur ein möglicher Beutegreifer meist den Vogel nicht sofort am Rumpf erwischt und beispielsweise den Schwanz ergreift. Wird dieser abgeworfen, kann der Vogel unter günstigen Umständen vielleicht entrinnen und so seinem Schicksal als Beutetier zu enden entgehen. Als Stubenvogel bringt diese Form leider selten Erfolg und hat meist ohne weitere gesundheitliche Schäden, nur die Phase des Abwartens bis die Federn wieder nachwachsen sind als Folge.

Französische Mauser oder Renner-/ Hopser Krankheit

Die Französische Mauser wird durch Polyomaviren verursacht und ist eine nicht heilbare und infektiöse (ansteckende) Erkrankung, die sich in einem veränderten Mauserverlauf und verändertem Federwachstum äußert. Näheres darüber ist im Kurzartikel über Französische Mauser zu erfahren. Sie zählt nicht zur normalen Mauser und wird somit gesondert behandelt. Französische Mauser muss von einem vkTa diagnostiziert und begleitet werden.

PBFD /Psittacine Beak and Feather Disease

PBFD, auch als Schnabel- und Federkrankheit bekannt, ist eine infektiöse Gefiederstörung, die von Circoviren ausgelöst wird und nicht heilbar ist. Die Vögel zeigen ein verändertes Schnabelhorn und Gefiederwachstum und haben veränderte Mauserverläufe, die auffällig und verlängert sind. Mehr Informationen hierzu gibt der Kurzartikel über PBFD. PBFD wird vom vkTa diagnostiziert und durch diesen im Krankheitsverlauf begleitet.

Wissenswerte Besonderheiten, Auffälligkeiten und Komplikationen bei der Mauser

Bei der Mauser kann es zu Auffälligkeiten kommen. Die meisten davon haben wir bereits in der Beschreibung der verschiedenen Mauserverläufe grob definiert. Weitere Besonderheiten, die es zu beobachten gilt, sind zum Beispiel die Veränderung des Ernährungszustandes, besonders bei älteren oder grunderkrankten Vögeln, aber auch eine evtl. Veränderung der Wachshaut. Wie bereits beschrieben ist die Mauser eine sehr kräftezehrende Angelegenheit für einen Wellensittich und fordert meist einige Ressourcen. Je nach Schweregrad und Verlauf der Mauser, kann es deshalb auch ohne krankhafte Ursache zu Gewichtsverlust kommen. Da besonders Wellensittiche, die an Megas leiden durch die anstrengende Mauser belastet werden, ist es zu empfehlen ihr Gewicht vorab und während der Mauser regelmäßig zu überwachen, um einen negativen Verlauf oder eine massive Gewichtsabnahme zu erkennen. Nicht selten kommt es vor, dass unter dem Prozess der Mauser und dem damit verbundenen Stress durch Belastung des gesamten Vogelorganismus, beiden betroffenen Vögeln ein Mega Schub ausgelöst wird. In diesem Fall ist eine sofortige Vorstellung des Vogels beim vkTa mit Einleitung der Therapie nach gesicherter Diagnose erforderlich.

Während viele Wellensittiche gerade in der Phase der Brutigkeit oder deren Abklang in die Mauser geraten, ist zu beobachten, dass sich die Wachshaut während der Mauser verändert. Während sie bei den Hähnen meist das intensive blau beibehält, blasst die Wachshaut der Hennen oft ab. Dies ist nicht besorgniserregend. Kündigt es doch lediglich das Abklingen der Brutlust an.

Auch ein verändertes Schlafbedürfnis bei Wellensittichen in der Mauser ist typisch und gut zu erkennen. Meist ist es gesteigert und der Vogel zeigt sich vermehrt müde und inaktiv, matt und spielt weniger als bisher. Auch hier ist es in der Individualität des Vogels selbst begründet, wie aktiv oder inaktiv er eine Mauserzeit durchleben kann. Während junge Vögel sich meist noch recht aktiv zeigen, sind ältere oder chronisch kranke Vögel meist deutlich müder und ruhen öfter aus, da sie einfach erschöpft sind. Wer seinen Vogel kennt, wird schnell erkennen, ob die veränderte Aktivität im passenden Verhältnis zur Mauser steht oder ob sich evtl. doch ein Infekt zur Mauser hinzugesellt haben könnte, der den Vogel zusätzlich belastet. Hier ist gute Beobachtungsgabe und Auffassungsgabe beim Vogelhalter gefragt. Seinen Vogel besonders gut zu kennen ist von großem Vorteil. Am Sozialverhalten oder Gruppenverhalten ändert sich während der Mauserzeit nicht zwingend etwas. Es kann lediglich sein, dass durch die Müdigkeit ein Vogel öfter Auszeit nimmt und eine ruhige Ecke aufsucht oder sich in den Käfig oder die Voliere zurückzieht um sich zu erholen. Dies darf auch zugestanden werden und ist kein Anlass zur Sorge, da sich diese kurzweiligen Veränderungen meist schnell nach der Mauser wieder zurückbilden auf die ursprüngliche Situation.

Als eine Komplikation wollen wir hier noch den Blutkiel nennen. Doch was genau ist ein Blutkiel? Er wird in der Regel schnell auffallen, da er zwar wie die anderen Federn auch durch die Haut zu Tage tritt, aber nicht eine gesunde Feder enthält, sondern mit Blut gefüllt ist, dass durch die transparente Federhülse schimmert. Diese Blutkiele sind, solange sie intakt sind, keine Gefahr. Nur bleiben sie in den seltensten Fällen geschlossen. Besonders dann, wenn Vögel an ihnen knabbern, brechen sie auf und das enthaltene Blut fließt nach draußen. Bei einem Wellensittich reichen wenige Milliliter Blutverlust aus, um zu verbluten. Daher ist es wichtig, diese roten Blutkiele frühzeitig, fachgerecht durch einen vkTa ziehen zu lassen. Dies erfolgt meist unter kurzer Inhalationsnarkose und ist für den Vogel weitaus weniger belastend als ein eröffneter Blutkiel, der durch Blutverlust zum Tod führen kann. Deshalb ist sofortiges Handeln erforderlich und bis zum Besuch beim vkTa immer blutstillende Watte bereitzuhalten, damit im Ernstfall sofort eingegriffen werden kann.

Auch Flugunfähigkeit kann man als Komplikation bezeichnen, die während einer starken Mauser kurzzeitig oder je nach Ursache der Gefiederstörung auch dauerhaft auftreten kann. Hier bleibt allgemein zu sagen, dass es sinnvoll sein kann den Boden um den Käfig herum abzupolstern. Ebenso den Käfig-/Volierenboden selbst. So werden Stürze abgemildert und das Verletzungsrisiko bei einem noch unerfahrenen, flugunfähigen Vogel, der vielleicht erstmals mit dieser Tatsache konfrontiert ist, wird minimiert. Die behindertengerechte Einrichtung für Fußgänger Wellensittiche versteht sich in dieser Phase von selbst. In jedem Fall muss die genaue Ursache der Flugunfähigkeit durch einen vkTa abgeklärt werden. Meist ist schnell klar, ob es sich um einen temporären oder langfristigen Zustand handelt.

Hilfe bei der Mauser – Wie kann ich meinen Vogel unterstützen?

Zunächst sei gesagt, dass mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung des Vogels, die vitaminreich und nährstoffhaltig gestaltet ist, schon viel gewonnen ist. Dies gilt jedoch nicht nur für die Mauserzeit selbst, sondern für das gesamte Jahr. Zusätzlich unterstützen kann man seinen Vogel auf verschiedene Weise bei der Mauser. Neben der grundsätzlich richtigen Ernährung kann dem Wellensittich mit folgenden Maßnahmen geholfen werden.

Gurke

Gurke ist eine natürliche Mauserhilfe. Das wasserreiche Gemüse ist unscheinbar und doch enthält es wertvolle Kieselsäure und Vitamin B, die auf natürliche Weise bei der Federbildung und dem Federwachstum hilft.

Golliwoog und Vogelmiere

Sind zwei Pflanzen, die neben Vitaminen auch wertvolle Mineralien enthalten. Diese sind essentiell notwendig in der anstrengenden Mauserzeit und leisten einen wichtigen Beitrag, um gesund durch die Mauser zu kommen.

Halbreife Hirse und Kolbenhirse

Werden gerne angenommen und sind gut verdauliche Körnchen, die durch die enthaltenen Stoffe helfen ausreichend Kraft zu schöpfen für die kräftezehrende Mauserphase. Auch Hirse enthält Kieselsäure und ist somit nennenswerter Lieferant für ein optimiertes Federwachstum. Ob vollreif oder halbreif ist egal. Hirse ist bekömmlich und dient als Unterstützung bei der Mauser.

Keimfutter/Quellfutter

Gekeimte oder gequellte Körner und Saaten, die besonders reich an Vitaminen sind und von Vögeln, die es bereits kennen, gerne angenommen werden. Ein hilfreicher Partner für mausernde Wellensittiche.

Eifutter

Besonders junge oder auch ältere, geschwächte oder kranke mausernde Wellensittiche können gut mit zuckerfreiem Eifutter unterstützt werden. Selbstgemacht ist es garantiert das richtige um müden Schnäbelchen wieder etwas Kraft zu geben. Gemischt mit Gurke oder Keimfutter kann es angeboten werden.

Aminosäurepräparate

Aymin, Alamin, Volamin sind die gängigsten Aminosäurepräparate, die nach Absprache mit dem vkTa besonders bei Vögeln mit Gefiederbildungsstörungen oder erschwerter Mauser unterstützend als Mauserhilfe gegeben werden können.

Vitamine und Nährstoffe

In natürlicher Weise über die Ernährung mit Frischkost und Co oder aber auch als Zusatzpräparat für die Mauserzeit, gibt es Prime und Korvimin als Beispiel. Diese Rohasche- und Vitamin / Mineralpräparate decken die wichtigen Bedarfsstellen ab, ersetzen jedoch niemals eine ausgewogene Ernährung. Als Mauserhilfe kurenweise eingesetzt ist der vkTa im Voraus zu befragen. Besonders bei Wellensittichen mit Megabakteriose kann die Versorgung hiermit kontraindiziert sein.

Kieselerde

Zinkfreie Kieselerde in reinster Qualität aus der Apotheke kann, über Feuchtfutter verabreicht, zusätzlich Kieselsäure zuführen. Es empfiehlt sich auch hier vorherige Absprache mit dem vkTa.

Bademöglichkeit

Zuletzt ist besonders hilfreich das Bereitstellen von Bademöglichkeiten für die mausernden Vögel. Der Hautjuckreiz wird von vielen Wellensittichen als sehr belastend empfunden und ein Bad oder eine Dusche kann Abhilfe schaffen. Ob ein Bad in nassem Möhrengrün,unter der Vogeldusche oder in der Badeschale ist egal. Das kühle Nass gilt als lindernd und wird während der Mauser selbst von Bademuffel Wellensittichen gerne genutzt. Ein Badezusatz ist keinesfalls nötig. Im Handel angebotene Mittel als Badezusatz sind meist sogar schädlich und gefährden die Gesundheit des Vogels, da sie Natrium (Salz) enthalten, welches bei Aufnahme durch trinken die Nieren des Vogels schädigen kann.

Mauserhilfen

Mauserhilfen wie sie im klassischen Sinne in Form kleiner Tütchen abgepackt im Handel käuflich zu erwerben sind, ist nicht zu empfehlen. Es handelt sich dabei um überteuert verpacktes normales Futter, angereichert mit synthetischen Vitaminen, Zucker und bunt eingefärbten Bäckereinebenerzeugnissen, die besonders wertvolle Inhaltsstoffe suggerieren sollen. Letztendlich halten sie keines ihrer Versprechen und die Qualität der enthaltenen Saaten lässt meist zu wünschen übrig. Unsere Empfehlung ist, im Regal stehen lassen und beim vkTa ein geeignetes Mittel, sofern nötig, besorgen. So tut man sich, dem Geldbeutel und letztendlich besonders der Gesundheit des Tieres einen großen Gefallen.

Putzen, Putzen, Putzen ...

Zum Abschluss bleibt nur zu sagen, dass nicht nur die Vögel angestrengt von der Mauser sind, sondern auch so mancher Vogelhalter. Nicht nur die geplagten Wellensittiche putzen sich, sondern auch der Federlose gerät in Putzstimmung. Angesichts der vielen, fallenden Federn entsteht in der Mauserzeit durchaus ein etwas erhöhter Aufwand bei der täglichen Reinigung und dem Putzen. Mit Staubsauger und Co lassen sich aber mit etwas Übung und Routine innerhalb weniger Minuten auch die paar Federn mehr, rasch entfernen. Je nach Größe des Vogelbestandes kann der Mehraufwand am Tag zwischen 5-15 Minuten liegen. In diesem Sinne wünschen wir den mausernden Wellensittichen frohes mausern und den Federlosen, frohes putzen.

 

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Ive84

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