Wenn Wellensittiche alt werden

Manche Sittiche – leider nur recht wenige – erreichen ein stolzes Alter von zehn oder mehr Jahren. Die „Methusaleme“ der Sittichwelt bringen es auf fast zwanzig Jahre.

Ab etwa acht Jahren kann man seinen Welli wohl als Senior bezeichnen – auch wenn man ihm sein Alter auf den ersten Blick nicht ansehen mag. Normalerweise ist ein alter Wellensittich von einem einjährigen äußerlich praktisch nicht zu unterscheiden. Man muss schon genau hinsehen, um die Zeichen des Alters zu erkennen.

Alte Wellensittiche sind meist nicht mehr so aktiv und verspielt wie in ihrer Jugend, sie ziehen oft kletternde Fortbewegung wilden Flugmanövern vor und halten ausgedehnter Siesta. Man muss daher aufpassen, dass die Sittiche aufgrund der verringerten Bewegung und des langsameren Stoffwechsels nicht übergewichtig werden! Einige Wellensittiche fressen auch einfach weniger und passen sich so selbst dem geringeren Kalorienverbrauch an. Dafür trinken viele alte Sittiche mehr.
Man sollte seine Senioren daher mit Kletterhilfen versorgen, um sie mobil zu halten und auch weiterhin zu Bewegung zu ermuntern.

Willy

Einige Sittiche balzen weniger aktiv und ziehen es vor, sich selbst kraulen und füttern zu lassen. Dass Paare im Alter nicht getrennt werden dürfen, versteht sich von selbst.
Manche alten Vögel ziehen es vor, auf beiden Beinen zu schlafen, vielleicht auch ihren Bauch auf der Stange abzustützen oder ganz im Liegen zu schlummern – aber Vorsicht! Sitzt ein Wellensittich nur noch aufgeplustert herum, kann dies auch ein Krankheitsanzeichen sein, weshalb alte Vögel besonders genau beobachtet werden müssen, um eine Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Da sie allgemein anfälliger sind, sind gesunde Ernährung, strenge Hygiene und genaue Gesundheitskontrollen besonders wichtig. Hennen, die das achte Lebensjahr überschritten haben, dürfen nicht mehr brüten.

Zu den Erkrankungen, die besonders ältere Sittiche betreffen, gehören Arthrose, Tumore, Gicht und unter Umständen sogar Erblindung. Solchen Patienten hilft wie immer der vogelkundige Tierarzt und eine angepasste Käfigeinrichtung für behinderte Wellis.

Einsame Wellensittichwitwen und –witwer können und müssen trotz hohen Alters noch mit einem neuen Partner vergesellschaftet werden. Wichtig ist aber, dass man keinen Jungvogel dazu setzt, sondern einen möglichst gleichaltrigen Sittich, zumindest aber einen Vogel, der selbst schon älter als ein Jahr ist.
Viele Halter zögern, ihrem alten Vogel noch einmal einen Artgenossen hinzuzugesellen, weil sie denken, dass er zu alt sei, um einen neuen Gefährten zu akzeptieren. Das ist Unsinn! Auch alte Wellis vertragen sich hervorragend mit anderen Sittichen. Man muss bedenken, dass sie sonst vielleicht noch viele einsame Jahre vor sich hätten. Wenn man keinen neuen Vogel möchte, sollte man seinen Senior, auch wenn es schwer fällt, zu einem neuen Halter geben. Dort kann man den Sittich zu einem Schwarm oder einem anderen einsamen Wellensittich gesellen.

Einen alten Vogel, der einem über Jahre ans Herz gewachsen ist, zu verlieren, ist ein schmerzlicher Verlust. Einen Trost stellt es dar, dass das Tier ein langes und glückliches Leben führen durfte. Andere Vogelhalter können den Verlust nachvollziehen und spenden Trost beim Tod eines Wellensittichs.
Wenn man das Gefühl hat, mit einem alten Vogel gehe es zu Ende und er habe Schmerzen, sollte man den Patienten zu einem Tierarzt bringen und ihn, falls ihm nicht mehr zu helfen ist, von diesem erlösen lassen, um ihm weiteres Leid zu ersparen. Viele Wellensittiche sterben aber auch ganz friedlich und schmerzfrei an Altersschwäche.

 

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Blueberry

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