Kriterien für geeignete Wellensittich-Käfige

Der Käfig ist der Rückzugsort der Wellensittiche, in dem sie jede Nacht und mehrere Stunden des Tages verbringen. Hier sollen sich unsere Gefiederten rundum wohl und sicher fühlen, er darf kein Sicherheitsrisiko darstellen und muss ihrem Spiel- und Bewegungsdrang gerecht werden.

Diese eigentlich banalen Kriterien werden leider von vielen Modellen nicht oder nur unzureichend erfüllt. Deshalb lohnt es sich, genügend Zeit und Überlegung in den Käfigkauf zu investieren: Gute Käfige sind zwar rar und oft etwas teurer als die Standardmodelle, aber die Investition lohnt sich. Wer hier am falschen Ende spart, muss früher oder später nachrüsten und trägt so insgesamt sogar höhere Kosten, oder muss im schlimmsten Fall mit gesundheitlichen Problemen der Wellensittiche rechnen.

Die Größe

Grundsätzlich gilt: Zu groß geht nicht!
Ein Vogelkäfig für ein Pärchen sollte möglichst nicht schmaler als 80 cm und mindestens 45 cm tief sein. Diese Maße stellen lediglich das Minimum dar und setzen täglich mindestens vier Stunden Freiflug voraus. Das klingt viel? Der Eindruck täuscht. Tatsächlich sind viele der im Handel angebotenen Käfige schlicht und ergreifend zu klein. Wer mit dem Gedanken spielt, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht auf vier Sittiche aufzustocken, sollte das bei der Käfiganschaffung berücksichtigen und lieber gleich ein größeres Modell wählen.

ein geeigneter Wellensittichkäfig

Die Form

Hier gilt: Weniger ist mehr. Am besten geeignet ist ein einfacher, rechteckiger Käfig. Aufbauten, Türmchen und geschwungene Dächer sehen zwar vielleicht nett aus, schränken aber die Vögel in ihrer Bewegungsfreiheit ein und gewöhnlich können die Vögel an solchen Gittern schlechter klettern. Außerdem verhindern sie, dass auf dem Käfigdach ein Vogelspielplatz aufgestellt werden kann.
Völlig inakzeptabel sind Rundkäfige, die eigentlich schon längst ins Antiquariat gehören, da ihre Form den Vögeln kaum Orientierung und extrem wenig Platz bietet – ihre Insassen leben in permanentem Stress.
Zierschnörkel, die direkt auf dem Gitter angebracht sind, stellen in der Regel kein Problem für Sittiche dar. Man sollte aber auch sie lieber meiden, da in Gitterschnörkeln mit etwas Pech ein Vogelfuß unglücklich festklemmen kann.

Die Aufteilung

Wer einen Vogelkäfig mit angemessener Größe sucht, darf nicht nur nach dem Käfigvolumen gehen, denn der Innenraum muss von den Vögeln auch sinnvoll genutzt werden können. Daher hat eine ausreichende Breite des Käfigs Priorität: Ein zwar hoher, aber schmaler Käfig bietet den Vögeln nicht so viel Freiraum, wie es auf den ersten Blick scheint, da die Wellensittiche wesentlich mehr waagerecht als senkrecht fliegen, also den Platz in der Breite besser ausnutzen.
Wenn hingegen der Käfig über eine ausreichende Breite verfügt, ist es natürlich ein Gewinn, wenn er zusätzlich über eine große Höhe verfügt, die Faustregel „breiter als hoch“ weist lediglich darauf hin, dass auf der Breite stets das Hauptaugenmerk liegen muss.
Mehr zur Käfighöhe findet Ihr in einem separaten Artikel.

Das Gitter

Wichtig ist, dass es der Gitterabstand auch zierlichen Vögeln nicht erlaubt, ihren Kopf zwischen die Stäbe zu zwängen. Gerade die großen Modelle, die eher für Nymphensittiche und andere, größere Vögel gedacht sind, haben oft einen zu weiten Abstand.
Der Abstand zwischen den einzelnen Stäben sollte zwischen 1 und 1,3cm liegen.

Waagerecht verlaufende Gitterstäbe sind einer senkrechten Verdrahtung vorzuziehen, da die Wellensittiche an ihnen besser klettern können. Gesunde Sittiche kommen in der Regel auch mit senkrechten Gitterstäben zurecht, behinderten Vögeln hingegen sollte man das Erklimmen der Käfigwände durch Querstreben erleichtern.
Die waagerechten Gitter bieten zudem den Vorteil, dass an ihnen Zubehör wie Näpfe und Sitzstangen in der Regel besser befestigt werden können. Wer die Wahl hat, entscheidet sich also besser für Quergitter.

Wellensittich klettert am Käfiggitter

Die Farbe

Die Gitterstäbe sollten möglichst dunkel sein. So können Vogel und Betrachter besser hindurch schauen. Beobachtungen an Volierenvögeln haben gezeigt, dass sich die Vögel bei dunklen Gitterstäben sicherer fühlen.
Weiße Gitter sind ungeeignet, da sie die Wellensittiche zu stark blenden.
Eine gute Farbwahl stellen z.B. dunkelblaue, grüne und schwarze Stäbe dar. Auch graue bzw. silberfarbene Gitter sind in der Regel gut geeignet.

Vergleich Gitterfarben beim Vogelkäfig

Das Material

Das Material der Gitter stellt einen heiklen Punkt dar, da viele Beschichtungen mit der Zeit von nagefreudigen Vögeln abgelöst werden können. Deshalb müssen sie unbedingt gesundheitlich unbedenklich sein.

Bei Kunststoffummantelungen muss man darauf achten, dass sie sich nicht ablöst und stabil genug ist. Wenn man sie schon im Laden mit dem Fingernagel eindellen kann, lieber Finger weg. Besonders gefährlich ist es, wenn sich die Ummantelung ablösen und das Metall darunter rosten kann. Man sollte sich vor dem Kauf erkundigen, woraus das eigentliche Gitter besteht, denn Rost ist giftig für unsere Vögel und diesem Risiko darf man sie nicht aussetzen.

Bei Metallbeschichtungen sollte man sich nicht auf die Information „ungiftig“ verlassen, sondern auch sicherstellen, dass das Gitter zink- und schwermetallfrei sind. Diese Angabe steht nicht immer in der Produktbeschreibung, aber nachfragen lohnt sich, denn Metallvergiftungen bei Vögeln sind tückisch und schwer zu behandeln. Der notwendige Klinikaufenthalt ist um ein Vielfaches teurer als ein ungefährlicher Käfig!
Insbesondere von feuerverzinkten Käfigen sollte man Abstand nehmen, denn hier bilden sich oft überstehende Zinknasen, die von findigen Vögeln abgeknabbert und verschluckt werden, die Folge ist eine Zinkvergiftung. Auch Messinggitter ist ungeeignet, da es sich hierbei um eine Legierung aus Kupfer und Zink handelt.

Auf der sicheren Seite ist man mit Edelstahlkäfigen. Diese werden aber leider nur selten angeboten und sind oft sehr teuer. Einige Firmen bieten eine spezielle Beschichtung an, die explizit als frei von Zink und Schwermetallen deklariert wird und im Preis durchaus erschwinglich ist.
Auch wenn man eine Voliere oder einen Käfig selbst baut, sollte man auf Edelstahldraht zurückgreifen. Dieser ist zwar recht teuer, aber immer noch preiswerter als eine Behandlung der Vögel, von der Sorge um deren Gesundheit einmal ganz abgesehen.

Verarbeitung

Eine gute und hochwertige Verarbeitung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal, auf das man unbedingt achten muss. Käfige und Volieren dürfen keine scharfen Kanten, abstehenden Splitter oder hochsteckende, spitze Drahtenden besitzen. Verbogene Gitter erschweren oft den Aufbau oder verringern die Stabilität. Wer hier ein Billigmodell kauft, riskiert ärgerliche Produktmängel und im schlimmsten Fall Verletzungen.

Die Käfig-Türchen

Hierbei ist vor allem darauf zu achten, dass man durch die Türchen alle Bereiche des Käfigs gut erreichen kann, um ohne Mühen Reinigungsarbeiten durchführen zu können. Dies gilt insbesondere für Volieren.
Außerdem müssen die Tore sicher verschließbar sein, damit sie nicht von ausbruchfreudigen Sittichen aufgehebelt werden können. Wenn man dem Mechanismus nicht vertraut, kann man sie mit einem Extra-Riegel oder einem kleinen Vorhängeschloss sichern.

Am praktischsten sind Türchen, die sich nach unten öffnen lassen. Sie halten von selbst offen und können mit einer Kette als kleiner Anflugbalkon genutzt werden. Türchen, die sich nach oben öffnen lassen, müssen entweder mit einem Haken offen gehalten werden oder man nutzt diese Öffnungen nur zum Futterwechsel oder zum Einhängen eines Badehäuschens. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Türangeln mit einer Zange aufzubiegen und das Türchen anschließend anders herum wieder anzubringen.

Sonderausstattung

Viele, eigentlich gute Käfige sind mit einem gefährlichen „Extra“ ausgestattet: mit Einhängenäpfen. Diese stellen eine Gefahrenquelle dar, weil Vögel hineinklettern und stecken bleiben können. Man sollte die Näpfe daher entfernen und die Öffnungen mit einem Gitter oder Ähnlichem sichern.

Oft werden bei Käfigen Kunststoffnäpfe und Plastik- oder Rundholzsitzstangen mitgeliefert. Diese bringt man am besten gar nicht erst im Käfig an, denn Edelstahlnäpfe und Naturholzstangen sind für Wellensittiche geeigneter.

Ein nützliches Extra sind hingegen Bodenschubladen. Diese sind in die Bodenwanne des Käfigs eingelassen und können herausgezogen werden, sodass beim Wechseln der Käfigeinstreu nicht immer die ganze Wanne gereinigt und das Oberteil des Käfigs abgenommen werden muss. Bei schwerer Einstreu wie Sand oder bei einer dickeren Schicht wie bei Buchenholzgranulat kann die Schublade allerdings auch leicht verklemmen oder nur schwergängig sein, dann ist es unter Umständen sinnvoller, ein Modell mit stabiler Bodenwanne zu wählen.



 

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Blueberry

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