Federrupfen bei Wellensittichen

Zuerst bemerkt man nur die große Anzahl von Flaumfederchen, die der betroffene Welli täglich aufs Neue verliert, bis man dann plötzlich Stellen sieht, in denen sich das Gefieder merklich ausdünnt: Der Wellensittich rupft sich. Ist man sich dessen sicher, sollte das Tier umgehend einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden, denn hinter der Selbstverstümmelung können zahlreiche Ursachen stecken, die unbedingt fachkundig abgeklärt werden müssen.

Ursache Hauterkrankungen und Parasiten

Der vogelkundige Tierarzt wird zunächst untersuchen, ob ein Hautpilz oder Ekzem oder gar Parasiten wie Federlinge für so starken Juckreiz sorgen, dass der Wellensittich sich die Federn ausreißt. Ein Hautabstrich und das Anlegen einer (Pilz-) Kultur kann hier Klarheit bringen.

Nierenprobleme

Ursache Organstörungen

Arbeitet beispielsweise die Leber nicht mehr richtig, stauen sich Abbauprodukte im Blut und es kann zu heftigem Juckreiz kommen. Eine Blutuntersuchung bringt daher Aufschluss, ob eine Lebererkrankung ursächlich für das Vogelrupfen des Wellensittichs ist. Ergänzend dazu lässt sich durch eine Röntgenaufnahme ausschließen, ob eine raumfordernde Geschwulst den betroffenen Vogel so stört, dass er an der Stelle zu rupfen beginnt. Auch dort, wo durch Lipome (Fettgeschwulst) oder andere Schwellungen die Haut unangenehm gespannt ist, reißen sich manche Vögel die Federn aus, sofern sie nicht von selbst ausfallen.

Ursache chronische Zinkvergiftung

Auch eine chronische Vergiftung durch Zink (oder andere Schwermetalle) kann zu heftigem Juckreiz und dadurch zu Federrupfen führen. Nicht selten sind dies die einzigen Symptome selbst bei sehr hohen Zinkwerten im Blut. Die Diagnose erfolgt durch Blutuntersuchung.

Ursache Psyche

Liegen keine organischen Ursachen vor, die das Rupfen erklären könnten, so muss ein psychischer Hintergrund in Erwägung gezogen werden. Papageien und Sittiche sind sehr intelligente und hochsensible Lebewesen, die auf nicht-optimale Haltungsbedingungen mit Verhaltensstörungen wie Rupfen reagieren können. Am bekanntesten ist dabei das Federrupfen bei in Einzelhaltung lebenden Vögeln. Aus purer Verzweiflung, keinen Artgenossen zur Kommunikation zu haben, beginnen die Tiere, sich die Federn auszureißen. Auch Stress (z.B. eine Haltung im viel zu kleinen Käfig ohne Freiflug, zu wenig Schlaf oder in seltenen Fällen Mobbing durch Schwarmgenossen) oder sexuelle Frustration können zu Federrupfen führen.

Stressrupfer

Therapie

Die Therapie des Federrupfens richtet sich ganz nach der Ursache. Hautpilze, Ekzeme und Parasiten können mit entsprechenden Präparaten behandelt und ungebetene Gäste mit Antiparasitika bekämpft werden.

Erkrankte innere Organe wie die Leber werden mit speziellen Medikamenten u.a. auf der Basis von Silymarin (Mariendistel) therapiert. Eine Zinkausleitung wird am besten stationär beim vogelkundigen Tierarzt vorgenommen. Der Patient erhält dabei über mehrere Tage hinweg mehrfach täglich Injektionen unter anderem mit Kalzium-Komplexbildnern sowie Infusionen, mit deren Hilfe das giftige Zink ausgeschieden werden kann.

Den Juckreiz, der mit vielen Erkrankungen einhergeht und der in diesen Fällen die Vögel zum Rupfen veranlasst, kann man badefreudigen Wellensittichen erleichtern, indem man dem Badewasser ein klein wenig Aloe Vera beimengt. Davon profitiert besonders die durch das Rupfen meist trockene, gereizte und dadurch noch mehr juckende Haut. Auch Kamille kann beruhigend auf besonders gereizte Haut wirken. Da Kamille jedoch im Ruf steht, die Haut auszutrocknen, sollte sie nur in Fällen angewendet werden, in denen die Haut ganz stark gereizt ist. Halskrausen sind meist erst dann angezeigt, wenn sich der Patient mit dem Schnabel offene Wunden zufügt.

Offenkundige psychische Ursachen können durch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen abgestellt werden. Am besten ist es natürlich, seinem Wellensittich von vorneherein ein Leben mindestens in Paarhaltung im artgerechten Käfig (mind. 80cm Breite für ein Pärchen) und mit täglichem Freiflug von mindestens 4-6 Stunden am Stück zu ermöglichen. In besonderen Fällen, wo dem Grund für ein psychisch bedingtes Rupfen nicht auf die Spur zu kommen ist, therapieren erfahrene Vogelmediziner bisweilen auch mit dem "Glückshormon" Serotonin.

Prognose

Je schneller eine kompetente Diagnose und Therapie durch einen vogelkundigen Tierarzt erfolgen, desto größer sind die Chancen, dass das betroffene Tier das Rupfen wieder aufgibt. Leider ist dies nämlich nicht immer der Fall. Rupfen kann sehr schnell zu einer Angewohnheit werden, von der manche Wellensittiche ihr Leben nicht mehr lassen können.

Zinkvergiftung

Wellensittich-Hahn Yahoo hat infolge einer chronischen Zinkvergiftung begonnen, sich zu rupfen. Deutlich ist am Hals eine Stufe im Federkleid zu sehen

 

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twixx_87

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