Glanzsittiche

Systematik

Der Glanzsittich (Neophema splendida) gehört in der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) zu der Unterfamilie der Plattschweifpapageien (Platycercinae) und dessen Gattung Grassittiche.

Die Lebenserwartung der Glanzsittiche liegt bei etwa 10 Jahren, eventuell auch 15 Jahren.

Wildform und natürlicher Lebensraum

Glanzsittiche sind etwa 20 cm groß. Die Hähne wiegen etwa 40-45 gr, die Hennen sind mit 36 bis 37 gr etwas leichter als die Hähne.

Die Merkmale der wildfarbenen Hähne:
Die Hähne sind überwiegend grün gefärbt, haben einen blauen Vorderkopf und blaue obere Flügeldecken. Die Kehle, sowie der obere Brustbereich sind rot. Bauch und die Schwanzunterseite weisen einen gelborangenen Farbton auf. Die Hähne haben einen schwarzen Schnabel, eine braunschwarze Wachshaut, eine braune Iris und dunkelgraue Beine.

Die Merkmale der wildfarbenen Hennen:
Die Hennen sind ähnlich gefärbt wie die Hähne, allerdings ist die Farbintensität etwas blasser. Die Brust der Hennen ist gelbgrün und sie besitzen weiße Unterflügelstreifen.

Die Merkmale der Jungtiere:
Jungtiere ähneln bis zur Umfärbung den adulten Hennen, sind aber noch blasser gefärbt. Die Umfärbung beginnt im Alter von etwa 3 Monaten. Die Jungtiere haben die volle Ausfärbung im Alter von 2 Jahren erreicht. Im Alter von 4 bis 6 Monaten kann man bereits die Geschlechter der Jungtiere bestimmen, da das Rot der Brut bei Hähnen deutlich zu erkennen ist. Vorher kann man schon anhand der Unterflügeldecken eine Bestimmung vornehmen, da diese bei Hähnen schwarz und bei Hennen grauschwarz sind. Außerdem ist das Kopfgefieder der jungen Hähne deutlich blauer gefärbt als das der gleichaltrigen Hennen.

Anzutreffen sind Glanzsittiche in Süd-, West- und südliches Nordaustralien sowie westliches Neusüdwales und Nord-Victoria. Während der Brutzeit leben Glanzsittiche paarweise oder in kleinen Gruppen mit bis zu 20 Artgenossen zusammen. Außerhalb der Brutzeit kann ein Zusammenschluss von bis zu 100 Vögeln beobachtet werden. Sie bewohnen trockenes Buschland, Savannen mit Eukalyptusbäumen und Akazien und gelegentlich auch offenes Waldland- Sie scheinen dabei Gebiete mit spärlichen Bodenbewuchs zu bevorzugen. In freier Wildbahn sind die Glanzsittiche nur recht selten anzutreffen, während die Zahl der in menschlicher Obhut lebenden Glanzsittiche immer weiter steigt.

Aufgrund ihrer Gefiederfärbung und ihrer ruhigen Art sind sie gut getarnt und fallen auf dem Boden oder in Sträuchern nicht auf, wenn sie auf Nahrungssuche sind.

Glanzsittiche ernähren sich hauptsächlich von Samen und Grünfutter, welche sie auf dem Boden finden. Sie suchen selten Wasserstellen auf, daher geht man davon aus, dass sie sehr wenig trinken und deshalb an den Randzonen ihres Verbreitungsgebiet nomadisch leben.

In der Regel beginnt die Brutzeit im August und endet im Dezember. Das Gelege besteht meist aus 3 bis 5, selten 6 Eier, die die Henne im Abstand von je 2 Tagen legt. Sie beginnt nach der Ablage des 2. Eis mit dem bebrüten. Das Gelege wird 18 bis 19 Tage in hohlen Ästen oder Baumstämmen von Eukalyptusbäumen bebrütet. Die Henne verlässt das Gelege nur, um auf einem nahe gelegenen Ast vom Hahn gefüttert zu werden.
Die Küken haben ein weiß-graues Daunengefieder. Der Hahn beteiligt sich nach dem Schlupf der Jungtiere an dessen Fütterung.

Nach etwa 30 Tagen verlassen die Jungtiere das Nest, bleiben allerdings noch einige Zeit bei den Elterntieren. Etwa 21 Tage nach dem Ausfliegen sind die Jungtiere selbstständig. Selbst nach dem Ausfliegen der Jungtiere werden sie noch von dem Hahn gefüttert, während die Henne meist schon eine neue Brut beginnt.

Ihre Fortpflanzungsfähigkeit haben Glanzsittiche im Alter von 8 bis 12 Monaten erreicht.

Glanzsittiche Mauve
Hahn und Henne der Mutationsfarbe Mauve

Haltung

Eine Zimmervoliere für ein Paar sollte mindestens 1x0,5x1 Meter (BxTxH) groß sein und das bei ganztägigen Freiflug. Bei weniger Freiflug sollten die Mindestmaße nicht unter 2x1x2 Meter (BxTxH) liegen. Glanzsittiche sind nicht für eine Käfighaltung geeignet, da sie bei Bewegungsmangel schnell zu Bequemlichkeit und Verfettung neigen. Sie brauchen also viel Platz, Freiflug und Bewegung.

Die Unterbringung in einer Außenvoliere ist ebenfalls möglich, da Glanzsittiche nicht mehr, wie früher, als anfällig für Kälte und Nässe gelten. Mittlerweile sind die heutigen Nachzuchten akklimatisiert und robust. Die Außenvoliere für ein Paar sollte mindestens 2,50x1,0x2,0 Meter (BxTxH) groß sein. Sie sollte mit dickerem Edelstahldraht versehen sein und über einen frostfreien Schutzraum verfügen.
Außenvolieren können mit Gras oder auch Büschen bepflanzt werden.

Die Innen- als auch die Außenvoliere sollten mit ungiftigen und Ästen mit verschiedenen Durchmessern als Sitzgelegenheiten und Beschäftigung ausgestattet sein. Frische Knabberzweige mit Blättern, Knopsen und Blüten sowie eine Bademöglichkeit sollten immer zur Verfügung stehen. Wie ausgeprägt ihr Nagetrieb oder die Badebegeisterung ist, hängt vom Charakter ab.

Glanzsittiche können recht zutraulich werden. Ihre Stimme wird als angenehm leise empfunden, da sie mehr vor sich hin zwitschern als rufen.
Sie sollten nur paarweise gehalten werden, da sie arteigenen Sittichen mit Aggressivität gegenüber treten können.

Junge Glanzsittiche neigen dazu, in den ersten Tagen wild umher zu fliegen, weil sie sehr schreckhaft sind. Durch Markierungen des Volierengitters mit Zweigen oder Schliffmatten verhindert man einen gradlinigen und zu schnellen Flug gegen die Volierenwände. Heftiges Gegenprallen kann zu Verletzungen oder im schlimmsten Fall auch zu Todesfällen führen.

Ernährung

Als Futter kann man Glanzsittichen Wellensittich- oder Neophemenfutter anbieten. Gelegentlich kann man dieses mit Waldvogelfutter ohne Rübsen und wenig Sonnenblumenkernen erweitern. Auch Wildsamen, Grassamen oder halbreife Sämereien können ab und zu dazu gemischt werden.
Neben dem Körnerfutter sollte auch regelmäßig Frischkost wie Obst, Gemüse, Beeren und Grünfutter angeboten werden. Ab und an darf auch Keim- oder Eifutter verfüttert werden.
Frische Knabberäste mit Blättern, Knopsen und Blüten sind natürliche Proteinquellen, die gerne angenommen werden. Kolbenhirse darf nur gelegentlich gereicht werden, damit man der Verfettung entgegen wirkt.

Domestikation

Die erste Zucht gab es 1932 in Australien, nachdem die Glanzsittiche schon als ausgestorben erklärt wurden. Erst 1961 konnten Glanzsittiche erfolgreich in Deutschland gezüchtet werden, nachdem die ersten Glanzsittiche in den 1950er Jahren nach Deutschland importiert wurden.
Die Wildform ist, wie bereits beschrieben, bunt gefiedert. Durch verschiedene Zuchtvorgänge konnten Mutationsfarben wie z. B. Albinos, Lutinos, Schecken, Mauve, Zimter und Braun entstehen. Dies sind nur ein paar der bekannten Mutationsfarben, da Glanzsittiche als einzige Art der Gattung Grassittiche die meisten Mutationsfarben haben.

Glanzsittiche Blau
Hahn und Henne der Mutationsfarbe blau

Glanzsittiche und andere Vogelarten

Glanzsittiche sollten paarweise gehalten werden. Es ist bekannt, dass Hähne ihren Jungtieren nach Erreichen ihrer Selbstständigkeit und auch anderen arteigenen Sittichen aggressiv gegenübertreten und diese sogar tödlich verletzen können. Eine gemeinsame Haltung mit ebenfalls paarweise untergebrachten Prachtfinken ist bei ausreichendem Platz möglich.

 

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Anna1589

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