Koloniebrut

... was bedeutet das? Bei der Koloniebrut werden die Zuchtpaare nicht in separate Zuchtkäfige gesetzt, sondern bleiben gemeinsam in der Voliere. Ich habe die Koloniebrut zwei Jahre lang praktiziert, bis es den ersten traurigen Zwischenfall gab. Meine Erfahrungen möchte ich nun weitergeben.

Vorteile einer Koloniebrut

Diese Methode der Zucht ist freilich näher an der Natur als das Separieren der einzelnen Paare. Außerdem haben die Eltern in der Regel bei einer Koloniebrut viel mehr Möglichkeiten zum Fliegen. Selbst in sehr großen Zuchtkäfigen ist der Bewegungsspielraum doch stark eingeschränkt. Dennoch ist Vorsicht angesagt, denn die

Nachteile einer Koloniebrut

überwiegen! Zunächst müsste man bei einer gemeinschaftlichen Brut mehrerer Paare pro Henne mindestens zwei Nistkästen einplanen, da weibliche Wellensittiche sehr wählerisch sind. Schon hier fangen die Probleme an, denn es gibt immer favorisierte Ecken und Lagen in einer Voliere. Die am höchsten gelegenen Nistkästen werden in aller Regel bevorzugt. Man kann zwar in "zweiter Reihe" eine Menge Kästen anbringen, muss aber damit rechnen, dass sie einfach ignoriert werden. So kann es zu ersten Rangeleien der Hennen untereinander kommen, und vielleicht sind nie alle Damen zufrieden gestellt. Im schlimmsten Fall gibt es schon in diesem Stadium, also noch vor der eigentlichen Brut, blutige, möglicherweise sogar tödliche Kämpfe.

Mit der Eiablage und dem Beginn der Brutphase werden die Hennen ihren Nistkasten und ihr Gelege immer vehementer verteidigen. Da nicht alle Paare gleichzeitig mit dem Brutgeschäft beginnen, sitzt die eine Henne schon auf den Eiern, während die andere immer noch auf der Suche nach dem geeigneten Brutplatz ist. Aber nicht nur fremde Hennen begeben sich in Gefahr. In meinem Fall war es ein Single-Hahn, der wohl aus reiner Neugier in einen belegten Nistkasten stieg. Die Küken waren dort bereits geschlüpft, die Mutter war vermutlich gerade auf Futterbeschaffung. Der Hahn hatte jedenfalls keine Chance, ihr zu entkommen - ich fand ihn tot (und zwar übel zugerichtet) zwischen ihren Küken.

paaren

Fazit

Bis zu diesem Zwischenfall war die Koloniebrut an sich eine schöne Erfahrung. Trotzdem sind die Gefahren einfach zu groß. Bei mir war es ein Wellensittich-Hahn, der sein Leben lassen musste; von anderen Hobbyzüchtern habe ich gehört, dass Gelege zerstört oder bereits geschlüpfte Küken massakriert wurden. Die meisten, die es mit Koloniebrut versucht haben, sind relativ schnell wieder davon abgekommen. Man kann als privater Halter im seltensten Fall die Bedingungen bieten, die eine Koloniebrut weniger gefährlich machen. In Vogelparks mit riesigen Freiflugvolieren scheint es gut zu klappen, aber das sind ganz andere Größenverhältnisse - und damit viel näher an der Natur als eine normal große Garten- oder Zimmervoliere.

Im Sinne Eurer Vögel rate ich dazu, es von vornherein sein zu lassen. Man muss nicht erst selbst schlechte Erfahrungen machen - profitiert von denen anderer.

Wenn ihr es dennoch versuchen wollt, sollte man schauen, dass wenn dann nur Wellensittichhennen zur Koloniebrut eingesetzt werden, die dafür wirklich geeignet sind. Viele Hennen sollte man nur separat brüten lassen. Gerade Hennen, die sehr oft Drohgebärden zeigen und für Unruhen sorgen, sind nicht geeignet.

Der Abstand der Nistkästen sollte in einer Voliere mindestens 1,5 Meter haben. Je näher sie aneinander liegen, desto häufiger kommt es zu Konflikten zwischen den Paaren. Jedes Paar möchte seinen Brutplatz verteidigen. Am besten lasst die Paare getrennt voneinander brüten - wenn es denn unbedingt sein muss. Denn auch, wenn es hier um Zucht geht, sei die Anmerkung erlaubt, dass es unzählige Abgabevögel gibt ... Jeder Hobbyzüchter sollte sich fragen, ob er denn wirklich unbedingt Küken haben muss. ;o)

 

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Silvia

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