Mein Welli Skipper war immer gesund, wenn auch etwas anders, am Anfang hatte er einen Rosenköpfchen Freund, der starb dann leider, Skipper hat dann keinen Partner mehr akzeptiert, ist wie ich eher ein Einzelgänger. Der Käfig ist immer auf für Freiflug, ich bin den ganzen Tag zuhause seit einem Unfall vor 3 Jahren.
Skipper war nie ein Vielflieger, aber dennoch putzmunter und lebhaft.
Seit 1 Jahr ist er aber merklich ruhiger geworden, fliegt weniger, meist ist er nur morgens und spätabends aktiver, das führe ich auf sein Alter zurück.
Seit 3 Wochen nun mache ich mir aber richtig Sorgen, er frißt, badet gelegentlich aber er kommt nun wirklich nur noch morgens mal kurz raus, sonst frißt oder döst er fast ständig.
wenn er rauswill, klettert er erst aufs dach, nun ist mir aufgefallen, dass er sehr schwerfällig klettert.
Bei Musik oder TV reagiert er auch noch, wird dann etwas lebhafter.
Wenn ich, klingt witzig, Schmatzgeräusche mache, dann kommt er näher oder auch heraus zu mir, aber nie lange...
Alles in allem mache ich mir große Sorgen,er niest auch oft, aber das tut er auch schon lange.
Da er halt jeden Tag ruhiger wird, habe ich Angst, dass er nicht mehr lange leben wird, ich habe sonst niemanden und er gibt meinem Leben einen Sinn.
Oder kann es sein, dass an dem momentanen Verhalten gerade diese extreme Schwüle schuld ist, die er in seinem Alter nicht mehr so leicht verkraftet ?
Zum Tierarzt will ich nicht mit ihm, zumal ich sicher bin, dass er nicht krank ist, eben nur alt; das würde er nicht überleben, wenn ihn jemand Fremdes anfaßt, er kommt wenn er will, er will nicht gern angefaßt werden nd das akzeptiere ich auch.
Wäre nett, wenn Sie mir dazu einen Rat geben könnten.
Mit frdl. Grüßen, Gabriele
Antwort: Hallo Gabriele,
erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Schilderung. Leider hast Du vergessen uns zu schreiben wie alt Skipper genau ist - ab etwa 10 Jahren, zählt man Wellis in der Regel zu den Senioren (die dennoch noch schöne Jahre vor sich haben können). Mit zunehmendem Alter, werden die Tiere meist ruhiger, obwohl es auch da individuelle Unterschiede gibt.
Die Situation wie Du sie beschreibst, lässt jedoch eher darauf schließen, dass eine Krankheit dahinter steckt.
Wellis brauchen einen anderen Wellensittich als Partner, es sind absolute Schwarmtiere und ein Mensch kann niemals einen gefiederten Partner ersetzen. Idealer Weise sollten bei der Vergesellschaftung einige Faktoren wie z.B. Geschlecht und Alter beachtet werden. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, gibt es sehr selten Probleme, da die kleinen Australier ganz soziale Tiere sind. Manchmal braucht es dann nur noch ein Quentchen Geduld des Halters - und ein ehemals trauriger Einzelwelli blüht in Gesellschaft eines anderen Wellensittichs geradezu wieder auf.
Das Verhalten von Skipper könnte also auf eine Art psychische Störung durch Einsamkeit hindeuten, die ihn die Lebenslust verlieren lässt.
Vielleicht erinnern ihn die Schmatzgeräusche an die Kontaktlaute eines balzenden Welli-Partners, der aufgeregt kurze und meist schnell aufeinander folgende Schmatz-ähnliche Schnabelgeräusche macht?
Oder es kommt eine andere Krankheit in Betracht, evtl. eine die schleichend auftritt und chronisch verläuft wie z.B. Athrose oder auch ein Tumor. Vögel die Schmerzen haben, vermeiden es sich zu bewegen. Dies wiederum kann zu anderen gesundheitlichen Problemen führen.
Wie dem auch sei, es ist zu befürchten, dass nicht das Alter der Grund für diese Verhaltensänderung ist, auch wenn die momentane Hitzewelle mitunter eine Rolle spielen könnte. Wenn Skipper Dir wirklich ein so wichtiger Freund ist, dann solltest Du ihm also eine medizinische Untersuchung durch einen ausgewiesen vogelkundigen Tierarzt nicht verwehren. Nur der Veterinär kann Dir Sicherheit geben, was Deinem Schatz fehlt.
Nein, Skipper wird es bestimmt nicht toll finden, dass er in einer kleinen Box durch die Gegend gefahren wird - aber stell Dir vor er hat Schmerzen und Du versuchst nicht sie zu lindern? So wie Du Deine Liebe zu ihm beschrieben hast, wirst Du Dich sicher überwinden können und Skipper diesen Freundschaftsdienst doch erweisen. Deine Bedenken sind nur natürlich und für jeden Vogelhalter nachvollziehbar, aber man muss sich überwinden, für das Leben der Tiere die einem am Herzen liegen. Es gibt keinen einzigen Welli auf der Welt, der sich mit Freude anfassen und untersuchen lässt - aber überstehen tun sie es doch. Und wenn es ein Vogel-Spezialist ist und nicht der normale Kleintierarzt von nebenan, dann genügt in den allermeisten Fällen auch schon ein einziger Besuch beim Tierarzt (der zudem Nerven und Geldbeutel schont), auch wenn evtl. eine etwas längere Anfahrt damit verbunden ist.
Solltest Du noch keine vogelkundige Adresse in Deiner Region kennen, findest Du hier sicher eine Empfehlung: Tierarztliste
Alles Gute für Dich und Deinen Skipper - der Dir hoffentlich noch lange erhalten bleibt.
Dein welli.net-Team