Schnabelbruch

Ein Schnabelbruch ist eine ernstzunehmende Unfallfolge, die in jedem Fall von einem vogelkundigen Tierarzt begutachtet werden muss. Der Schnabel kann sowohl waagerecht brechen als auch senkrecht gespalten werden, außerdem können Ober- und Unterschnabel betroffen sein.

Ursachen

Ein Schnabelbruch kann in erster Linie durch Unfälle entstehen, beispielsweise durch eine Kollision mit einer Fensterscheibe, einer Wand etc. Teilweise führt aber auch eine Krankheit dazu, dass der Schnabel porös wird und schon bei leichteren Belastungen bricht. So etwas kann beispielsweise bei einem unbehandelten Grabmilbenbefall geschehen. Auch durch eine sehr unsachgemäß durchgeführte Kürzung oder Korrektur des Schnabels kann es im allerschlimmsten Fall zu einem Schnabelbruch kommen. Daher sollte man entweder die Kürzung des Schnabels von einem vogelkundigen Tierarzt vornehmen lassen oder sich vor dem ersten Versuch einweisen lassen. Dies kann vor allem bei Krankheiten sinnvoll sein, bei denen der Schnabel übermäßig schnell wächst, beispielsweise bei einer Leberstörung.

angebrochener Oberschnabel und abgebrochener Unterschnabel beim Wellensittich

Bei dem Hahn links im Bild ist der Oberschnabel nur angebrochen, die Henne rechts büßte ein großes Stück ihres Unterschnabels ein.

Erste Schritte

Je nachdem, wie weit oben der Schnabel abgebrochen ist, kann es zu starken Blutungen kommen, da der Schnabel in der Wachstumszone von Blutgefäßen durchzogen ist. Auch bei einer senkrechten Spaltung des Schnabels kommt es auf jeden Fall zu einem Blutverlust. Diese Blutung muss sofort gestoppt werden, ansonsten wird der verletzte Vogel mit einer hohen Wahrscheinlichkeit schon auf dem Weg zum Tierarzt verbluten. Welche blutungsstillenden Mittel man verwenden kann, lässt sich in der Hausapotheke nachlesen. Ist der Schnabelbruch durch einen Kollisionsunfall entstanden, sind noch weitere Dinge zu beachten.

Folgen und Behandlung

Je nachdem, wie stark der Schnabel beschädigt ist und wie weit oben der Bruch entstanden ist, können verschiedene Folgen für den Vogel daraus resultieren. In einigen Fällen ist keine Heilung möglich und das Tier muss eingeschläfert werden, um ihm unerträgliche Schmerzen und ein langsames Verhungern zu ersparen, das daraus resultiert, dass der Vogel keine Körner mehr entspelzen kann. Dies entscheidet im Einzelfall der vogelkundige Tierarzt. Wichtig ist auch zu wissen, dass ein Schnabel, der im Wachstumsbereich gebrochen ist, nicht wieder komplett nachwachsen kann. Ist der Schnabel nur leicht verletzt, reicht teilweise ein Schmerzmittel und ggf. eine spätere Korrektur, damit der Schnabel wieder in seine ursprüngliche Form wächst. In manchen Fällen kann das abgebrochene Schnabelstück auch wieder angeklebt werden, daher sollte man das Bruchstück immer mit zum Tierarzt nehmen, wenn man es finden kann. Das ist allerdings eher bei großen Vogelarten der Fall.

Auch wenn die Aussichten für Vögel mit einem zu weiten Teilen abgebrochenen Schnabel denkbar schlecht sind, gibt es auch Ausnahmen, die sich mit dem verstümmelten Schnabel arrangieren und lernen, so Nahrung zu sich zu nehmen. Bei einem solchen Vogel sollte jedoch ständig das Gewicht kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass ausreichend Körner entspelzt werden können. Neben den möglichen Problemen bei der Nahrungsaufnahme kann eine Schnabelverletzung auch Folgen für das soziale Leben im Schwarm haben. Es kann passieren, dass die verletzten Vögel nicht mehr in der Lage sind, die soziale Gefiederpflege durchzuführen und ihren Partner zu kraulen oder zu füttern. Dadurch werden sie leicht zu Außenseitern. In einem solchen Fall kann es angebracht sein, den ausgestoßenen Vogel in einen anderen Schwarm zu vermitteln, unter Umständen mit anderen gehandicapten Vögeln.

In der Zeit nach dem Unfall ist es wichtig, dass der Vogel genau beobachtet wird. Hat er zu starke Schmerzen beim Fressen, muss er mit einem Schmerzmittel behandelt werden. Zudem ist es sinnvoll, weichere Kost wie Kochfutter oder Handaufzuchtfutter zu verfüttern. Auch energiereiche Ernährung kann sinnvoll sein, da hier weniger Futter aufgenommen werden muss, um die Energieversorgung zu gewährleisten. Ein vogelkundiger Tierarzt kann hier mit guten Ratschlägen zur Seite stehen. Frisst der Wellensittich gar nicht von selbst, kann eine Zwangsernährung angebracht sein, allerdings sollte auch hier mit dem Tierarzt abgesprochen werden, ob diese Maßnahme sinnvoll oder ob das Einschläfern vorzuziehen ist, weil die Prognose schlecht ist.

 

Bewertung: 4.55 Sterne von 1 User

twixx_87

Einloggen zum Kommentieren

Benutzer:
Passwort:
Damit Du Dich einloggen kannst, muß Dein Browser Cookies akzeptieren.
Du bist noch nicht registriert?