Wellensittiche besser fotografieren

Vögel zu fotografieren macht viel Freude, aber meist stellen sie einen damit auch auf eine harte Geduldsprobe, denn sie können sehr schnell sein und die geknipsten Bilder sind dann oft ohne das gewünschte Motiv Vogel. Daher sind gerade gestochen scharfe Flugbilder die Königsdisziplin der Tierfotografie. Andere Haustiere wie Hunde zum Beispiel können stiller halten und machen das Festhalten des Moments damit sehr viel einfacher. Du solltest Dich immer langsam bewegen, um Dein Motiv nicht zu verschrecken. Es hilft aber sehr, wenn Du Deine Tiere und deren Verhalten gut kennst, um zu wissen was als nächstes passieren kann und ob es sich lohnt auf den Auslöser zu drücken. Unser Ziel ist es doch immer schöne Bilder zu bekommen.

Kamera oder Smartphone

Auch Smartphone-Kameras werden ständig besser und sind immer mehr zum Fotografieren von Bildern mit einer guten Qualität geeignet. Ein erfahrener Fotograf oder Hobbyfotograf wird seine Kamera immer gegenüber eines Handys vorziehen. Die Fotografie an sich ist oft eine Herausforderung und ist mehr als ein Klick auf einen Knopf, selbst wenn nur die Automatik-Funktion benutzt wird und die vielen Feineinstellungen seiner Digitalkamera außer Acht gelassen werden. Der Unterschied von digitaler und analoger Fotografie wird an dieser Stelle nicht diskutiert.

Datenformat

Ich weise an Beispielen immer wieder darauf hin, warum ich immer auf die RAW-Bildentwicklung setze. Sie verändert das Foto nicht (zum Beispiel Wasserfall der Wolken im Hintergrund einfügen). Es ist eher vergleichbar mit dem längeren Belassen des Fotos in der Entwicklungsflüssigkeiten bei der analogen Fotografie. Das hat dann beispielsweise zur Folge, dass Farben stärker werden, der Weißanteil schwindet oder Kontraste mehr in den Vordergrund treten.

Wenn Eure Kamera also in der Lage ist das RAW-Format zu speichern, dann solltest Du es auch nutzen. In diesem Format sind viel mehr Informationen enthalten, die noch genutzt werden können, um zum Beispiel Feinheiten in den Details darzustellen. In der qualitativ sehr viel schlechteren Datei des jpg-Formats fehlen bereits wertvolle Informationen, die auch nicht wieder hergestellt werden können.

Die Lichtquelle

Das Gegenteil der Vogelfotografie ist wohl eine Langzeitbelichtung. Wichtig ist eine weit offene Blende, damit viel Licht in das Objektiv gelangen kann. In unseren Wohnungen und Häusern ist selten viel Sonnenlicht vorhanden und je geringer die Belichtungszeit ist, desto mehr Licht wird benötigt, um eine gute Bildqualität zu erreichen und um mögliches Rauschen zu vermindern.

Auch wenn Licht immer benötigt wird, ist es besser das Blitzlicht der Kamera zu deaktivieren und eine natürlichere Lichtquelle auszuwählen damit nicht einzelne Teiles des Bildes überbelichtet werden. Der eingebaute Blitz in einer Kamera ist fast immer zu viel des Guten. Mit einem Diffusor kann man externe Blitzgeräte abmildern, so dass sie mehr streuen und weniger Schatten hinter das Zielobjekt werfen. Diese hellen Stellen eines zu starken Blitzes können selbst als RAW-gespeicherte Daten nicht mehr gerettet werden. Wichtig ist es stets mit dem Licht zu fotografieren (Lichtquelle im Rücken), nicht gegen das Licht. Die Ausnahme ist natürlich das Fotografieren von Sonnenuntergängen, bei der die Lichtquelle auch gleichzeitig das Motiv ist.

Motivschärfe

Die Schärfe ist bei einem Foto von großer Bedeutung, wobei eine Hintergrundunschärfe (Bokeh) auch seinen Charme hat. Diese erwünschte Schärfe bei einem Stillleben wird am Besten mit einem Stativ erreicht, doch ist das im heimischen Wohnzimmer oft unmöglich. Die Tiere können einfach schnell den Ort des Fotografierens wechseln, worauf reagiert werden muss. Es bleibt einem nichts anderes übrig als die Kamera gut festzuhalten. Bei einem Flugbild kann mit viel Erfahrung auch die Kamera synchron zum Motiv bewegt werden. Im Fall eines scharfen Objektes ist dann auch eine tolle Bewegungsunschärfe vorhanden.

Linien

Die Horizontlinien sollten waagerecht auf dem Foto verlaufen bei der idealen Ablichtung. Die Kunst erlaubt natürlich auch abweichende Alternativen, aber diese bilden auf jeden Fall Ausnahmen. Daher ist es ratsam die Kamera gerade zu halten. Viele Kameramodelle haben eingebaute Wasserwaagen oder Gittersysteme, welche einem helfen, dass das Bild nicht schräg wird. Im Fall der Fälle kann diese Fehlhaltung auch im Nachhinein noch per Bildbearbeitungssoftware am Rechner korrigiert werden. Doch das kostet mehr Zeit als gleich beim Fotografieren darauf zu achten.

Das Format

Vor allem bei Smartphone-Fotografen werden oft die hochformatigen Ergebnisse gesehen. Hochformat-Fotos sind toll für formatfüllende Türme, ansonsten bietet das Querformat fast immer die bessere Alternative. Nicht ohne Grund sind viele Jahre nach der Entwicklung des Fernsehers diese immer noch im Querformat. Das Querformat unterstützt die horizontalen Linien an die unsere Auge im Leben gewöhnt sind.

Käfige und Volieren

Die Wellensittiche im Käfig abzulichten ist auf Grund der störenden Gitter im Bild nicht ratsam. Diese lenken das Licht und die Sensoren ab, so dass meist die Gitter fokussiert sind und das gewünschte Fotomotiv unscharf wird. Gitter im Hintergrund stören einfach das Bild selbst, wenn sie nicht sehr unscharf werden. Selbst auf Zoobildern sollte das Tier im Vordergrund stehen und nicht die Gitter vom Zoo. Lediglich wenn auf Missstände des Zoos oder des Zooladens hingewiesen werden möchte mit Fotografien, sind die Käfige im vollen Umfang mit auf das Foto zu nehmen.

Gitter im Bild stören

Die Perspektive ist alles

Das A und O eines jeden Bildes ist wohl der Blickwinkel, aus welchem die Kamera den Vogel einfängt. Experimente sind natürlich möglich, jedoch gilt grundsätzlich in der Tierfotografie, dass das Motiv auf Augenhöhe sein sollte. Wenn ein Wellensittich auf dem Boden läuft, dann leg Dich auf den Boden, um mit seinem Kopf direkt auf einer Höhe zu sein. Fotografie kann also auch bedeuten, dass etwas Sport betrieben werden muss. Auch die Froschperspektive kann einen tollen Blickwinkel bieten, also wenn das Tier von leicht unten abgebildet wird. Der Fokus selbst sollte auf dem Auge des Vogels liegen.

Begib Dich auf Augenhöhe

Flugbilder

Natürlich ist es nicht immer möglich sich in die Luft zu erheben, wenn ein fliegender Wellensittich abgelichtet werden soll, aber in der Flugfotografie ist wohl einiges anders, so auch die Perspektive. Ob das Foto von vorn oder von unten geschossen wird, spielt weniger eine Rolle, denn beides kann zu einem tollen Anblick werden. Dort zählt vor allem Schärfe und das ist gar nicht so einfach, selbst wenn der Fotograf eine gute Kamera hat.

Für die Ablichtung von Flugbildern muss vor allem die Belichtungszeit/Verschlusszeit möglichst kurz sein. Nach dem Fokussieren ist ein schnelles Abdrücken auf dem Auslöser erforderlich, da sich der Fokuspunkt sonst sehr schnell wieder verändert. Ein gutes Reaktionsvermögen und Geduld für den perfekten Moment von Fotograf und Kamera ist dringend erforderlich, wenn es ein schönes Flugbild werden soll. Auch die Serienbildfunktion kann sehr hilfreich sein, um den perfekten Moment zu treffen. Denn manchmal liegt der richtige Moment doch eher eine Sekunde nach dem Anklicken. Gute Flugbilder werden immer wieder gemacht und in unserer Galerie finden sich viele schöne Beispiele dazu.

Eule im Flug - Fast ein Wellensittich

Platzierung des Motivs

Die perfekte Positionierung des Motivs liegt bei der Portraitfotografie meist im Mittelpunkt der Bildfläche. Ansonsten sollte das immer vermieden werden. Das Gitternetz kann dazu genutzt werden. Dieses Netz haben die meisten Kameras bereits eingebaut. Die Bildfläche wird in 9 gleich große Flächen aufgeteilt mit Hilfe von zwei vertikalen und zwei horizontalen Hilfslinien aufgeteilt. Das Motiv kann nun mittig auf die linke oder rechte Hilfslinie gelegt werden. Den äußeren Bildrand soll es natürlich nicht verlassen, außer es soll nur ein Ausschnitt eines Tieres zu sehen sein.

Die Brennweite des Objektivs

Objektive sind sehr unterschiedlich, die einen lassen mehr Licht hinein, die anderen weniger, die einen haben eine hohe Brennweite, die anderen eine Geringere. Die Brennweite sagt aus wie nah ein entferntes Motiv herangezoomt werden kann. Auf einer günstigeren Digitalkamera steht lediglich der Vergrößerungsfaktor, der jedoch mit der Anfangsbrennweite leicht berechnet werden kann.

Hat das verwendete Objektiv eine niedrige Brennweite, muss der Wellensittich nah vor der Kamera stehen bzw. vorbeifliegen und die Reaktionszeit des Fotografen muss bei Letzterem noch um einiges schneller sein. Wenn das Objektiv eine hohe Brennweite besitzt, kann der Wellensittich trotz weiterer Entfernung noch sehr formatfüllend auf dem Display oder im Sucher gesehen werden. Je höher die Brennweite ist, desto schlechter ist aber auch die Abbildungsleistung.

Diesen Spagat zwischen Abbildungsqualität, Preis und Brennweite musst Du für Dich selbst herausfinden. Du kannst also Geld sparen und die Qualität erhöhen, wenn Du Deinen Wellensittichen die Angst vor der Kamera nimmst und ein Objektiv nutzt, welches eine geringere Brennweite hat und viel Licht hineinlässt.

Bildqualität

Wenn es an Deiner Kamera eine Einstellung für die Bildqualität gibt, dann nutze immer die höchste Stufe. Eventuell musst Du an den Rändern noch etwas abschneiden und hast dann die größere Chance den Rest des Bildes noch nutzen zu können. Sie verbraucht zwar auch mehr Speicherplatz, aber wenn Du den sparen willst, dann lösche lieber die schlechten Fotos. Das ist ein grundsätzlicher Hinweis in der digitalen Fotografie: Mach lieber ein paar Bilder mehr und lösche am Ende die Schlechteren.

Aktivität statt Langeweile

Du kannst einen Wellensittich problemlos fotografieren, wenn er gelangweilt oder ängstlich im Käfig sitzt, doch dann wirst Du höchstens zu hören bekommen, dass Du Deine Tiere lieber abgeben solltest. Warte lieber auf ein wenig Aktivität und sei es nur, wenn er sich mit dem Fuß ein wenig Kolbenhirse in seinen Schnabel steckt und er dabei seine Zunge zeigt. Spielzeug kann ein gutes Hilfsmittel sein, um ein wenig Action zu erzeugen, aber was immer hilft zum Anlocken ist Hirse! Auch ein Flugbild wäre eine willkommene Aktivität, die jedoch sehr viel Erfahrung und Übung erfordert.

Die Regel aller Regeln

Die wichtigste aller Regeln in der Fotografie ist, Regeln auch mal zu brechen. Sei es zum Ausprobieren, Lernen oder um etwas Künstlerisches zu Erschaffen. Oft führt das zu unerwarteten Ergebnissen, aus denen viel gelernt und die Kamera mehr verstanden werden kann. Selbst die Kamera nicht richtig festzuhalten hat schon für seltsame Effekte gesorgt, auch wenn das Bild am Ende keinen Preis gewinnen kann.

Experimentelles

Die meisten Vogelarten haben tolle Farben und auch die unserer Wellis möchten wir auf den Bildern nicht missen, jedoch kann es sich auch lohnen die Fotografie nur zum Testen mal in eine Schwarz-Weiß-Fotografie umzuwandeln. Selbst ein sehr bunter Papagei kann in Grautönen überzeugen. Genauso gut kann auch die Sättigung des Bildes ein wenig hochgedreht und damit ein sehr künstliches Bild erzeugt werden kann.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Tipps und Tricks meines gesammelten Wissens über die Fotografie ein wenig helfen kann, dass Ihr von Euren Wellensittichen bessere Fotos machen könnt und nehme gern weitere Verbesserungsvorschläge für diesen Artikel entgegen.

 
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