Brutlust verringern

Immer wieder kommen im welli.net-Forum Fragen auf, wie man die Brutlust von Sittich-Hennen etwas regulieren kann. Bevor eine Hormontherapie oder gar medizinische Eingriffe in Erwägung gezogen werden, ist es empfehlenswert den natürlichen Weg zu probieren. Daher haben wir Euch hier eine Auflistung mit Maßnahmen zusammengestellt, wie ein solch "natürlicher" Weg aussehen könnte.

Generell sei gesagt, dass Wellensittich-Weibchen, die in der Wohnung gehalten werden, häufiger zu erhöhter Brutigkeit neigen. Das liegt beispielweise an den gleichbleibend, warmen Zimmertemperaturen und auch dem (zu) reichhaltigen Futter – doch dazu später mehr. Am besten zu erkennen ist die Brutigkeit an der dunkelbraun verfärbten, meist auch hornigen Wachshaut. Zudem ist ein verstärkter Nagetrieb zu beobachten und oft auch die Suche nach dunklen Nischen/ Ecken als mögliche Bruthöhle.
Dass diese Phase auftritt, ist völlig normal, jedoch sollte sie (schon aus medizinischen Gründen) nicht zum Dauerzustand werden um den Vogelkörper nicht zu lange im hormonellen Höchstleistungs-Modus laufen zu lassen. Wenn sie länger als 4 Wochen anhält, kann es u. U. schon anstrengend für den Welli-Organismus werden.

Wachshaut

Aber nun zu den Möglichkeiten, die dabei helfen können die Welli-Hormone auf natürlichem Wege runterzufahren. Bei vielen Hennen funktioniert das sehr gut, wobei sicher jeder Halter ggf. individuell an seine Tiere und seine Situation anpassen müsste.

1. Futter reduzieren:
häufig wird den Wellensittichen Futter in nahezu unbegrenzter Menge angeboten. In Australien, der freien Wildbahn unserer Lieblinge, ist das Futter allerdings in den meisten Zeiten nur spärlich zu finden. Aus diesem Grund sind die freilebenden Wellensittiche auch so fleißige Flieger, die in wenigen Tagen mehrere hundert Kilometer nach Futter absuchen. Unseren Hausvögeln liegt das noch in den Genen, ihr Organismus ist genau darauf ausgerichtet. Bei langanhaltender Brutigkeit sollte also das Futter rationiert werden, als Faustformel gelten hier 10 Gramm pro Vogel/Tag.

2. Futter anpassen:
in den meisten handelsüblichen Futtermischungen sind zu viele ölhaltige Saaten enthalten. Zu reichhaltiges Futter bewirkt aber u. a. eine Überversorgung, die die Hennen in hormonelle Stimmung bringt. Hafer, Sonnenblumenkerne, Nigersaat usw. sollten also dann vom Speiseplan gestrichen werden. Lieber sollten leichte Saaten wie die kleinen Hirsesorten und Grassaaten angeboten werden. Bitte achtet aber darauf, dass auch der Proteinanteil der Mischung nicht zu hoch wird (Kanariensaat, Knaulgras…). Eine Orientierungshilfe, welche Saaten geeignet sind, findet man in unserem Einzelsaaten-Lexikon.

3. Raumtemperatur senken:
Um den brutfeindlichen, australischen Winter zu simulieren, sollte die Raumtemperatur nach Möglichkeit auf 16 – 18 Grad gesenkt werden.

4. Tageslichtlänge reduzieren:
Ein weiteres Mittel um den australischen Winter zu simulieren, ist die Anpassung der Tageslichtdauer. Das bedeutet, dass die Vögel nur in etwa 10 Stunden (Tages-)licht und bis zu 14 Stunden Nachtruhe (Schlaf!) bekommen sollten, um die Brutigkeit zu reduzieren. Man kann beispielsweise im Sommer dafür sorgen, dass die Fenster nur 10 Stunden Tageslicht reinlassen und sie sonst mit Vorhängen abdunkeln oder Rollos anbringen.

5. Halbdunkel vermeiden:
in den 10 Stunden Tageslichtdauer sollten halbdunkle Ecken und Nischen im Freiflugzimmer streng vermieden werden, da diese u. U. zum brüten anregen. Das bedeutet auch Bücherregale, offene Schrankwände oder ähnliches abzusichern. Auch ungenügend beleuchtete oder einfach schattige Zimmerecken sollten nach Möglichkeit dann lieber künstlich aufgehellt werden. Dabei können gerne auch Bird Lamps eingesetzt werden.

6. Luftfeuchtigkeit senken:
Als Brutgünstig gelten um die 60 – 65% Luftfeuchtigkeit, die gerade in der warmen Jahreszeit häufig in deutschen Haushalten vorliegt. Um diese ggf. zu reduzieren, kann man zum Beispiel Zimmerpflanzen entfernen. Ein Mittel um die Luftfeuchtigkeit im Raum zu messen, sind Hygrometer, welche man günstig im Internet oder Baumarkt erwerben kann.

7. Keine Frischkost anbieten:
um die Hormone runterzufahren, sollte erstmal keinerlei Frischkost mehr angeboten werden, da diese in der australischen Heimat auch nur zur Brutperiode zu finden ist. Dazu zählen sowohl Obst und Gemüse, als auch Golliwoog und Co. Ebenfalls ist Quell- oder Keimfutter zu dieser Zeit für die Wellis tabu!

Nagen

8. Nagemöglichkeiten entfernen:
Frische Zweige, Korkrinde und Co. sollten verbannt werden, wenn man die Brutlust runterkurbeln möchte. Viele brutlustige Hennen sind nagewütig, da es in ihren Genen liegt eine Höhle zum Brüten vorzubereiten. Auch Nagen regt also u. U. die Brutlust an.

9. Nahrungsergänzung reduzieren:
Nach Möglichkeit sollten vitamin- & proteinreiche Nahrungsergänzungsmittel (Pulver, Tropfen usw.) nicht in der akuten Phase der Brutlust gegeben werden, wenn man die Hennen hormonell abkühlen möchte. Während und kurz nach der australischen Regenzeit finden Wellis in der ursprünglichen Heimat viel vitaminreiche Kost und daher regen auch solche Zusätze unsere Stubenadler zur Brut an.

10. Separieren:
Dauerbrutige Hennen sollten ggf. auch von ihrem Partnervogel räumlich separiert werden. Denn natürlich regt auch der enge Kontakt zum Hahn die Brutlust an. Wenn die zuvor genannten Maßnahmen nicht greifen, sollte also dieser Schritt in Erwägung gezogen werden. Sollte man die Möglichkeit haben und die dauerbrutige Henne nicht gänzlich alleine in einem anderen Zimmer unterbringen wollen, kann man ihr auch noch eine andere Henne als temporäre Gesellschaft dazu setzen.

In der Regel werden sich nicht alle diese Punkte vom Halter umsetzen lassen, schließlich liegt das immer an der jeweiligen Schwarm- / Lebens-/ und Wohnsituation. Obwohl ganz klar gesagt werden muss: je mehr Punkte erfüllt werden, desto höher wohl die Erfolgsaussichten.
Die genannten Punkte sollten über mindestens 3 – 4 Wochen umgesetzt werden und im Zweifel kann ein vogelkundiger Tierarzt dabei sehr gut unterstützen.

Viel Erfolg!

 

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Mucki

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