Quetschungen, Zerrungen, Brüche

Auch wenn unsere Ziervögel sich ja viel mit ihren Flügeln vorwärts bewegen, kann es im Haushalt doch des häufigeren zu Unfällen kommen, nach welchen der Vogel zwar noch fliegen kann, aber lahmt, bzw. humpelt. Dies kann unsere Sittiche, wie Nymphensittiche und Wellensittiche genauso betreffen, wie den Kanarienvogel oder den Graupapageien. Manchmal kann der Wellensittich nach dem sogenannten Trauma noch auftreten, aber mit dem Ständer, bzw. den Krallen nicht mehr richtig zugreifen. Manchmal hängt der Fuß schlaff herab und kann gar nicht mehr angesetzt werden, die Flügel werden hier häufig zum Ausgleich und zur Koordination heran gezogen und benutzt. Auch der Schnabel dient dann der Abstützhilfe.

Ursachen für ein Trauma oder eine Verletzung sind zum Beispiel das Einklemmen in einer Tür. Hierbei kann der gesamte Körper, oder auch nur die Zehen eingeklemmt werden. Weiterhin kann ein Welli mit zu langen Krallen an einer Gardine hängen bleiben und/oder sich darin verheddern. Auch kann es in der Voliere zum Streit zwischen zwei Vögeln kommen, bei dem einem der Tiere in eine Zehe gebissen wird. Läuft der Wellensittich über die heiße Herdplatte, kann er sich hierbei die Sohlen verbrennen. Käfige, bei denen die Gitterstäbe in einem Winkel zulaufen bieten die Gefahr, dass der Sittich sich hier beim Klettern einklemmt. Das gleiche gilt für unsachgemäßes Spielzeug und Käfiginventar, welches kleine Ösen, zu lange Fäden oder Spalten hat, in denen der Ziervogel hängenbleiben kann.

Die Verletzungen sind vielfältig. Es sollen einige hier genannt werden.

Krallenabriss am Zeh

Krallen können zum Teil oder auch ganz abgerissen werden. Hierbei kommt es meist zu starken Blutungen, welche aber, sofern keine Gerinnungsstörung vorliegt, meist von selbst wieder zum Stehen kommen. Es empfiehlt sich aber immer einen blutstillenden Stift daheim zu haben.

Alternativ kann man den Welli sanft in die Hand nehmen, den Ständer mit kaltem (!) Wasser abspülen und mit Daumen und Zeigefinger zudrücken, damit die Blutung zum Stehen kommt. Sanft, aber beherzt ist hier die Devise, damit es nicht zu einem weiteren Schaden kommt. Auch sollte man den Wellensittich danach gut beobachten, um auszuschließen, dass die Wunde nicht doch plötzlich nochmal blutet.

abgerissene Kralle mit Blutkruste

Einklemmen in der Tür

Wird der gesamte Vogelkörper in einer Tür eingeklemmt, entsteht meist ein lebensbedrohlicher Zustand bei kleinen Vögeln, wie Kanarienvögeln, Wellensittichen und Nymphensittichen. Die Traumen im Körper sind oft zu stark und innerer Blutungen führen meist zum Tod des Tieres.

Sitzt der Welli oben auf der Tür und diese wird geschlossen, werden meist die drei vorderen Zehen vom Fuß eingeklemmt. Im besten Fall erfolgen nur Blutergüsse, diese verursachen zwar Schmerzen, heilen aber in den meisten Fällen gut ab, manchmal gehen Krallen dabei verloren aufgrund der Mangeldurchblutung. Bei schwerwiegendem Einklemmen der Zehen kann es zu Gliedmaßenabrissen kommen, bei denen ein oder mehrerer Zehenglieder abgetrennt werden. Dies führt neben schweren Blutungen auch zu hohen Sehnenabrissen und in den meisten Fällen müssen die Wunden chirurgisch durch den Tierarzt versorgt werden.

Rundkäfige sind tierschutzwidrig

Rundkäfige laufen nach oben konisch zu. Die Gitterstäbe sind längs angeordnet, was dem normalen Kletterverhalten der Vögel entgegen steht. Oben können die Tiere sich mit den Füßen oder dem Schnabel einklemmen.

Diese Käfige sind nicht mehr erlaubt und sollten von einem umsichtigen Vogelhalter nicht verwendet werden. Das wäre tierschutzrelevant. Diese Käfigart sollte wegen den Gefahren auch nicht nur vorübergehend bei Krankheit eines Vogels als Quarantänekäfig genutzt werden. Rundkäfige gehören in den Müll.

Käfiginventar und Vogelspielzeug

Sollte immer artgerecht sein, dem Welli Spaß bringen, ohne ihn zu gefährden. Lange, dünne Schnüre können zum einen beknabbert und verschluckt werden und so zu Kropf Erkrankungen führen, zum anderen kann der Wellensittich daran hängen bleiben. Fäden können sich um den Ständer schnüren und hier zu schweren Verletzungen führen.

Das gleiche gilt für enge Metallösen oder unsachgemäße Stangen, welche enge harte Spalten aufweisen.

Krallen schneiden

Nicht allen Vögeln muss man regelmäßig die Krallen kürzen. Je älter die Tiere werden, desto häufiger wird dies aber meist notwendig. Zu lange Krallen bergen die Gefahr mit ihnen hängen zu bleiben, zum Beispiel in der Gardine, einer Tischdecke oder einer Wolldecke.

Das Tragische hierbei, bekommt der Ziervogel Panik, flattert wild, kommt es manchmal dazu, dass er sich regelrecht in die Gardine eindreht mit dem betroffenen Bein. Durch die spiraligen Bewegungen kommt es nicht selten zu Brüchen des Ständers, hier können Tarsometatarsus, als auch Oberschenkel betroffen sein.

Bissverletzungen durch andere Wellis

Gerade im Frühjahr, wenn die Hormone in Wallung kommen, gibt es in größeren Wellensittichgruppen nicht selten Streit, selbst dann, wenn keine Nistkästen in der Voliere oder im Käfig hängen. Gerade Weibchen können sich ganz böse streiten und schwer mit den Schnäbeln verletzen. Bevorzugt wird in den Kopf, aber auch in die Beine und Füßchen gebissen.

Diese hoch schmerzhaften Verletzungen bluten oft stark, führen zu langem Humpeln und müssen nicht selten dem Tierarzt vorgestellt werden. Oft ist eine Versorgung der Wunde und eine Schmerzmittelgabe notwendig. Nicht selten muss man die Widersacher trennen.

Verbrennungen beim Wellensittich

Leider kommt es immer wieder auch zu Verbrennungen bei Vögeln. Sein es Kerzen, ein Becher hochvoll mit heißem Tee, auf dem der Vogel landet, eine heiße Pfanne oder klassisch die Herdplatte. Selbst umsichtigen Vogelbesitzern ist es schon passiert, dass der eigene Wellensittich sich so verletzt hat.

Sehr oberflächliche Verbrennungen heilen meist von selbst. Tiefe, schwere Verbrennungen müssen meist chirurgisch, sowie mit entsprechender Salbe und Verbänden versorgt werden vom Tierarzt.

Eingewachsener Ring

Ringe sind so eine Sache, rein theoretisch könnte man anhand eines Rings seinen entflogenen Welli besser wieder bekommen. Aber meist stören und irritieren Ringe nur. Oft sind sie unsachgemäß angebracht und führen zu Verletzungen. Nicht selten bleiben unsere Papageien daran hängen und brechen sich das Bein.

Häufig wachsen zu enge Ringe aber auch ein, führen zu Durchblutungsstörungen, Schwellungen, Blutungen und Sehnenschäden. Die Heilung dauert oft sehr lange. Als Vorsorgemaßnahme sollte man vom Tierarzt den Ring entfernen lassen.

Lahmheit des Beines

Abschließend muss man sagen, dass nicht jede Lahmheit, gerade beim Wellensittich, eine traumatische Ursache hat. Leider gibt es nicht selten Tumore in der Bauchhöhle des Vogels, welche raumfordernd sind und auf Nerven, wie den Ischiasnerv drücken können. Dies kann ebenfalls zur Folge haben, dass das Tier nicht richtig zugreifen kann und humpelt, ohne wirklich schmerzhaft zu sein.

Wellensittich hat Fuß angezogen und schont ihn

Deshalb empfiehlt es sich fast immer, wenn ein Vogel humpelt und sein Fuß nicht belastet, ohne eine offensichtliche Verletzung zu haben, das Tier zu röntgen. Dies geschieht immer in zwei Ebenen, um so die Bauchhöhle dreidimensional darstellen zu können.

Nur selten können Vögel ihre Verletzungen zu Hause auskurieren, ohne einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt zu werden. Meist Bedarf es fachlicher Hilfe, Diagnostik und Schmerztherapie, damit der Welli wieder gesund auf seiner Stange sitzen und auf seinem Holzgerüst klettern kann.

Autor: Dr. med. vet. Martina Schmoock

 
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