Schlaganfall beim Wellensittich

Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns mit oftmals anhaltenden Ausfällen von Funktionen des zentralen Nervensystems und einer kritischen Störung der Blutversorgung des Gehirns.
Ein Schlaganfall wird im deutschen häufig auch Gerhirnschlag oder Hirnschlag genannt. Der medizinische verkürzte Ausdruck ist Apoplex oder aber auch zerebraler Insult.

Ist die Durchblutung im Gefäßsystems des Kopfes gestört, so werden die Zellen im Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Je nachdem welches Areal im Gehirn betroffen ist, wirkt sich der Schlaganfall unterschiedlich auf den Vogel aus. Es können motorische Störungen oder gar Lähmungen auftreten.

Symptome

Bei den Wellensittichen konnte bisher ein Schlaganfall noch nicht nachgewiesen werden. Die Vögel hatten lediglich einige dieser Symptome:
- schwere körperliche Ausfallerscheinungen, nicht selten fällt der Vogel laut schreiend von der Stange
- halbseitige Lähmung (Hemiplegie)
- Erblindung
- ein Bein gelähmt, die Zehen liegen alle aufeinander oder sind zu einer Faust verkrampft oder gar gelähmt
- Vogel liegt völlig apathisch und orientierungslos auf dem Boden oder reagiert eher panisch, aufgrund von Sehschwierigkeiten.
- die Tage danach hat der Vogel kaum Appetit. Dies kann in schweren Fällen auch durch Schluckstörungen bedingt sein. Er droht zu verhungern!

Hat man den Verdacht auf einen Schlaganfall beziehungsweise weist ein Vogel einige dieser Symptome auf, sollte dringend ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden!

Hauptsächlich weisen ältere Wellensittiche und Agaporniden Symptome eines Schlaganfalls auf.

Diagnose

Es können einige Erkrankungen dahinter stecken, darunter Hirnblutungen nach einem Kollisionsunfall, Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn (Hirnödeme) oder auch schwere Leberschäden. Es ist wichtig das der Tierarzt schnell die Ursache herausfindet damit der Vogel nicht weitere oder gar alle motorischen Fähigkeiten verliert. Wird schnell eine Ursache gefunden ist die Chance größer das der Vogel einige der ausgefallenen motorischen Fähigkeiten wieder erlangt.

Behandlung

Der vogelkundige Tierarzt entscheidet nach der Diagnose welche Behandlung er für sinnvoll und am effektivsten hält. Einige Tierärzte behandeln mit Cortison, Cerebum compositum (homöopathisches Präparat), hoch dosiertem Vitamin-B-Komplex oder gar eine Kombination aus einigen Medikamenten.
Liegt ein schwerer Leberschaden vor, so sollte eine Leberschutztherapie eingeleitet werden. Es kann je nach Einzelfall sogar ratsam sein eine Entgiftungskur unter vogelkundiger Tierarztaufsicht durchzuführen, die die Leber eventuell wieder längerfristig entlastet.
Gerade am Anfang der Behandlung sollte dem Wellensittich so viel Ruhe wie möglich gegönnt werden.

Schlägt die Therapie gut an, dann ist der Vogel innerhalb weniger Tage nicht mehr in Lebensgefahr. Der sogenannte kritische Scheitelpunkt ist überwunden. Trotzdem bedarf es weiterhin detaillierter und guter Beobachtung des Vogels durch seinen Halter. Schlägt sie allerdings nicht wie gewünscht an und die Therapie zeigt nach Wochen noch keine Besserung, dann ist dem Vogel vermutlich nicht mehr zu helfen und er sollte erlöst werden, damit er nicht weiter leiden muss. Es sollte mit dem behandeltem Tierarzt abgeklärt werden ob eine weitere Behandlung sinnvoll wäre oder der Vogel nur noch leiden muss. Eine solche Entscheidung ist schwer, sollte jedoch immer zum Wohle des Vogels getroffen werden, sofern diese erforderlich ist.

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Was kann ich selbst tun?

Nachdem der Vogel Schlaganfallähnliche Symptome gezeigt hat, sollte aus dem Käfig sämtliches an beweglichen Gegenständen wie Schaukeln, wacklige Sitzstangen und Korkenzieherhaseln entfernt werden. Da der Vogel für die nächste Zeit wenig Gleichgewichtssinn hat und vielleicht sogar Lähmungserscheinungen aufweist. Die Korkenzieherhasel sollte entfernt werden, damit der Vogel sich darin nicht verheddern kann.
Die Sitzstangen sollten fest angebracht sein und nicht zu glatt sein.

Ein Trinknapf sollte in der Nähe des Vogels angebracht werden. Wichtig ist, dass der Vogel problemlos an den Trinknapf kommt. Wenn er sich nicht auf den Stangen halten kann, sollte dieser besser am Boden platziert werden. Ebenso sollte der Napf nicht zu groß und zu voll sein, damit der Vogel darin nicht ertrinken kann, falls er das Gleichgewicht verliert und in den Napf kippt.

Der Boden sollte gut gepolstert werden, denn durch die Lähmungserscheinungen kann er sich kaum oder sogar gar nicht auf den Sitzstangen halten und fällt wahrscheinlich öfters von der Stange. Polstern kann man den Boden mit Handtüchern und darüber liegenden Küchenpapier, welches mindestens einmal täglich gewechselt werden sollte. Vorteilhaft wäre auch eine art Hügel, den man mit den Handtüchern falten kann. So kann sich der Vogel anlehnen, wenn er sich selbst nicht aufrecht halten kann.

Es ist wichtig darauf zu achten, dass der Vogel genug Nahrung zu sich nimmt. Also sollte man verschiedene Leckereien anbieten, damit der Vogel bei Kräften bleibt. Dies kann außer dem normalen Körnerfutter auch viel Frischfutter, wie Keim- und Kochfutter und auch Gemüse sein. Denn nach dem Hirnschlag braucht der Körper viele Vitamine. Dazu eignet sich auch gekeimter Weizen, denn dieser enthält besonders viel Vitamin B. Auch leicht zu entspelzende Saaten und rote Kolbenhirse eignen sich gut.

Der Tierarzt kann sicherlich auch Trinkwasserzusätze und/oder Pulver anbieten. Die sind um vieles wirkungsvoller, als solche aus dem Zooladen. Am besten einfach beim vogelkundigen Tierarzt nachfragen.

Hat der Vogel Beweglichkeitsprobleme, so kann man mit ihm krankengymnastische Übungen durchführen. Das sollte man mit dem behandelndem Tierarzt absprechen. Dieser berät wann man damit beginnen sollte und welche Übungen dafür geeignet wären. Mit den Übungen sollte nicht zu zeitig begonnen werden, da nach den Schlaganfallsymptomen der Vogel äußerste Ruhe braucht.

Niemals sollte dem Vogel eigenmächtig eine Rotlichtlampe angeboten werden! Erkrankungen im Gehirn können schlimme Folgen haben, wenn Wärme zugeführt wird. Die Blutgefäße weiten sich, bei Wärmezufuhr. Dies führt zu einem Anstieg des Blutdrucks und kann zu weiteren Schäden des Zellen führen. Besser wäre es den Krankenkäfig an einen warmen Ort zu stellen, jedoch aber nicht auf die Heizung.

Allgemein sollte alles, womit man dem Vogel helfen möchte mit dem vogelkundigen Tierarzt abgesprochen werden. Denn einiges kann erheblich mehr Schaden anrichten, als dem Vogel wirklich helfen.

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Das weitere Leben

Bei vielen Vögeln bleiben Behinderungen, infolge der Hirnschäden. Zu den häufigsten Behinderungen zählen Sehprobleme und Lähmungen. Aber auch eine Kopffehlstellung oder die Flugunfähigkeit können Folgen davon sein.

Den meisten Vögeln kann man noch ein wunderbares behinderten gerechtes Zuhause bieten. Zusammen mit dem Tierarzt sollte entschieden werden ob der Vogel Lebenswillen hat und auch ohne Schmerzen leben kann.

Wie Flocke können auch viele andere Wellensittiche mit Lähmungen super zurecht kommen. Wenn man ihnen die Chance gibt und das Zuhause demenstsprechend behindertengerecht einrichtet, so haben auch blinde Wellensittiche noch ein wundervolles Leben. Man sollte darauf achten, dass wenn der Wellensittich blind ist, die Käfigeinrichtung nicht verändert wird. Häufig orientieren sie sich an ihren Artgenossen.

 

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blue_angel

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