Wellensittich zugeflogen - was nun?

Nicht nur in den Sommermonaten kann es vorkommen, dass einem ein Wellensittich zufliegt oder man einen völlig erschöpften Vogel mitten auf der Straße findet.
Bei der Frage, was dann zu tun ist, sind viele Leute – gerade Nicht-Wellensittich-Halter – erst einmal überfragt.

Darum hier nachfolgend Tipps für die ersten Maßnahmen, die einem Fundvogel zuteil werden sollten:

Einfangen eines Wellensittichs

Fliegt einem der Wellensittich nicht gerade durch ein offenes Fenster schnurstracks in die Wohnung, stellt sich oft die Frage, wie man ihn am besten einfangen kann.

Sichtet man einen entflogenen Welli erhöht in Bäumen oder Sträuchern, kann man versuchen, ihn mit etwas Kolbenhirse und Wellensittichgezwitscher vom Tonband in einen kleinen Käfig zu locken. Ist der Vogel in „Reichweite“ kann auch ein Kescher von Nutzem sein.

Findet man einen augenscheinlich entkräfteten Vogel auf dem Boden sitzen, reicht es oft schon aus, vorsichtig etwas leichtes wie ein Tuch oder Hut über ihn zu werfen, um ihn am Davonfliegen zu hindern. Ein kleines Behältnis für den Transport nach Hause – idealer Weise ein Transportkäfig, eine Schachtel oder ähnliches geht natürlich auch – ist jetzt von Vorteil.

Erstversorgung des Wellensittichs

Die wichtigsten Dinge die der Wellensittich nun braucht, sind eine vorübergehende Behausung, Futter, Wasser und Ruhe.

Manche Leute haben noch einen alten Vogelkäfig auf dem Dachboden oder im Keller zu stehen. Man kann sich aber auch bei Freunden, einem Tierarzt oder eventuell dem örtlichen Tierheim einen ausleihen.

Unabhängig davon, ob das Tier äußerliche Verletzungen hat, sollte der Wellensittich schnellstmöglich einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden.
Man kann nicht wissen, wie lang der Kleine schon draußen herumgeirrt ist, wie sehr sein Immunsystem dadurch geschwächt wurde und ob er erkrankt und/oder von Parasiten befallen ist.
Aus diesem Grund ist es auch wichtig, ihn – sofern man schon Wellensittiche hat – nicht mit den eigenen Vögeln zusammen zu lassen! Auch wenn das hart klingt, aber das Fundtier könnte ansteckende Krankheiten in sich tragen und die anderen Wellensittiche infizieren.

Wem die Kosten für einen Tierarztbesuch zu hoch sind, kann das Tier auch in einem Tierheim abgeben (dabei bitte den genauen Fundort angeben), damit es dort versorgt wird.

Suche nach dem Besitzer

Um den Besitzer des zugeflogenen Wellensittichs ausfindig zu machen, sollte das örtliche Tierheim benachrichtigt werden. Weiterhin ist es sinnvoll auch umliegende Tierärzte vom Fundvogel zu informieren, in der Umgebung der Fundstelle Zettel auszuhängen und in der Lokalzeitung eine Anzeige zu schalten. Darüber hinaus bieten viele Vogelforen eine eigene Rubrik für ent- und zugeflogene Tiere.

Laut dem deutschen Gesetz ist der Wellensittich bis sechs Monate nach dem Fund immer noch Eigentum seines Vorbesitzers.
Meldet sich innerhalb des halben Jahres der Vorbesitzer und möchte seinen Vogel zurück, muss er allerdings die dem „Versorger“ entstandenen Kosten für Tierarzt, Futter, eventuell neuen Käfig etc. erstatten. Darum ist es sinnvoll, hierüber alle Rechnungen aufzubewahren.

Nach Ablauf dieser Frist geht der Wellensittich automatisch in den Besitz seines Finders über.

Die Ringnummer

Trägt der Vogel einen Ring, kann so zumindest der Züchter, von dem er ursprünglich stammt, ausfindig gemacht werden. Einige Züchter führen auch Buch darüber, an wen sie ihre Wellensittiche verkauft haben.

Die Ringnummer sollte bei Aushängen oder Anzeigen nicht mit angegeben werden. Andernfalls könnte jeder der möchte einen Anspruch auf das Tier anmelden.
In der Regel kennt nur der Halter diese Nummer. Meldet sich jemand, der seinen Wellensittich vermisst, kann sie dann abgeglichen werden. Auch hier gilt: Erst nennt der Halter die Kennnummer und der Finder vergleicht diese dann mit der des zugeflogenen Wellensittichs.

Behalten - ins Tierheim - vermitteln?

Natürlich stellt sich bald die Frage, was mit dem kleinen Australier geschehen soll.

Eine Möglichkeit hier ist, ihn zu behalten.
Hat man selbst schon Wellensittiche, wird der Neue in den meisten Fällen alles vorfinden, was er zum Leben braucht.
Ist der zugeflogene der erste Wellensittich, ist es natürlich wichtig, sich über eine artgerechte Haltung zu informieren. Der wichtigste Punkt hier ist, dass ein Welli nie allein gehalten werden soll. D.h. der oder die Kleine braucht einen Partner.

Hat man selbst keine Möglichkeit, den Vogel (auch nur kurzfristig) bei sich aufzunehmen, sollte er in einem Tierheim abgegeben werden. Dort ist seine Versorgung sichergestellt und er kann auf seinen alten oder einen neuen Halter warten.

Den Wellensittich selbst z.B. über ein entsprechendes Forum zu vermitteln ist eine weitere Variante.Dabei sollte folgendes bedacht werden: Der übernehmenden Person muss bewusst sein, dass noch anderweitige Besitzansprüche innerhalb der sechs Monate nach dem Fund auftreten können. Außerdem sollte man Adresse und Telefonnummer desjenigen parat haben, der den Wellensittich bei sich aufgenommen hat, falls sich der Vorbesitzer zu einem späteren Zeitpunkt noch meldet.
Darüber hinaus ist es wichtig, nachweisen zu können, dass man versucht hat, den eigentlichen Halter ausfindig zu machen. Hierzu kann man beispielsweise eine geschaltete Anzeige aus der Zeitung aufheben.

Ob man das Tier nun selbst behält oder zur Vermittlung freigibt, ist jedem selbst überlassen. Für das Wichtigste - dem Wellensittich in seiner Not zu helfen - wird der kleine Vogel auf jeden Fall dankbar sein!

 

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Bealu

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