Ist ein Wellensittich krank, braucht er rasch die medizinische
Hilfe von einem vogelkundigen Tierarzt, denn aufgrund des schnellen
Stoffwechsels, den der Vogel hat, baut er schnell ab und so kann
auch eine erst harmlos anmutende Erkältung zum baldigen Tod
führen.
Doch immer wieder finden Wellensittich-Halter verschiedene
Ausreden, warum sie nicht mit ihrem kranken Vogel zum Tierarzt
wollen. Hier die häufigsten von ihnen – mit einer
jeweiligen Erklärung, warum man durch ein solches Handeln das
Leben seines Schützlings aufs Spiel setzt.
Die Tatsachen, dass ein Transport
zum Tierarzt und die Untersuchungen vor Ort anstrengend
für einen Wellensittich sind, noch dazu wenn er krank ist,
sind sicher nicht von der Hand zu weisen.
Allerdings ist es für den Vogel weitaus schlimmer, mit einer
unbehandelten Krankheit leben zu müssen, nur weil sein Halter
den Tierarztbesuch scheut. Eine Krankheit schwächt den Welli,
er fühlt sich unwohl, kann womöglich seine Nahrung nicht
mehr richtig zu sich nehmen und/oder verwerten – der
Organismus wird mehr und mehr durch die Erkrankung belastet, was
nicht selten mit dem Tod des Vögelchens endet.
Aus diesem Grunde ist es wichtig, gleich bei den ersten Anzeichen
einer Erkrankung einen vogelkundigen Tierarzt aufzusuchen, denn
im Anfangstadium kann der kleine Körper noch besser mit der
zusätzlichen Belastung umgehen.
Aber auch wenn eine Krankheit schon fortgeschritten ist, ist das
kein Grund, den Transportstress als Ausrede für ein
Nichtaufsuchen des Tierarztes vorzuschieben, denn ohne eine
medizinische Versorgung ist dem Vogel keinesfalls geholfen!
Dieses Gerücht hält sich recht hartnäckig und
sicherlich gibt es im Leben eines Wellensittichs für ihn
angenehmere Dinge als den Besuch eines Tierarztes. Ebenso sicher
gibt es auch unter Wellensittichen solche – analog zu uns
Menschen – die ein schwaches Herz haben. Dies ist aber
keineswegs der Normalfall!
Das Risiko für einen Welli, während eines
Tierarztbesuches an einem Herzinfarkt zu sterben ist, im Vergleich
zu dem Risiko, an einer nicht behandelten Krankheit einzugehen,
verschwindend gering und sollte nie als Ausrede genutzt werden,
nicht zum Tierarzt zu gehen.
Es gibt verschiedene Wellensittich-Krankheiten, die schubweise verlaufen, etwa Megabakteriose. Das heißt, ein Wellensittich wird krank, scheint aber von allein und ohne medizinische Behandlung wieder zu gesunden. Da es dem Patienten nach ein paar Tagen augenscheinlich wieder besser geht, wird die Erkrankung nicht selten als harmlose Erkältung abgetan. Das ist aber oft ein Trugschluss.
Über Wochen oder sogar Monate erscheint der Wellensittich
gesund und ganz plötzlich sind dann wieder die gleichen
Symptome zu erkennen wie schon beim ersten Mal. Nun könnte man
glauben, dass der Vogel ja schon einmal von allein wieder gesund
geworden ist und ein weiteres Mal einfach nichts tun.
Ein solches Handeln kann allerdings das Todesurteil für den
Wellensittich bedeuten, denn auch wenn er zwischenzeitlich gesund
erschien, hat sein Körper doch gegen den Erreger kämpfen
müssen und wurde dadurch zwangsläufig geschwächt.
Bricht die Krankheit nun akut wieder aus, kann dem kleinen
Patienten die Kraft fehlen, sie nun erneut ohne Hilfe in Schach zu
halten.
Allein schon aufgrund der Tatsache, dass verschiedene Krankheiten chronische Formen annehmen können, sollte immer gleich bei den ersten Krankheitsanzeichen ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Wellensittiche sind sehr gute Schauspieler und verstecken Krankheiten solange wie es ihnen möglich ist. Bemerkt man also Veränderungen im Verhalten des Wellis, ist es höchste Eisenbahn, ihn einem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen! Wartet man dann noch länger ab, weil man sich unschlüssig ist oder hofft, die Erkrankung ginge von allein weg, kann es zu spät sein. Denn auch der vogelkundige Tierarzt kann nur bis zu einem bestimmten Punkt helfen.
Außerdem gibt es Krankheiten, bei denen dem Wellensittich leider nicht geholfen werden kann. Eine Behandlung der Symptome, Schmerzlinderung etc. sind eventuell möglich, können das Unvermeidliche nur verzögern. Dies gilt natürlich nicht für alle Wellensittich-Erkrankungen und ein Tierarztbesuch ist dementsprechend immer angebracht!
Viele Vogel-Besitzer gehen, ist ihr Wellensittich krank, zu ihrem ‚normalen’ Tierarzt, der auch Hund oder Katze behandelt. Diesem fehlt in den meisten Fällen die notwendige Zusatzausbildung, um dem Vogel wirklich helfen zu können. Darum ist es so wichtig, einen vogelkundigen Tierarzt aufzusuchen, ist ein Wellensittich einmal krank.
Das stimmt nicht. Sicher verfügen nicht viele Tierärzte über die notwendige Ausbildung und das Wissen, Vögel richtig behandeln zu können, aber aus diesem Grund ist es auch so wichtig, zu einem vogelkundigen Tierarzt zu gehen, auch wenn das einen wesentlich weiteren Anfahrtsweg mit sich bringt.
Ein Tierarzt, der behauptet, Vögel seien viel zu klein und
zu empfindlich um behandelt werden zu können, ist mit
Sicherheit nicht vogelkundig.
Ein Tierarzt mit dem entsprechenden Wissen dagegen kann auch bei
einem so kleinen Vogel wie dem Wellensittich Blut abnehmen, ihn
röntgen, in Narkose legen und viele andere Untersuchungs-
und Behandlungsmethoden anwenden, die auch bei
größeren Haustieren Standard sind.
Es kann gut möglich sein, dass die Strecke bis zum
nächsten vogelkundigen Tierarzt 100km oder auch mehr
beträgt. Das liegt einfach daran, dass es sehr wenige auf die
Behandlung von Vögeln spezialisierte Tierärzte in
Deutschland gibt.
Das ist allerdings kein Grund, eine solche Fahrt zu scheuen, denn
nur ein Tiermediziner, der weiß, wie man einen Vogel
untersucht und behandelt, kann wirklich weiterhelfen.
In aller Regel verkraften Wellensittiche auch eine mehrstündige Fahrt besser als man glaubt. Dafür müssen sie nur entsprechend untergebracht und versorgt werden. Und über eines sollte man sich im Klaren sein: Eine unbehandelte Krankheit bedeutet immer weitaus mehr Stress als eine längere Fahrt in einem kleinen Transportkäfig.
Ohne ein eigenes Auto kann einem ein Besuch beim weit entfernten
vogelkundigen Tierarzt schon einmal unmöglich
erscheinen.
Allerdings sollte man sich schon vor der Anschaffung bewusst
machen, dass man als Halter für ein Lebewesen verantwortlich
ist – und damit auch für seine Gesundheit. Entsprechend
sollte man sich nach Möglichkeit im Vorfeld überlegen,
wie man den Weg zum Vogelkundler am besten bewältigen kann,
denn im Ernstfall ist meist schnelles Handeln gefragt.
Wer kein eigenes Auto hat, kann oft öffentliche
Verkehrsmittel benutzen, um zum Tierarzt zu kommen. Dem
Wellensittich ist es dabei egal, ob er in einem Auto, im Zug oder
im Bus transportiert wird, sofern er sicher und der Witterung
entsprechend ‚verpackt’ ist.
Eine andere Möglichkeit ist ein Taxi. Zugegebener Maßen
kann dieses sehr schnell sehr teuer werden, darum sollte immer Geld
für einen Notfall beiseite gelegt werden. In vielen
größeren Städten gibt es außerdem spezielle
Tiertaxis, deren Hilfe man in Anspruch nehmen kann.
Die vermutlich stressfreiste Methode ist, im Familien- und
Bekanntenkreis zu fragen, ob sich jemand bereit erklärt, einem
ein Auto zu leihen oder einen sogar zum Tierarzt zu fahren. Gegen
eine Erstattung der Spritkosten und ein Dankeschön wird sich
in einem solchen Falle sicher jemand finden.
Dass der Besuch beim Tierarzt in den allermeisten Fällen
den Kaufpreis eines Wellensittichs übersteigt, kann man sicher
nicht bestreiten, diese Erfahrung wird jeder gewissenhafte
Wellensittich-Halter schon gemacht haben.
Allerdings sind die nicht selten hohen Kosten kein Grund
dafür, nicht mit seinem kranken Vogel zu einem vogelkundigen
Tierarzt zu gehen! Schon vor der Anschaffung eines Haustieres (und
zwar jeglicher Art), muss man sich bewusst machen, dass das Tier
früher oder später auch einmal krank werden wird und dann
medizinische Versorgung braucht. Als Halter eines Tieres ist man
verpflichtet, ihm diese zukommen zu lassen.
Der Glaube, der Besuch bei einem vogelkundigen Tierarzt wäre teurer als der bei einem 'normalen', ist in den meisten Fällen ein Trugschluss. Tierärzte in Deutschland sind an eine Gebührenordnung gebunden, die genaue Preise für einzelne Leistungen festlegt. Ein Tierarzt darf rein rechtlich gesehen den einfachen bis dreifachen vorgeschriebenen Satz berechnen, das heißt aber nicht, dass Spezialisten wie vogelkundige Tierärzte das auch unbedingt tun. Meist wird ein höherer Satz erst dann fällig, wenn Leistungen am Wochenende oder an Feiertagen erbracht werden. Wer sich unsicher ist, kann bei seinem Tierarzt auch einfach nachfragen.
Aber selbst wenn der nächste vogelkundige Tierarzt einen höheren als den einfachen Satz berechnen sollte, muss man sich einen Fakt vor Augen führen: Auch wenn der 'normale' Kleintierarzt preiswerter sein sollte, so kann er dem kranken Wellensittich in den meisten Fällen nicht helfen. Die Folge sind meist unnötige Besuche und Behandlungen, die ebenfalls ihr Geld kosten. Am Ende sieht man als Halter seinen Fehler vielleicht ein und sucht doch noch einen Spezialisten auf. Hätte man dies von vornherein getan, hätte man das Geld für die Behandlungen beim ersten Tierarzt gespart und - was noch viel wichtiger ist - keine wertvolle Zeit verstreichen lassen, die ein Wellensittich im Falle einer Erkrankung einfach nicht hat.
Noch ein Tipp: Viele Tierärzte lassen sich auf eine Ratenzahlung ein, gerade wenn teurere Behandlungen nötig sind oder man sich gerade in einem akuten finanziellen Engpass befindet. Ob der eigene vogelkundige Tierarzt das im Ernstfall auch macht, kann man z.B. direkt erfragen, wenn man seine neuen Wellensittiche zum Eingangscheck vorstellt. Ist eine Ratenzahlung nicht möglich, hat es sich schon bei vielen Haltern bewährt, ein Sparschwein anzulegen, in das immer, wenn es möglich ist, kleinere Beträge gesteckt werden, so dass für den Notfall schon eine Summe zusammengespart ist.
Wie das Leben so spielt, wird ein Wellensittich meist genau dann
krank, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Trotzdem ist er in
einem solchen Fall natürlich auf eine adäquate
medizinische Versorgung angewiesen, auch wenn die Sprechzeiten der
Tierarztpraxis sich mit den eigenen Arbeitszeiten
überschneiden.
Für den Fall der Fälle ist es darum sinnvoll, sich im
Vorfeld im Familien- und Bekanntenkreis umzuhören, wer denn
für einen Tierarztbesuch einspringen könnte. Man kann
sich auch informieren, ob es in der Region einen Service wie das
schon erwähnte Tiertaxi gibt. Von diesen werden oft nicht nur
Tier und Halter zum Arzt gebracht, sondern auch den Tierarztbesuch
selbst übernommen, hat der Besitzer keine Zeit.
Geht jemand stellvertretend mit dem erkrankten Wellensittich zum
Tierarzt, ist es ratsam, demjenigen die beobachteten Symptome
aufzuschreiben, damit dieser sie bei der Untersuchung genau
schildern kann und nichts vergessen wird.
Umgekehrt sollte der Stellvertreter die Diagnose und alle
Anweisungen zur Behandlung inklusive Dosierungsangaben für
Medikamente genau mitschreiben, damit der Wellensittich-Halter
diese Informationen hinterher vollständig erhält.
Als Minderjähriger hat man es im Falle einer Erkrankung eines Wellensittichs oft nicht leicht, mit ihm zum vogelkundigen Tierarzt zu kommen. Das hat oft verschiedene Gründe: Für die Bezahlung des Tierarztes steht nur das eigene Taschengeld zur Verfügung, man hat noch keinen Führerschein und ist damit auf einen hilfsbereiten Fahrer angewiesen, die Eltern glauben nicht, dass der Wellensittich wirklich zum Tierarzt muss und falls doch, sehen sie nicht ein, warum es unbedingt der über eine Stunde entfernte Vogelkundler sein muss, wo es doch auch in zehn Minuten Entfernung einen Tierarzt gibt.
Liebe Eltern: Auch wenn ein Haustier dem Kind gehört, so
liegt doch bei den Erwachsenen die Verantwortung, dafür Sorge
zu tragen, dass es diesem Tier auch gut geht. Das beginnt damit,
dass man überprüft, ob die täglichen Arbeiten wie
der Futter- und Wasserwechsel durchgeführt werden und
beinhaltet eben auch, ihm im Ernstfall eine medizinische Versorgung
zukommen zu lassen.
Kinder und Jugendliche kennen ihre Tiere meist genau und wissen,
wann es diesen nicht gut geht. Solche Sorgen sollte man immer ernst
nehmen und auf sein Kind vertrauen. Ohne Unterstützung kann es
dem geliebten Wellensittich nicht die Hilfe zukommen lassen, die er
braucht.
Es ist außerdem wichtig, dass ein vogelkundiger Tierarzt
aufgesucht wird, auch wenn das mit mehr Aufwand verbunden ist, als
würde man zu einem 'normalen' Kleintierarzt gehen.
Liebe Kinder und Jugendliche: Sicher ist es nicht immer einfach,
seine Eltern von der Notwendigkeit eines Tierarztbesuches und noch
dazu bei einem Spezialisten für Vögel zu überzeugen.
Aber bitte gebt nicht auf, denn Eurer Welli braucht Euch in einem
Krankheitsfall!
Sollten Eure Eltern nicht verstehen, warum es so wichtig ist, zu
einem vogelkundigen Tierarzt zu fahren, dann fragt sie, wo sie
selbst das letzte Mal waren, als sie so starke Zahnschmerzen
hatten. Sicherlich beim Zahnarzt, der - im Gegensatz zu einem
Allgemeinmediziner - eine entsprechende Ausbildung hat, um alle
Probleme rund um die Zähne zu behandeln. Ähnlich
verhält es sich mit Kleintierärzten und vogelkundigen
Tierärzten.
Sollte das Geld eine Rolle spielen, bietet an, es in Ratenzahlung
von Eurem Taschengeld abzustottern oder anfallende Arbeiten in Haus
und Garten zu übernehmen. Viele Tierärzte lassen
außerdem eine Ratenzahlung zu. Vielleicht leiht auch die Oma
oder Tante etwas, wenn sie von dem kranken Welli
erfährt.
Wenn die Eltern trotzdem nicht fahren wollen: Fragt im Familien-
und Freundeskreis nach. Vielleicht erklärt sich ja der
große Bruder der besten Freundin bereit, der Onkel oder die
nette Nachbarin.
Außerdem: Zeigt Euren Eltern diese Seite und bringt sie dazu,
sich ebenfalls für Wellensittiche und ihre Haltung zu
interessieren. Je mehr man nämlich über die kleinen
Vögelchen weiß, desto besser versteht man sie und kann
ihre Bedürfnisse - auch das nach einem anständigen
Tierarzt - nachvollziehen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt keine Ausrede, mit einem
kranken Wellensittich nicht zu einem vogelkundigen Tierarzt zu
gehen, denn das kleine Wesen braucht schlicht und ergreifen
medizinische Versorgung, die es sich selbst nun einmal nicht
verschaffen kann.
Darum gilt, sobald man Veränderungen bemerkt, immer das Credo:
Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig.
BLu