Wellensittich-Geschichten

"Der Engel, der vom Baum herabstieg"

von Stef

In einem kleinen Haus, vor gar nicht langer Zeit, lebte ein kleiner grüner Wellensittich zusammen mit einer Menschenfamilie. Eigentlich ging es ihm gut, er hatte genug zu essen und zu trinken, durfte umherfliegen und alle waren sehr lieb zu ihm. Und dennoch war es ihm oft so schwer um sein kleines Herzchen, weil er sah, dass die Menschen einander liebhatten, sich oft in den Arm nahmen, sich in ihrer Sprache unterhielten und zusammen lachten. Er hingegen hatte oft nur den schweigsamen Kameraden in dem silbrigen runden Teil, das die Menschen "Spiegel" nannten.

In diesen Tagen sprachen die Menschen oft von Weihnachten und der kleine Wellensittich war schon ganz aufgeregt, weil zu Weihnachten immer etwas ganz Besonderes und Wunderbares geschah. Die Menschen stellten einen großen Tannenbaum im Wohnzimmer auf, der prächtig geschmückt wurde. EngelGanz oben auf die Spitze steckten sie einen Weihnachtsengel. Der kleine Wellensittich liebte diesen Weihnachtsengel, weil er Flügel mit richtigen Federn hatte - genauso wie er selbst.

Der Weihnachtsabend kam und ging, und als die Menschen schließlich das Licht löschten und zu Bett gingen, fiel der Mondschein der klaren, kalten Winternacht genau auf den Weihnachtsengel. "Oh, könntest du doch von deinem Baum herabsteigen und zu mir in den Käfig kommen", dachte der kleine Wellensittich, "die Menschen sagen doch immer, dass Weihnachten Wünsche wahr werden." Aber der Weihnachtsengel blieb schweigsam, so wie jedes Jahr.

Betrübt schloss der kleine Wellensittich die Augen. "Ich werde die Augen ganz einfach nicht mehr aufmachen", dachte er bei sich bevor er einschlief, "wenigstens in meinen Träumen bin ich nicht alleine." In seinem Traum begann der Weihnachtsengel sich zu verändern. Seine Flügel wurden dunkler und zeigten ein wunderschönes Wellenmuster, die Nase verwandelte sich in einen zierlichen Schnabel, und wo zuvor noch das Engelsgewand gewesen war, bildeten sich nun leuchtend grüne Federn. Und das Unglaublichste war, dass der Engel plötzlich zu sprechen begann: "Guten Abend, mein kleiner Freund, ich beobachte dich nun schon seit einigen Jahren jedes Weihnachten. Was ist es, das dich so traurig macht?" "Ach", sagte der kleine Wellensittich, "die Menschen sind fröhlich und feiern, und obwohl alle so lieb zu mir sind, fühle ich mich doch so einsam, vor allem nachts, wenn die Menschen schlafen." "Ja, das ist wahrhaftig traurig", sprach der Weihnachtsengel, "deine Traurigkeit berührt mich sehr. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann." Und nachdem er diese Worte gesprochen hatte, verwandelte er sich wieder in den Weihnachtsengel mit seinen weißen Flügeln und dem Engelsgewand. "Ach, könnte es doch wahr sein, dass der Engel mir wirklich helfen kann", wisperte der kleine Wellensittich im Traum, "aber wie sollte es? Ich werde die Augen wirklich nicht mehr aufmachen."
Tannenzweig
Die Zeit verging, und hinter seinen geschlossenen Augenlidern sah der kleine Wellensittich, dass das Mondlicht einem hellen Wintermorgen gewichen war. Dennoch hielt er die Augen fest geschlossen und klammerte sich weiter beharrlich an seinen schönen Traum. Er nahm kaum wahr, dass leise, trippelnde Schritte und unterdrücktes Kichern und Flüstern den Raum füllten. "Ob er sich wohl freut?" "Ganz bestimmt! Der Ärmste war ja wirklich viel zu lange alleine."

"Du liebe Zeit! Wo bin ich denn hier hingeraten?", zwitscherte plötzlich ein helles Stimmchen, "und wer bist du überhaupt? Du bist ja hübsch! Aber du könntest wenigstens die Augen aufmachen und Guten Tag sagen!"

Vorsichtig blinzelte der kleine Wellensittich, um im nächsten Augenblick beide Augen weit aufzureißen. Vor ihm, in einem zweiten Käfig, saß das schönste Wesen, was er jemals gesehen hatte. Ein zierlicher Schnabel, Flügel mit einem wunderschönen, dunklen Wellenmuster und leuchtend grünen Federn. Überwältigt schloss der kleine Wellensittich noch einmal kurz die Augen. So viele Gedanken schossen ihm durch den Kopf und er wollte doch so viel mehr sagen als nur Guten Tag.

Und in diesem kurzen Moment der Stille meinte er das leise Lachen des Weihnachtsengels zu hören.

Spiegelnde Christbaumkugel


Big Timon I: Big Timon kriegt sie alle

von Birgit Winderlich

Es war Freitag Nachmittag und wieder mal kein Auftrag in Sicht. So saß ich gelangweilt auf meiner Stange und kaute etwas lustlos an einer Hirse herum. Plötzlich klopfte es und ich wurde aus meinen Tagträumen an süße Wellensittich-Hennen herausgerissen. "Herein", nuschelte ich, da ich gerade wieder den Schnabel voller Hirse hatte. Die Tür öffnete sich und es kam eine zierliche, aber gut gebaute Wellensittich-Dame herein. Sie war dunkelgrün mit einem gelben Kopf. Schnell setzte ich mich gerade hin. "Was wünschen sie, Lady?", fragte ich. "Mein Mann betrügt mich! Finden sie heraus mit wem", zwitscherte sie mit glockenheller, aber aufgebrachter Stimme. Ich hielt es für leicht zu verdienendes Geld und nahm den Fall an. Hätte ich gewusst, in was ich da hinein gerate, hätte ich abgelehnt.

Kaum hatte die Dame mein Büro verlassen, machte ich mich mit Kamera und ein paar Hirsekolben auf den Weg zu der Adresse, die sie mir genannt hatte. Die Dame, die wohl alle Lola nannten, aber bürgerlich Beach Zwitscher hieß, wohnte in einer noblen Vorstadtgegend mit Ein-Familien-Volieren. Ich fiel auf wie ein Wellensittich mit roten Federn mit meinem Schlapphut und meinem, zugegeben, schlecht gepflegten Gefieder. Ich legte mich hinter einem Brombeerstrauch auf die Lauer und stellte das Teleobjektiv von meiner Kamera scharf. Ich schaute durch das Objektiv und traute meinen Augen kaum: Der Ehemann der verehrten Dame ist Don Dusty. Einer der größten Hehler und Mafia-Bosse in Budgee-Village. Mittlerweile glaubte ich nicht mehr an einen kleinen Fremdgänger-Fall. Ich hatte hier einen ganz großen Vogel im Käscher. Leise flog ich näher ran. "Den bekommen wir schon weich, Boss", sagte ein schmieriger hagerer Typ im lila Gefieder, lispelnd. Die anderen fünf Wellensittiche, die um die Beiden herum standen, nickten eifrig. "Das will ich hoffen, du Idiot", sagte Don Dusty und gab dem armen lispelnden Ron eine Kopfnuss.

Ich traute meinen Ohren kaum. Don Dusty war tatsächlich wieder dabei, ein Ding zu drehen. Ich kroch etwas näher ran, um besser hören zu können was geplant war. "Es wird so ablaufen: Heute Abend am Hafen bei den Hafersäcken werden wir uns versammeln. Abends ist dort nur noch wenig los und wir fallen kaum auf. Die beiden Wachen, die den Hafer schützen sollen, werden wir mit Hirse und Knaulgrassamen überwältigen. Dann, wenn die beiden Wachen gefesselt sind, werden wir die Säcke an geschmierte Raben übergeben, die uns die Säcke in unser Versteck bringen. Ich werde sie dann nach Welli-Hafen verkaufen und die fette Kohle machen." Don Dusty lachte ein schmutziges Lachen und die anderen stimmten ein.

Ich merkte, dass diese Sache doch etwas zu groß für mich war. Glücklicherweise hatte ich mein Diktiergerät eingeschaltet und alles mitgeschnitten. Damit ging ich zur Polizei. Die lachten erst als sie mich sahen. "Na, Big Timon, welcher Hund ist denn heute entlaufen?", fragte mich der dicke Kommissar George und lachte dröhnend. "Don Dusty und seine Bande", antwortete ich ruhig und holte mein Diktiergerät heraus und spulte es auf Anfang.

Kommissar George saß mit offenen Mund da und meinte dann, sich verlegen räuspernd: "Ich glaube ich muss mich bei dir entschuldigen, Big Timon. Da bist du wirklich auf einer ganz heißen Spur." Ich nahm seine Entschuldigung unter der Bedingung an, dass ich bei der Polizei-Aktion dabei sein durfte. Kommissar George willigte ein und gab mir zum Abschied lächelnd den Flügel. "Ich rufe dich an, wann wir zuschlagen werden."

Zufrieden ging ich nach hause, um erst mal ein paar Schnabel voll Futter zu mir zu nehmen. Nach einem kurzen Schläfchen auf meiner Schaukel, machte ich mich auf den Weg zu Lola, um ihr meine Recherchen mitzuteilen.

Bei Lola angekommen klingelte ich an ihrer Voliere und sie ließ mich in ihr sehr gepflegtes Heim eintreten. "Big Timon, schön Sie zu sehen, kommen Sie doch herein", zwitscherte sie. "Darf ich Ihnen ein Tässchen Wasser anbieten?" "Gern", antwortete ich und setzte mich.

Sie trippelte hinaus und kam mit zwei Näpfen mit Wasser auf einem Tablett wieder herein. "Haben Sie Neuigkeiten für mich?", fragte Lola mich. "Ja, aber nicht wie Sie denken.", sagte ich. Ich sah, dass sie stutzte. "Don Dusty betrügt Sie nicht. Er plant wieder einen ganz großen Coup. Er will im Hafen den Hafer klauen, um ihn für viel Mais ins Ausland zu verticken. Ähhhh zu verkaufen."

Nach dieser Nachricht sagte Lola erst mal gar nichts. Dann schien sie sich gefasst zu haben und sagte nur: "Er hatte mir versprochen, damit aufzuhören. Schon der Kinder wegen. Aber ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit." Sie reichte mir einen Scheck. Ich bedankte mich und ging. Doch ich ging mit einem unguten Gefühl.

So gegen Mitternacht bekam ich endlich den Anruf von Kommissar George, dass ich nun zum Hafen kommen solle. Ich machte mich sofort auf den Weg. Als ich ankam waren Don Dusty und seine Bande schon von Polizei umzingelt. "Nun nur keinen Fehler machen", dachte ich. Da ging es auch schon los. Don Dusty und seine Bande überwältigten die Wachen wie angekündigt mit leckerer Hirse, und sie hatten gerade über Funk die Raben gerufen, als die Polizei schon zuschlug. Die ganze Bande wurde verhaftet samt Boss und Raben. "Danke mir für den guten Tipp" sagte Kommissar George, der schon lange hinter Don Dusty hergewesen war, und reichte mir seinen Flügel, während Don Dusty abgeführt wurde.

Abends in der Tagesschau: "Heute ist der Polizei ein Schlag gegen den illegalen Handel von Hafer gelungen. Der berühmt-berüchtigte Don Dusty und seine Bande wurden auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Sie haben jeweils mit einer hohen Haftstrafe in der Gefängnisvoliere ohne Freiflug zu rechnen."

Einige Wochen später: Ich machte mich gerade fertig, als es an meiner Tür klopfte. Ich machte auf und vor mir stand Lola. "Wenn du gerade nichts vorhast, würde ich mich freuen, wenn du mit mir einen Tee trinken würdest." Ich lächelte und nickte nur.

Es blieb nicht nur beim Tee trinken, aber das ist eine andere Geschichte".


Big Timon II: Böses Spiel mit Hansine Klamm

von Birgit Winderlich

Lola wollte schon seit längerer Zeit mal auf eine Modenschau. So überraschte ich sie mit zwei Karten für die Modenschau des berühmten Designers Nik de Jonge. Lola machte sich an dem Abend richtig chic und auch ich ordnete mein Gefieder mal wieder gründlich um es zu putzen.

Lola war auf dem Flug zur Welli-Halle so aufgeregt, dass ihr Schnabel den ganzen Flug über nicht still stand. "Dieser Mann weiß, was Frauen gefällt. Er selber schaut ja auch nur gut aus und sein Gefieder zeigt seinen feinen Geschmack für Farben. Dieses leuchtende Violett-Blau zu seinem gelben Gesicht. Hachja ..." So redete sie und redete sie. Ich verdrehte nur die Augen und brummelte ab und zu ein "Mhm" oder ein "Ja, Liebling" .

Endlich in der Halle angekommen setzten wir uns. Ich hatte Karten am Laufsteg ergattert. Was Lola nicht wusste war, dass dies eine Modenschau mit Hansine Klamm war. Sie war DAS Topmodel der Welli-Modenwelt. Außerdem war sie noch Modeberaterin und Kolumnistin in dem Mode-Magazin "Pieps - Mode für die Welli-Henne von heute" und der Zeitschrift "Federlose und wie ich sie mir richtig erziehe".

Das Licht ging aus und ein Spot ging an. Er leuchtete auf einen sehr jugendlich wirkenden Welli-Hahn. "Sehr verehrte Hennen und Hähne. Ich begrüße Sie zu der Modenschau von Nik de Jonge. Wir zeigen ihnen die Winter-Kollektion 2007/2008. Ich hoffe sie gefällt Ihnen. Und nun viel Spaß mit der neuen Kollektion!"

Nun kamen nacheinander die Models herausgelaufen. Als Vierte war dann Hansine dran, die einen neuen Salatblatt-Winter-Poncho in einem zartem mint vorstellte. Doch was kurz darauf geschah, konnte man kaum glauben. Hansine brach vor den Augen des gesamten Publikums zusammen. Die Hennen schrieen auf, einige fielen sogar in Ohnmacht und somit von der Stange. Ich eilte sofort zu Hansine auf den Laufsteg. Bewusstlos lag sie da, am Hinterkopf eine blutende Wunde. Über Handy holte ich den Notarzt und eilte danach hinter den Laufsteg. Vielleicht waren dort noch irgendwo Spuren zu finden.

Nachdem Hansine mit dem Not-Welli in den Krankenkäfig gebracht worden war und ich Lola in ein Taxi nach Hause gesetzt hatte, ging ich zu Nik de Jonge um ihn zu befragen.

Er saß zusammengesunken auf einer Schaukel und wirkte weggetreten. Immer wieder murmelte er: "Sie hat es mir erzählt. Warum hab ich nicht auf sie gehört. Ich hätte es besser wissen müssen. Sie hatte solche Angst." "Herr de Jonge", sprach ich ihn an. Aber er schaute mich nur mit irren Augen an. Hier war also erst mal nichts mehr zu holen.

Kommissar George und die Wellis von der Spurensicherung waren auch schon zur Stelle. "Und, schon was gefunden, George?", fragte ich. "Allerdings", sagte Kommissar George und hielt mir einen Droh-Brief und einen Plastik-Welli unter den Schnabel. An dem Plastik klebte Blut. Offenbar war Hansine damit niedergeschlagen worden.

Ich rief im Welli-Krankenkäfig an, weil ich wissen wollte wie es Hansine ging und ob sie schon Besuch empfangen durfte. Sie sollte sich erst einmal erholen. So flog ich heim setzte mich auf meine Schlafschaukel und schlief sofort ein.

Drei Tage später konnte ich Hansine dann im Krankenkäfig besuchen. Ich klopfte an die Tür. "Herein", sagte sie mit glockenheller Stimme. Ich trat ein und blieb an ihrem Bett stehen. Neben ihr saß ein blauer Welli-Mann, der ihr besorgt den Flügel hielt. "Guten Tag. Mein Name ist Big Timon. Ich bin Privat-Detektiv und ich war dabei, wie sie auf der Modenschau zusammen gebrochen sind." "Dann sind Sie derjenige der den Not-Welli geholt hat?", fragte sie. "Genau der." "Ich danke ihnen für Ihr sofortiges Handeln", sagte sie. Auch ihr Mann Speedy schüttelte mir dankbar den Flügel. Nun doch etwas verlegen setzte ich mich auf die mir angebotene Stange. "Wer weiß, wie das sonst mit mir geendet wäre?", sagte sie. Dann fing sie an laut zu denken. "Wie soll das alles nur weitergehen. Nächste Woche sollte ich in Mailand eine Schau für Butschi laufen. Kurz darauf wäre Paris dran gewesen und dann noch New York. Während der Fashion-Week sollte ich doch einen Preis für das schönste Kopfgefieder erhalten." Sie fing leise an zu weinen. Ihr Mann Speedy tröstete sie. Ich wartete ab, bis sie sich wieder gefangen hatte, dann sagte ich: "Darf ich ihnen ein paar Fragen stellen?" "Ja natürlich. Und ich möchte, dass sie herausfinden wer mir hier so übel mitgespielt hat." "Gern, Madame. Kommissar George sagte mir, dass er einen Droh-Brief und einen Plastikvogel gefunden hat." "Ja, das stimmt", sagte sie. "Man hat versucht mich von hinten niederzuschlagen. Trotz der Wunde am Kopf, die man ja mit der Kapuze des Ponchos gut verdecken konnte, wollte ich die Schau laufen. Ich hatte nicht gedacht, dass die Verletzung so stark ist." "Haben Sie irgendwelche Feinde?", fragte ich. "Naja, Feinde. Ich würde eher sagen Neider. Ich bekomme die meisten Aufträge. Stehe an der Spitze unter den Models und sogar in der Agentur, in der ich bin, habe ich genügend Neider." "Bei welcher Agentur sind Sie denn?" "Mein Agent ist Satyr Großkehlflecken." "Ah, gut danke", sagte ich und erhob mich um zu gehen. "Sie geben mir doch Bescheid, wenn Sie Neuigkeiten haben?", fragte sie und reichte mir zum Abschied den Flügel. "Aber sicher, gnädige Frau", antwortete ich, verabschiedete mich auch von ihrem Mann und ging.

Satyr Großkehlfleckens Agentur lag genau in der Mitte der Innenstadt. Ich ging zu auf seine Vorzimmerdame, ein zartes Geschöpf namens Sara Himmelblau, zu und sagte zu ihr: "Ich muss mit Ihrem Boss reden, ich bin vorgemeldet. Big Timon mein Name." Die Dame schaute mich nun genau an. "Oh ja, mein Chef hat mir gesagt, dass Sie kommen würden", sagte sie ging auf eine Tür zu, klopfte und sagte: "Der Herr Privatdetektiv ist nun da." "Lassen Sie ihn herein", sagte ein grüner Welli-Mann, der sehr imposant wirkte. Ich trat an ihr vorbei in ein großes, freundliches Zimmer. Satyr Großkehlflecken stand auf und begrüßte mich. "Darf ich Ihnen etwas Wasser anbieten?", fragte er freundlich und bot mir eine Schaukel ihm gegenüber an. "Gern", sagte ich und setzte mich. "Ich komme im Auftrag von Frau Hansine Klamm. Ich soll den Anschlag und die Sache mit dem Droh-Brief aufklären. Wie lange haben Sie Frau Klamm schon unter Vertrag?" "Sie ist jetzt das vierte Jahr bei mir", antwortete der Agent. "Und sie ist ihr bester Welli im Käfig?" Satyr Großkehlflecken hüstelte. "Nunja... ja das ist sie. Ich habe zwar noch andere Talente hier in meiner Kartei. Aber keine hat ihren Esprit, ihr Wissen, was ihr steht, ihre Eleganz." "Hat Frau Klamm hier Ärger mit einigen der Mädchen oder hat sie schon einmal Drohbriefe erhalten?" "Nein, nicht dass ich wüsste", antwortete Großkehlflecken. Ich packte mein Notizbuch ein und erhob mich. "Gut, danke, dass Sie Zeit für mich hatten. Ich werde nun gehen." "Jederzeit wieder. Ich hoffe, das böse Spiel um Hansine klärt sich bald auf."

Das Gespräch mit dem Agenten hatte mich nicht wirklich weiter gebracht. Ich dachte im Fliegen über meine weitere Vorgehensweise nach, als ich an der Cafeteria der Agentur vorbei flog und etwas Interessantes aufschnappte. "... hoffe, sie wird noch eine Weile im Krankenkäfig bleiben, dann bekommen wir auch mal ein paar Aufträge mehr." "Bist du da so sicher?", fragte eine zweite Stimme unsicher. Ich flog etwas näher heran und versteckte mich hinter einer Pflanze. Das war ja interessant. "Natürlich bin ich sicher. Die olle Henne liegt doch nun im Krankenkäfig und das hoffentlich noch für sehr lange. Die sollte mal langsam abdanken und uns das Feld überlassen. Dass das mal klar ist: Ich habe nur den Brief geschrieben. Mit dem Anschlag hab ich nichts zu tun. Auch wenn ich es nicht verstecken kann, dass es mich freut, was passiert ist. Du steckst in der ganzen Sache auch mit drin. Du hast ihr den Brief schließlich zugesteckt." "Jaja, schon gut, Tara", sagte die andere Stimme wieder. Ich fragte einen Hahn, der gerade vorbei kam, nach den Namen der beiden Hennen. "Kennen Sie die Beiden nicht? Das sind Tara Opalin und Indira von Scheck. Zwei aufstrebende Jungtalente und Neuentdeckungen von Satyr Großkehlflecken." Ich bedankte mich, rief Kommissar George an, um ihm zu sagen, was ich gerade herausgefunden hatte. Er kam sofort. Indira von Scheck knickte auch gleich beim Verhör ein und gab zu, Hansine den Brief zugesteckt zu haben. So brachte es auch Tara Opalin nicht viel, dass sie leugnete, etwas mit dem Brief zu tun zu haben. Sie gab es schließlich zu, wenn auch ohne Reue. Im Gegenteil, sie fand sie sei im Recht gewesen, denn man hätte Hansine ja nur einen kleinen Schrecken einjagen wollen.

Am nächsten Tag war ich wieder im Krankenkäfig um Hansine zu berichten, was ich herausbekommen hatte. Hansine war erschüttert. "Das mit dem Brief waren Tara und Indira? Mon Dieu und ich dachte wir wären Freundinnen." "So kann man sich täuschen, mein Schatz", sagte ihr Mann Speedy und kraulte beruhigend Hansines Kopf. "Ich hoffe, sie bekommen auch noch heraus, wer mich niedergeschlagen hat", sagte sie zu mir gewandt. "Ich werde mir Mühe geben" sagte ich.

Ich recherierte weiter in der Agentur. Nur dort konnte sich der Täter befinden. Tagelang lag ich auf der Lauer, doch es ergab sich nichts. Als ich schon aufgeben wollte, hörte ich hinter einer Tür eine Männerstimme: "So, nun müssen sie dir den Preis für das schönste Kopfgefieder geben, Fralie-Schatz." Fralie kicherte albern. "Ja, nun ja. Das hast du echt gut gemacht Bubi-Schatz. Und weisste was das Beste ist? Sie werden den Anschlag wohl Tara und Indira in die Federn schieben. Die beiden dummen Hühner haben der Schnepfe doch einen Droh-Brief geschrieben. Und wer das eine tut, der ist auch zu dem anderen fähig." Wieder kicherte Fralie etwas dümmlich. Über Handy rief ich Kommissar George an, der sich sofort mit ein paar Beamten auf den Weg machen wollte. Ich trat die Tür ein und sagte: "Ich glaube kaum, dass den beiden Hennen die Schuld gegeben wird, denn ich habe eben ein Geständnis mitgehört, und gleich ist die Polizei hier."

Bubi Yellow und seine Frau wollten flüchten, indem sie mir über den Kopf flogen, aber sie flogen Kommissar George und seinen Wellis genau in die Flügel.

Ein paar Wochen später auf der Fashion-Week:
Lola und ich saßen wirklich in der Ehrenloge bei der Fashion-Week. Die zwei Karten, den Flug und ein bisschen Taschenhafer waren von der Agentur bezahlt worden - für die Lösung des Falles. Lola konnte es erst nicht fassen, freute sich dann aber sehr darüber.

"Der Preis für das schönste Kopfgefieder geht an Hansine Klamm." Hansine trat ans Mikrofon. "Ich möchte mich ganz herzlich für diesen Preis bedanken. Wenn man bedenkt, das ich den Preis beinahe nicht hätte entgegen nehmen können. Dass die Täter nun hinter Gittern sitzen, habe ich nur einem Welli zu verdanken: Big Timon! Bitte einen kräftigen Applaus für Big Timon." Lola machte mir Zeichen, dass ich nun aufzustehen hätte. Mir war das alles eher peinlich. Als ich mich wieder setzte, flüsterte mir Lola sanft ins Ohr: "Ich bin sehr stolz auf dich. Ich liebe dich." Sanft küsste sie mich und ließ mich die Welt um mich herum vergessen.


Big Timon III: Schredder-Elli hat ausgeschreddert

von Birgit Winderlich

Ich traf mich mit Kommissar George auf einen Napf Wasser in einer Bar. Es sollte mal wieder ein rechter Männer-Abend werden. Wie immer kam er zu spät. "Tschuldigung...", sagte er außer Atem. "Der Fall, an dem ich gerade dran bin, ist echt zeitraubend und sehr kniffelig."

"Ja, nun setz dich erst mal und komm wieder zu Atem", sagte ich beruhigend und schob ihn auf eine Schaukel. Ich kannte diesen Satz schon, da er ja immer zu spät kam und das immer wegen seiner Arbeit.

Als wir nun auf unsere Getränke warteten, fragte ich wie nebenbei: "Was ist denn das für ein Fall, an dem du da gerade arbeitest?"

"Ach, wir haben Hinweise, dass Schredder-Elli und ihre Bande mal wieder ihr Unwesen treibt. Überall in der Stadt siehst du fast zerschredderte Korkrinden. Von Apfelbäumen fehlt die Rinde und dergleichen mehr. Selbst vor Küken-Spielplätzen und Seniorenheimen wird nicht Halt gemacht. Welli-Eltern lassen ihre Kinder schon nicht mehr auf die Spielplätze, und die Welli-Senioren haben auch nur noch Angst und kommen nicht mehr vor die Tür."

"Hm, hört sich nach reiner Zerstörungswut an", sagte ich, "Ja, du hast Recht. Die Bande will nur Aufmerksamkeit erregen, will Schlagzeilen machen Immer, wenn sie eine Weile ruhig war und die Stadt in Ruhe lebt, fangen sie mit ihrem Werk der Zerstörung an. Noch nie hat sie jemals einer erwischt. Wir wissen auch nicht, wie viele Wellis zu der Bande gehören. Wir wissen nur, das der Kopf der Bande ein Weibchen ist. Mehr wissen wir leider auch nicht", sagte er resigniert und nahm einen Schluck Wasser.

"Wenn du willst, kann ich mich ja mal umhören. Ich kann ja mal ein wenig herumstochern. Vielleicht bekomme ich ja etwas heraus", sagte ich und klopfte Kommissar George beruhigend auf den Flügel.

"Einen Versuch ist es wert", sagte Kommissar George und lächelte nun endlich mal wieder. Wir tranken aus, zahlten und verabschiedeten uns herzlich voneinander.

"Du hast ja schon so manchen kniffeligen Fall gelöst", sagte Kommissar George und wendete sich zum Fliegen. Auch ich machte mich zum Fliegen bereit, nickte lächelnd und flog davon.
Gleich am nächsten Tag machte ich mich an die Arbeit. Ich schaute mir erst einmal die Schäden an, die die Bande hinterlassen hatte. Es war eine Schneise der Verwüstung.

Ich fragte mich, ob es die sogenannte "Blaue Patty und ihre Bande" war. Sie waren von der Polizei "Schredder-Elli und ihre Bande" getauft worden, ohne auf den Gedanken zu kommen, dass "Schredder-Elli" und die "blaue Patty" ein und dieselbe Person sein könnten. Die blaue Patty und ihre Bande waren ein Haufen Straßen-Jung-Wellis, die ziemlich allein dastanden. Es gab zwar Street-Wellis, nur die konnten nicht überall zugleich sein. Es war schlimm mit diesen Straßen-Kids, doch der Schwarm hatte sich an sie gewöhnt und kaum einer hatte so recht Mitleid mit ihnen.

Ich suchte die ganze Stadt ab. Nach zwei Stunden ziellosem Herumgefliege fand ich sie. In einer alten baufälligen Abbruch-Voliere.

"Hey, du", sprach ich den ersten Jung-Hahn an der mir über den Weg flog. "W"was wollen Sie", fragte er, mich argwöhnisch beobachtend. "Bring mich bitte zu deiner Anführerin, der blauen Patty." "Warum sollte ich das tun?" Ich merkte wie misstrauisch er war und sagte darauf besänftigend. "Ich will doch nur mal mit ihr reden. Komm schon. Bring mich zu ihr. Keine Angst, ich will euch nicht bedrohen oder verpfeifen oder so was. Da brauchst du echt keine Angst haben."

"Na gut. Komm mit", sagte der Junge und flog voraus. Er flog so schnell, dass ich kaum hinterher kam. Ausserdem kannte er sich in dem düsteren und verwinkelten Gebäude gut aus, im Gegensatz zu mir, der ihn im Zwielicht nicht so richtig sehen konnte.

Endlich kamen wir in einen Raum, der das wohl das "Wohnzimmer" der Kids darstellte. An einem zusammen geschusterten Tisch saß auf einer einfachen Stange eine Junghenne. Sie hatte wohl gerade die Jungmauser hinter sich. Sie war eine hübsche Junghenne mit hellblauem Gefieder, starker Wellenzeichnung an den Flügeln und einem schneeweißem Kopf

"Patty, der da will mit dir reden", sagte der Junge, der mich hergeführt hatte. "Bist du n Bulle", fragte Patty mit dem gleichen Argwohn wie der Junge vorhin. "Nein", sagte ich. "Ich bin Privat-Detektiv." "Soso, und was willst du von mir beziehungsweise uns?" "Überall fehlt die Rinde an Apfelbäumen. Spielplätze und Parks sind zerstört oder verwüstet. Ihr wisst nicht zufällig, wer das war, oder?" "Und wenn wir das waren, was dann", fragte Patty provozierend. "Na, diejenigen, die schon strafmündig sind, würden angezeigt werden." "Die große Frage ist hier doch: Wer weiß, dass wir das waren", fragte Patty mit schneidender Stimme. "Bis jetzt nur ich. Ich wollte eben mit euch reden, bevor die Polizei einschreitet. Solche Zerstörungsstreifzüge bringen euch doch auch nicht weiter oder?" Patty schaute betreten zu Boden. "Nein, nicht so wirklich. Nur manchmal muss der Frust einfach raus. Es kümmert sich ja eh kaum einer um uns. Freizeitangebote gibt es auch kaum noch. Alles wird geschlossen. Wir Straßenkids sind eben nirgends gern gesehen." Mir taten die Kids leid und ich versprach ihnen zu helfen, unter der Bedingung dass sie mit diesen Streifzügen aufhören. "Für Kommissar George fällt mir schon die richtige Aussage ein", sagte ich lächelnd und verabschiedete mich von den Kindern.

Ein paar Tage später sprach ich mit der Stadtverwaltung. Ich wollte ein Benefiz-Konzert zugunsten von WSKIN = Welli-Straßen-Kids-In-Not hochziehen, und ich konnte sogar einige bekannte Sänger/Sängerinnen und Gruppen für mein Projekt begeistern.

Es traten Promis auf wie Sarah Condor, Robbe Williams, Die Killerwale usw. Es kam genug Geld zusammen, um einen Käfig, den die Stadt mitfrei zur Verfügung stellte, nach den Bedürfnissen der Kids einzurichten. Einen Ort, wo sie sich mal aussprechen konnten und wo ihnen ein bisschen Wärme zuteil wurde.

Patty und ihre Bande waren von da an sehr oft in diesem Haus anzutreffen und sahen nun einer etwas rosigeren Zukunft entgegen.

 

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