Legenot beim Wellensittich

Von einer Legenot beim Vogel spricht man, wenn es zu Komplikationen bei der Eiablage kommt und das Ei im Körper des Tieres feststeckt. Gerade wenn die Vögel zuvor nicht in optimale Brutkonstitution gebracht worden sind, kann es zu solchen Problemen kommen. Statistisch gesehen, sind von den Heimvögeln vor allem Wellensittiche und Nymphensittiche betroffen. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sie die am häufigsten gehaltenen Ziervögel sind und daher anteilmäßig auch mehr zuchtunerfahrene Halter ihre Tiere zur Brut ansetzen als bei anderen Vogelarten.

Eine Legenot ist immer als absoluter Notfall einzustufen - wenn also der Halter auch nur den geringsten Verdacht hat, sollte keine Zeit verschwendet werden den nächsten Tierarzt aufzusuchen, denn solche Probleme können innerhalb weniger Stunden zum qualvollen Tod der Henne führen.

Die Ursachen für eine Legenot sind vielfältig. Einige mögliche Auslöser wären zum Beispiel:
- eine unzureichende Kalziumzufuhr. Durch das mangelnde Kalzium kann sich keine feste Kalkschale um das Ei bilden. Es entsteht ein sogenanntes Windei, dessen Inhalt lediglich von einer dünnen Haut zusammengehalten wird. Versucht die Henne nun dieses Ei durch pressen ihres Legedarmmuskels zu legen, kann es entweder im Körperinneren zerbrechen oder nicht weitertransportiert werden, da es sich der Muskelbewegung flexibel anpasst und nur verschiebt.
- Eine übermäßige Kalziumversorgung. Durch die Überversorgung mit Kalzium bildet sich die Eischale unregelmäßig dick aus. Durch die raue Oberfläche, kann der Legedarmmuskel das Ei nicht bewegen, da es sich quasi verkantet. - Eine Erkrankung des Legedarms oder der Kloake, wie z.B. eine Entzündung, Lähmung oder Tumor
- Mangel an Vitamin E, Spurenelementen und/oder Aminosäuren
- Übergewicht
- Untergewicht oder Stress/ Mobbing im Schwarm und damit einhergehende körperliche Entkräftung
- Übermäßige Legetätigkeit
- Zu junges oder zu hohes Alter
- Schalenreste von einem zuvor während des Legens im Körper zerbrochenen Ei die zu einer Entzündung führen (Schichtei)
- Falsche Ernährung
- Für eine Zucht unzureichende Haltungsbedingungen
- Weitere (meist innere) Erkrankungen des Sittichs
- Hormonschwankungen während der Legephase

Steckt ein Ei im Legedarm fest und kann nicht gelegt werden, ist die betroffene Henne meist sehr erschöpft da sie ständig versucht zu pressen. Anzeichen dafür sind u.a. Futterverweigerung, das auffallend schnelle Öffnen und Schließen der Kloake, oft in Verbindung mit breitbeinigem Sitzen, gespreizten Flügeln, zusammengekniffenen Augen und Schnabelatmung. Häufig beginnen die Tiere auch sich rund um die Kloake zu rupfen oder es ist eine Schwellung des Bauchraumes erkennbar. In manchen Fällen kommt es zu Blutbeimischungen im Kot. Wird dieser Zustand nicht rechtzeitig vom Halter erkannt, ist die Henne bereits nach wenigen Stunden so entkräftet, dass sie sich nach vorne gebeugt hinlegen muss weil sie sich nicht mehr aufrecht halten kann. In besonders dramatischen Fällen kann es vorkommen, dass der Legedarm (teilweise zusammen mit dem Ei) aus der Kloakenöffnung des Wellensittichs herausgepresst wird. Dabei handelt es sich dann um einen sogenannten Kloakenvorfall der äußerst schmerzhaft ist.

Legenot

In jeder dieser Situationen ist schnelles Handeln gefragt. Wird eine Henne im Frühstadium einer Legenot von einem Tierarzt behandelt, gibt es relativ gute Überlebenschancen. Wird jedoch zu lange abgewartet, kann bereits nach 12 Stunden der Tod eintreten.

Wird einem Tierarzt ein Vogel mit Verdacht auf Legenot vorgestellt, so wird er sich erst einmal über die Vorgeschichte des Tieres, die Haltungsbedingungen und die bisherige Legetätigkeit informieren. Anschließend wird er versuchen, das Ei durch äußerliches Abtasten des Bauchraumes zu lokalisieren. Häufig wird der Veterinär zudem empfehlen ein Röntgenbild anzufertigen um zu erkennen ob das Ei verformt ist und in wieweit es bereits ausgereift ist. Auch kann so ausgeschlossen werden, dass sich noch vor Ablage des ersten Eis ein zweites gebildet hat, welches nun verhindert das der Legedarmmuskel das erste Ei auf natürlichem Wege herauspressen kann. Denn wenn sich mehrere Eier im Körperinneren befinden, muss zwangsläufig auch eine größere OP erfolgen. Wenn es sich allerdings bei dem problematischen Ei um ein Windei handelt, dass sich auf Grund von mangelndem Kalzium ohne Schale gebildet hat, kann man es durch bloßes Röntgen nicht erkennen. Dann ist eine weitere Untersuchung mit Ultraschall angeraten um die Diagnose zu sichern. Außerdem können per Ultraschall auch etwaige Schäden des Legedarms erkannt werden.

Je nach Diagnose wird der Tierarzt entscheiden ob er es zunächst mit dem Einsatz von wehenfördernden Medikamenten versucht oder ob er die Möglichkeit einer minimalinvasiven Absaugung des Eis durch die Kloake in Betracht zieht.

Sollte dies der Zustand der Henne oder aber die Lage/Ausbildung des Eis/der Eier nicht zulassen, wird eine OP unter Vollnarkose unumgänglich sein. Dabei muss der Mediziner den Legedarm öffnen, das Ei entfernen und den Legedarm nach gründlichem Spülen wieder vernähen. Unter Umständen lässt sich eine größere Eröffnung des Bauchraumes nicht vermeiden, beispielsweise bei Entzündungen des Bauchfells, Schichteiern oder bei freiliegenden Eiern. Dabei wird häufig der Legedarm teilweise oder komplett entfernt. Sollte es zu einem Kloakenvorfall gekommen sein, so wird der Tierarzt die Organe nach Möglichkeit wieder in ihre innere Ursprungsposition verlegen.

Legenot

Nach Abschluss der operativen Phase wird der Veterinär den Vogel noch mit einem Schmerzmittel versorgen und die Wunde äußerlich mit Silberspray versiegeln. Außerdem wird er in vielen Fällen die prophylaktische Medikation mit einem Antibiotika empfehlen um die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung zu minimieren.

Bei den eben genannten Operationen besteht ein nicht unerhebliches Risiko, denn solch ein immenser Eingriff schlägt enorm auf die körperliche Konstitution der Henne und leider versterben etliche Tiere innerhalb der ersten 24 Stunden.

Um den Zustand des Vogels nach der OP zu stabilisieren, sollte der Halter auf eine warme Umgebung achten, die Temperatur sollte bei etwa 24 Grad Celsius liegen denn die Hennen frieren stark. Außerdem ist eine Luftfeuchtigkeit von mind. 60% zuträglich. Als Käfig sollte für die Zeit der Regeneration ein kleineres, möglichst nicht zu hohes Modell gewählt werden. Häufig sind die Sittiche noch zu entkräftet und bleiben deswegen anfangs lieber auf dem Käfigboden liegen. Auch kann es zu Stürzen von den Sitzstangen kommen, weswegen zu einer guten Auspolsterung des Käfigs geraten wird und dazu die Sitzstangen nicht zu hoch anzubringen. Zum auspolstern hat sich weiches Küchenpapier bewährt, welches in mehreren Lagen übereinandergelegt wird. Auf Vogelsand als Einstreu sollte hingegen verzichtet werden. In den ersten Stunden sollte der Vogel auf jeden Fall isoliert bleiben um sich in Ruhe erholen zu können. Wenn die Henne wieder stabil wirkt, kann gerne der Partnervogel dazu gelassen werden um die Genesung auch psychisch zu unterstützen. Voraussetzung hierfür ist allerdings in jedem Fall ein absolut stress- und aggressionsfreier Umgang zwischen den Vögeln und keinerlei Freiflug.

Wenn alles gut verläuft und zwischenzeitlich eventuelle Fäden bei einem erneuten Tierarztbesuch entfernt wurden, ist die Henne in aller Regel nach etwa 10 Tagen wieder soweit erholt, dass sie in die reguläre Umgebung zurück und ihren Freiflug genießen darf. Jedoch sollte sich der Halter in Absprache mit seinem vogelkundigen Tierarzt überlegen eine Hormonbehandlung durchzuführen, die weiteren Legetätigkeiten entgegenwirkt.

 

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Mucki

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