Vorsicht Wellisucht!

Wem ist es nicht auch schon so ergangen? Da geht man nichts ahnend in die Zoohandlung und will nur ein wenig Futter oder Wellizubehör kaufen. Natürlich wirft man wie üblich einen Blick auf die Wellis. Nur gucken, mehr nicht ;o).
Und dann das: Da sitzt er/sie. Der Welli, in den man sich auf Anhieb verliebt. Bildhübsch, schwarze Knopfaugen, munter, verspielt, zutraulich... Ganz klar, der muss mit. Argumente dafür sind schnell gefunden, aber bevor man tatsächlich zur Tat schreitet, sollte man sich das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Leider gibt es diese Fälle immer wieder: Welliliebhaber legen sich innerhalb kürzester Zeit einen Schwarm von 12 Tieren und mehr zu, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was das genau bedeutet.
Der Kauf eines jeden Tieres muss gut bedacht sein. Schließlich zieht ein Lebewesen ein, für das man eine Verantwortung trägt. Deshalb bitte nicht spontan kaufen, sondern erst einmal für eine gewisse Zeit in sich gehen und einige Punkte überdenken.

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Kosten bei der Wellensittich-Haltung

Mit jedem zusätzlichen Wellensittich steigen die Kosten für Futter und auch ggf. den Tierarzt.
Ist man rein finanziell gesehen in der Lage, sich adäquat um den Neuling zu kümmern bzw. geht der Kauf und Unterhalt des Tieres vielleicht so an die monatlichen Ausgaben, dass die "alteingesessenen" Wellis zurückstecken müssen?

Platzbedarf

Ist in der Voliere/dem Käfig genügend Platz vorhanden? Reicht die Freiflugmöglichkeit, die man dem Mini-Schwarm einräumt? Man tut sich und dem Wellensittich keinen Gefallen, wenn man versucht ihn in einen zu kleinen Käfig/Voliere in einen bestehenden Schwarm zu integrieren.
Auch das zukünftige Geschlechterverhältnis ist wichtig.Bei den Wellis haben die Hennen die Hosen an, und brutlustige Hennen können sich ganz schön gegenseitig anzicken. Aus diesem Grund sollte man einen deutlichen Hennenüberschuss unbedingt vermeiden.
Bedenken muss man auf jeden Fall, dass es anfangs zu Revier- und Rangordnungskämpfen kommen kann. Auch aus diesem Grund sollte man den Tieren genügend Platz zur Verfügung stellen, da die Tiere in der Lage sein müssen, sich auszuweichen.
Des Weiteren steigt bei Überbelegung auch der Krankheitsdruck, da Stress das Entstehen von Krankheiten begünstigt.

Quarantäne

Ist man rein räumlich gesehen, in der Lage eine Quarantäne einzuhalten? Und auch von den Nerven her?
Jeder Neuzugang sollte unbedingt von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden, um das Risiko einer Krankheitseinschleppung zu verringern. Bis die Untersuchungsergebnisse vorliegen, darf der neue Welli keinen Kontakt zu den anderen haben!
Jedem Welliliebhaber bricht es aber das Herz, wenn Wellensittiche sich kläglich rufen. Hier gilt nur eine Devise, wenn man die Tiere nicht so weit entfernen kann, dass sie sich nicht hören: STARK BLEIBEN!

Dreck

Mit jedem Neuzugang erhöht sich der Aufwand des Putzens. Ist man jetzt schon von Staubsaugen & Co. genervt, sollte man den Gedanken an einen weiteren Welli ganz schnell fallen lassen. Von dem "Staubsaugerbeutelverschleiß" ganz zu schweigen :-). Die nächste Mauser kommt bestimmt.

Allergien

Unabhängig von einer bestehenden oder ausgeschlossenen Allergie sollte aber trotzdem bedacht werden, dass der Federstaub der Wellis nicht nur in der klassischen Form Allergie begünstigend wirkt, so dass die Nase und Augen laufen und man keine Luft mehr bekommt.
Vielmehr KANN es auch zu einer verzögerten allergischen Reaktion kommen, bei der letztlich der Vogelstaub zu einem Umbau des Lungengewebes im Sinne der "Vogelhalterlunge" führt. Insbesondere wer seine Vögel im Schlafzimmer oder einem überwiegend genutzten Raum hält, sollte sich über diese Gefahr Gedanken machen.

Lärm

Auch darüber muss man nachdenken. So possierlich sie sind, sie können doch schon ziemliche Schreihälse sein.
Hier geht es nicht nur um die persönliche Geräuschempfindlichkeit, sondern auch um die der Nachbarn. Ist die Wohnung sehr hellhörig? Dann kann es zu Problemen kommen. Prinzipiell kann ein Vermieter die Haltung von Wellensittichen nicht verbieten, da sie als so genannte Kleintiere gelten, die auch in Mietwohnungen unabhängig von Tierverbotsklauseln im Mietvertrag gehalten werden dürfen. Das ganze ist allerdings auch abhängig von der Schwarmgröße. Gegen bis zu vier Wellis kann der Vermieter nichts sagen, aber bei größeren Schwärmen sind auch schon Urteile gegen die Wellihaltung gefällt worden.
Sobald sich Nachbarn beschweren, kann es zu Problemen kommen. Es kann verlangt werden, die Wellensittiche ganz abzuschaffen oder aber den Schwarm zumindest zu verkleinern.

Umzug

Je größer der Schwarm ist, desto schwieriger ist es eine Wohnung zu finden. Viele Vermieter nehmen keine Halter mit "Riesenschwärmen" in ihre Wohnungen. Neben der evtl. Lärmbelästigung, und den ggf. daraus resultierenden Problemen mit Mitmietern, haben viele Vermieter Angst um ihre Wohnungen. Wessen Henne hat nicht schon mal die Wand auf der Suche nach einer Bruthöhle in ihrem Sinne "verschönert" ;-)?
Wobei ich erwähnen muss, dass die persönliche Schmerzgrenze eines jeden Vermieters variiert. Mein Vermieter hat z.B. gegen meine sechs Wellensittiche überhaupt nichts einzuwenden.

Notfall

Auch wenn ich es keinem wünsche, aber ein Krankenhausaufenthalt ist heutzutage schnell passiert. Oder man muss überraschend beruflich verreisen? Schon von vorn herein sollte klar sein, wer sich in so einer Situation kurzfristig um die Wellis kümmern kann.
Zwei oder vier Wellis sind schnell untergebracht. Aber alles, was diese Zahl übersteigt, sprengt die Kapazitäten der meisten Welliliebhaber.
Also von vornherein klären, ob der potenzielle Welli-Sitter auch noch einen Welli mehr nimmt.

Falls man alle diese Punkte zur Zufriedenheit des Wellensittichs beantworten konnte, steht dem Gang zum Zoohändler (oder Züchter, Tierheim) prinzipiell nichts mehr im Weg.

 

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