Polyoma – Französische Mauser

Polyoma, auch französische Mauser oder (durch die häufige Flugunfähigkeit der befallenen Vögel) Renner- bzw. Hopserkrankheit genannt, ist eine Viruserkrankung, die in Verlauf und Symptomen der PBFD-Erkrankung recht ähnlich ist. Um 1980 wurde diese Krankheit zum ersten Mal beschrieben. Sie tritt bei Wellensittichen und vielen anderen Sittich- und Papageienarten auf, der Verlauf kann sich aber je nach Art des Vogels stark unterscheiden.

Übertragung

Polyomaviren sind sehr klein und werden über Staub und Körperflüssigkeiten übertragen. Bis zu einem Alter von zwei Jahren sind die Wellensittiche besonders anfällig für eine Infektion. Vermutlich kann eine Infektion jedoch auch schon im Ei stattfinden, da auch scheinbar gesunde Elterntiere erkrankte Jungtiere hervorbringen können. Dies lässt die Vermutung zu, dass auch ein Tier die Erreger übertragen kann, bei dem weder die Krankheit ausbricht noch Symptome zu erkennen sind. Von einer Zucht mit erkrankten Elterntieren ist aufgrund dieser Ansteckungsmöglichkeiten in jedem Fall abzusehen. Erkrankte Tiere, die eine Infektion überlebt haben, können noch bis zu ihrem Tod Virusträger sein. Unter Stress kommt es zu einer erhöhten Virusausscheidung und das Ansteckungsrisiko erhöht sich.

Symptome

Eines der zuerst auftretenden Symptome ist eine hohe Nestlingssterblichkeit bei den betroffenen Wellensittichen. Bei den Jungvögeln kann es nach der Ansteckung innerhalb von 15 bis 20 Tagen zum Tode kommen. Ein weiteres sehr markantes Symptom sind die Federveränderungen, wobei hier vor allem Schwanz- und Schwungfedern betroffen sind. Dies macht die betroffenen Vögel in den meisten Fällen flugunfähig. Das Gefieder fällt aus und wächst missgebildet oder gar nicht nach. In schweren Fällen können auch Veränderungen am Körpergefieder beobachtet werden, es sind sogar schon Fälle aufgetreten, in denen die betroffenen Wellensittiche fast komplett nackt waren. Auch vielfältige Organerkrankungen können mit einer Polyomainfektion einhergehen. Überleben die befallenen Wellensittiche die Infektion, kann es jedoch auch vorkommen, dass das Gefieder nach der nächsten Mauser wieder nachwächst und sich nach und nach komplett regeneriert. Dies ist jedoch meist nicht der Fall. Viele der Wellensittiche bleiben ihr Leben lang behindert und ihre Lebensräume müssen den Umständen angepasst werden.

Franzoesische Mauser

Diagnose

Die Diagnose wird durch einen vogelkundigen Tierarzt mit Hilfe einer sogenannten PCR-Untersuchung gestellt. Dazu wird dem betroffenen Vogel entweder eine Feder- oder Blutprobe entnommen. Wichtig ist hierbei, dass die Feder frisch sein muss, dies bedeutet, eine durch die Mauser ausgefallene Feder reicht für eine Diagnose nicht aus. Die Probe wird dann auf die Virus-DNS untersucht. Wird ein Vogel positiv getestet, zeigt aber keine Symptome, sollte er nach drei Monaten nachgetestet werden, da es nach einer frischen Infektion noch möglich ist, dass das Immunsystem das Virus komplett vernichtet und der Vogel danach keine Viren mehr ausscheidet. Ist ein Vogel sehr frisch infiziert, ist es möglich, dass die Viren bei der Untersuchung noch nicht nachzuweisen sind, sie sollte daher unter Umständen nach ein paar Wochen wiederholt werden.

Bekämpfung

Ein Heilmittel für die Infektion mit Polyomaviren gibt es bisher leider noch nicht. Daher muss den betroffenen Vögeln mit anderen Mitteln geholfen werden. Da es anfangs noch möglich ist, dass das Immunsystem das Virus von allein besiegt, ist es wichtig, das Immunsystem durch verschiedene Maßnahmen zu stärken. Dazu gehört vor allem die Vermeidung von Stress, aber auch eine optimale Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen über die Nahrung. Bei Vögeln, bei denen die Krankheit einen chronischen Verlauf nimmt, ist es zusätzlich angeraten, den Federaufbau mit speziellen Aufbaupräparaten wie AviConcept und Korvimin zu unterstützen. Dadurch werden die nachwachsenden Federn kräftiger und brechen nicht so schnell. Um nach dem Kontakt mit befallenen Tieren die Übertragung auf eine gesunde Gruppe zu vermeiden, müssen besondere Hygienemaßnahmen ergriffen werden, da der verseuchte Staub auch über Körper und Kleidung übertragen werden kann. In Amerika steht mittlerweile ein Impfstoff zur Verfügung, die Wirksamkeit muss sich aber erst noch auf breiter Front zeigen.

Polyoma

Umgang mit der chronischen Form

Erholt sich das Federkleid der befallenen Vögel nicht und ist das Immunsystem nicht in der Lage, die Viren zu bekämpfen, müssen Umgebung und Versorgung der Vögel bestmöglich an die Gegebenheiten angepasst werden. Dazu gehören die oben genannten Maßnahmen wie die Anpassung der Einrichtung der Voliere bzw. des Käfigs an die Bedürfnisse eines flugunfähigen Tieres und die Gabe von Aufbaupräparaten. Bei Vögeln mit einer starken Beeinträchtigung des Körpergefieders muss auch vermehrt auf die konstante Einhaltung einer angenehmen Raumtemperatur geachtet werden, da sie ihre Körperwärme nicht mehr selbst regulieren können. Die Temperatur sollte daher mindestens 20 Grad betragen, da sonst das Risiko einer Erkältung besteht. Da die Frage einer Ansteckung durch Altvögel nicht restlos geklärt ist, sollten sich im Idealfall keine gesunden Vögel in einer erkrankten Gruppe befinden bzw. sollte beim Aufstocken oder beim Ersetzen eines verstorbenen Partners darauf geachtet werden, möglichst ein ebenfalls erkranktes Tier dazu zu setzen. So wird die Übertragung des Virus auf gesunde Vögel vermieden. Im Forum gibt es die Möglichkeit, in der Vermittlungsrubrik gezielt nach erkrankten Vögeln zu suchen bzw. diese zu vermitteln. Des Weiteren ist es, wie oben erwähnt, wichtig, dass keine Zucht mit den erkrankten Tieren durchgeführt wird, da diese die Infektion mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit an ihre Nachkommen weitergeben.

 

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twixx_87

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