Verstirbt ein Vogel plötzlich und ohne ersichtlichen Grund, so ist
als allererstes abzuklären, ob der verstorbene Wellensittich etwas
Ansteckendes gehabt haben könnte. Ein Kontrollbesuch bei einem vogelkundigen
Tierarzt ist unumgänglich. Und auch wenn dies vielleicht im ersten
Moment makaber klingen mag, ist es ratsam, den Verschiedenen obduzieren
zu lassen.
Nur wenn die Todesursache geklärt wird, kann der Partnervogel bzw.
der restliche Schwarm adäquat behandelt werden.
Ist die Behandlung abgeschlossen oder hat der Tierarzt nach der Untersuchung
grünes Licht gegeben, steht dem Einzug eines Neuzugangs nichts mehr
im Wege.
Bei der Wahl eines neuen Partners sollten in erster Linie Geschlecht und
Alter beachtet werden.
Hahn + Henne und Hahn + Hahn sind Kombinationen, die sich gut verstehen.
Ist der zurückgebliebene Wellensittich also eine Henne, sollte ihr
(wieder) ein Hahn an die Seite gestellt werden. Handelt es sich um einen
Hahn, kann man sich z.B. auch nach dem Geschlecht seines ehemaligen Partners
richten.
Der Wellensittich, der neu hinzukommt, sollte vom Alter her zum schon vorhandenen
passen. Ältere Tiere, die ein neues Zuhause suchen, findet man oft
z.B. im Tierheim, in Vermittlungsrubriken entsprechender Foren oder in Kleinanzeigen.
Vielleicht ist es auch möglich, gerade wenn man vorhat, ein Abgabetier aufzunehmen bei dem dies bekannt ist, nach dessen Charakter zu schauen und einen Vogel auszuwählen, der nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Alten harmonisieren wird.
Die meisten Wellensittichbesitzer stellen sich in dieser Situation die
Frage, wie lange sie denn warten sollen, bevor sie ihrem unfreiwilligen
Einzelwelli wieder einen Partner schenken.
Diese Frage lässt sich leicht beantworten: So schnell wie möglich!
Oft zögern wir in Bezug auf einen Neuling, weil er nicht einfach ein
Ersatz sein und sein Vorgänger uns dadurch austauschbar erscheinen
soll. Diese Sichtweise ist menschlich. Nur geht es hierbei nicht um den
Menschen, sondern um das Wohl des Vogels, der nun auf einmal allein da steht.
Einen wichtigen Aspekt sollte man bei der Überlegung außerdem
nicht außer Acht lassen: Auch der Neuling sollte von einem vogelkundigen
Tierarzt untersucht werden. Egal woher, man kann in die Kleinen nicht hineingucken
und Krankheiten werden von ihnen möglichst lange verheimlicht.
Ein Vogel kann noch so gut aussehen, ob er an einer Krankheit oder Parasiten
leidet, kann nur der vogelkundige Tierarzt herausfinden.
Solange die Untersuchungsergebnisse des Tierarztes nicht da sind, muss eine
räumliche Trennung der Tiere eingehalten werden.
Wartet man also länger mit der Aufnahme einen Neuzugangs, verlängert
sich dementsprechend die Zeit des Alleinseins für den hinterbliebenen
Wellensittich unnötig.
Der ersehnte Tag ist da, der Tierarzt gibt sein "Okay", die Tiere können zusammen. Wie geht man jetzt am besten vor?
Logischerweise sind ja zwei Käfige vorhanden, sonst hätte man
die Tiere ja nicht trennen können (für etwaige Krankenaufenthalte
ist ein 2. Käfig nie verkehrt). Am besten stellt man die Käfige
nebeneinander, so können sich die Wellensittiche schon einmal "beschnuppern".
Wie man sich dann weiter verhält, darüber scheiden sich die Geister,
außerdem ist es auch von den Wellensittichen an sich abhängig.
Die unproblematischste Variante ist wohl, dass man dem Alteingesessenen
Freiflug gewährt und beobachtet, wie die Vögel miteinander umgehen.
Ist gegenseitiges Interesse da, kann man kurzerhand den Käfig des Neulings
öffnen. Der Oldie zeigt dem Newbie für
gewöhnlich wo es langgeht, wo er das offene Türchen findet, wo
der Spielplatz ist, wie lecker Hirse ist usw.
Der Neue orientiert sich meist stark an dem schon vorhandenen Wellensittich,
so dass sie abends in der Regel zusammen in den gleichen Käfig gehen,
sich den Bauch voll schlagen und fortan gemeinsam das Zimmer unsicher machen.
Allerdings gibt es auch Fälle, wo das Aufeinandertreffen etwas reservierter
von statten geht. Dann ist es ratsam, mit dem Freiflug des Zugezogenen zu
warten, bis dieser vom Käfig aus seine neue Umgebung etwas kennen lernen
konnte.
Spätestens nach einer Woche sollte aber auch in diesem Fall der Käfig
geöffnet werden. Den Rest machen dann die Wellensittiche unter sich
aus.
Für den Menschen gilt: Einfach abwarten, wie der Newbie sich verhält.
Fliegt er mit dem Anderen, super! Fliegt er nicht, sondern bleibt im Käfig
sitzen, nicht rausscheuchen, sondern Geduld haben. Das wird schon. Bisher
hat noch jeder Wellensittich die Gesellschaft der Einsamkeit vorgezogen.
Den zweiten Käfig sollte man solange stehen lassen, bis es sich der
Neuzugang bei dem Alteingesessenen im Käfig gemütlich gemacht
hat. Wellensittiche sind nun mal gesellige Tiere, das macht die Vergesellschaftung
recht einfach. Es kann schief gehen, aber das ist wirklich sehr selten und
sollte niemanden von der Anschaffung eines neuen Partners abhalten.
Ist der Oldie eine Henne kann es vorkommen, dass sie ihr Revier gegen den Hahn verteidigt. In diesem Fall kann ein umdekorieren des Käfigs oder auch ein ganz neuer Käfig helfen. Die Henne "verliert" ihr angestammtes Revier und bezieht zusammen mit dem neuen Hahn ein neues.
In diesem Fall gibt es den Vorteil, dass der Partner des verstorbenen Wellis nicht ganz allein ist, sondern immer noch andere Wellensittiche um sich hat.
Je nachdem wie die Schwarmkonstellation ist, kann man nun unterschiedlich
handeln: Vielleicht hat der hinterbliebene Welli die Möglichkeit, bei
einem der anderen Vögel Anschluss zu finden? Eventuell handelte es
sich bei dem Pieper, der gestorben ist, auch um einen Außenseiter?
Die Entscheidung, ob, wann und wenn ja was für ein neuer Wellensittich
Einzug halten soll, kann also von der Größe des Schwarms und
den Beziehungen seiner Mitglieder untereinander abhängig gemacht werden.
Aus den unterschiedlichsten Gründen kann man sich dafür entscheiden,
nicht noch einmal einem Wellensittich bei sich ein neues Zuhause zu bieten.
Nach jahrelanger Welli-Haltung möchte man diese aufgeben, den Schmerz
über den Verlust des verstorbenen Tieres möchte man nicht noch
einmal durchleben oder, oder, oder.
Dann sollte man auch hier im Sinne seines Sittichs handeln und nicht egoistisch
danach gehen, dass man nicht auch noch diesen kleinen Freund hergeben möchte.
Für ihn wäre es eine Zumutung, bis an sein Lebensende das Dasein
eines Einzelvogels führen zu müssen. Er kann ja schließlich
nichts dafür.
Also, auch wenn der Schritt schwer fällt, ist es besser für den
Sittich, wenn man schnellstmöglich nach einem neuen Zuhause mit weiteren
Artgenossen sucht, um ihn dorthin abzugeben.
BLu