Der Wellensittich

Wellensittich

In einer verkürzten Systematik lässt sich die Art wie folgt spezifizieren: Dem Reich der Tiere (Animalia) zugehörig, zählen sie zur Klasse der Vögel (Aves). Innerhalb der Ordnung der Papageien (Psittaci) gehören sie zu der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae). In der Unterfamilie der Plattschweifsittiche (Platycercinae) bilden sie die Gattung Wellensittiche (Melopsittacus). Der wissenschaftliche Name der Art Wellensittich lautet Melopsittacus undulatus. Eine Unterart ist nicht bekannt. Häufig findet man zum lateinisch/griechischen Namen noch die Ergänzung Shaw 1805. Hiermit wird auf den Briten George Shaw verwiesen, der den Wellensittich 1805 erstmals wissenschaftlich unter dem Namen Psittacus undulatus beschrieb. Bereits 1794 erwähnte Shaw Wellensittiche in seinem Buch Zoologie of New Holland (frühere Bezeichnung für Australien). Der heute gültige Name der Art geht auf den Zoologen John Gould zurück, der in seinem siebenbändigen Werk The birds of Australia als Erster die Bezeichnung Melopsittacus undulatus einführte. Der Begriff steht ungefähr für die Bezeichnung melodisch singender und gewellter Sittich. Wo der Hinweis auf die Wellenzeichnung allgemein nachvollziehbar ist und Pate für den deutschen Namen Wellensittich wurde, sollte man den Hinweis auf die melodische "Sprache" der kleinen Papageien sicher nicht im Vergleich zu einheimischen Singvögeln sehen, sondern als eine Sonderstellung (wenn auch nicht Alleinstellung) innerhalb der Ordnung der Papageien.

Aussehen der Sittiche

Die Wildform der Art wird ca. 18 cm lang. Stirn und Kehle sind gelb, die Wangenflecken sind blau, sechs schwarze Kehltupfen runden die Maske ab. Die Wellenzeichnung zieht sich kräftiger werdend vom Scheitel über die Flügel bis zum Rücken. Der Bauch und die Unterseite der Flügel sind grün. Die Schwanzfedern sind blaugrün gefärbt Die Farbe des Schnabels ist beige. Jungvögel wirken etwas matter in den Farben. Männliche und weibliche Wellensittiche können anhand des Gefieders nicht unterschieden werden. Als einziges geschlechtsspezifisches Unterscheidungsmerkmal kann die Wachshaut der Vögel gelten. Bei weiblichen Tieren ist sie beige bis braun und bei männlichen Tieren blau. Die Wachshaut bietet auch das einzige äußerlich erkennbare Merkmal für die Brutlust der Sittiche. Sowohl bei den Hennen als auch bei den Hähnen zeigt sich die Wachshaut dann in einem deutlich kräftigeren Farbton.

Verbreitung und Lebensweise

In der australischen Heimat finden sich Populationen der Schwarmvögel auf dem gesamten Festland. Ausnahmen sind die Küstenregionen und große Waldgebiete. Dem trockenen Klima großer Gebiete ihres Lebensraumes begegnen Wellensittiche mit einer nomadischen Lebensweise. Das Leben im Schwarm bietet den Wellensittichen dabei einen größeren Schutz vor Fressfeinden wie Schlangen. Das Gemeinwohl ist wichtiger, als das Wohl des Einzelnen. Ein kränklicher Vogel gefährdet den gesamten Schwarm. Eine mögliche Erkrankung verbergen die Vögel deshalb möglichst lange, damit sie nicht aus dem Schwarm ausgestoßen werden.

Die hauptsächliche Nahrungsquelle der Tiere sind Grassamen. Eines der wichtigsten Gräser ist Spinifex. Der Eingriff des Menschen in den Lebensraum der Wellensittiche hat zum Einen zur Umleitung von bisherigen Wasservorkommen geführt, andererseits aber mit der Schaffung von Viehtränken neuen Zugang zu Wasser geschaffen. Die Grenze von Nutzen zu Schaden für die Wellensittiche wird an diesem Punkt kontrovers diskutiert.

Der Tagesablauf der Vögel beginnt am frühen Morgen mit der Nahrungssuche, während der die einzelnen Schwarmmitglieder miteinander in Sicht- und/oder Rufkontakt bleiben. Die heißen Mittagsstunden werden gerne im Schutz hoher Eukalyptusbäume verbracht, bevor am frühen Abend der gesamte Schwarm wieder zur Nahrungssuche auffliegt. Die Nacht verbringt der Schwarm auf einem gemeinsamen Schlafbaum. Als Strichvögel halten sie sich in einer Region nur solange auf, wie die klimatischen Verhältnisse ein ausreichendes Nahrungs- und Wasserangebot ermöglichen. Die Wanderbewegungen der kleinen Papageien und ihrer Artgenossen konnten allerdings bis heute noch nicht wissenschaftlich aufgezeichnet werden. Während man früher verschiedene Faktoren wie Tageslicht, Temperatur, Wasservorkommen in Betracht zog, gilt heute das Nahrungsvorkommen als Hauptfaktor für den Zug der Schwärme oder die einsetzende Bruttätigkeit.

Fortpflanzung in der Natur

Sobald die Versorgung mit Nahrung und Wasser für längere Zeit gewährleistet ist, beginnen Wellensittiche mit der Balz. Das Männchen umwirbt das Weibchen. Elemente der Balz sind: Schnäbeln, Füttern des Weibchens, Kraulen, Anstupsen des Flügelbugs, erregtes Trippeln und Kopfnicken. Nimmt das Weibchen die Werbung an, darf das Männchen das Weibchen besteigen und es kommt zur Kopulation. Wellensittiche sind Höhlenbrüter. Ein Gelege kann aus vier bis acht Eiern bestehen. Das Weibchen bebrütet die Eier und wird dazu und zur Versorgung der Nestlinge liebevoll vom Männchen gefüttert. Die Brutdauer beträgt achtzehn, die Nestlingszeit achtundzwanzig bis zweiunddreißig Tage. Flügge geworden, sind die jungen Wellensittiche dagegen schon nach kurzer Zeit auf sich allein gestellt.

Man hat beobachtet, dass sich die Jungvögel nach der Brut zu eigenen Schwärmen zusammenschließen. Das bereits oben angesprochene maßgebliche Kriterium für die Brut ist die Verfügbarkeit von Nahrung. Selbst wenn Wasser noch hinreichend vorhanden ist, verlassen die Wellensittiche das Brutgebiet, wenn das Nahrungsvorkommen unerwartet früher zur Neige geht als für die Aufzucht notwendig. Die zurückbleibenden Jungtiere sind in diesem Fall rettungslos verloren. Diese scheinbare Grausamkeit der Natur dient allein der Arterhaltung. Würde nämlich der rechtzeitige Zeitpunkt zum Verlassen des Gebietes verpasst, wäre der gesamte Schwarm gefährdet. Der Zug des Schwarms in ein anderes Gebiet bietet jedoch die Chance auf eine erfolgreiche neue Brut.

Geschichte der Wellensittiche

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) stammt ursprünglich aus Australien und wurde von dem englischen Zoologen George Shaw 1794 zum ersten Mal in dem Buch 'Zoology of New Holland' erwähnt. Im Jahr 1805 schrieb Shaw den ersten wissenschaftlichen Artikel über den Wellensittich, daher wird seine Entdeckung oftmals auf das Jahr 1805 datiert. Der Name leitet sich ab vom Griechischen mélos = Gesang, Klagelied sowie den lateinischen Wörtern psittacus = Papagei oder Sittich und undulatus = gewellt.

zwei grüne Wellensittiche
Zwei männliche grüne Wellensittiche, links normal hellgrün, rechts normal dunkelgrün

Bis 1832 waren erst zwei tote Wellensittiche nach Europa gelangt, 1835 wurden dann die ersten Wellensittiche nach England gebracht, in diesem Fall waren es aber wieder nur tote Exemplare. Seit 1840 werden sie als Ziervögel gehalten und schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Wellensittich gezüchtet. Der erste Zuchterfolg der Welt gelang 1846 Saulnier in Frankreich. 1850 kamen dann die ersten Exemplare nach Deutschland und 1855 gab es auch in Deutschland die ersten Zuchterfolge. Zucht wurde notwendig, um den Bedarf zu decken, denn 1894 wurde in Australien ein Ausfuhrverbot für Wellensittiche verhängt und auch schon vorher überlebten viele Tiere den Transport nicht. Früher wurde der Wellensittich hierzulande noch Undulatus-Papagei genannt. Heutzutage ist der Wellensittich wahrscheinlich die am häufigsten gehaltene Papageienart weltweit.

Durch verschiedene Kreuzungen entstanden nach und nach immer neue Farbvariationen und auch im Aussehen unterscheidet sich der domestizierte Wellensittich in einigen Punkten von der Wildform. 1878 gelang es einem belgischen Züchter, den ersten blauen Wellensittich zu züchten. Mögliche Gefiederfarben allgemein sind schwarz, weiß, gelb, grün, blau, mauve, oliv, braun und grau. Es ist bis heute nicht gelungen rote Wellensittiche zu züchten, obwohl schon mehrfach versucht wurde rote Sitticharten einzukreuzen. Auch bei der Gefiederzeichnung gibt es heutzutage Abweichungen, so gibt es zum Beispiel Farbschläge, bei denen die Gefiederzeichnung völlig verschwunden ist. Der Wellensittich wurde oftmals als Objekt der Genetik zu Forschungszwecken gekreuzt, so versuchte man beispielsweise, die Mendelschen Vererbungsregeln an ihm nachzuweisen.

Über die Jahre entwickelten Züchter eine Wunschvorstellung des idealen Wellensittichs, der mit der Wildform kaum noch etwas gemeinsam hat. Das Ziel des Zuchtstandards ist es, möglichst große und buschige Wellensittiche hervorzubringen, so genannte Standardsittiche. Diese Art weist neben der Größe auch deutlich mehr Kehltupfen auf als die Wildform, die nur 6 Kehltupfen hat.

Auch in der Haltung hat sich einiges verändert. Ging man früher noch davon aus, dass zum Beispiel kleine Rundkäfige für einen Wellensittich ausreichend seien, oder dass man die Tiere getrost allein halten könnte, so macht man sich heutzutage glücklicherweise doch mehr Gedanken um die artgerechte Haltung der gefiederten Hausgenossen. Nach und nach setzen sich die neuen Haltungsstandards durch, auch wenn leider immer noch sehr viele einzeln gehaltene Wellensittiche ein trauriges Dasein fristen müssen.

Der Sittich als Haustier

Bereits Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fanden die ersten Wellensittiche noch als Wildfang Einzug in die Häuser begüterter meist adliger Bevölkerungskreise. Wie viele der Vögel dabei auf dem Seeweg zu Tode kamen, ist kaum zu ermessen. Sehr schnell setzten allerdings Zuchterfolge ein, die spätestens mit dem Ausfuhrverbot wilder Wellensittiche ab 1884, ein gutes Geschäft versprachen. Waren die ersten Farbabweichungen noch Zufallsprodukte, begann zu dieser Zeit bereits die Selektion nach Farbschlägen. Die meisten der heute bekannten Farbschläge entstanden in Ihrer Grundform in den vierzig Jahren zwischen 1880 und 1920.

Obwohl die Zucht bis heute bei unseren beliebten Heimvögeln eine Vielzahl an Farbschlägen, verschiedene Größen (Hansi-Bubi, Standard) und Gefiederveränderungen (Haubenwellensittich) mit deutlichen Abweichungen von den wildfarbenen Wellensittichen hervorgebracht hat, ähneln unsere gefiederten Haustiere ihren wilden Verwandten in Australien in Verhalten und Nahrungsanforderungen sowie in ihren sozialen Bedürfnissen. Beispielhaft seien nur ihr Tagesrhythmus oder die gegenseitige Gefiederpflege erwähnt. Heutzutage werden die kleinen Papageien auf der ganzen Welt in Käfigen und Volieren gehalten und gezüchtet.

 

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Leni

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